Jens Munk (* 3. Juni 1579 in Barbu, heute ein Stadtteil von Arendal, Norwegen; † 28. Juni 1628 in Kopenhagen) war ein dänisch-norwegischer Seefahrer und Entdecker.
Munk war der außereheliche Sohn von Erik Munk († 1594), einem wegen seiner Verdienste im Dreikronenkrieg geadelten Offizier. Erik Munk fiel 1585 in Ungnade und wurde wegen Ehebruchs und Misshandlung seiner Leibeigenen auf Schloss Dragsholm eingekerkert. Jens Munks Mutter Anna Bartholomæidatter ließ sich mit ihren Kindern in Frederiksstad nieder. 1588 gab sie Jens zur Schwester seines Vaters, die mit dem Bürgermeister von Aalborg verheiratet war. Bereits mit zwölf Jahren fuhr er zur See. Nach einem sechsjährigen Aufenthalt in Brasilien kehrte Munk 1598 nach Dänemark zurück und fand eine Anstellung als Schreiber in der Handelsflotte.
Im Frühjahr 1608 kaufte Jens Munk ein älteres Schiff und segelte gemeinsam mit Jens Hvid nach Nowaja Semlja. Die Eisverhältnisse waren schwierig. Hvid blieb mit seinem Schiff an der Kanin-Halbinsel zurück, während Munk die Fahrt fortsetzte. Bei Kolgujew wurde sein Schiff vom Eis eingeschlossen und sank. Die Rückreise trat Jens Munk an Bord von Jens Hvids Schiff an, sodass er 1609 als verarmter Mann nach Kopenhagen zurückkehrte. Er hatte aber die Aufmerksamkeit des dänischen Könnigs Christian IV. erregt. Dieser schickte ihn 1610 mit zwei Schiffen, der Angelibrand und der Rytteren, auf eine Mission zur Erkundung einer möglichen Nordostpassage. Zudem hatte Munk den Auftrag, nach Walen Ausschau zu halten. Munk musste umkehren, bevor er die Karasee erreicht hatte. Die ganze Ausbeute bestand darin, dass er von der Insel Kildin eine Ladung Stockfisch nach Kopenhagen brachte.
Vom König zum Kapitän ernannt, nahm Munk von 1611 bis 1613 als stellvertretender Kommandant auf der Fregatte Heringnæs an dem für Dänemark siegreich verlaufenden Kalmarkrieg teil. Später wurde er Oberbefehlshaber des kleinen Kriegsschiffs Den Sorte Hund, das unter anderem an der Eroberung der Festung Älvsborg im Mai 1612 beteiligt war. Durch spektakuläre Aktionen in den folgenden Jahren, bei denen er z. B. unter Admiral Jørgen Daa († 1619) den Seeräuber Juan Mendoza († 1615) gefangen nahm, avancierte Munk zu einem der bedeutendsten Offiziere der königlichen norwegisch-dänischen Flotte.
Im Jahre 1619 erteilte ihm König Christian IV. den Auftrag, den Seeweg nach China durch die Nordwestpassage zu finden. Mit den beiden von ihm bei der Ausstattung selbst überwachten Schiffen Enhjørningen, einer kleinen Fregatte, und Lamprenen, einer Jagt, verließ Munk am 9. Mai 1619 Kopenhagen. Zu seiner 64-köpfigen Mannschaft (Enhjørningen: 48, Lamprenen 16) gehörte auch Rasmus Jensen, der als erster nach Kanada gekommener lutherischer Pfarrer gilt. Munk kreuzte zuerst in der Davisstraße bis 69° N und gelangte auch zur Frobisher-Bucht. Schwierigkeiten bei der Navigation und schlechte Witterungsbedingungen ließen ihn die Hudsonstraße, den Zugang zur Hudson Bay, zunächst verfehlen, und so benötigte er fast einen Monat, um schließlich im September 1619 in die Hudson Bay zu gelangen. Infolge dieser Verspätung wurden die Schiffe nahe der Mündung des Churchill River vom Eis eingeschlossen, und die darauf nicht vorbereitete Expedition sah sich zur Überwinterung gezwungen. Als das Eis im Juni 1620 aufbrach, waren 61 Besatzungsmitglieder durch Kälte, Hunger und Skorbut gestorben. Nur Jens Munk und zwei Besatzungsmitglieder hatten überlebt. Sie machten sich am 16. Juli 1620 mit der Jagt Lamprenen auf den Rückweg und erreichten am 20. September 1620 Bergen in Norwegen. Eine Gruppe von Indianern gelangte später an die Stelle, wo Munk überwintert hatte. Sie stießen auf eine Anzahl nicht beerdigter Leichen fremdartigen Aussehens und Munks hinterlassene Vorräte. Als sie das ihnen unbekannte Schießpulver anzündeten, wurden viele von ihnen getötet.
Zum Admiral befördert, setzte Munk seine militärische Karriere bis zu seinem Tod 1628 im Dienst der königlich-dänischen Flotte fort. Er hinterließ fünf Kinder: Jens, Knud, Cathrine, Erik und Adrian. Seine zweite Frau Margrethe Tagesdatter überlebte ihn.
Die kanadische Insel Jens Munk Island im Norden des Foxe Basin und das Jens-Munk-Plateau () im nördlichen Nunap Qeqqa (Jameson Land) in Grönland wurden Munk zu Ehren benannt.
Ein Bericht über seine erste Reise wurde 1623 in Kopenhagen veröffentlicht unter dem Titel Efterretning af Navigationen og Reisen til det Nye Danmark af Styrmand Jens Munk, eine neue Ausgabe besorgte Peter Lauridsen (Kopenhagen, 1883). Christian Carl August Gosch gab unter dem Titel Danish Arctic Expeditions 1605 to 1620, volume ii. Hakluyt Society, No. xcvii (London, 1897) eine englische Übersetzung heraus.
Jens Munk: Navigatio septentrionalis, Kopenhagen 1723 (dänisch)
C. C. A. Gosch: Danish Arctic Expeditions, 1605 to 1610. Book II: The Expedition of Captain Jens Munk to Hudson’s Bay in Search of a North-West Passage in 1619–20, Hakluyt Society, London 1897 (englisch)
Thorkild Hansen: Jens Munk. Aus dem Dänischen von Ruth Stöbling. Rostock: Hinstorff Verlag 1974
Otto Christensen: To the Edge of the World: Jens Munk and the Danish Search for the Northwest Passage, 1619-20. In: The Bridge. Band 41, Nr. 2, 2018, 9 (byu.edu).
Jens Munk. In: Dictionary of Canadian Biography. 24 Bände, 1966–2018. University of Toronto Press, Toronto (englisch, französisch).
Jens Munk's expedition, 1619–20 auf der Website des National Maritime Museum, Greenwich
Nathalie Vigsø Ladefoged: Jens Munk, 1579-1628. In: Danmarkshistorien. 9. Oktober 2025, abgerufen am 8. Juni 2026 (dänisch).