Jan Fleischhauer (* 7. Mai 1962 in Osnabrück) ist ein deutscher Journalist, Kolumnist und Autor. Von 1989 bis 2019 war er für den Spiegel tätig, seit August 2019 arbeitet er für den Focus.
Jan Fleischhauer wurde 1962 in Osnabrück geboren. Sein Vater, der Kunsthistoriker und Journalist Dietrich Fleischhauer, war Korrespondent des Norddeutschen Rundfunks (NDR) und hatte 1960 die Leitung des neu eingerichteten Osnabrücker NDR-Studios übernommen. Später wurde er Pressesprecher und Leiter der Öffentlichkeitsarbeit des NDR in Hamburg und Geschäftsführer der Deutschen Fernsehlotterie. Seine Mutter Inge Fleischhauer war die uneheliche Tochter einer Deutschen und eines französisch-algerischen Zwangsarbeiters. Sie machte eine Ausbildung zur Apothekerin, bevor sie ihren Beruf aufgab. 1969 trat sie in die SPD ein.
Den überwiegenden Teil seiner Kindheit und Jugend verbrachte Fleischhauer in Hamburg-Wellingsbüttel. Von 1974 bis 1981 besuchte er das Gymnasium Grootmoor in Hamburg-Bramfeld. Als Jugendlicher engagierte er sich in der Evangelischen Kirche, trat jedoch später aus. Ab den 1980er Jahren wählte Fleischhauer nach eigenen Angaben die Grünen, seit 2005 die FDP.
Nach dem Abitur im Juni 1981 und dem anschließenden Zivildienst studierte Fleischhauer seit April 1983 Literaturwissenschaft, Linguistik und Philosophie an der Universität Hamburg und schloss sein Studium im Mai 1988 mit einer Magisterarbeit über Gespenstertheorien der Aufklärung ab. Während seines Studiums arbeitete er als Barkeeper. Er absolvierte ein längeres Praktikum bei der Münchner Abendzeitung. Ab Juni 1987 besuchte er die Henri-Nannen-Schule für Journalisten in Hamburg. Ab 1989 war er in wechselnden Funktionen als Redakteur beim Nachrichtenmagazin Der Spiegel tätig, unter anderem als Reporter in Leipzig (1991), als stellvertretender Leiter des Wirtschaftsressorts und stellvertretender Leiter des Hauptstadtbüros. Von 2001 bis 2005 war er Wirtschaftskorrespondent in New York. Ab 2008 war er Autor des Spiegels in Berlin. Bekanntheit erlangte er durch seine Kolumne „Der schwarze Kanal“, die im Januar 2011 erstmals erschien und im Netz große Reichweite erlangte.
Im August 2019 wechselte Fleischhauer als Mitglied der Chefredaktion des Focus zum Burda-Verlag.
Fleischhauer war Mitglied der Atlantik-Brücke. Er gehörte drei Jahre lang der Deutschen Islamkonferenz an. Seit März 2022 ist er Mitglied der Bürgerinitiative Wolodymyr Selenskyj Platz e. V., die seit dem russischen Überfall auf die Ukraine fordert, den Abschnitt der Straße Unter den Linden, an der sich die Russische Botschaft befindet, nach dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu benennen, so dass deren Adresse Wolodymyr-Selenskyj-Platz 1 lauten würde. Fleischhauer ist Gründungsmitglied des PEN Berlin.
Fleischhauers erstes Buch Unter Linken erschien 2009. Darin begründete er seine Entwicklung zum Konservativen mit dem Dogmatismus seines sozialdemokratischen Elternhauses und ähnlicher Milieus. Unter Linken wurde zum „meistverkauften politischen Sachbuch des Jahres“. Fleischhauer schrieb zum Buch einen Themen-Blog.
Im Mai 2012 erschien Fleischhauers zweites Buch Der schwarze Kanal – Was Sie schon immer von Linken ahnten, aber nie zu sagen wagten, eine Sammlung von leicht überarbeiteten Texten aus der Kolumne bei Spiegel Online. In seinem 2017 erschienenen autobiografischen Buch mit dem Titel Alles ist besser als noch ein Tag mit dir stellte Fleischhauer die Probleme nach seiner Scheidung im Sommer 2011 in einer literarisierten Schilderung dar.
Sein Buch How dare you (2020), dessen Titel einen Ausspruch der Klimaschutzaktivistin Greta Thunberg zitiert, enthält eine Auswahl von Kolumnen sowie Interviews mit Deniz Yücel, Armin Nassehi, Klaus Bittermann, Sophie Passmann, Margot Käßmann, Mathias Greffrath und Jakob Augstein. Das Nachwort stammt von Stefan Kuzmany.
