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Jean-Antoine Houdon

Französischer Bildhauer (1741–1828)

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Jean-Antoine Houdon (* 20. März 1741 in Versailles; † 15. Juli 1828 in Paris) war ein französischer Bildhauer der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Sein facettenreiches Werk widmet sich sowohl religiösen als auch mythologischen Themen. Neue Maßstäbe setzte er im Fach des plastischen Porträts.

Vielfach replizierte Büsten prominenter Persönlichkeiten in Frankreich, Deutschland, Russland und den Vereinigten Staaten machten ihn einem breiten Publikum bekannt. In ihren individualistischen Physiognomien spiegelt sich der umfassende gesellschaftliche Wandel, der die Jahre der Aufklärung kennzeichnet. Jean-Antoine Houdon prägte die Gesichter einer neuen bürgerlichen Öffentlichkeit.

Entsprechend internationaler Auftraggeber-Kreise sind Werke des Künstlers in vielen Sammlungen und an öffentlichen Plätzen in Europa und den Vereinigten Staaten von Amerika zu sehen. Eine konzentrierte Präsentation zeigt das Herzogliche Museum Gotha. Die thüringische Sammlung umfasst insgesamt 22 Objekte, die vornehmlich aus den frühen Schaffensjahren des Bildhauers stammen.

Jean-Antoine Houdon war Mitglied im Bund der Freimaurer und gehörte der Philosophenloge Neuf Sœurs in Paris an. Hoch geschätzt, wurde er unter Napoléon zum Chevalier de la Légion d’Honneur (1804) wie zum Chevalier de l’Empire (1809) ernannt.

Jugend in Versailles und Paris

Jean-Antoine Houdon wuchs im Umfeld des französischen Hofes auf. Sein Vater, ein kleinerer Bediensteter, pflegte die Königlichen Gebäude und Gärten in Versailles. Das änderte sich, als die Familie 1742 nach Paris zog. Houdons Vater übernahm die Stelle eines Concierge an der École royale des élèves protégés. In diesem Milieu wurden die Bahnen für die Karriere seines Sohnes gelegt:

Akademische Ausbildung in Paris und Rom: 1756–1768

Erfolgreich bewarb sich Jean-Antoine Houdon mit 15 Jahren für eine Bildhauerlehre an der École de l’Acadèmie royale, einer der Akademie angegliederten Kunstschule. Bereits 1756 mit einer Silbermedaille ausgezeichnet, nahm ihn René-Michel Slodtz zwei Jahre später in seine Klasse auf. Zu den prägendsten Lehrern des talentierten Lehrlings zählten auch Jean-Baptiste Pigalle und Jean-Baptiste Lemoyne.

1761 gewann Jean-Antoine Houdon den ersten Preis für Skulptur. An diesen war ein dreijähriges Stipendium für den Besuch der École royale des élèves protégés geknüpft, der Arbeitgeberin seines Vaters. Mit ihm qualifizierten sich auch Pierre Julien, Martin-Claude Monot und Louis-Simon Boizot. Weiterhin unter den Besten, erhielt er 1764 das Brevet für einen dreijährigen Aufenthalt an der Académie de France à Rome. Hier bot sich die Möglichkeit, nicht nur die Antike zu studieren, sondern auch anatomische Studien zu betreiben.

Mit einem Bildhauerdiplom kehrte Jean-Antoine Houdon Ende des Jahres 1768 nach Paris zurück und wurde am 23. August 1769 als Agréé der Akademie de France bestätigt.

Erster Auftritt im Pariser Salon du Louvre 1769

Wenige Tage später waren einige seiner in Rom entstandenen Werke im Salon du Louvre zu sehen, darunter die Statuette eines Luperkalien-Priesters, die Statuen eines Johannes des Täufers und eines Heiligen Brunos. Besonderes Aufsehen erregte seine lebensgroße Anatomiestudie (Ecorché), für die er Chirurgen konsultiert hatte. Sie diente ihm zur Vorbereitung einer Statue des Johannes.

Im Salon von 1771 präsentierte Houdon neben einer Büste Diderots den Gipsentwurf eines schlummernden Morpheus, dessen verkleinerte Marmorausführung 1777 als Aufnahmestück von der Akademie angenommen wurde.

Schlüsseljahre in Gotha 1771–1773: Der Traum von einer Bildhauerakademie

Eine entscheidende Rolle für den weiteren Lebensweg sollte Friedrich Melchior Grimm spielen. Der Paris-Korrespondent und Herausgeber der exklusiven Correspondance littéraire, philosophique et critique war eine wichtige Vermittlerfigur zwischen dem aufblühenden intellektuellen Kulturzentrum Paris und verschiedenen deutschen Höfen, die die Ideale der Aufklärung teilten.

Auf Grimms Empfehlung hatte sich der junge Ernst II. (Sachsen-Gotha-Altenburg) 1768 auf Kavalierstour nach Paris begeben. Dort war er mit Denis Diderot und möglicherweise auch dem Bildhauer Jean-Antoine Houdon in Kontakt gekommen, der soeben aus Rom zurückgekehrt war.

1771 betraute Ernst II. diesen vielversprechenden ehemaligen Romresidenten mit einem Projekt, das ihm ein ernsteres Anliegen war. Seiner verstorbenen Mutter, der Voltaire-Freundin Luise Dorothea, sollte in der Gothaer Margarethenkirche ein Grabmal errichtet werden. Auf Kosten des Direktors der Batiments du Roi bereiste Houdon infolgedessen zwei Mal die thüringische Residenz. Zwischen Künstler und Herzog entfaltete sich ein lebenslanges Freundschaftsverhältnis.

Ein erster Gotha-Aufenthalt des Bildhauers ist vom 12. Oktober bis zum 20. Dezember 1771 belegt. In seinem Gepäck führte er ein Terracotta-Modell für das geplante Grabmal mit. Vor Ort traf er auf den ehemaligen Porzellanmaler Friedrich Wilhelm Eugen Doell, der ihm zur Seite stehen und später sein Lehrling in Paris werden sollte.

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