Jean Nicolas Joseph Absil (* 23. Oktober 1893 in Bon-Secours, jetzt Péruwelz, Provinz Hennegau; † 2. Februar 1974 in Uccle/Ukkel bei Brüssel) war ein belgischer Komponist, Organist und Musikpädagoge.
Jean Absils Vater, François Absil, war Küster an der Basilika von Bon-Secours. Jean war bereits früh Musikschüler von Alphonse Oeyen, dem Organisten an der Basilika. Er selbst wurde bald darauf zum Organisten an der Wallfahrts-Basilika Saint-Quentin in Bon-Secours bestellt. Er besuchte Kurse an der Ecole Saint-Gregoire in Tournai, um sich auf das Studium der Kirchenmusik vorzubereiten. Ab 1913 studierte er am Brüsseler Konservatorium, zunächst in der Orgelklasse von Alfons Desmet (1864–1944) so wie Klavier und Kontrapunkt bei Léon Du Bois (1859–1935). Darauf konzentrierte er sich auf Komposition und Instrumentierung und studierte von 1920 bis 1922 bei Paul Gilson in Brüssel. Er gewann 1921 den Prix Agniez mit seinem ersten Opus, der ersten Sinfonie aus dem Jahr 1920. 1922 wurde er mit einem zweiten Preis Preisträger des belgischen Prix de Rome für seine Kantate La Guerre op. 2. 1922 erhielt er den Prix Rubens und wurde zum Direktor der Musikakademie in Etterbeek ernannt, die er bis 1958 leitete und die seit 1963 seinen Namen trägt. Ab 1930 lehrte er am Königlichen Konservatorium in Brüssel Harmonielehre und ab 1939 Kontrapunkt und Fuge. Im selben Jahr berief ihn Königin Elisabeth von Belgien zum Unterricht von Kontrapunkt und Fuge an die neu gegründete Chapelle Musicale Reine Elisabeth. 1934 war er Mitbegründer von La Siréne, einer Gesellschaft zur Förderung Zeitgenössischer Musik, die Konzerte im In- und Ausland veranstaltete und als Pendant der 1932 in Paris gegründeten Gesellschaft Le Triton fungierte. An der Gründung der Musikzeitung Revue internationale de Musique beteiligte er sich 1938. Nach dem II. Weltkrieg wurde er Präsident der SABAM. Absil war Mitglied der Königlichen Akademie der Wissenschaften und Schönen Künste von Belgien. Mit Florent Schmitt verband ihn eine Freundschaft. Zu seinen Schülern zählten die belgischen Komponisten Jacques Leduc (1932–2016) und Victor Legley (1915–1994). Auch Emma Lou Diemer war eine Kompositionsschülerin Absils.
Kompositorisch formte Absil eine Synthese aus der Französischen Schule, dem Stil Strawinskis und Bartóks, der polytonalen, der atonalen und der seriellen Musik. Sein umfangreiches Œuvre umfasst nahezu alle Genres.
1968 schuf der Bildhauer Fernand Debonnaires (1907–1997) eine Büste des Komponisten. Dieses befindet sich heute auf dem nach ihm benannten Platz Place Jean Absil in Péruwelz. Auf diesem Platz befindet sich die Basilique Notre-Dame de Bon-Secours. Das Atheneum Royal Jean Absil in Etterbeek, das er viele Jahre leitete, wurde nach ihm benannt.
1920 Symphonie n°1 en ré mineur opus 1
1926 La mort de Tintagiles opus 3 für Orchester
1933 Concerto opus 11 für Violine und Orchester
1936 Symphonie n°2 opus 25 für großes Orchester
1939 Hommage à Lekeu opus 35 für Orchester
1940 Philatélie opus 46 für Solo-Quartett (SATB) und 14 Instrumente
1941 Les bénédictions opus 48 für Soli, Chor, großes Orchester und Orgel
1942 Variations symphoniques opus 50 für großes Orchester
1943 Les chants du mort opus 55 für Soli (SATB) und Orchester
1943 Rhapsodie roumaine opus 56 für Violine und Orchester
1949 Le miracle de Pan opus 71
1955 Introduction et Valses opus 89
1956 Suite opus 92 für kleines Orchester
1960 Rhapsodie bulgare opus 104