Jerrel „Jimmy“ Floyd Hasselbaink (* 27. März 1972 in Paramaribo, Suriname, Königreich der Niederlande) ist ein ehemaliger niederländischer Fußballspieler und heutiger -trainer. Bekannt wurde er nach dem Karrierestart in den Niederlanden und Portugal vor allem als torgefährlicher Angreifer im englischen Fußball und er war in den Jahren 1999 und 2001 Torschützenkönig der Premier League. Er absolvierte zwischen 1998 und 2002 für die Niederlande 23 Länderspiele und war Teil des 1998er WM-Kaders von „Oranje“. Größte Vereinserfolge waren für ihn der Gewinn der Vizemeisterschaft 2004 mit dem FC Chelsea sowie das Erreichen dreier Pokalfinalpartien mit Chelsea 2002 (FA Cup), dem FC Middlesbrough 2006 (UEFA-Pokal) und dem walisischen Klub Cardiff City 2008 (erneut FA Cup), die jedoch allesamt verloren gingen.
Karrierestart in den Niederlanden und Portugal
Hasselbaink kam als jüngstes Kind mit fünf weiteren Geschwistern in Suriname zur Welt. Im Oktober 1978 zog seine Mutter mit ihm und drei weiteren Kindern nach Zaandam in die Niederlande. Erste Erfahrungen im Fußball sammelte er zunächst bei Gestaagt Volharding Overwint (GVO). Dort stand er anfänglich sogar im Tor, bevor er für den Zaansche Football Club (ZFC) und Zaanlandia auf rechten Flügelspieler umschulte. Abseits des Sports wuchs er in einem sozialen Brennpunkt auf und als Mitglied einer Jugendbande verbrachte er nach einem Diebstahl drei Monate in einer Besserungseinrichtung. Danach schloss er sich dem Jugendteam von DWS an, wurde aber wieder ausgeschlossen, nachdem er einem Spieler der ersten Mannschaft die Uhr geklaut hatte. Seine Laufbahn im Erwachsenenfußball begann dann bei Telstar und auch dort wurde er den schlechten Umgang nicht los. Zahlreiche Disziplinarstrafen aufgrund seiner wiederholten Unpünktlichkeit waren die Folge und im Jahr nach seinem Debüt am 27. Oktober 1990 gegen VVV-Venlo (0:2) entließ ihn Cheftrainer Niels Overweg, nachdem er erneut nicht rechtzeitig zum Spiel aufgekreuzt war. Er trainierte danach beim AZ Alkmaar mit, wo bereits sein Bruder Carlos spielte, und erhielt kurz darauf einen Profivertrag. Bei zum Ende der Saison 1992/93 absolvierte Hasselbaink insgesamt 46 Zweitligaspiele und schoss dabei fünf Tore, bevor Trainer Henk Wullems sich gegen die Fortführung des Engagements entschied. Er spielte danach vergeblich beim FC Eindhoven vor, wurde sich nicht final handelseinig mit dem PEC Zwolle und trainierte während der Saison 1993/94 mit dem HFC Haarlem. Wettkampfmäßig war er nur im Amateurfußball für Neerlandia unterwegs und er suchte verstärkt im Ausland nach einem Profiengagement. Diesbezüglich verbrachte er auch ein wenig Zeit in Österreich bei Admira Wacker.
Schließlich überzeugte er im August 1995 in Portugal mit Manuel Fernandes den Trainer des Erstligaaufsteigers SC Campomaiorense. Es war auch die Geburtsstunde seines Spitznamens „Jimmy“, den er von dem Präsidenten des Vereins hielt. Dieser wollte seine Verpflichtung zunächst geheim halten und gab schlicht an, „einen Jimmy“ angeheuert zu haben. Hasselbainks Start verlief holprig und nach vier torlosen Spielen verschoss er im fünften einen Elfmeter. Hier zog er sich zusätzlich den Unmut auf sich, weil er sich gegenüber dem etatmäßigen Schützen Stanimir Stoilow „vorgedrängelt“ hatte, aber seine späteren zwei Tore zum 2:0-Sieg gegen Gil Vicente rehabilitierten ihn anschließend. Der kleine Verein sollte letztlich die Saison nicht überstehen und stieg nach nur einem Jahr der Erstklassigkeit wieder ab. Hasselbaink wechselte daraufhin im Sommer 1996 zu Boavista Porto. In einer turbulenten Saison 1996/97, in der mit Zoran Filipović und João Resende Alves zwei Trainer den Verein vorzeitig verlassen mussten und die dann mit Rui Casaca zu Ende gespielt wurde, erreichten die „Panther“ in der Liga nur einen enttäuschenden siebten Platz. Dennoch endete Hasselbainks erstes Jahr erfolgreich mit dem Gewinn des portugiesischen Pokals und auch in der Meisterschaft war er als Mittelstürmer zweitbester Torjäger hinter Mário Jardel gewesen. Gleich zweimal waren ihm drei Treffer in einem Spiel gelungen beim 3:0 gegen Marítimo Funchal und beim 7:0 gegen Gil Vicente (dort tat es ihm sein Mannschaftskollege Nuno Gomes gleich). Im Pokalfinale musste er nach Unstimmigkeiten rund um seinen bevorstehenden Wechsel nach England mit Trainer Casaca zwar auf der Bank Platz nehmen, aber gegen Spielende half er nach seiner Einwechslung für Erwin Sánchez bei der Verteidigung des 3:2-Vorsprung gegen Benfica Lissabon.
