An diesem Tag

Jean Moulin

Französischer Widerstandskämpfer, Leiter der französischen Résistance während des Zweiten Weltkriegs (1899-1943)

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Jean Moulin [ʒɑ̃ mulɛ̃] (* 20. Juni 1899 in Béziers, Département Hérault; † 8. Juli 1943 bei Metz, Département Moselle) war ein wichtiger Leiter der französischen Résistance während des Zweiten Weltkriegs.

Zu Beginn des Westfeldzugs war Moulin Präfekt des Départements Eure-et-Loir, wurde aber nach der Besetzung Frankreichs entlassen. Daraufhin schloss er sich dem französischen Widerstand gegen die deutschen Besatzer an, der lange in zahlreiche Lager zersplittert blieb. Dem Beamten Moulin gelang es, die Untergrundkämpfer zu einen – was ihn zu dem von den deutschen Besatzern und dem Vichy-Regime meistgesuchten Widerstandskämpfer machte. Im Juni 1943 wurde Moulin von der Gestapo verhaftet. Er starb an den Folgen der Folter in Haft.

Jean Moulin wurde als Sohn von Blanche geb. Pègue (1867–1947) und Antoine Moulin (1857–1938) in Béziers geboren. Sein Vater war Erdkundelehrer und engagierte sich politisch, war Mitglied im Bund der Freimaurer, des Parti Radical Socialiste und der Liga für Menschenrechte. Sein Vorbild beeinflusste den Sohn, der sich für Geschichte und die großen politischen Debatten seiner Zeit interessierte. Er schrieb sich an der Universität Montpellier für das Fach Rechtswissenschaften ein. Gleichzeitig arbeitete er dank der Unterstützung seines Vaters im Kabinett der Präfektur des Département Hérault. Jean Moulin wurde im April 1918 zur französischen Armee eingezogen, aber der Erste Weltkrieg war zu Ende, bevor er an einer Kampfhandlung teilnehmen musste. Nach dem Krieg nahm er das Jura-Studium wieder auf und erreichte 1921 seinen Abschluss. 1922 wurde er Kabinettschef (chef de cabinet) des Präfekten des Départements Savoie. Von 1925 bis 1930 bekleidete er das Amt des Unterpräfekten von Albertville. Er war zu dieser Zeit der jüngste Unterpräfekt in Frankreich.

Im September 1926 heiratete er Marguerite Cerruti (* 1907), von der er sich aber bereits 1928 wieder scheiden ließ.

1930 wurde er Unterpräfekt von Châteaulin. Im Dezember 1932 wurde er von seinem Freund, dem Minister Pierre Cot, einem Pazifisten, mit dem er die Leidenschaft für das Skifahren teilte, in das Kabinett des Auswärtigen Dienstes berufen. Ein Jahr später ging er als Unterpräfekt nach Thonon-les-Bains. Gleichzeitig wurde er von Cot 1933 bis 1936 während der Volksfrontregierung in das Luftfahrtministerium berufen. Seine wichtigste Aufgabe war die Nationalisierung der Luftfahrtgesellschaften, d. h. die Schaffung der Air France. 1934 nahm er die Funktionen des Generalsekretärs der Präfektur Somme in Amiens ein. Daneben reiste er im Auftrag von Cot mehrmals nach Spanien, um Hilfe für die Bürgerkriegsflüchtlinge zu organisieren. Moulin organisierte auch während des Waffenembargos die Lieferung leichter französischer Kriegsflugzeuge an die spanische linksgerichtete Regierung im Auftrag von Cot und unter stillschweigendem Einverständnis von Regierungschef Léon Blum.

Während dieser Zeit schrieb er politische Satiren und zeichnete Karikaturen unter dem Pseudonym Romanin in der Zeitschrift Le rire (das Lachen).

Im Januar 1937 wurde er in Rodez im Département Aveyron der jüngste Präfekt Frankreichs. Er war ein für die damalige Zeit ziemlich ungewöhnlicher Präfekt, da er sportliche Aktivitäten wie Tennis, Segeln, Schwimmen, Radfahren und Skifahren ausübte.

1939 wurde er zum Präfekten des Départements Eure-et-Loir (Hauptstadt Chartres) berufen. Anfangs wollte er als Unteroffizier der Reserve zur Armée de l’air, aber der Innenminister benötigte ihn dringender in der Zivilverwaltung und kommandierte ihn persönlich nach 13 Tagen aus dem 117. Bataillon zurück auf seinen Posten als Präfekt. Nachdem am 10. Mai 1940 die deutsche Armee die Somme- und Aisne-Front durchbrochen hatte und zahlreiche Flüchtlinge nach Chartres strömten, wurde Chartres im Juni 1940 bombardiert. In dieser Zeit hatte er die Unterbringung der Flüchtlinge nicht ohne Schwierigkeiten zu organisieren. Im Juni 1940 wurde er Mitglied im Bund der Freimaurer.

