An diesem Tag

Jan Troell

Schwedischer Filmregisseur, Kameramann, Drehbuchautor und Filmeditor

Anúncio

Jan Troell (Aussprache [ˌ ʝɑːn tʁʊˈɛlː], * 23. Juli 1931 in Malmö-Limhamn) ist ein schwedischer Filmregisseur, Kameramann, Drehbuchautor und Filmeditor. In seinem Heimatland wird er neben Ingmar Bergman zu den bedeutendsten Filmemachern gezählt. 1973 wurde er für die Verfilmung von Vilhelm Mobergs Roman Emigranten (1971) als erster Schwede für den Regie-Oscar nominiert.

Ausbildung und erste Kurzfilme

Jan Troell wurde 1931 in Limhamn, einem Arbeiterviertel Malmös, geboren, wo er auch aufwuchs und die Schule besuchte. Der Sohn eines Zahnarztes absolvierte nach seiner schulischen Ausbildung den Militärdienst, ehe er sich dazu entschloss Pädagogik zu studieren. Nach Beendigung seines Studiums im Jahr 1953 arbeitete Troell neun Jahre lang als Volksschullehrer an der Sorgenfri-Schule in Malmö, wo er sich ab 1956 ersten Arbeiten auf 8-mm-Film widmete, die er gemeinsam mit Schülern inszenierte. Anfang der 1960er Jahre gab sich Troell vollends der Arbeit als Filmemacher hin. Er realisierte mit Sommerzug (1960) und Das Schiff (1961) erste Kurzfilme für das schwedische Fernsehen und lernte Bo Widerberg kennen. Der schwedische Regisseur verpflichtete Troell 1962 als Kameramann für seinen Schwarzweiß-Kurzfilm Pojken och draken. Ein Jahr später kam es zu einer erneuten Zusammenarbeit, als sich Troell für die Kameraarbeit an Widerbergs Spielfilmdebüt Kinderwagen verantwortlich zeigte. 1964 inszenierte Jan Troll den Kurzfilm Aufenthalt im Marschland (Originaltitel: Uppehåll i myrlandet), der gemeinsam mit Arbeiten von Rolf Clemens, Palle Kjærulff-Schmidt, Maunu Kurkvaara und Klaus Rifbjerg den Episodenfilm 4 × 4 bildete. Der 30-minütige Beitrag in Schwarzweiß basiert auf der gleichnamigen Kurzgeschichte Eyvind Johnsons und berichtet von einem Eisenbahner (gespielt von Max von Sydow), der seinem Arbeitsalltag den Rücken kehrt und in eine Moorlandschaft flieht. Für Aufenthalt im Marschland erhielt Troell im April 1967 auf den 13. Westdeutschen Kurzfilmtagen den Preis Interfilm des Internationalen Evangelischen Filmzentrums, während er in seiner Karriere mehrfach mit Max von Sydow zusammenarbeiten sollte.

1966 folgte mit Hier hast du dein Leben das Spielfilmdebüt Troells, bei dem er sich, wie später bei den meisten seiner Filme, neben dem Schnitt und der Kamera auch für das Filmskript mitverantwortlich zeigte. Das Drama, das erneut auf einer Erzählung von Eyvind Johnson basiert, stellt einen 14-jährigen schwedischen Pflegejungen (gespielt von Eddie Axberg) in den Mittelpunkt, der in der Zeit von 1913 bis 1919 die Arbeiterbewegung und den Sozialismus kennenlernt und zum Erwachsenen heranreift. Der 170 Minuten lange Film, den Jan Troell später erheblich kürzte, wurde von der Kritik als „episch breit angelegter, in seiner Handlungsführung ruhiger Erstlingsfilm“ gelobt, „der durch seine formal ausgewogene poetische Gestaltung und die menschliche Haltung besticht“. Für Hier hast du dein Leben gewann Troell 1967 den schwedischen Filmpreis Guldbagge als bester Regisseur und war im selben Jahr im Wettbewerb der Internationalen Filmfestspiele von Berlin vertreten, wo er erneut den Preis des Internationalen Evangelischen Filmzentrums erhielt. Den Goldenen Bären der Berlinale gewann Jan Troell ein Jahr später für das Drama Raus bist du (1968). Der zweite Spielfilm des schwedischen Filmemachers, erneut in Schwarzweiß gedreht, nahm sich einem Roman von Clas Engström als Grundlage, der ebenso wie Troell und sein langjähriger Co-Drehbuchautor Bengt Forslund ein ehemaliger Volksschullehrer gewesen war. Raus bist du erzählt die Geschichte des Volksschullehrers Mårtensson (gespielt von Per Oscarsson), dessen Ehe zerbrochen ist und der die Kontrolle über seine Schüler verloren hat. Das Drama, an Troells ehemaligem Arbeitsplatz, der Sorgenfri-Schule, gedreht, wurde jedoch vom film-dienst weitestgehend kritisiert. „Die Schüler sind von vornherein kleine Teufel; gesellschaftliche Implikationen, die jenseits individueller Veranlagung für Martenssons Verhalten auslösend sein könnten, bleiben ganz am Rand, sind nahezu nicht vorhanden.“, attestierte 1969 der Filmjournalist Franz Everschor.

