Jane Drew, eigentlich Joyce Beverly Drew, (* 24. März 1911 in Thornton Heath; † 27. Juli 1996, Cotherstone) war eine englische Architektin und Stadtplanerin. Sie war eine der führenden Architektinnen der Moderne in London, in Indien und in Afrika. Nur wenige Monate vor ihrem Tod erhielt sie 1995 die Ehrung Dame Commander of the Order of the British Empire.
Drew wurde 1911 als Tochter von Harry Guy Radcliffe Drew, Enkel von Joseph Drew, geboren, der Gestalter von chirurgischen Instrumenten und Gründer des British Institute of Surgical Technicians war. Ihre Mutter Emma Spering Jones, eine Lehrerin, wurde bei einem Autounfall schwer verletzt, als Jane vier Jahre alt war. Obwohl sie fortan gelähmt war, kümmerte sie sich um ihre beiden Kinder und versuchte, ihnen ihr Interesse für die Natur und die Kunst weiterzugeben. Janes ältere Schwester Dorothy Stella Radcliffe Drew (1909–1989) war Physikerin und Schülerin von F. M. Alexander.
Drew besuchte die Woodford School in East Croydon und die Croydon High School, wo sie Schülersprecherin war. Sie studierte von 1929 bis 1934 an der Architectural Association School of Architecture. 1933 heiratete sie den Architekten James Thomas Alliston, den sie während des Studiums kennengelernt hatte. Die beiden gewannen einen Wettbewerb für ein Krankenhaus in Devon. In der Folge stieg sie in das Architektenbüro ihres Mannes ein. Das Paar hatte Zwillingstöchter, doch die Ehe wurde schon 1939 geschieden. Kurz arbeitete sie für Joseph Emberton und Charles Holden, dann machte sie sich selbstständig und bezog ein Büro in der 12 King Street, St. James, London. Anfangs beschäftigte sie bewusst nur Architektinnen.
Jane Drew kam bald durch den Congrès International d’Architecture Moderne (CIAM) mit dem Modern Movement in Berührung, das in Großbritannien von MARS (Modern Architectural ReSearch) vertreten wurde. MARS war eine Gruppe von Architekten, Malern und Industriellen. Durch die Gruppe kam sie mit Le Corbusier, Elisabeth Lutyens und Maxwell Fry in Kontakt. Jane Drew heiratete Fry im Jahr 1942. 1944/45 arbeitete Drew als Assistant Planning Adviser für den Minister für die westafrikanischen Kolonien.
Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete sie mit Fry in London ein Architektenbüro, das sie später mit weiteren Partnern fortführte. 1962 wurde ein zweites Büro eröffnet. 1946 bis 1962 war Drew Herausgeberin des Architects' Year Book.
Nachdem der indische Premierminister Pandit Nehru Drews Projekte in Westafrika gesehen hatte, bat er sie und Maxwell Fry, die neue Hauptstadt des Punjab, Chandigarh, zu planen und zu errichten. Drew und Fry konnten Le Corbusier für eine Teilnahme gewinnen, der für die Grundplanung der Stadt und die wichtigsten Regierungsgebäude zuständig war. Drew, Fry und Le Corbusiers Cousin Pierre Jeanneret verbrachten insgesamt drei Jahre in Chandigarh. Aufgrund der extremen Temperaturbedingungen kam Le Corbusier in jedem Jahr in der kälteren Jahreszeit für zwei Monate nach Indien. Nehru wollte mit Chandigarh eine Modellstadt errichten für die Flüchtlinge aus Pakistan. Er wollte keine traditionelle Formensprache, sondern mit neuen Formen experimentieren. So konnten Drew, Fry und Le Corbusier in die Wohnlandschaften auch Schulen, Kliniken, Freibäder und Open-Air-Theater integrieren. Alle Wohnhäuser hatten Sanitäranlagen und eine Wasserversorgung. Die günstigen Häuser waren vor allem als Terrassenhäuser angelegt. Bevor die Häuser gebaut wurden, errichtete Drew Musterhäuser, in denen gelebt wurde und die dann nach Vorschlägen der Bewohner verbessert wurden. Die Mieten für die Wohnungen sollten grundsätzlich ein Zehntel des Monatseinkomens nicht überschreiten. Die Haltung von Tieren war aufgrund der Infektionsgefahr nicht erlaubt. Das neue Wohndesign beeinflusste Indiens Architektur nachhaltig.
Maxwell Fry ging 1973 in Rente, Drew arbeitete noch bis 1979 weiter. Das Paar lebte zu dieser Zeit im „The Lake House“ in Rowfant bei Crawley in Sussex. 1982 beschlossen sie, das Haus zu verkaufen und zogen nach Cotherstone. Fry starb 1987, Drew verstarb 1996 an den Folgen einer Krebserkrankung. Sie wurde in Romaldkirk bestattet.
1961: Beamis Professor, Massachusetts Institute of Technology
1966: Ehrendoktor der Rechte, University of Ibadan, Nigeria
1973: Ehrendoktor, Open University, Milton Keynes, England
1976: Bicentennial Professor, University of Utah, USA
1978: Honorary Fellow of the American Institute of Architects
1985: Honorary Fellow of the Nigerian Institute of Architects, Lagos, Nigeria
1987: Honorary DLitt, Newcastle University, England
1994: Honorary DArch, University of the Witwatersrand, Johannesburg
1996: Dame Commander of the Order of the British Empire
Honorary Fellow, University of Hull
Honorary Fellow, Institute of Contemporary Arts