Jeffrey Edward Epstein (* 20. Januar 1953 in New York City; † 10. August 2019 ebenda) war ein amerikanischer Sexualstraftäter und Financier. 2019 wurde er angeklagt, einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten zu haben. Der Fall Epstein erregte weltweit Aufsehen. Epstein war gut vernetzt und zählte Prominente und hochrangige Politiker zu seinen Bekannten und Freunden.
In Untersuchungshaft starb er nach offiziellen Angaben durch Suizid. Die Todesumstände lösten einen Justizskandal aus, gefolgt von Spekulationen über ein mögliches Fremdverschulden.
Jeffrey Epstein wurde am 20. Januar 1953 in New York City geboren. Er wuchs in Sea Gate, einer Gated Community am westlichen Rand von Coney Island in Brooklyn, als Angehöriger einer jüdischen Mittelstandsfamilie auf. Er besuchte die Lafayette High School in Brooklyn, die er im Alter von 16 Jahren abschloss. Wie sein Bruder Mark interessierte sich Epstein früh für Mathematik. Von 1969 bis 1971 belegte er Kurse in Physik am College Cooper Union in Manhattan, ohne jedoch einen Abschluss zu erlangen. Im Jahre 1971 war Epstein am Courant-Institut für Mathematik an der New York University eingeschrieben, wo er Kurse in „Mathematischer Physiologie des Herzens“ belegte; dort erlangte er ebenfalls keinen Abschluss.
Von 1973 bis 1975 war er Lehrer an der Dalton School, einer exklusiven Privatschule an der Upper East Side in Manhattan. Der Schulleiter, der ihn im Alter von 20 Jahren trotz seiner lückenhaften akademischen Ausbildung einstellte, war Donald Barr, der die Schule kontrovers führte und für eigenwillige Personalbeschaffung bekannt war; Barr verließ die Schule, bevor Epstein dort mit seiner Arbeit begann.
Ein an der Wall Street tätiger Vater eines Schülers war so beeindruckt von Epstein, dass er ihn an Alan Courtney „Ace“ Greenberg (1927–2014) verwies, der damals Vorstand bei der Investmentbank und Anlagevermittlungsagentur Bear Stearns war, eine der größten Banken der Wall Street.
Im Jahre 1976 heuerte Epstein bei Bear Stearns als Junior-Assistent eines Parketthändlers an der American Stock Exchange an und stieg unter seinen Mentoren Greenberg und James E. Cayne zügig auf. Greenberg suchte zu dieser Zeit für Bear Stearns bevorzugt Mitarbeiter, die er PSDs nannte: Arm (Poor) – Schlau (Smart) – Wunsch, reich zu werden (Desire to become rich), und denen die Abschlüsse dazu fehlten. Zu dieser Zeit begann der Handel mit Optionen. Um Optionen zu handeln, musste man sie bewerten. Dafür war das Beherrschen mathematischer Konzepte wie des Black-Scholes-Modells erforderlich. Jimmy Cayne von Bear Stearns sagte über Epstein: „Aufgrund seines mathematischen Hintergrunds haben wir ihn in unsere Abteilung für Spezialprodukte aufgenommen, wo er unsere wohlhabenderen Kunden über die steuerlichen Auswirkungen ihrer Portfolios beriet. Er sollte bestimmte, steuerlich vorteilhafte Transaktionen empfehlen. Er ist ein sehr kluger Kerl und auch für das Unternehmen ein sehr wichtiger Kunde geworden.“ Im Jahr 1980 war er Limited Partner bei Bear Stearns, verließ die Firma aber ein Jahr später unter unklaren Umständen. Im selben Jahr gründete Epstein sein eigenes Unternehmen, die Intercontinental Assets Group Inc., deren Sitz in New York eingetragen wurde. Geschäftszweck war die Unterstützung von Kunden bei der Geltendmachung von Rückforderungsansprüchen gegen betrügerische Makler und Anwälte.
