Jefferson Finis Davis (* 3. Juni 1808 in Fairview, Kentucky; † 6. Dezember 1889 in New Orleans, Louisiana) war ein US-amerikanischer Politiker. Er war von 1861 bis 1865 der einzige Präsident der Konföderierten Staaten von Amerika und damit Führer der Südstaaten im Sezessionskrieg, also der Gegenpräsident Abraham Lincolns. Zuvor hatte er in den Vereinigten Staaten als Senator für Mississippi und von 1853 bis 1857 als Kriegsminister im Kabinett Pierce gewirkt. Davis gehörte der Demokratischen Partei an.
Familie, Kindheit und frühe Ausbildung
Jefferson Finis Davis wurde am 3. Juni 1808 in Fairview im Bundesstaat Kentucky geboren. Das Geburtsjahr ist unsicher; es kann auch 1807 gewesen sein. Er war das jüngste von zehn Kindern. Seinen Vornamen erhielt er zu Ehren des damaligen Präsidenten Thomas Jefferson, den Davis’ Vater als „Held“ verehrte. Der Mittelname „Finis“ ist unsicher. Gesichert ist, dass Davis zwischen 1824 und 1833 mit dem mittleren Anfangsbuchstaben „F.“ geführt wurde. Ein Biograph erklärte diesen Umstand sodann damit, dass Davis von seinen Eltern den zweiten Vornamen „Finis“ (lat. für Ende) erhalten habe, weil es wahrscheinlich erschien und es sich letztlich auch bewahrheitete, dass Jane Davis kein weiteres Kind zur Welt bringen würde. Sein Vater war Samuel Emory Davis, der im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg als Angehöriger einer patriotischen Miliz in Georgia und South Carolina gedient hatte. Im Jahr 1779 rekrutierte er eine Kompanie für die Kontinentalarmee und führte sie in die Belagerungen von Savannah und Augusta. Während des Krieges lernte er Jane Cook kennen, die er 1783 heiratete. Das junge Paar bewirtschaftete eine Farm, die Davis vom Staat Georgia gestellt bekommen hatte. Um ihre wirtschaftliche Situation zu verbessern, zogen sie in Kentucky mehrmals um. Während dieser Phase brachte Jane Cook Davis ihre letzten fünf Kinder zur Welt. Nach diesen unsteten Jahren ließen sich die Eheleute in Fairview nieder, wo sie als Zeichen ihres gestiegenen Wohlstands ein Holzhaus errichteten. Nach Jeffersons Geburt entschied Samuel Davis, erneut umzuziehen, und verkaufte die Farm. Mit dem Erlös erwarb er Sklaven und Pferde. Die Familie siedelte nach Bayou Teche im südlichen Louisiana, dem damaligen Orleans-Territorium, etwa 600 Kilometer südwestlich von Christian County. Die zweimonatige Überlandreise erwies sich als mühsam. Der Aufenthalt in Louisiana war mit einem Jahr nur von kurzer Dauer, denn die vielen Stechmücken und damit einhergehenden Krankheiten bewogen Samuel Davis zu einer erneuten Umorientierung. Hierzu bewegte er sich mit seiner Familie hundert Kilometer nördlich in das Wilkinson County in der südwestlichen Ecke des Mississippi-Territoriums, aus dem später der Bundesstaat Mississippi hervorging. Davis ließ sich schließlich auf einer Farm nieder, die zwei Kilometer von Woodville entfernt lag. Die Steuerliste des Countys weist das Jahr 1810 als Datum für diesen Schritt aus. Das neugebaute Haus wurde „Poplar Grove“ genannt und Jefferson Davis sagte später darüber, dass dort seine „Erinnerungen beginnen“.
Davis besuchte die Schule in Woodville. Sein Vater schickte ihn danach ab Mitte 1816 auf das St. Thomas College, ein vom Dominikanerorden der römisch-katholischen-Kirche geführtes Internat in Springfield, Kentucky. Nach zwei Jahren verließ er das St. Thomas und kehrte wieder zu seinen Eltern nach Mississippi zurück. Im Jahr 1818 besuchte er für kurze Zeit das Jefferson College, das jedoch ebenso eine eher vorbereitende Schule war. Von 1818 bis 1823 ging Davis auf die Wilkinson Academy. Da es in Mississippi keine weiterführenden Bildungseinrichtungen gab, reiste er im Frühling 1823 nach Lexington und besuchte bis Juli 1824 die Transylvania University. Im Juni 1824 legte er dort ein Examen ab. Auch erfuhr er dort, dass sein Vater am 4. Juli desselben Jahres verstorben war. Sein 24 Jahre älterer Bruder Joseph wurde in der Folge sein Vormund als Vaterersatz.
