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Jerusalemer Tempel

Antiker Tempel an der Stelle der heutigen al-Aqsa Moschee

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Der Jerusalemer Tempel (hebräisch Bet HaMikdasch) befand sich auf dem Tempelberg in Jerusalem.

Mit dem Begriff werden zwei Heiligtümer aus unterschiedlichen Zeiten bezeichnet, die beide heute nicht mehr vorhanden sind:

Erster Tempel oder Salomonischer Tempel: Hauptheiligtum des Königreichs Juda, zerstört bei der Eroberung Jerusalems 587/586 v. Chr. durch die Neubabylonier. Damit verlor die JHWH-Religion ihren Mittelpunkt. Große Teile der Bevölkerung wurden ins babylonische Exil deportiert.

Zweiter Tempel: Hauptheiligtum der aus dem Exil zurückgekehrten Judäer, erbaut unter dem persischen Statthalter Serubbabel um 515 v. Chr., mehrfach umgebaut und unter Herodes dem Großen stark erweitert und neu konzipiert (Herodianischer Tempel); bei der Eroberung Jerusalems durch römische Truppen im Jahr 70 n. Chr. geplündert, in Brand gesetzt und zerstört.

Das Aussehen sowie die Einrichtung beider Tempel werden in antiken Schriftquellen beschrieben. Ihre Auslegung ist Thema der Bibelwissenschaft (Altes Testament) und der Judaistik.

Die Umfassungsmauern der herodianischen Tempelplattform (nicht das eigentliche Tempelgebäude) sind teilweise in den heutigen Umfassungsmauern erhalten. Ein Mauerabschnitt im Westen ist als Klagemauer bekannt und gilt heute als wichtigste heilige Stätte des Judentums. Diese Mauer hatte, während der Tempel bestand, noch keine besondere religiöse Relevanz.

Auf dem Tempelberg selbst stehen heute der Felsendom und die al-Aqsa-Moschee, die nach den heiligen Stätten in Mekka und Medina bedeutendsten Heiligtümer für Muslime.

In der Erwartung auf den kommenden Messias (hebräisch משיח maschiach) ist unter anderem eine Bedingung in der jüdischen Religion, dass der „jüdische Tempel in Jerusalem“ („Dritter Tempel“) wieder aufgebaut worden ist (Mi 4,1 ).

Der Tempel war in der Zeit seines Bestehens der zentrale Ort jüdischer Religiosität. Das Opfer (hebräisch קָרְבָּן qårbān „sich nähern“) oder das Opfern als Ritual war mit seinen Institutionen, seinen logistischen Versorgungssystemen und Priestern etc. fester und fundamentaler Bestandteil des religiösen Handelns.

In der Hebräischen Bibel und weiteren antiken Texte existieren keine „einheitlichen Eigenbezeichnungen“ für den Jerusalemer Tempel, sondern es werden unterschiedliche Bezeichnungen verwendet, je nach literarischem, kultischem oder theologischen Kontext. Vielmehr begegnet dem Leser eine Vielzahl von Benennungen, die unterschiedliche theologische Akzente widerspiegeln. Am häufigsten wird der Tempel als „Haus JHWHs“ (hebräisch בֵּית יְהוָה) bezeichnet, womit seine Funktion als Ort der göttlichen Gegenwart hervorgehoben wird (1 Kön 6,1 ; Jer 7,2 ). Eng damit verbunden ist die verkürzte Bezeichnung „das Haus“ (הַבַּיִת), die insbesondere in spätbiblischen Texten als eine gewissermaßen „eigennamehafte Kurzform“ fungiert (2 Kön 12,11 ).

Daneben erscheint der Begriff (הֵיכָל hēchal), der ursprünglich einen königlichen Palast bezeichnete und im Tempelkontext vor allem den inneren Sakralraum meint (1 Sam 1,9 ; Ps 11,4 ). Eine stärker kultisch-theologische Perspektive eröffnet die Bezeichnung מִקְדָּשׁ miqdāsch („Heiligtum“), die den Tempel als geheiligten Ort versteht und zugleich an das mobile Heiligtum der Wüstenzeit anknüpft (Ex 25,8 ). In nachexilischen Texten wird der Tempel zudem als „Haus Gottes“ (בֵּית אֱלֹהִים) bezeichnet, was die universale Dimension der Gottheit betont (Esr 3,8 ; Neh 11,16 ).

