An diesem Tag

Jeffrey Dahmer

US-amerikanischer Serienmörder

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Jeffrey Lionel Dahmer (* 21. Mai 1960 in Milwaukee, Wisconsin; † 28. November 1994 in Portage, Wisconsin) war ein US-amerikanischer Serienmörder.

Nach seiner Verhaftung im Juli 1991 konnten ihm 16 von 17 gestandenen Morden nachgewiesen werden, die er in den Jahren 1978 bis 1991 an jungen Männern und Jugendlichen verübt hatte, die überwiegend aus der Homosexuellenszene Milwaukees stammten. Er ging dabei fast immer nach dem gleichen Modus Operandi vor: Zunächst lockte er sein Opfer unter einem Vorwand in seine Wohnung, wo er es betäubte, sexuell missbrauchte und erwürgte. Anschließend nahm er nekrophile Handlungen an der Leiche vor und fotografierte ihre Zerstückelung. Häufig hob er den Schädel und andere Körperteile seines Opfers auf und praktizierte in einigen Fällen Kannibalismus, was ihm in den Medien den Beinamen The Milwaukee Cannibal (alternativ The Milwaukee Monster) einbrachte.

Obwohl bei Dahmer mehrere psychische Störungen diagnostiziert wurden, erklärte ihn ein Geschworenengericht in Milwaukee für zurechnungsfähig und verurteilte ihn zur höchstmöglichen Strafe von 15 aufeinanderfolgenden lebenslangen Freiheitsstrafen ohne Aussicht auf Entlassung. In Ohio, wo Dahmer seinen ersten Mord begangen hatte, erhielt er ein weiteres Mal lebenslang. Im Gefängnis wurde er im Alter von 34 Jahren von einem Mithäftling erschlagen.

Dahmer zählt zu den weltweit bekanntesten Serienmördern des 20. Jahrhunderts und wird oft in einer Riege mit Ted Bundy, John Wayne Gacy und Richard Ramírez genannt. Im Gegensatz zu vielen anderen Serienmördern bekundete er vor Gericht Reue für seine Taten, zeigte sich kooperativ bei den polizeilichen Ermittlungen und räumte auch Morde ein, die ohne sein Geständnis nicht aufgedeckt worden wären. Er betonte mehrfach, dass er die alleinige Verantwortung für seine Taten trage und weder seine Eltern noch die Gesellschaft oder die Strafverfolgungsbehörden, denen in seinem Fall eine Reihe von Ermittlungsfehlern unterlaufen war, eine Mitschuld treffe.

Dahmer wurde am 21. Mai 1960 im Evangelical Deaconess Hospital in Milwaukee als der ältere von zwei Söhnen des Ehepaars Joyce Annette (geb. Flint, 1936–2000) und Lionel Herbert Dahmer (1936–2023) geboren. Zu diesem Zeitpunkt absolvierte sein Vater, dessen Vorfahren aus Deutschland und Wales stammten, ein Studium der Analytischen Chemie an der Marquette University. Seine Mutter, die norwegische und irische Wurzeln hatte, arbeitete als Hausfrau und machte später einen Masterabschluss in psychosozialer Beratung. Laut Lionel Dahmer litt seine Frau während der Schwangerschaft an Krampfanfällen und habe deshalb von ihrem Arzt Morphin und Barbiturate verabreicht bekommen. Er spekulierte, dass diese Medikamente eine fruchtschädigende Wirkung entfaltet haben könnten. Dahmers Mutter bestritt diese Behauptungen. Sie seien nur der Versuch, ihr eine Mitschuld an den Verbrechen ihres Sohnes zu geben. Nach der Geburt erkrankte sie an einer postpartalen Depression und auch in den folgenden Jahren litt sie an verschiedenen psychischen und physischen Krankheiten, die sie teilweise für längere Zeit ans Bett fesselten und deren Behandlung zur Medikamentenabhängigkeit führte. Lionel Dahmer konzentrierte sich vor allem auf seine Karriere und war berufsbedingt häufig abwesend. In der Folge schenkten beide Elternteile ihrem Sohn immer weniger Aufmerksamkeit.

Im September 1962 zog die Familie nach Ames, Iowa, wo Dahmers Vater eine Doktorandenstelle an der Iowa State University antrat. Im März 1964 musste Dahmer im Alter von knapp vier Jahren aufgrund eines beidseitigen Leistenbruchs operiert werden. Nach dieser Erfahrung entwickelte sich das bis dahin unbeschwerte und lebhafte Kind zu einem stillen und verschlossenen Jungen. Im Herbst 1966 wurde Lionel Dahmer der Doktorgrad verliehen und er fand eine Anstellung als Chemiker in der Forschungsabteilung einer Fabrik in Akron, Ohio. Die Familie zog daraufhin ins nahegelegene Doylestown, wo Dahmer ab Oktober 1966 die Hazel Harvey Elementary School besuchte. Er ging nur widerwillig zur Schule, galt als ungewöhnlich schüchtern und knüpfte auf dem Schulhof kaum Kontakt zu anderen Kindern. In seiner Freizeit hatte Dahmer dennoch ein paar Spielkameraden und rückblickend meinte er: “When I was a little kid I was just like anybody else.” („Als kleines Kind war ich genau wie alle anderen.“)