West Point, der Militärdienst und erste Ehe
Samuel Davis hatte aufgrund finanzieller Probleme seine Farm 1822 an seinen ältesten Sohn Joseph Davis veräußert. Nun übernahm Joseph nach dem Tod des Vaters auch die Vaterrolle für seinen Bruder. Joseph war laut William Davis derjenige, der das Leben Jeffersons wahrscheinlich am meisten beeinflusst hatte. Er war mit der Transylvania University nicht zufrieden und schickte Jefferson früher als ursprünglich beabsichtigt zur Militärakademie nach West Point. Widerstrebend der brüderlichen Order folgend, verließ er Lexington und erreichte nach dem 1. September 1824 West Point. Nach vier Jahren bestand Davis 1828 die Abschlussprüfung und wurde im selben Jahr zum Brevetleutnant der Infanterie befördert. Nach dem 14. Juli 1828 verließ Davis West Point und wurde bis zum 31. Dezember des gleichen Jahres beurlaubt. Dann wurde er dem 1. Infanterie-Regiment zugewiesen und bekam den Befehl, sich im Jefferson Barracks Military Post zu melden, das unter anderem als Infanterieschule fungierte. Am 24. März 1829 wurde er zum Hauptquartier des 1. Infanterie-Regiments nach Fort Crawford beordert. Dieses lag im Michigan-Territorium, dem heutigen Bundesstaat Wisconsin. Nach seiner Ankunft war Davis dem Oberst und späteren US-Präsidenten Zachary Taylor unterstellt. Zwischen 1829 und 1835 hatte er verschiedene Aufgaben, unter anderem das Beaufsichtigen der Holzfäller und Sägewerkindustrie als auch das Verhindern von Landstreitigkeiten zwischen Indianern und Pionieren. Dazu war er auch Quartiermeister. Im Black-Hawk-Krieg wurde der Indianerhäuptling Black Hawk in der Schlacht bei Bad Axe besiegt, später gefangen genommen und von Davis nach Jefferson Barracks überführt. Während der Reise empfanden Davis und Black Hawk Respekt füreinander; Black Hawk äußerte sich in seiner Autobiographie positiv über Davis.
Im August 1832 besuchte Sarah Knox Taylor zusammen mit ihrer Familie ihren Vater im Fort Crawford. Nach der ersten Begegnung mit Davis entstand eine Freundschaft, die sich schnell zu einer Liebesbeziehung entwickelte. Als Davis bei Zachary Taylor um die Hand seiner Tochter bat, lehnte Taylor ab. Taylor hatte kein persönliches Problem mit Davis, er hielt sogar viel von Davis. Er kannte jedoch aus eigener Erfahrung, wie hart die Ehe mit einem Offizier sein kann. Deshalb wollte er nicht, dass seine Tochter einen Soldaten heiratete. Die Abneigung dagegen wurde so groß, dass Taylor Davis den Zutritt zu seinem Haus verbot. Sarah Knox Taylor respektierte die Entscheidung, sagte jedoch, dass sie keinen anderen Mann heiraten wolle. Trotz des Verbots schafften sie es mit Hilfe von Freunden, sich zu treffen. Zwei Jahre lang sahen sie einander allerdings nicht, da Davis sich den Dragoons anschloss. 1835 entschied sich Davis, die Armee zu verlassen, um Plantagenbesitzer zu werden. Joseph Davis überließ seinem Bruder Land für den Baumwollanbau. Am 17. Juni 1835 heiratete das Paar. Nach einer Reise nach Locust Grove erkrankten beide an Malaria. Sarah starb am 15. September 1835. Der Tod seiner ersten Frau war ein schwerer Schlag für Davis.
Als Plantagenbesitzer und politische Anfänge
Nach dem Tod seiner Frau musste Davis die Aufgaben eines Plantagenbesitzers übernehmen. Seine berufliche und finanzielle Zukunft war anfangs sehr von seinem Bruder Joseph Davis abhängig, der ihm das Land in Brierfield zur Verfügung gestellt hatte. Dieses Land zu einer fruchtbaren Plantage zu machen war für den gesundheitlich angeschlagenen Davis ein zu schweres Unterfangen. Sein Bruder schickte ihn nach Havanna, um sich dort zu erholen. 1836 kehrte er nach Davis Bend zurück und begann mit dem Aufbau der Plantage. Mit dem Geld seines Bruders kaufte Davis seine ersten Sklaven. Im Laufe der Jahre wuchs die Anzahl der Sklaven durch geschäftliche Erfolge. Da Joseph früher als sein jüngerer Bruder ein erfolgreicher Plantagenbesitzer geworden war, nahm Davis ihn sich zum Vorbild. Dazu zählte auch die Behandlung der Sklaven. Politik nahm einen zentralen Punkt in den Überlegungen der Brüder ein. Joseph Davis war an den politischen Entwicklungen in Mississippi und im Land interessiert. Jefferson Davis teilte das Interesse an der Politik. Sowohl die Vorgänge im Kongress als auch der Verlauf der Legislaturperiode in Mississippi waren für ihn von Interesse. Als es eine Rivalität zwischen den Parteien der Demokraten und der Whigs gab, positionierten sich die Brüder auf der Seite der Demokraten, in denen sie eine Bastion der staatsrechtlichen Philosophie ihres politischen Vorbilds Thomas Jefferson sahen. In den Whigs hingegen sahen sie die Fortsetzung der politischen Vorstellungen Alexander Hamiltons, die sie ablehnten. 1843 wurde Jefferson Davis der demokratische Kandidat für das Repräsentantenhaus von Mississippi. Er vertrat das Warren County und Vicksburg und gewann zwar 512 von 1197 Stimmen, verlor aber die Wahl.