In der frühjüdischen Literatur der Zweiten-Tempel-Zeit treten neben den hebräischen Benennungen auch griechische Begriffe wie altgriechisch τὸ ἱερόν tò hierón („das Heilige“) oder ναός naós („Tempel“) auf, insbesondere in der Septuaginta und bei Flavius Josephus, diese stellen jedoch keine kultinternen Eigenbezeichnungen dar, sondern reflektieren eine hellenistische Außenperspektive.

Nach der Zerstörung des Tempels im Jahr 70 n. Chr. setzt im rabbinischen Judentum eine terminologische Konsolidierung ein. Die vorherrschende Bezeichnung lautet nun „Haus des Heiligtums“ (בֵּית הַמִּקְדָּשׁ), die in Mischna, Tosefta und Talmud nahezu ausschließlich verwendet wird (m. Middot 1,1; b. Joma 2a). Häufig begegnet auch die verkürzte Form הַמִּקְדָּשׁ („das Heiligtum“), die den Tempel als sakralen Bezugspunkt der Erinnerung und der Halacha markiert. Eine spätere, stärker systematisch-theologische Benennung ist „Haus der Erwählung“ (בֵּית הַבְּחִירָה), die insbesondere bei Maimonides begegnet und die einzigartige göttliche Erwählung des Tempelortes betont (Mischne Tora, Hilchot Beit ha-Bechirah 1,1).

Gottes Schöpfung und der Tempel

Die frühesten Schöpfungsaussagen in der Verbindung zum Tempel findet sich im Tanach nicht in der systematisch aufgebauten, priesterschriftlichen Erzählung von Gen 1,1–2,3 , sondern in den sogenannten Kultpsalmen, die liturgisch geprägte Theologeme zur Schöpfung enthalten. In diesen poetischen Texten tritt JHWH in der Metapher des „königlichen Schöpfers“ und „universalen Herrschers“ auf. So betont Ps 24,1–2 , dass „Erde“ und „Erdkreis“ JHWH gehören, da er sie „über den Meeren gegründet“ habe – ein Motiv, das auf einen Schöpfungsakt verweist, der durch Überwindung chaotischer Wassermächte gekennzeichnet ist. Auch Ps 50,12 unterstreicht Gottes „Besitzanspruch“: „Mein ist der Erdkreis und was ihn erfüllt.“ In Ps 89,12 wird dieser Anspruch weitergeführt: „Himmel und Erde“ gehören JHWH, da er sie gegründet (hebräisch יָסַד yasad) hat. Im Unterschied zur priesterlichen Schöpfungserzählung von Gen 1 , in der der Kosmos durch das „göttliche Wort“ in einer siebentägigen Ordnung entsteht, stellen die Psalmen die Schöpfung als souveränen Gründungsakt dar, der Gottes kosmische Macht und seine Herrschaft legitimiert.

Diese liturgischen Theologeme fügen sich in ein im Alten Orient verbreitetes, mythologisch strukturiertes Weltbild ein. Die Erde erscheint als „flache Scheibe“, die auf den „Urozeanen“ ruht (vgl. Ps 24,2 , Ps 33,8 ) und durch göttliche „Fundamente“ im „Urgrund“ stabilisiert ist (Ps 18,16 ). In ihrer Mitte erhebt sich ein „heiliger Berg“, auf dem der Tempel JHWHs thront – das Zentrum des Kosmos. Horizontal ist der Kosmos als System konzentrischer Kreise gedacht, die vom Tempel als Mittelpunkt ausgehen. Von der Sphäre des Chaos am Rand führt diese Ordnung zur göttlichen Nähe in der Mitte. Vertikal stellt der Tempel zugleich die Verbindung zwischen Himmel und Erde dar – eine „axis mundi“ –, an deren Schnittpunkt JHWH im Tempel wohnt und gleichzeitig über den Himmeln thront (Ps 11,4 , Ps 115,3 ). Im Unterschied zur priesterschriftlichen Schöpfungserzählung von Gen 1 , in der die Welt durch das „göttliche Wort“ in zeitlich geordneter Abfolge entsteht, offenbaren die Psalmen eine Schöpfungstheologie, in der die kosmische Ordnung sakral-zentriert und kultisch fundiert ist. Die Schöpfung wird nicht nur als Gründungsakt gedacht, sondern als räumlich strukturierte Welt, deren Mitte der Tempel als Ort göttlicher Präsenz und kosmischer Ordnung bildet.

Zeltheiligtum (Mischkan, Stiftshütte)

Im 2. Buch Mose (Ex 25–27 und Ex 36–39 ) ist die Konstruktion eines zerlegbaren und transportablen Zeltheiligtums, in dem die Bundeslade aufbewahrt wurde, detailliert beschrieben. Es wird „Zelt der Begegnung“ (Ex 27,21 ) genannt.

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