An diesem Tag

Jan Josef Liefers

Deutscher Schauspieler, Sänger und Regisseur (geb. 1964)

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Jan Josef Liefers (* 8. August 1964 in Dresden) ist ein deutscher Schauspieler, Synchronsprecher, Musiker, Regisseur und Produzent. Der Durchbruch als Schauspieler gelang ihm 1997 in dem Kinofilm Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief. Einem breiten Publikum ist er seit 2002 als Rechtsmediziner Prof. Dr. Dr. Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner Tatort bekannt.

Jan Josef Liefers stammt aus einer Theaterfamilie. Sein Vater war der Regisseur Karlheinz Liefers (1941–2006), seine Mutter ist die Schauspielerin Brigitte Liefers-Wähner, auch sein Großvater Heinz Liefers war Schauspieler. Der Schauspieler Martin Brambach (* 1967) ist sein Stiefbruder. Liefers wuchs in Dresden auf. Zeitweilig lebte er bei seiner Großmutter in Erfurt.

Weil Liefers sich weigerte, zur NVA zu gehen, durfte er in der DDR kein Abitur machen. Nach dem Abschluss der 10. Polytechnischen Oberschule in der Goethestraße im Jahr 1980 absolvierte er zunächst eine Tischlerlehre am Staatstheater Dresden. Anschließend studierte er von 1983 bis 1987 an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin.

Aus seiner ersten Ehe mit der russischen Schauspielerin Alexandra Tabakowa, Tochter des Moskauer Schauspielers, Regisseurs und Schauspiellehrers Oleg Tabakow, ging die Tochter Polina Liefers (russisch Полина Лиферс Polina Lifers) (* 1988) hervor, die in Moskau am Theater arbeitet.

Liefers war bis 1999 fünf Jahre lang mit seiner Schauspielkollegin Ann-Kathrin Kramer liiert. Sie lernten sich bei Dreharbeiten der Fernsehserie Die Partner kennen. Aus dieser Beziehung entstammt ein gemeinsamer Sohn, der 1997 geboren wurde.

1999 lernte er die Schauspielerin Anna Loos am Set des Fernsehfilms Halt mich fest! kennen; seit 2004 ist das Paar verheiratet und hat zwei Töchter, Lilly Liefers (* 2002) und Lola Liefers (* 2008). Beide sind ebenfalls als Schauspielerinnen tätig. Liefers lebt mit seiner Familie in Berlin-Steglitz.

Liefers bezeichnet sich selbst als Atheisten und Agnostiker, wünscht sich aber eine stärkere Orientierung an christlichen Werten im Zusammenleben.

Bereits 1980 spielte Liefers noch als Schüler am Studententheater Die Bühne der Technischen Universität Dresden. Danach wirkte er an dem Arbeitertheater Dramatischer Zirkel des VEB Grafischer Großbetrieb Völkerfreundschaft Dresden unter der Leitung von Rudolf Donath. Für sein erstes hauptberufliches Theaterengagement ging Liefers direkt nach der Schauspielschule ans Deutsche Theater Berlin (1987–1990), wo er in Inszenierungen von Regisseuren wie Thomas Langhoff und Heiner Müller mitwirkte und mit seinem Schauspielerkollegen Tobias Langhoff die Experimentalbühne Baracke am Deutschen Theater ins Leben rief und 1989 mit dem Stück Der stumme Diener (The Dumb Waiter) von Harold Pinter eröffnete.

Unmittelbar nach der politischen Wende in der DDR wechselte Liefers 1990 in ein festes Engagement an das Thalia Theater in Hamburg und arbeitete dort mit Theaterregisseuren wie Robert Wilson, Werner Schroeter und Jürgen Flimm sowie mit dem Komponisten Tom Waits zusammen. 1994 kündigte er am Thalia Theater, um freischaffend für Film und Fernsehen tätig sein zu können.

Sein Kinodebüt gab Liefers 1989 in der Gemeinschaftsproduktion von ZDF und DEFA in dem Film Die Besteigung des Chimborazo von Rainer Simon, in dem er den jungen Forscher Alexander von Humboldt spielte. In der sechsundzwanzigteiligen Kriminalfernsehserie Die Partner verkörperte er von 1995 bis 1996 an der Seite von Ann-Kathrin Kramer den Düsseldorfer Privatdetektiv Philip Casdorff.