Nach der Geburt seines jüngeren Bruders David am 18. Dezember 1966 ließen sich die Dahmers 1968 in einem Haus mit großem Waldgrundstück in Bath, Ohio, nieder. Dahmer wechselte auf die Bath Elementary School, wo er mit dem späteren Grammy-Preisträger Joe Henry in eine Klasse ging. Berichte, laut denen er im Alter von acht Jahren von einem Nachbarsjungen sexuell missbraucht worden sein soll, wurden später sowohl von Lionel als auch Jeffrey Dahmer selbst dementiert. Im Jahr 1970 verbrachte seine Mutter aufgrund von schweren Angstzuständen mehrere Wochen in einer psychiatrischen Klinik. Die von Beginn an schwierige Ehe der Dahmers wurde dadurch schwer belastet und begann, in die Brüche zu gehen. Dahmer musste häufig miterleben, wie es zwischen seinen Eltern zu heftigen Auseinandersetzungen kam, die mehrere Male durch die Polizei geschlichtet werden mussten. Er gab sich die Schuld für den andauernd schlechten Gesundheitszustand seiner Mutter und das Scheitern der Ehe seiner Eltern und reagierte seine Frustration ab, indem er hinter dem Haus mit Ästen und Stöcken auf Bäume einschlug.

Ab seinem zehnten Lebensjahr zog er sich immer mehr von seiner Familie zurück und verbrachte viel Zeit allein im Wald. Auf sein Umfeld wirkte er apathisch, seine Sprechweise oft monoton und einsilbig und sein Gang sowie seine gesamte Körperhaltung steif und verkrampft. Um ihn aus seiner Isolation herauszuholen, versuchte sein Vater, ihn für verschiedene Sportarten zu begeistern, und schickte ihn zu den Pfadfindern, doch Dahmers Interesse an diesen Aktivitäten war nie von langer Dauer. Das Einzige, wofür er sich bereits seit früher Kindheit anhaltend begeistern konnte, waren die Knochen und Eingeweide toter Tiere. Er sammelte leblose Insekten, Vögel sowie kleine Nagetiere und konservierte sie in Gläsern mit Formaldehyd, die er in einem Schuppen hinter dem Haus seiner Eltern aufbewahrte. Ab seinem zwölften Lebensjahr begann er, in der Nähe des elterlichen Grundstücks überfahrene Kadaver vom Straßenrand aufzusammeln, um sie zu sezieren. Im Gegensatz zu vielen anderen Serienmördern bereitete es ihm aber kein Vergnügen, Tiere zu quälen oder sie selbst zu töten, und mit seinen Haustieren ging er liebevoll um.

Mit Beginn der Pubertät entdeckte Dahmer seine Homosexualität. Er verheimlichte seine sexuelle Orientierung jedoch insbesondere vor seinem Vater, der sie nicht akzeptiert hätte. Mit 14 Jahren entwickelte er die ersten gewaltbesetzten Sexfantasien, in denen er die Kontrolle über einen komplett unterwürfigen oder bewusstlosen Mann hatte. Diese Fantasien nahmen im Laufe der Zeit an Häufigkeit und Intensität zu und hatten schließlich auch nekrophile Handlungen an Leichen und deren Zerstückelung zum Gegenstand. Dahmer beschrieb seine damalige Situation mit den Worten: “[It] just got worse and worse. I didn’t know how to tell anyone about it.” („[Es] wurde einfach schlimmer und schlimmer. Ich wusste nicht, wie ich jemandem davon erzählen sollte.“) Im Alter von etwa 15 Jahren plante er zum ersten Mal, seine Fantasie in die Tat umzusetzen. Er legte sich mit einem Baseballschläger auf die Lauer, um einen Jogger, der regelmäßig am Haus der Dahmers vorbeilief, bewusstlos zu schlagen und ihn anschließend zu vergewaltigen. Der Jogger kam an jenem Tag aber nicht vorbei, weshalb er seinen Plan aufgab.

Ab 1974 besuchte er gemeinsam mit dem späteren Comicautor Derf Backderf die Revere Highschool in Richfield. Obwohl Dahmer von Zeitgenossen als überdurchschnittlich intelligent eingeschätzt und ihm ein IQ von 117 bis 145 nachgesagt wurde, waren seine Noten durchwachsen. Er war Mitglied in der Schulband, spielte Tennis in der Schulmannschaft und arbeitete für die Schülerzeitung, galt aber trotz dieser Aktivitäten bei seinen Klassenkameraden als Einzelgänger und Sonderling, der keine engen Freunde hatte und gemobbt wurde. Für einige Zeit gelang es ihm, durch das Vortäuschen spastischer oder epileptischer Anfälle und Streiche wie das Photobombing des Gruppenbilds der Honor Society die Aufmerksamkeit seiner Mitschüler auf sich zu ziehen, so dass diese einen „Dahmer-Fanclub“ gründeten und „doing a Dahmer“ („einen auf Dahmer machen“) an seiner Schule zum Inbegriff für albernes, seltsames Verhalten wurde.

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