An diesem Tag

Jean-Luc Mélenchon

Französischer linkspopulistischer Politiker (La France insoumise)

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Jean-Luc Mélenchon [ʒɑ̃ lyk melɑ̃ʃɔ̃] (* 19. August 1951 in Tanger) ist ein französischer Politiker der Linken. Er gehört der Partei La France insoumise (LFI) an, die er selbst gründete und der er mehrere Jahre lang vorstand. Er ist für populistisch-radikale Reden und als vehementer Gegner des Staatspräsidenten Emmanuel Macron bekannt, als Gegner der Europäischen Union und strebt den Austritt Frankreichs aus der NATO an.

Mélenchon, der aus dem gewerkschaftlichen Spektrum kommt, begann seine politische Karriere in der Parti socialiste (PS), aus der er 2008 austrat. Danach war er Gründer und bis 2014 Vorsitzender der Parti de Gauche. Mit Unterstützung des Wahlbündnisses Front de gauche kandidierte er bei der Präsidentschaftswahl 2012. Bei den Präsidentschaftswahlen 2017 und 2022 trat er erneut an. Er war ab 1986 langjähriges Mitglied des Senats sowie von 2017 bis 2022 Abgeordneter in der französischen Nationalversammlung; bei der Parlamentswahl 2022 trat er nicht mehr an.

Mélenchon gründete im Mai 2022 für die Parlamentswahl im Juni 2022 das Wahlbündnis Nouvelle union populaire écologique et sociale (NUPES), bestehend im Wesentlichen aus den Parteien LFI, PS, Europe Écologie Les Verts, Parti communiste français und Génération.s. Nachfolger der NUPES wurde 2024 der Nouveau Front populaire (NFP), an dem Mélenchons Partei erneut beteiligt war.

Anfänge und Engagement in der Sozialistischen Partei

Jean-Luc Mélenchon wurde in Tanger geboren, das damals zur internationalisierten Zone im Norden Marokkos gehörte. Seine Mutter war Grundschullehrerin, sein Vater Angestellter des Fernmeldedienstes und Pied-noir. 1962, als der Algerienkrieg endete, verließ die Familie Nordafrika und ließ sich in Frankreich nieder. Bereits als Schüler im Lycée in Lons-le-Saunier war Mélenchon im Mai 1968 politisch aktiv. Anschließend engagierte er sich im Studentenverband Union nationale des étudiants de France (UNEF) und in der trotzkistischen Organisation communiste internationaliste (OCI). Als Leiter der OCI in Besançon setzte er sich für deren Sache im ganzen Département Jura ein.

Mélenchon studierte an der Universität der Franche-Comté in Besançon lettres modernes (moderne Sprachen und Literatur) sowie Philosophie und schloss 1972 in beiden Fächern mit einer Licence ab. 1974 wurde Mélenchons einzige Tochter geboren. Im selben Jahr wurde er Mitglied des bureau national der trotzkistisch-lambertistischen Studentengewerkschaft UNEF – unité syndicale, die sich von der UNEF abgespalten hatte. 1975 gewann seine Liste bei der Wahl zum Studentenwerk (Crous). Nach Bestehen der Lehramtsprüfung CAPES wurde er 1976 Französischlehrer an einem beruflichen Gymnasium (lycée technique) in Lons-le-Saunier.

1977 trat er in die von François Mitterrand geleitete sozialistische Partei (Parti socialiste, PS) ein. In dieser Zeit wurde er vom politischen Aktivisten zum Berufspolitiker, insbesondere als enger Mitarbeiter des Bürgermeisters von Massy, Claude Germon, der auch Mitglied des Exekutivkomitees des PS war. 1981 wurde Mélenchon als Vertreter des mitterrandistischen Parteiflügels Erster Sekretär des PS im Département Essonne. 1983 wurde er in den Stadtrat von Massy gewählt und 1989 stellvertretender Bürgermeister der Stadt. Seit 1985 war er Abgeordneter im Generalrat des Départements und von 1998 bis 2000 dessen Vizepräsident.

