An diesem Tag

Jean Marteilhe

Evangelischer Glaubenszeuge und Galeerensklave

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Jean Marteilhe (* 1684 in Bergerac; † 6. November 1777 in Culemborg) war ein Hugenotte, der wegen seines evangelischen Glaubens zu lebenslanger Galeerenstrafe verurteilt wurde.

Jean Marteilhe wurde 1684 als Sohn eines Händlerehepaares geboren. Seine Eltern waren überzeugte evangelisch-reformierte Christen und gaben diesen Glauben an ihre Kinder weiter.

1700 wurde versucht, die evangelischen Franzosen gewaltsam von ihrem Glauben abzubringen. Das Edikt von Nantes hatte den hugenottischen Familien Schutz vor Verfolgung gewährt; es wurde am 18. Oktober 1685 durch das Edikt von Fontainebleau widerrufen. Im Oktober 1700 wurde Jean Marteilhes Vater inhaftiert, zwei seiner Brüder und eine Schwester wurden zu Eintritten in Klöster gezwungen.

Der erst 16-jährige Jean Marteilhe konnte aus seinem Elternhaus fliehen, bevor die Dragoner in das Haus kamen, um die Verhaftungen durchzuführen. Die ganze Stadt und sämtliche Zugänge waren von den Dragonern besetzt, um die Flucht der Einwohner zu verhindern. Marteilhe gelang nachts gemeinsam mit seinem Freund Daniel Legras die Flucht aus seinem Heimatort. Sie liefen die ganze Nacht über durch die Wälder und erreichten am nächsten Morgen Mussidan, einen Ort, der vier Leugen (24 km) entfernt lag. Sie versuchten, in die Niederlande zu fliehen. Nachdem sie sich geschworen hatten, niemals ihren evangelischen Glauben zu widerrufen, auch wenn sie mit Galeeren- oder Todesstrafe bestraft würden, begaben sie sich auf die Hauptstraße nach Paris. Ihr ganzes Vermögen bestand zu diesem Zeitpunkt aus zehn Pistolen, weshalb sie täglich in den schlechtesten Unterkünften logierten.

Nach einer Reise ohne weitere Zwischenfälle erreichten sie am 10. November Paris. Dort wollten sie von Bekannten die einfachste und sicherste Route über die Grenze erkunden. Sie erhielten einen entsprechenden Plan von einem guten Freund und überzeugten Protestanten. Der Plan sollte sie nach Mézières führen, einer Garnisonstadt an der Maas, die damals die Grenze zu den Spanischen Niederlanden bildete und am Rand des Ardenner Waldes lag. Der Bekannte sagte ihnen, die einzige Gefahr drohe beim Betreten der Stadt. Diese Gefahr sei ernst zu nehmen, da jeder Fremde verdächtig erscheine. Wer ohne Pass angetroffen werde, werde sofort vor den Gouverneur geführt und inhaftiert. Am Verlassen der Stadt werde aber niemand gehindert. Der Wald werde ihre Reise nach Charleroi begünstigen, etwa sechs oder sieben Leugen (etwa 39 km) von Mézières entfernt. Dort seien sie sicher, da sie dann Frankreich verlassen hätten. Ferner befinde sich in Charleroi eine niederländische Garnison und ein Kommandant, der sie beschützen werde.

So machten Jean Marteilhe und sein Freund sich auf den Weg nach Mézières. Die Reise verlief ereignislos, da nur die Straßen über die Grenze überwacht wurden. Sie erreichten eines Nachmittags um 16 Uhr einen Hügel, etwa eine Viertel Leuge (etwa 1,5 km) von Mézières entfernt, von dem aus sie die Stadt und das Tor betrachten konnten. Sie stellten fest, dass eine wegen des schönen Wetters reich frequentierte Brücke über die Maas zu dem Tor führte und beschlossen, sich unter die Einwohner zu mischen, um den Blicken des Wächters zu entgehen. Um nicht als Reisende identifiziert zu werden, entleerten sie ihre Ranzen, zogen ihre sämtlichen Hemden an und steckten die Ranzen in die Taschen. Dann säuberten sie ihre Schuhe und kämmten ihr Haar. Sie trugen keine Schwerter, da das damals in Frankreich verboten war. Sie begaben sich zu der Brücke und gingen mit den Einwohnern auf und ab, bis ein Trommelschlag das Schließen der Tore ankündigte. Die Menschenmenge, in der sich die beiden Flüchtlinge verborgen hielten, hastete in die Stadt zurück. So gelangten sie wie geplant ungesehen in die Stadt.