Im Jahre 1981 wurde Epstein bei einer Reise nach England mit seiner Freundin Paula Heil Fisher, die bei Bear Stearns gearbeitet hatte, mit der Familie Leese (TRW Inc.) bekannt gemacht. Der britische Waffenhändler Douglas Leese wurde Epsteins Mentor und Epstein daraufhin von Mitgliedern des berüchtigten Bullingdon Clubs in Oxford, darunter auch von dessen ältestem Sohn Nick Leese, in die Kreise des Establishments eingeführt. Douglas Leese gilt als der Architekt des Al-Yamamah-Deals, des größten Waffenauftrags der britischen Geschichte, bei dem britische Kampfjets an die Royal Saudi Air Force verkauft wurden. Der Exportvertrag brachte dem britischen Unternehmen BAE Systems einen Umsatz von 43 Milliarden Pfund ein. Leeses Name tauchte im Zusammenhang mit den Korruptionsuntersuchungen zu dem Al-Yamamah-Deal im Parlament auf; Leese wurde beschuldigt, im Auftrag von British Aerospace über die Offshore Bank of NT Butterfield in Bermuda geheime Aufträge abgewickelt zu haben. Auf saudischer Seite wurde von Waffenhändler Adnan Khashoggi vermittelt, der mit Geschäften zwischen Saudis und dem Westen Milliarden verdiente. Khashoggi war in die Iran-Contra-Operationen verwickelt. Während Epsteins letztendlichem Prozess wurde in seinem Safe ein gefälschter österreichischer Reisepass gefunden, der Saudi-Arabien als Wohnsitz angab – dieser Reisepass war in den 1980er Jahren aktiv genutzt worden, um in mehrere europäische Länder und nach Saudi-Arabien zu reisen.
Epstein arbeitete bis 1987 für Douglas Leese und wurde dann von Steven Hoffenberg angeheuert.
Im Jahre 1987 stellte Steven Hoffenberg Epstein als Berater für die Towers Financial Corporation in Büroräumen in den Villard Houses in Manhattan ein. Er zahlte ihm monatlich 25.000 US-Dollar und gewährte ihm 1988 ein Darlehen in Höhe von 2 Millionen Dollar, das Epstein nie zurückzahlte.
Im Jahre 1993 implodierte die Towers Financial Corporation als eines der größten Ponzi-Systeme der US-Geschichte: Die Investoren verloren über 450 Millionen US-Dollar. Laut Hoffenberg war Epstein eng in das System involviert. Epstein hatte das Unternehmen kurz vor dem Zusammenbruch verlassen und wurde nie für seine Beteiligung belangt. Ob er während seiner sechsjährigen Beteiligung an dem Towers-Ponzi-System Gelder für sich selbst abzweigte, ist unbekannt. Hoffenberg wurde zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, aber ein großer Teil der fehlenden Gelder wurde nicht wiedergefunden.
Im Jahre 1982 gründete Epstein eine in New York ansässige Vermögensverwaltung, die J. Epstein & Co., nach eigenen Angaben spezialisiert auf Geldanlagen für Milliardäre.
Die Bedingungen der J. Epstein & Co. waren hoch: Er verlangte eine umfassende Vollmacht und übernahm somit die vollständige Kontrolle über das Kundenvermögen. Nach eigenen Angaben vereinte er als „Architekt“ die Rollen eines Immobilienmaklers, Buchhalters, Anwalts, Geldverwalters, Treuhänders und Vertrauten, um den Umbau der chaotisch gewachsenen Vermögensstrukturen seiner individuellen oder familiären Kunden zu gestalten. Dafür berechnete er eine jährliche Pauschalgebühr. Ausgehend von der konservativen Annahme, dass Epstein 0,5 % Gebühr verlangte, hätte er so bei den angeblich verwalteten Kundengeldern in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar jährlich eine Verwaltungsgebühr von 75 Millionen US-Dollar verdient.
Im Jahre 1986 lernte Epstein den Milliardär Leslie Wexner aus Columbus (Ohio) kennen. Beide wurden einander durch den Risikomanager Robert Meister vorgestellt, den stellvertretenden Vorsitzenden von Aon. Zu Wexners Konzern zählen L Brands (vormals The Limited, Inc.) und mehrere Bekleidungsunternehmen, darunter die Dessousmarke Victoria’s Secret.
Im Jahre 1987 wandelte er die J. Epstein & Co. in die nach den Gesetzen der US-amerikanischen Jungferninseln (USVI) organisierte The Financial Trust Co. um und verlegte deren Hauptsitz dorthin.
Im Jahre 1991 und für die kommenden 16 Jahre gab Wexner Epstein umfassende Befugnisse über seine Finanzen, seine Philanthropie und sein Privatleben. Wexner ermächtigte ihn, in seinem Namen Geld zu leihen, seine Steuererklärungen zu unterzeichnen, Mitarbeiter einzustellen und Akquisitionen zu tätigen.
Sein Reichtum kam plötzlich. Bis Ende der 1990er Jahre lebte Epstein in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Manhattans Upper East Side in der Nähe des Flusses. Mit dem Eintreffen von Ghislaine Maxwell aus London in New York verbesserte sich sein Lebensstil dramatisch.
In den 1990er Jahren, so berichtete im Jahr 2001 der Evening Standard aus London, verfügte Epstein über wichtige Einnahmequellen: „Er hat viele Millionen aus seinen Geschäftsbeziehungen zu Bill Gates, Donald Trump und dem Milliardär Leslie Wexner aus Ohio verdient, dessen Trust er leitet.“