Der Durchbruch gelang ihm 1997 mit Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem schlief. Für die Rolle des Bodo Kriegnitz erhielt Liefers den Bayerischen Filmpreis für Nachwuchsschauspieler. 1997 erschien das deutsche Roadmovie Knockin’ on Heaven’s Door, in dem Liefers an der Seite von Til Schweiger den an Knochenkrebs erkrankten Rudi Wurlitzer spielte. Der Film wurde ein großer Erfolg und hatte über drei Millionen Zuschauer. 2000 brachte ihm die Rolle des Gitarristen Johnny in der Tragikomödie Halt mich fest! an der Seite seiner späteren Ehefrau Anna Loos den Fernsehfilmpreis der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste ein.

Seit 2002 steht er zweimal im Jahr gemeinsam mit Axel Prahl für den WDR-Tatort als Rechtsmediziner Karl-Friedrich Boerne in Münster vor der Kamera. Diese Filmfigur basiert auf dem Rechtsmediziner und Professor Bernd Brinkmann (* 1939). In einer Folge war Liefers auch für die musikalische Gestaltung verantwortlich. Die Folge Fangschuss im April 2017 erreichte mit 14,56 Millionen Zuschauern die höchste Einschaltquote für einen Tatort seit 1992.

2008 übernahm Liefers in dem vom NDR produzierten Film Es liegt mir auf der Zunge die Rolle des ersten deutschen Fernsehkochs Clemens Wilmenrod. Im Oscar-nominierten Spielfilm Der Baader Meinhof Komplex (2008) verkörperte er Peter Homann.

Seit 2009 ist Liefers neben Günther Jauch wiederholt Kandidat in der von Frank Plasberg moderierten ARD-Spielshow 20xx – Das Quiz. 2010 war er als erfolgloser Rockmusiker und Lebenskünstler Rochus Siwak an der Seite von Ursula Strauss und Joachim Fuchsberger in der österreichisch-deutschen Filmkomödie Die Spätzünder zu sehen, die 2013 mit Die Spätzünder 2 – Der Himmel soll warten fortgeführt wurde.

Liefers hat neben Filmmusiken Drehbücher verfasst und trat auch als Filmregisseur in Erscheinung. 2010 gründete er die Firma Radio Doria Entertainment für Film- und Fernsehproduktionen. 2021 drehte Liefers mit seiner Filmproduktionsgesellschaft als Regisseur den ZDF-Fernsehspielfilm Honecker und der Pastor in Potsdam und im Studio Babelsberg.

Seit 2012 spielt er neben Stefanie Stappenbeck in den vom ZDF produzierten Verfilmungen der Joachim-Vernau-Romane von Elisabeth Herrmann die Hauptrolle des Rechtsanwalts Joachim Vernau. 2020 moderierte er LIEFERService auf Das Erste, eine Talkshow in Skype-Format mit unterschiedlichen Gästen aus dem Home-Office.

Im Februar 2021 spielte er an der Seite von Katharina Schüttler in der achtteiligen ZDF-Thriller-Miniserie Tod von Freunden die Serienhauptrolle des Architekten Bernd Küster. Gemeinsam mit dem befreundeten Gerichtsmediziner Michael Tsokos wirkte Liefers 2021 in der RTL-Dokumentarserie Obduktion – Echte Fälle mit Tsokos und Liefers mit. 2022 analysierte Liefers, ebenfalls mit Tsokos, für eine RTL-Dokumentation die Todesumstände der 2012 verstorbenen Sängerin Whitney Houston.

Neben seinen Arbeiten auf der Bühne und vor der Kamera hat sich Liefers auch eine Karriere als Musiker aufgebaut. 1975 bekam er seine erste Gitarre und nahm Gitarrenunterricht. Seit 2006 ist er mit seiner Band Radio Doria (vormals Jan Josef Liefers & Oblivion) regelmäßig auf Tournee. Unter dem Titel Soundtrack meiner Kindheit berichtet er in den Auftritten über seine Kindheit in der DDR und stellt Lieder ostdeutscher Bands (beispielsweise Silly, Renft, Lift, Puhdys) vor, die ihn geprägt und durch seine Kindheit und Jugend begleitet haben. 2009 veröffentlichte er eine gleichnamige Autobiografie.

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