Jeremia (auch Jeremias; hebräisch יִרְמְיָהוּ Jirməjā́hû, auch יִרְמְיָה Jirməjâ; griechisch Ἰερεμίας Ieremías oder
יִרְמְיָהוּ בֶּן־חִלְקִיָּהוּ Jeremiah ben Hilkijahu, deutsch ‚Jeremia Sohn des Hilkijahu‘) ist einer der großen Schriftpropheten des Tanach (hebräische Bibel) und damit des Alten Testaments. Seit dem Mittelalter wird das Buch in 52 Kapitel unterteilt. Traditionell gilt Jeremia auch als Verfasser der Klagelieder Jeremias.
Der hebräische Name Jeremia wird im MT hauptsächlich יִרְמְיָהוּ jirməjāhû geschrieben (mit der Variante יִרְמְיָה jirməjāh in Jer 27,1 ). Es handelt sich um einen Satznamen. Das Subjekt (das theophore Element יָהוּ jāhû oder יָה jāh) ist JHWH, das Prädikat gehört zur Wurzel רום rwm „hoch sein / erhaben sein“. Der Name bedeutet daher „JHWH ist erhaben“.
Laut den Angaben zu Beginn des Jeremiabuches wurde der Prophet von Gott im 13. Regierungsjahr eines Königs Joschija (siehe Jer 1,2 ) berufen, was etwa dem Jahr 626 oder 627 v. Chr. entspricht. Die Datierung ist von den verwendeten Modellen abhängig. Es wird über sein Wirken zur Zeit der Könige Joschija, Joahas, Jojakim, Jojachin und Zedekia in Jerusalem berichtet, was vermutlich bis 585 v. Chr. dauerte. Er predigte dem Volk Israel Bekehrung und Umkehr zu JHWH und prophezeite jahrelang den Untergang Jerusalems und des Tempels, der im Jahr 586 v. Chr. durch den babylonischen König Nebukadnezar II. tatsächlich eintrat.
Das Buch ist eine wichtige Quelle für die Geschichte des ausgehenden Königtums im Südreich Juda. Es zeichnet ein detailliertes Bild der damaligen politischen und sozialen Verhältnisse. Viele der darin erwähnten Völker des Nordens finden sich auch in assyrischen und griechischen Quellen (Aschkenas, Gomer, Minni, Ararat (Urarṭu), Meder und Perser). Piotrovski versuchte Jeremia auch für die Geschichte von Urarṭu heranzuziehen und setzte auf Grund von Jer 51,27 (Feldzug von Ararat, Minni und Aschkenas – gewöhnlich als Skythen gedeutet – gegen Babel) das Ende von Urarṭu 590 oder 585 an. Diese Interpretation wird jedoch überwiegend abgelehnt, die meisten Forscher gehen davon aus, dass das Reich bereits Ende des 7. Jahrhunderts v. Chr. sein Ende fand.
Der Verfasser des Buches Jeremia bezeichnet den Propheten als Sohn des (Hohe-)Priesters Hilkija (Jer 1,1 ), der möglicherweise von Abjatar, dem von David nach Anatot (nach Jos 21,18 eine der Städte, die den Nachkommen des Priesters Aaron gegeben worden waren) verbannten Priester (1 Kön 2,26 ), abstammt. Ob dieser mit dem im 2. Buch der Könige (2 Kön 22,4 ) genannten Priester Hilkija identisch ist, ist höchst zweifelhaft. Jeremia stammt aus Anatot, dessen Bewohner ihm das Auftreten als Prophet ausreden wollen (Jer 11,18–23 ).
Eine priesterliche Prägung der Botschaft Jeremias, wie etwa beim Propheten Ezechiel, ist nicht erkennbar. Auch seine Stellung gegenüber der religiösen Reform (2 Kön 23 und 2 Chr 35 ) durch König Joschija, die auf das Jahr 622 v. Chr. datiert wird und hauptsächlich den jüdischen Gottesdienst im Jerusalemer Tempel sowie die Wiedereinführung des Pessachfest betraf, bleibt völlig unklar, da Jeremiaworte aus den Jahren zwischen der Reform und dem Tod von Joschija nicht überliefert sind.
In Jer. 43,4–7 wird berichtet, dass er von jenen regierenden Landsleuten, die von der Verschleppung Judas verschont geblieben waren, nach Ägypten verschleppt wurde. Spätere nicht-kanonische Schriften erzählen von seinem Leben dort und seiner Steinigung ca. 580 v. Chr.
Verschiedene Teile des Buches von Jeremia lassen sich der Form nach klar unterscheiden. Zum einen handelt es sich um Prophetenworte Jeremias, zumeist formuliert aus der Perspektive Jeremias, davon sind einzelne Sprüche in Reimform, dann gibt es psalmenartige Abschnitte und zum anderen gibt es eingeschobene Erzählungen und Berichte über Jeremia und sein Auftreten, formuliert in der dritten Person.
Kapitel 1–10 enthält die Berufung Jeremias als Prophet und Gerichtsworte,
Ein Teil davon ist die Tempelrede in Kapitel 7 und die Götzenpolemik in Kapitel 10 (vgl. Jes 44).
Kapitel 11–20 enthält Klagen und Gerichtsworte.
Markante Teile davon sind die Konfessionen Jeremias. Sie thematisieren die Einsamkeit des Propheten, der darum Gott anklagt.
Einprägsam sind auch die zahlreichen Zeichenhandlungen Jeremias: Der verdorbene Gürtel in Kapitel 13 und der zerschmetterte Krug in Kapitel 19.
Kapitel 21–24 enthält Worte an die Führenden: Jerusalem wird zerstört werden!
In Kapitel 25 folgt die Ansage des 70-jährigen Exils
Kapitel 26–29 enthält einen ersten Erzähltext über das Schicksal Jeremias. Hier wird Jeremia im Konflikt mit anderen Propheten gezeigt, u. a. dem Hofpropheten Hananja.
In Kapitel 30–35 folgen Heilsworte. Die Rede vom Neuen Bund in Kapitel 31 wird verdeutlicht durch den Ackerkauf in Anatot in Kapitel 32. Dies soll zeigen, dass Israel jenseits der bevorstehenden Zerstörung Jerusalems eine Zukunft hat.