Leeds United & Atlético Madrid
Für eine Ablöse von zwei Millionen Pfund zog es Hasselbaink im Sommer 1997 in die Premier League zu Leeds United. Zwar musste er nach dem ersten Tor beim Einstand gegen den FC Arsenal bis zu seinem neunten Ligaauftritt auf den nächsten Treffer warten, aber von dort an traf er regelmäßig ins gegnerische Gehäuse. Am Ende waren es 16 Premier-League-Saisontore, die maßgeblichen Anteil daran hatten, dass er den Sprung in den Kader der niederländischen Nationalmannschaft schaffte. Im zweiten Jahr an der Elland Road war Hasselbaink noch treffsicherer und mit 18 Toren in 36 Ligabegegnungen wurde er (gemeinsam mit Michael Owen und Dwight Yorke) Torschützenkönig in der Premier League. Die gestiegenen Erwartungen im Anhang von Leeds United erhielten dann jedoch einen Dämpfer, als Hasselbaink mit sehr hohen Gehaltsforderungen an die Vereinsführung herantrat und da diese nicht erfüllt wurden, wechselte er zu Beginn der Saison 1999/2000 nach Spanien zu Atlético Madrid, wobei der Transfererlös von zwölf Millionen Pfund zumindest eine deutliche Gewinnspanne innerhalb von zwei Jahren für Leeds nach sich zog.
In Madrid behielt er seine Torgefährlichkeit bei und schoss 24 Ligatore im Verlauf der Saison 1999/2000 (und damit genau die Hälfte seines Teams insgesamt sowie die zweitmeisten ligaweit). Dies genügte jedoch nicht für den Klassenerhalt und Atlético stieg letztlich als Vorletzter in die zweite Liga ab. Daneben waren ihm sieben Tore im UEFA-Pokal für Madrid gelungen, so dass klar war, dass ein erneuter Wechsel nach nur einem Jahr anstand. So zog es ihn im Juni 2000 zurück nach England und er heuerte für eine Ablöse von 15 Millionen Pfund beim FC Chelsea an.
Die „Blues“ hatten ihn im Jahr zuvor schon verpflichten wollen, waren aber dem Veto von Leeds United gescheitert, das den Torjäger nicht einem direkten Titelkonkurrenten zu übergeben bereit war. Bei seinem Debüt im englischen Supercup schoss er ein Tor zum 2:0-Sieg gegen Manchester United. Obwohl Chelsea nur langsam in Fahrt kam und früh seinen Trainer Gianluca Vialli entließ, fand Hasselbaink unter dem Nachfolger Claudio Ranieri, der kurz zuvor noch mit ihm bei Atlético Madrid gewesen war, zu seiner guten Form zurück. Am 21. Oktober 2000 schoss er vier Tore beim 6:1 gegen Coventry City, denen er zwei Treffer zum 3:0 gegen Tottenham Hotspur eine Woche später folgen ließ. Am Ende der Saison 2000/01 hatte er in 35 Premier-League-Partien 23 Mal getroffen und damit die Torjägerliste angeführt. Zwar keimte gelegentlich Kritik an seiner angeblich „egoistischen“ Spielweise in Bezug auf die „Mannschaftsdienlichkeit“ auf, aber auch bei den Assists hatte er teamintern den besten Wert. In der Saison 2001/02 egalisierte Hasselbaink seine Ligatorausbeute und gemeinsam mit Eiður Guðjohnsen bildete er ein gefährliches Sturmduo, das wettbewerbsübergreifend 52 Tore schoss. Hasselbaink war besonders in den Pokalwettbewerben auffällig und nach dem Einzug ins Ligapokalhalbfinale schoss er im Hinspiel gegen Tottenham zwei Tore, bevor eine 1:5-Pleite in der zweiten Partie das Ausscheiden bedeutete – hier sollte er sogar fälschlicherweise vom Platz gestellt werden, obwohl sein Mitspieler Mario Melchiot das zu ahndende Foul an Teddy Sheringham begangen hatte. Sechs Wochen später nahm Chelsea im FA-Cup-Viertelfinale Revanche an Tottenham und Hasselbaink steuerte drei Tore zum 4:0 bei. Er verletzte sich danach im Vorfeld der Ligapartie gegen den FC Middlesbrough, und im FA-Cup-Finale gegen den FC Arsenal war er offensichtlich nicht vollständig wiederhergestellt. Er wurde schließlich beim Stand von 0:0 in der 68. Minute für Gianfranco Zola ausgewechselt und musste sich so die folgende 0:2-Niederlage von außerhalb anschauen.