Übernachtung in und Flucht aus Mézières

Jean Marteilhe und sein Freund konnten die Stadt nicht sofort durch das gegenüberliegende Tor wieder verlassen, da dieses ebenfalls geschlossen wurde. Sie mussten also in der Stadt übernachten, was sie in der nächstbesten Herberge taten. Da der Gastwirt nicht anwesend war, empfing sie dessen Ehefrau. Sie bestellten ihr Abendessen. Um 21 Uhr traf der Wirt ein. Seine Frau informierte ihn über die beiden Fremden. Diese hörten von ihrer Kammer aus, wie der Wirt seine Frau fragte, ob sie einen Erlaubnisschein des Gouverneurs hätten. Als die Frau dies verneinte, sagte er: „Jade, willst du uns ruinieren? Du kennst die rigorose Verfolgung logierender Fremder ohne Erlaubnis. Ich muss sofort mit ihnen zum Gouverneur gehen.“ Er ging in die Kammer der Fremden und fragte sie höflich, ob sie mit dem Gouverneur gesprochen hätten. Sie antworteten, dass sie nicht wüssten, dass dies für eine einzige Übernachtung notwendig sei. Der Wirt meinte: „Es würde mich 1000 Kronen kosten, wenn der Gouverneur wüsste, dass ich euch ohne Erlaubnis beherbergt habe. Habt ihr denn einen Pass, der es euch erlaubt, die Grenzstädte zu betreten?“ Sie antworteten, dass sie bestens mit Papieren ausgestattet seien. Der Wirt antwortete: „Das ändert die ganze Angelegenheit und bewahrt mich vor der Schande, euch ohne Erlaubnis beherbergt zu haben; ihr müsst aber immer noch mit mir zum Gouverneur gehen, um eure Pässe vorzuzeigen.“ Sie antworteten, dass sie sehr müde und erschöpft seien und ihn gern am nächsten Morgen begleiten würden. Der Wirt willigte ein.

Sie beendeten ihr Abendessen und konnten trotz des guten Betts nicht schlafen. Die ganze Nacht verbrachten sie zunächst mit fruchtlosen Vorschlägen, was man dem Gouverneur sagen könne, dann mit Gebeten, dass Gott ihnen die Kraft zum furchtlosen Bekenntnis geben möge, wenn er sie nicht vor der Gefangenschaft bewahren wolle. Sie standen früh im Morgengrauen auf und stiegen in die Küche hinab, die im Erdgeschoss nahe der Straßentür lag und wo der Gastwirt und seine Frau schliefen. Die beiden Flüchtlinge benahmen sich, als wollten sie das Haus verlassen, bevor der Wirt erwachte. Dieser fragte sie, was der Grund für ihr frühes Aufstehen sei. Sie antworteten, dass sie sofort ihr Frühstück einnehmen wollten, damit sie gleich nach ihrem Besuch beim Gouverneur ihre Reise fortsetzen könnten. Der Gastwirt stimmte zu, wies seinen Diener an, einige Würste zu braten und stand auf. Als sie beobachteten, dass der Diener die Straßentür öffnete, baten sie darum, einen Moment vor die Tür gehen zu dürfen. Der Wirt schöpfte keinerlei Verdacht, so dass die Flüchtlinge entkommen konnten, ohne sich zu verabschieden oder ihre Rechnung zu zahlen. Sie sahen keine andere Möglichkeit. Auf der Straße fanden sie einen kleinen Jungen, von dem sie den Weg zum Charleville-Tor erfragten, durch das sie die Stadt verlassen wollten. Sie befanden sich in der Nähe und konnten das Tor problemlos passieren, als es geöffnet wurde.

Jean Marteilhe und Daniel Legras betraten Charleville, eine kleine Stadt ohne Tor und Garnison, einen Schuss von Mézières entfernt. Sie nahmen dort schnell ihr Frühstück ein und verließen den Ort, um den Ardenner Wald zu betreten. Es hatte in der Nacht gefroren, was den Wald unwirtlich erscheinen ließ. Er wurde von zahlreichen Straßen durchquert. Den Flüchtlingen war unbekannt, welche nach Charleroi führen würde, sie befragten daher einen Passanten. Dieser riet ihnen davon ab, die Reise durch den Wald fortzusetzen, da die Straßen sich weiter verzweigen würden und sie lange Zeit zu keinerlei Dörfern gelangen würden. Er schätzte, dass sie als Fremde 12 bis 15 Tage umherirren würden. Ferner könnten sie in dem Wald Raubtieren begegnen und seien in Gefahr, an Kälte und Hunger zu sterben. Sie boten ihm einen Louis d’or, falls er sie nach Charleroi führen würde. Der Passant verweigerte ihnen seine Hilfe, da er sie als flüchtige Hugenotten erkannte, wies ihnen aber einen sichereren Weg außerhalb des Waldes. Sie bedankten sich und folgten dem Rat. Sie erreichten am Abend ein Dorf, das er ihnen genannt hatte, und übernachteten dort.

Am nächsten Morgen folgten sie, wie beschrieben, dem Weg nach rechts und ließen die Stadt Rocroy links liegen. Der Fremde hatte ihnen, vielleicht aus Unkenntnis, verschwiegen, dass der Weg sie hier durch einen sehr schmalen Engpass namens Guet du Sud zwischen zwei Bergen führen würde. Dort befand sich eine Wache französischer Soldaten, die alle Fremden anhielten, die keinen Pass hatten, und sie ins Gefängnis nach Rocroy brachten. Ohne von dieser Gefahr zu wissen, betraten die beiden Flüchtlinge den Engpass, als es so heftig regnete, dass der diensthabende Wächter sich in sein Wachhaus zurückzog. Sie konnten die Wache mithin passieren, ohne bemerkt zu werden.

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