Am 9. Juni 1940 wurde Amiens besetzt. Die deutschen Besatzer verhafteten ihn noch im gleichen Monat, weil er – nachdem er gegen den Mord an einer französischen Zivilistin bei einer Wehrmachtsstelle protestiert hatte – sich trotz Schlägen weigerte, ein deutsches Dokument zu unterzeichnen, in dem fälschlich senegalesische Angehörige der Französischen Armee für ein angebliches Massaker an der Zivilbevölkerung in Saint-Georges-sur-Eure verantwortlich gemacht wurden. In Wirklichkeit waren es Opfer des deutschen Bombardements. Die Nationalsozialisten verdächtigten ihn außerdem, Kommunist zu sein. Im Gefängnis unternahm er, wohl in der Vorstellung, seine Peiniger würden ihn zu Tode prügeln, wenn er nicht unterschreibe, einen Selbstmordversuch. Er versuchte, sich die Kehle mit einer Glasscherbe aufzuschneiden. Dies hinterließ später eine Narbe, die er mit einem Schal verdeckte.

Am 2. November 1940 befahl das Vichy-Regime allen Präfekten, alle Bürgermeister der Linken in Städten und Dörfern zu entlassen. Als Moulin sich weigerte, wurde er selbst aus dem Amt entlassen. Er lebte seitdem im elterlichen Haus in Saint-Andiol (Département Bouches-du-Rhône). Nach Diskussionen mit Henri Frenay, der die Kampfgruppe Combat gegründet hatte, und Pierre Villon, der die Kommunisten zum Widerstand zu organisieren versuchte, trat er der Résistance bei. Schnell erkannte Moulin die Notwendigkeit, die Résistance im Inneren mit de Gaulles Komitee für ein freies Frankreich in London (France libre) zu vereinen.

Am 21. August 1941 erschoss ein junger Militanter, der sich Colonel Fabien (Oberst Fabien) nannte, in der Pariser Métro-Station Barbès Rochechouart den Offiziersanwärter der deutschen Kriegsmarine Alfons Moser von hinten. Dieses Attentat wirkte wie ein Fanal: Die Gestapo und die Polizei des Vichy-Regimes verstärkten ihre Anstrengungen, den Widerstand zu brechen, während gleichzeitig junge Militante sich zum Maquis zusammenschlossen, um Sabotageakte vorzubereiten.

Mit Hilfe eines amerikanischen Diplomaten in der unbesetzten Zone reiste Moulin im September 1941 über Spanien und Portugal unter dem Decknamen Joseph Jean Mercier nach London und traf neben André Dewavrin und anderen Exilfranzosen auch General Charles de Gaulle, den er über den Umfang und die Bedeutung eines integrierten inneren Widerstands durch eine im Oktober 1941 verfasste Studie mit dem Titel The Activities, Plans and Requirements of the Groups formed in France aufklärte. Anfangs unentschieden, wem unter den Exilfranzosen und Briten er vertrauen konnte, überzeugte ihn die patriotische Haltung de Gaulles. Dieser entsandte ihn daraufhin als seinen persönlichen Beauftragten in die unbesetzte Zone, um die Zersplitterung der verschiedenen Widerstandsgruppen zu überwinden und zur Résistance zu vereinigen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Januar 1942 sprang er mit dem Fallschirm in den Alpilles nahe Avignon ab. Er brachte ein Funkgerät und eine große Summe Geldes mit, die er u. a. für den Aufbau einer Widerstandspresse verwendete, und lernte Georges Bidault und Albert Camus kennen. Sein Hauptquartier errichtete Moulin in Lyon. Dabei wurde er von Laure Diebold, Daniel Cordier und Hugues Limonti unterstützt.

Er lebte fortan unter zwei Legenden: Unter der eines Landwirts in St.-Andiol erhielt er Rationierungsmarken. Die andere Legende, unter der er eine Kunstgalerie mit seinem früheren Pseudonym Romanin in Nizza betrieb, erlaubte ihm zu reisen. Unter den Kampfnamen Rex und ein Jahr später Max traf er die verschiedenen Leiter der rivalisierenden, paramilitärischen Widerstandsgruppen in der südlichen, unbesetzten Zone:

seinen Freund Henri Frenay vom Combat, der in den ersten Monaten noch als Chef der Abwehr des Vichy-Regimes fungiert hatte,

Emmanuel d’Astier de la Vigerie von Libération Sud,

Jean-Pierre Lévy von Franc-Tireur.

Nachdem sie ihn anfangs als autoritär abgelehnt hatten, konnte er sie zur Vorbereitung der Landung der Alliierten von der Notwendigkeit der Vereinigung in der Armée secrète (geheime Armee) überzeugen.

Am 22. Oktober 1942 erhielt Moulin ein Schreiben de Gaulles, in dem er zum Präsidenten des Koordinierungskomitees ernannt wurde, was ihn offiziell von Seiten der Exilregierung de Gaulles zum Organisator des Widerstandes in Frankreich machte. Die Landung der Alliierten am 8. November 1942 in Marokko und Algerien (Operation Torch) beschleunigte die Vereinheitlichung der Résistance.

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