Jean-Paul-Armand Mousseau (* 1. Januar 1927 in Montreal; † 7. Februar 1991 ebenda) war ein kanadischer Maler und Bildhauer.
Mousseau studierte von 1940 bis 1945 am Collège Notre-Dame, wo er Schüler von Frère Jérôme war. 1944 wurden erstmals Werke von ihm bei der Contemporary Arts Society ausgestellt.
Mousseau beendete sein reguläres Studium im Frühling 1945 und begann im Herbst desselben Jahres seine Ausbildung in Innenarchitektur an der École du Meuble in Montreal, wo er Marcel Barbeau und Jean-Paul Riopelle traf. Danach setzte er seine Studien bis 1951 unter der Anleitung von Paul-Émile Borduas fort.
Im April 1946 fand an der Rue Amherst 1257 die erste Ausstellung der Automatistengruppe von Montreal statt, neben Mousseau nahmen Paul-Émile Borduas, Marcel Barbeau, Claude Gauvreau, Roger Fauteux, Fernand Leduc und Jean-Paul Riopelle daran der teil. Im gleichen Jahr lieferte Mousseau fünf originale Illustrationen für das erste Automatiste-Buch Les Sables du Rêve von Thérèse Renaud.
Nach Ausstellungen in Paris und Prag fand 1948 die erste Einzelausstellung seiner Werke statt. Im gleichen Jahr gehörte er zu den Unterzeichnern des Manifests der Automatistengruppe von Montreal Refus global. Auch bei der von der Galerie nationale du Canada und der Vancouver Art Gallery organisierten Ausstellung Recent Quebec Painters, die 1951 und 1952 in Kanada und den USA gezeigt wurde, waren seine Werke zu sehen.
Im Jahr 1954 kreierte er das Werk „La Marseillaise“, das als sein bedeutendstes Gemälde gilt. 1955 wurde es auf der Winnipeg Show präsentiert, einer landesweiten, von einer Jury bewerteten Ausstellung der Winnipeg Art Gallery, die die höchsten Maßstäbe zeitgenössischer Malerei in Kanada vorzeigen sollte. Die Juroren dieser Ausstellung waren Maxwell Bates aus Calgary und Jean Ostiguy aus Ottawa. „La Marseillaise“ erhielt den ersten Preis. Das Bild führte zu erheblichen Winnipeg-Kontroverse.
Mousseau war ein vielseitiger Künstler, der neben seinen Gemälden auch Fotocollagen, Diskothekeninterieurs, Keramiken, Fiberglasleuchten, Bühnenbilder und Kostüme entwarf. 1958 realisierte er mit dem Keramiker Claude Vermette eine Reihe von Kunstwerken an Gebäuden. Nach dem Besuch es Kurses Color and Science am Massachusetts Institute of Technology erhielt er 1960 für eines seiner objets lumineux den ersten Preis für Industrieästhetik beim Kunstwettbewerb der Provinz Québec.
Zu seinen bekanntesten Arbeiten zählen zweifellos seine Kunstwerke im öffentlichen Raum: die markanten Keramikkreise in der U-Bahn-Station Montreal Peel sowie das beeindruckende Fiberglas-Wandbild aus dem Jahr 1962, das eine Höhe von 4,57 m, eine Breite von 22,86 m und ein Gewicht von etwa 1.360 kg aufweist. Dieses Kunstwerk wurde im Eingangsbereich des Hauptsitzes von Hydro Quebec am René-Lévesque Blvd. in Montreal installiert.
Jean-Paul Mousseaus experimentierte unaufhörlich mit Licht. Zu diesem Zweck testete er unterschiedlichen Trägermaterialien, einschließlich lichtdurchlässiger Kunststoffplatten, und untersuchte innovative Materialien wie Fiberglas und farbige Harze. Daneben entwarf Mousseau auch Kostüme und Bühnenbilder. Zur gleichen Zeit realisierte er Objekte für das Gebäude der Zeitung Montreal Star und den Justizpalast von Drummondville.
Ab 1966 beteiligte sich Mousseau an der künstlerischen Gestaltung mehrerer Stationen der Metro von Montreal. Er unterrichtete von 1961 bis 1964 an der École des beaux-arts de Montréal und 1968 leitete er den Kurs „Architektonische Farbgebung“ an der Universität Laval. 1997 zeigte das Musée d’Art Contemporain de Montréal eine Retrospektive seiner Werke.
Werke in öffentlichen Sammlungen
Musée d’art contemporain de Montréal
Musée national des beaux-arts du Québec