Jan Udo Holey (* 22. März 1967 in Dinkelsbühl) ist ein deutscher Buchautor. Unter dem Pseudonym Jan van Helsing wurde er als Autor von Verschwörungsmythen sowie geschichtsrevisionistischer und rechtsesoterischer Bücher bekannt. Wegen der antisemitischen Ausrichtung seiner Theorien geriet er wiederholt in die öffentliche Kritik. Wissenschaftler und der deutsche Verfassungsschutz bezeichnen ihn in diesem Zusammenhang als rechtsextremistischen Esoteriker.
Holey wurde als zweites von drei Kindern geboren und wuchs in einer Familie auf, in der esoterisches Gedankengut eine zentrale Rolle spielte. Seine Mutter, Luise Holey, bezeichnet sich als „Seherin“, sein Vater, der ehemalige Unternehmer Johannes Holey, ist ein „traditioneller Gnostiker“.
In seiner Jugend stand Holey der Punk-Szene nahe. Auf dem Rathausplatz in Crailsheim sorgte er für Aufsehen, als er dort eine Deutschlandflagge verbrannte. Nach der Schule absolvierte er eine Lehre als Raumausstatter. Nachdem er mehrere Jahre in der Punk-Szene verbracht hatte, kam er mit RAF-Sympathisantenkreisen in Berührung. Dabei will er erkannt haben, dass die „dritte RAF-Generation“ lediglich ein „Killerdienst“ sei, der im Auftrag der Bilderberger „Politiker entsorgt“. Holey beschreibt sich als in die Sexualmagie initiiert. Er glaubt, sexuelle Energie sammeln und lenken zu können, dass Orgasmen ab dem 42. Lebensjahr die Restlebenskraft schmälern, und präferiert den Vollzug des Geschlechtsakts nur mit Partnern gleicher geistiger Reifestufe. Wie nach seiner Auffassung jeder Hellseher bestätigen könne, verunstalte und disharmonisiere Homosexualität die Aura, weshalb sie mit seinem sexualmagischen Weltbild nicht vereinbar ist. Zur Untermauerung seiner Art der Sexualkunde beruft er sich auf Mönche und Priester im alten Germanien und die Kelten.
Mit 14 Jahren las Holey Bram Stokers Roman Dracula, der ihn inspirierte, das Pseudonym „van Helsing“ für seine Veröffentlichungen zu nutzen. Zur Begründung führt er an, dass der Illuminatenorden, gegen den sich mehrere seiner Bücher richten, ebenfalls aus „Blutsaugern“ bestünde.
Ende der achtziger Jahre verfasste Holey sein erstes Buch Geheimgesellschaften und ihre Macht im 20. Jahrhundert, das im März 1994 im Ewert-Verlag erschien und hauptsächlich in esoterischen Buchläden verkauft wurde. Bereits nach wenigen Monaten entwickelte es sich zum Bestseller. 1995 folgte die Veröffentlichung von Geheimgesellschaften 2. Das Pseudonym wurde im Juli 1996 durch kritische Berichte der Zeitschrift esotera und des Spiegels aufgedeckt. Bis 1996 eine Anzeige der jüdischen Gemeinde Mannheim wegen Volksverhetzung erfolgte, die den Ladenverkauf stoppte, wurden von beiden Büchern vermutlich mehr als 100.000 Exemplare verkauft. Das Verfahren wurde „wegen mangelnder örtlicher Zuständigkeit“ vom Landgericht Mannheim eingestellt. Es folgte eine Anzeige in der Schweiz, woraufhin die beiden Bücher beschlagnahmt und sowohl in der Bundesrepublik Deutschland als auch in der Schweiz indiziert wurden.
Eine erstmalige Erwähnung von Holey in Verfassungsschutzberichten erfolgte im Verfassungsschutzbericht Baden-Württemberg 1996 des Landesamtes für Verfassungsschutz Baden-Württemberg, wo unter der Rubrik Rechtsextremistische Einflußnahme auf die Esoterikszene über ihn berichtet wurde. Es folgten Erwähnungen im Verfassungsschutzbericht Österreichs 2000 sowie durch das Bundesamt für Verfassungsschutz 2004 und 2005, wo Holey als „rechtsextremistischer Esoteriker“ bezeichnet wurde. Auch in den Sozialwissenschaften findet Holey Einzug als „rechtsextremer Esoteriker“.