Auf nationaler Ebene war Mélenchon von 1986 bis 2010 mit Unterbrechungen Mitglied des französischen Senats für das Département Essonne. Von März 2000 bis Mai 2002 war er Minister für Berufsbildung im Kabinett Jospin. Gemeinsam mit Henri Emmanuelli vertrat Mélenchon die linkssozialistische Strömung Nouveau Monde innerhalb des PS. Obwohl sich die Partei in einer Urabstimmung für ein Ja zur europäischen Verfassung ausgesprochen hatte, betrieb Mélenchon Wahlkampf für ein „Nein“ beim französischen Referendum über die Verfassung 2005.

Abschied von der Sozialistischen Partei

Im Jahr 2008 trat Mélenchon aus dem PS aus, als Ségolène Royal in einer Probeabstimmung um das Parteipräsidium den ersten Platz erreichte. Er warf Royal vor, einen „Rechtskurs“ zu verfolgen, und kündigte an, eine neue linke Sammlungspartei, Parti de Gauche („Linkspartei“), zu gründen.

Bei der Europawahl in Frankreich 2009 war er Spitzenkandidat der neu gegründeten Partei im Wahlkreis Sud-Ouest und zog als Abgeordneter in das Europäische Parlament ein. Mélenchon saß in der Konföderalen Fraktion der Vereinigten Europäischen Linken/Nordische Grüne Linke (GUE/NGL) und war von 2009 bis 2011 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für auswärtige Angelegenheiten. Er war bei Abstimmungen im Parlament relativ häufig abwesend

Bei der Europawahl 2014 wurde er erneut ins Europäische Parlament gewählt.

Präsidentschaftskandidaturen 2012 und 2017

Bei der Präsidentschaftswahl 2012 trat er als Kandidat an. Sein Wahlkampf fand in Medien und Öffentlichkeit starke Beachtung.

Im ersten Wahlgang erreichte er rund elf Prozent der Stimmen und damit den vierten Platz. Für die Stichwahl zwischen den Kandidaten François Hollande und Nicolas Sarkozy sprach er eine Wahlempfehlung für Hollande aus.

Bei der kurz nach der Präsidentschaftswahl stattfindenden Wahl zur Nationalversammlung trat er im Wahlkreis Hénin-Beaumont im Pas-de-Calais zur Wahl an, einer Hochburg des rechtsradikalen Front National (FN), um nach eigenen Worten der ebenfalls dort kandidierenden Anführerin des FN, Marine Le Pen, „den Weg zu versperren“. Mélenchon kam im ersten Wahlgang auf 21,5 % der Stimmen. Als Drittplatzierter hinter dem sozialistischen Kandidaten Philippe Kemel (23,7 %) und Marine Le Pen (42,3 %) verfehlte er damit den zweiten Wahlgang. In diesem unterstützte er den sozialistischen Kandidaten, der die Wahl knapp gewann.

Während der Präsidentschaft Hollandes kritisierte Mélenchon dessen Politik mehrfach als „zu rechts“.

Am 10. Februar 2016 kündigte Mélenchon in den Abendnachrichten des Fernsehsenders TF1 an, im Präsidentschaftswahlkampf 2017 als parteiunabhängiger Kandidat antreten zu wollen. Die Ankündigung überraschte insofern, als sie mit Mélenchons Bündnispartnern von der Kommunistischen Partei (PCF) nach deren Angaben nicht abgestimmt war. Die PCF strebte eine Vorwahl („primaire“) unter Teilnahme aller linken Parteien an; seine Ablehnung dieses Vorhabens hatte Mélenchon allerdings bereits zuvor deutlich gemacht. Der Sozialist Arnaud Montebourg sprach sich für ein derartiges Linksbündnis in Frankreich aus. Daraufhin erklärte die PCF, bei der Präsidentschaftswahl nicht mehr Mélenchon unterstützen zu wollen. Dies wurde als Bereitschaft der PCF interpretiert, Montebourg als gemeinsamen Präsidentschaftskandidaten zu unterstützen.

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