Nach dem Erfolg von Raus bist du sollten drei Jahre vergehen, ehe Jan Troell wieder auf sich aufmerksam machen sollte. Er wählte für sein nächstes Projekt die Romantetralogie Romanen om utvandrarna des schwedischen Schriftstellers Vilhelm Moberg als Gegenstand zweier Verfilmungen. Um den Stoff hatte sich unter anderem Jahre zuvor der US-amerikanische Regisseur John Ford vergeblich bemüht. Emigranten (1971) und Das neue Land (1972) wurden beide hintereinander abgedreht, aber auf Drängen des Verleihers zeitlich versetzt in den Kinos veröffentlicht. Die beiden über drei Stunden langen in sich abgeschlossenen Epen, mit Liv Ullmann und Max von Sydow in den Hauptrollen, porträtieren eine in Armut lebende südschwedische Bauernfamilie, die sich um 1850 aufmacht, in die USA auszuwandern. An Originalschauplätzen in Südschweden, Minnesota und Wisconsin gedreht, gelten Troells Literaturverfilmungen, die in Deutschland auch unter den Titeln Die Auswanderer bzw. Die Neubürger bekannt sind, bis heute als teuerste schwedische Produktionen aller Zeiten. Obwohl der Kinoverleih sowohl Emigranten als auch Das neue Land erheblich kürzte, sollten sie dem Filmemacher zum internationalen Durchbruch verhelfen. Der US-amerikanische Kritiker Roger Ebert lobte Emigranten als „... spezieller Film, der schwedisch und dennoch irgendwie amerikanisch sei - im Sinne, dass er die Geschichte darüber erzählt, was Amerika für so viele Millionen bedeutet“. Als „Künstlerisch noch intensiver und nachhaltiger als der erste Teil“ bewertete der film-dienst Das neue Land und verglich ihn mit Elia Kazans Auswanderer-Epos Die Unbezwingbaren (1963). Beide Filme gewannen neben dem Guldbagge und der dänischen Bodil 1973 zwei Golden Globes in den Kategorien Beste Hauptdarstellerin in einem Drama (Liv Ullmann) und Bester ausländischer Film. Bei den Oscars im selben Jahr (offizielle Zählung 1972) folgten fünf Nominierungen, dennoch blieben die Filme unprämiert. Jan Troell, der als erster schwedischer Filmemacher für den Regie-Oscar nominiert wurde, musste sich dem US-Amerikaner Bob Fosse (Cabaret) geschlagen geben, während als Beste ausländische Produktion des Jahres Luis Buñuels Der diskrete Charme der Bourgeoisie triumphierte.

Nach dem großen Erfolg seiner beiden vorangegangenen Filme inszenierte Troell 1973 den schwedischen Fernsehfilm Gamen. Ein Jahr später bot ihm das US-amerikanische Filmstudio Warner Bros. die Regie für den englischsprachigen Western Zandys Braut an, der von einem rüden Viehzüchter (gespielt von Gene Hackman) handelt, der in seiner Ehefrau (Liv Ullmann) eine ebenbürtige Gefährtin erkennen muss. Der „psychologisch feinfühlige(...) Film um die Partnerschaft in der Ehe, voll innerer Spannung, mit Bildern von herb-poetischem Reiz“ wurde von europäischen Kritikern mit Ingmar Bergmans Szenen einer Ehe (1973) oder François Truffauts Das Geheimnis der falschen Braut (1969) verglichen. Dennoch fühlte sich Troell in der US-amerikanischen Filmszene nicht wohl. Die Zusammenarbeit mit einem 100-köpfigen, internationalen Filmteam verunsicherten den schwedischen Filmemacher, der aus vertraglichen Gründen auch nicht wie gewohnt die Kameraarbeit übernehmen konnte. Nach der Produktion von Zandys Braut kehrte er in seine Heimat Schweden zurück, wo 1977 das Drama Bang! entstand. Der Film um einen freiheitsliebenden Amateurmusiker und Lehrer (gespielt von Håkan Serner) wurde von Ingmar Bergman als „poetisches Meisterwerk“ gelobt, war jedoch seinerzeit in Schweden umstritten. 1979 kehrte Troell erneut nach Hollywood zurück, um für den italienischen Filmproduzenten Dino De Laurentiis das Drama Hurricane mit Mia Farrow und Jason Robards in den Hauptrollen abzudrehen. Bei der 20 Mio. US-Dollar teuren Großproduktion, die ursprünglich von Roman Polański hätte inszeniert werden sollen, handelt es sich um ein Remake von John Fords … dann kam der Orkan (1937) und wurde vollständig auf Bora Bora abgedreht. Hurricane, von Kritikern als „zweitklassig“ bewertet, war Troells letzte amerikanische Filmproduktion. Er kehrte nach Beendigung der Dreharbeiten endgültig nach Schweden zurück.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Jan Troell | World in Stories