Seit Ende der 1990er Jahre publiziert er seine Werke in dem 1998 von seiner Mutter gegründeten Amadeus-Verlag. Seit dem 31. Dezember 2009 ist er dort Geschäftsführer. Der Blick nach Rechts schrieb, er gelte mit seinem Verlag als „bekanntester Vertreter der braunen Esoterik“. Dieser Verlag betreibt auch die Internetseite dieunbestechlichen.com; das Impressum nennt Holey als Chefredakteur. Die Seite verheißt „unzensierte Nachrichten – politisch unkorrekt und kostenlos!“
Von 2007 bis 2010 betrieb er den Web-TV-Kanal Secret.tv, über den er seine esoterischen und verschwörungstheoretischen Thesen verbreitete. Darüber wurde ein von Holey und Stefan Erdmann erstellter Film über die Cheops-Pyramide verbreitet. "Filmportal für braune Esoterik" nennt die Evangelische Zentralstelle für Weltanschauungsfragen den Internet-Sender. Das „Handbuch der Alternativmedien“ bezeichnet den Sender als „rechtsextremes Internet-TV“.
In seinen Büchern knüpft Helsing an die Verschwörungstheorien der Autoren Gary Allen und Des Griffin und ihre Werke Die Insider (1970) und Wer regiert die Welt (1976) an. Insbesondere stützt er sich auf den amerikanischen Ufologen Milton William Cooper, den er auch persönlich kannte und aus dessen Werk Behold a Pale Horse er ausführlich zitiert. Holey behauptet eine weltweite Verschwörung der Illuminaten, zu denen er Freimaurer und Juden zählt. Er vertritt die Ansicht, Hitler sei durch Bulwer-Lyttons Buch The Coming Race (1871) und Ossendowskis Titel Tiere, Menschen und Götter inspiriert worden, wofür es keinerlei Belege gibt. Holey bedient mit diesen Behauptungen jedoch Neonazi-Klischees, da viele Passagen der Autoren Bulwer-Lytton und Ossendowski neben theosophischen Quellen zur Bildung von Neonazi-Legenden beigetragen haben.
Im Oktober 2011 erschien im Internetportal Kopp-Online des Kopp-Verlages ein langes Interview zu seinem neuen Buch Hitler überlebte in Argentinien. Am 23. Dezember 2011 erschien dort ein Vorwort Holeys in Originallänge.
Juristische Auseinandersetzungen
1996 wurden beide Bücher Geheimgesellschaften auf Antrag der Jüdischen Gemeinde Mannheim nach einem Beschlagnahmebeschluss des Amtsgerichts Mannheim wegen Volksverhetzung vom Markt genommen.
Trotz der 1998 aus formalen Gründen erfolgten Einstellung des Strafverfahrens gegen Holey wegen Volksverhetzung waren beide Bücher verboten, weil der Inhalt „hochgradig antisemitisch war“.
In der Schweiz waren Holeys Bücher wegen des Verstoßes gegen das Anti-Rassismus-Gesetz von 1995 verboten worden.
Infolgedessen war der Autor bemüht, in der Einleitung und im ersten Teil seiner Schrift das Verbot seiner Bücher als verfassungsrechtlich bedenklich hinzustellen. Auf Seite 14 des ersten Teils schrieb er dazu seine Rechtsauslegung:
2001 hob das Landgericht Mannheim den Beschlagnahmebeschluss wieder auf. Die Indizierung in beiden Ländern wurde nicht aufgehoben.
Rezeption und Bewertung der Veröffentlichungen
Hubert Michael Mader von der österreichischen Landesverteidigungsakademie zufolge ist Holey mit seinen Bestsellern der wohl bedeutendste Coup des Rechtsextremismus nach 1945 gelungen. Er verarbeite verschiedene Themen, die in der esoterischen Szene seit längerem geläufig seien und unspektakulär rezipiert würden. Diese, und das sei das Neue, spitze er mit ungewöhnlich zahlreichen rechtsextremen Ideen zu und vermische sie mit auf seinen Verschwörungstheorien basierenden Interpretationen, wonach der Welt, insbesondere Deutschland, die Vernichtung durch Geheimgesellschaften drohe. Juden seien bei dieser Verschwörung federführend. Dazu habe er im Wesentlichen die rechtsextremen Schriften der Holocaustleugner und Ufologen Miguel Serrano, Wilhelm Landig und des britischen Anthroposophen Trevor Ravenscroft mit einigen Originalquellen vermischt. Holey befürworte autoritäre Staats- und Gesellschaftsvorstellungen, beschönige den Nationalsozialismus und leugne die Kriegsschuld Deutschlands. Holey unterstelle seinen Kritikern von vornherein, sie hätten Angst vor (mentaler) Veränderung. Er beteuere zwar, niemanden manipulieren zu wollen, seine Veröffentlichungen erweckten jedoch immer wieder den Eindruck, als beabsichtige er, seine Leser mental „umprogrammieren“ zu wollen.