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Jean-Paul Belmondo

Französischer Schauspieler (1933–2021)

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Jean-Paul Belmondo [ʒɑ̃ˌpɔl bɛlmɔ̃ˈdo] (* 9. April 1933 in Neuilly-sur-Seine; † 6. September 2021 in Paris) war ein französischer Theater- und Filmschauspieler. Er wurde ab den späten 1950er Jahren durch Filme der Nouvelle Vague bekannt. Ab Mitte der 1960er Jahre war er zwei Jahrzehnte lang als Komödiant und agiler Held actionbetonter Filme einer der erfolgreichsten Darsteller des europäischen Kinos. In den französischsprachigen Medien wurde Belmondo oft liebevoll „Bébel“ genannt.

Jean-Paul Belmondo kam 1933 als Sohn des Pariser Bildhauers Paul Belmondo und der Kunstmalerin Sarah Rainaud-Richard (1901–1997) in Neuilly-sur-Seine zur Welt. Der Vater war in Algier geboren; seine Vorfahren waren Einwanderer aus dem Piemont und Sizilien. Dieser kam nach dem Ende des Ersten Weltkrieges nach Paris und zählte bekannte Autoren und Künstler wie Albert Camus zu seinen Freunden. Jean-Paul Belmondo hatte einen älteren Bruder, Alain, der ab den 1960er Jahren Produktionsmanager und ab den 1970er Jahren Produzent seiner Filme war. Ihre jüngere Schwester Muriel arbeitete als Tänzerin.

Belmondo hatte ein sehr gutes Verhältnis zu seinem Vater, der seine Talente förderte und ihn frühzeitig für Kunst und Kultur interessierte. Als Schüler galt Belmondo als schwierig und undiszipliniert, er musste mehrmals die Schule wechseln. Am Gymnasium begeisterte er sich für das Boxen und bestritt von seinem 13. Lebensjahr an mehrere Kämpfe. „Ich übte diesen Sport nie aus, um daraus einen Beruf zu machen. Es war für mich einfach ein Spiel, bei dem man viel zu zahlen hatte, um zu gewinnen.“ Mit 16 Jahren erkrankte Belmondo an Tuberkulose und wurde zur Genesung in die Auvergne geschickt. Dort fasste er den Entschluss, Schauspieler zu werden.

Ab den frühen 1950er Jahren betätigte sich Belmondo als Amateurschauspieler und trat beispielsweise bei einer Tournee durch Pariser Krankenhäuser auf. Sein Vater vermittelte den Kontakt zu André Brunot, einem Mitglied der Comédie-Française. Belmondo sprach bei ihm vor und erhielt den freundschaftlichen Rat, auf keinen Fall eine Schauspielkarriere anzustreben, da ihm augenscheinlich das Talent dazu fehle. Er gab nicht auf und bereitete sich sechs Monate lang auf die Aufnahmeprüfung am Pariser Konservatorium vor, wo er als Schauspielschüler aufgenommen wurde. Dort traf er junge Darsteller wie Jean Rochefort, Bruno Cremer, Annie Girardot, Jean-Claude Brialy und Jean-Pierre Marielle, die zu lebenslangen Freunden wurden und später mit ihm in zahlreichen Filmen auftraten.

Belmondo arbeitete zunächst als schlecht bezahlter Tourneeschauspieler. Zwar galt er als talentiert, doch erschien eine Kinokarriere wegen seines Aussehens als unwahrscheinlich. Dazu meinte er später: „Ich dachte nie daran, eines Tages berühmt zu werden. Mit meinem Gesicht hatte ich nichts von einem Verführer an mir, und zu jener Zeit spielte das Äußere noch eine große Rolle.“ Er absolvierte Probeaufnahmen für einige Filme wie Fahrstuhl zum Schafott, die Klassiker des französischen Kinos wurden, wurde aber nicht engagiert.

1957 drehte er seinen ersten Film. 1959 gelang ihm in der Hauptrolle von Außer Atem (Regie: Jean-Luc Godard) der Durchbruch. Im selben Jahr heiratete er die Tänzerin Renée „Élodie“ Constant. Aus der Ehe, die 1965 geschieden wurde, gingen zwei Töchter und sein Sohn Paul hervor, der in den 1980er und 1990er Jahren eine Karriere als Autorennfahrer verfolgte. Die älteste Tochter, Patricia (1953–1993), starb bei einem Wohnungsbrand. Sein Enkel Victor Belmondo wurde ebenfalls Schauspieler.

Von 1963 bis 1966 war Belmondo Vorsitzender der Interessenvertretung der französischen Schauspieler. Von 1966 bis 1974 lebte er mit der Schauspielerin Ursula Andress zusammen. Im August 2001 erlitt er auf Korsika einen Schlaganfall und war seitdem gesundheitlich beeinträchtigt. 2002 heiratete er Nathalie „Natty“ Tardivel, mit der er eine 2003 geborene Tochter hat. Im September 2008 bestätigte der Schauspieler, dass die Ehe geschieden wurde.

2010 geriet Belmondo wegen seiner jungen Geliebten Barbara Gandolfi, der er eine größere Geldsumme überwiesen haben soll, in die Schlagzeilen. Sie soll das Geld an ihren Ex-Ehemann weitergeleitet haben, gegen den die Polizei wegen Geldwäsche und Zuhälterei ermittelte. Im Oktober 2012 wurde bekannt, dass Belmondo die Beziehung zu Gandolfi beendet hatte. 2016 wurde seine Autobiografie Mille vies valent mieux qu’une veröffentlicht, deren deutsche Übersetzung zwei Jahre später unter dem Titel Meine tausend Leben: die Autobiografie erschien.

Jean-Paul Belmondo starb im September 2021 im Alter von 88 Jahren in Paris. Die offizielle Trauerfeier fand im Beisein des französischen Staatspräsidenten im Hof des Hôtel des Invalides statt. Es fand eine weitere Trauerfeier in der Kirche Saint-Germain-des-Prés im Beisein der Familie und Verwandten statt, auch Claude Lelouch sowie Alain und Anthony Delon waren anwesend. 2023 wurde im 16. Arrondissement in Paris die Promenade Jean-Paul Belmondo eingeweiht.

Belmondos Filmkarriere begann 1957 mit dem Film À pied, à cheval et en voiture, in dem er in einer einzigen Szene zu sehen ist. Auch in seinem zweiten Film, Sei schön und halt den Mund aus dem Jahr 1958, war er lediglich Statist.

1958 und 1959 trat er als Nebendarsteller in mehreren Filmen auf und spielte unter der Regie renommierter Regisseure wie Marcel Carné oder Marc Allégret. In Ein Engel auf Erden (1959) war er an der Seite von Romy Schneider zu sehen. Die Filme, in denen Belmondo mitspielte, zählten in der Regel zum konventionellen französischen Unterhaltungskino, das von den jungen Kritikern der einflussreichen Filmzeitschrift Cahiers du cinéma scharf angegriffen wurde, weil sie es als „blutleer und künstlerisch wertlos“ empfanden.

In den späten 1950er Jahren wechselten die wichtigsten Kritiker der Cahiers auf den Regiestuhl und begannen, mit geringen Budgets ihre ersten Filme zu inszenieren. Es war der Beginn der Nouvelle Vague, die dem nationalen und internationalen Kino auf Jahre hinaus wichtige Impulse gab. Den typischen Studioproduktionen des etablierten Kinos, die als steril bezeichnet wurden, begegneten die Regisseure der Nouvelle Vague mit einer modernen unkonventionellen Filmsprache. Belmondo arbeitete bis in die frühen 1970er Jahre regelmäßig für einige der wichtigsten Nouvelle-Vague-Regisseure – Jean-Luc Godard, François Truffaut, Claude Chabrol, Louis Malle und Alain Resnais – und wurde zu einem führenden Darsteller dieser Ära.

Zum emblematischen Film der Nouvelle Vague wurde Godards Debütwerk Außer Atem. Der 29-jährige frühere Cahiers-Kritiker drehte den Schwarzweißfilm 1959 mit einem sehr geringen Budget in und um Paris. Er filmte mit einer Handkamera auf den Straßen, ließ Dialoge improvisieren und verwendete unkonventionelle Schnitttechniken. Der männliche Hauptdarsteller war der 26-jährige Belmondo in der Rolle des Kleinganoven Michel Poiccard, der ziellos in den Tag hineinlebt, obwohl ihm nach einem Polizistenmord die Fahnder dicht auf den Fersen sind. Nachdem ihn seine Freundin Patricia (Jean Seberg) an die Polizei verraten hat, wird er auf offener Straße erschossen – findet aber noch die Zeit, zu Patricia den berühmten Schlusssatz zu sprechen: „Du bist wirklich zum Kotzen!“

Außer Atem wurde zu einem großen Kassenerfolg und zu einem Klassiker des internationalen Kinos. Die innovative Filmsprache Godards inspirierte junge Filmemacher weltweit, New Hollywood ebenso wie den Neuen Deutschen Film. Mit der Figur des Poiccard schuf Belmondo einen modernen Antihelden, dessen fatalistisch-zynische Grundhaltung bereits auf die 1960er Jahre verwies. Der Film etablierte Belmondo als ersten Protagonisten einer neuen Generation von Leinwandstars, die nicht mehr der Tradition des gutaussehenden Helden verpflichtet waren, sondern durch realitätsbezogene Darstellungen auffielen.

Belmondo wurde durch Außer Atem über Nacht zu einer Identifikationsfigur eines vorwiegend jungen Publikums, das sich in der von ihm dargestellten Figur wiederfand. Er spielte auch in anderen Filmen mit großer Sicherheit und Natürlichkeit die Rolle des rebellischen Außenseiters, der nur selten eine Regel akzeptiert. 1959 trat er an der Seite von Lino Ventura in Claude Sautets Gangsterfilm Der Panther wird gehetzt auf, der zu einem Klassiker des Genres wurde. Darin ist er der beste Freund von Abel Davos (Ventura), einem zum Tode verurteilten Verbrecher, dessen Verhaftung er nicht verhindern kann. Belmondo war hier erstmals gleichwertiger Partner eines führenden französischen Leinwandstars.

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