Im Mai 2026 erschien Fleischhauers viertes Buch mit dem Titel Du bist nicht allein – Das Mehrheitsparadox oder was passiert, wenn die Mitte der Gesellschaft das Gefühl hat, am Rand zu stehen.
Zwischen Januar 2011 und Juni 2019 schrieb er für Spiegel Online die Kolumne Der Schwarze Kanal, die ab Mai 2014 auch in die Print-Ausgabe übernommen wurde. Dort wechselte er sich mit Jakob Augstein und Markus Feldenkirchen ab, seit Ausgabe 45 im Jahr 2018, die Ende Oktober erschien, nur noch mit Feldenkirchen. Mit Augstein hatte er bis 2018 die Videokolumne Das Duell – Augstein kontra Fleischhauer. Der Titel der Kolumne spielt auf die propagandistische DDR-Fernsehsendung Der Schwarze Kanal mit Karl-Eduard von Schnitzler sowie auf die Assoziation der Farbe Schwarz mit der Union bzw. dem konservativen Spektrum an.
Fleischhauer war Autor des Weblogs Die Achse des Guten und 2010 Autor auf freiewelt.net sowie auf der Website des evangelikal geprägten Verbandes Deutsches Institut für Jugend und Gesellschaft. 2019 wurde er regelmäßig in der Welt am Sonntag interviewt.
Nach achteinhalb Jahren endete im Juli 2019 Der schwarze Kanal auf Spiegel Online und wird seither im Focus fortgesetzt. Von einigen Medien wurde der Wechsel mit der Beobachtung kommentiert, dass Fleischhauers konservative Positionen der politischen Ausrichtung des Focus weniger entgegengesetzt seien als der des Spiegel. Die Kolumne wird samstags veröffentlicht, aber bereits mittwochs geschrieben, da das Magazin donnerstags Redaktionsschluss hat. Fleischhauer hatte Videokolumnen auf Bunte.de und Focus Online. Im Mai 2021 startete er mit Carolin Blüchel das Talkformat Ist das euer Ernst? auf Focus Online.
Von April bis Juli 2020 moderierte er zusammen mit Jakob Augstein jeden Mittwoch den Podcast The Curve, dessen Titel auf die Verlaufskurve der Infektionen während der COVID-19-Pandemie anspielte.
Von Februar bis März 2021 moderierte er den Focus-Podcast Die falschen Fragen, zunächst mit Esra Karakaya, dann mit Phenix Kühnert. Nach drei Folgen beendete Fleischhauer den Podcast mit der Begründung, die Gesprächspartnerinnen hätten sich aufgrund negativer Reaktionen in Sozialen Medien aus dem Projekt zurückgezogen. 2025 starteten die Podcasts Der schwarze Kanal mit Carolin Blüchel sowie Sagen wie es ist mit Sigmund Gottlieb.
2010 war Fleischhauer im Dokumentarfilm Unter Linken – der Film bei Spiegel TV zu sehen, der auf seinem Buch Unter Linken basiert. Der Film verwendete Methoden des Filmemachers Michael Moore und zeigt unter anderem Interviews mit Frank Bsirske und Hans-Christian Ströbele. 2014 war Fleischhauer Co-Autor des Sat.1-Films Der Rücktritt über die Affäre um den ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff. Von April 2020 bis Juni 2023 moderierte er die wöchentliche Fernsehsendung Fleischhauer – 9 Minuten Netto auf ServusTV. Das Format wurde auch als Podcast angeboten. Seit 2022 kommentiert Fleischhauer regelmäßig bei Welt TV in der Rubrik Meine Welt – meine Meinung. Eine Ankündigung, dass er eine wöchentliche Late-Night-Show mit dem Titel Fleischhauers Welt beim Portal Nius übernehmen soll, wurde zurückgezogen. Seit November 2025 moderiert Fleischhauer die ZDF-Sendung Keine Talkshow – Eingesperrt mit Jan Fleischhauer.
Fleischhauer ist verheiratet und hat fünf Kinder. Er lebt mit seiner Familie in Pullach im Isartal im Landkreis München. Zuvor wohnte er in München-Schwabing und in Berlin. Aus erster Ehe hat Fleischhauer zwei erwachsene Söhne.
1996 schrieb Fleischhauer einen kritischen Artikel über Ungereimtheiten in der Biografie des FAZ-Herausgebers Frank Schirrmacher, darunter die Umstände der literaturwissenschaftlichen Promotion bei Hans Ulrich Gumbrecht 1988. Der Artikel sorgte für eine breite Diskussion über Schirrmachers Glaubwürdigkeit, der Schriftsteller Eckhard Henscheid verarbeitete die biografischen Details 1998 in seiner Schlüsselerzählung 10:9 für Stroh. Laut Michael Angele stammt der ohne Autorennamen abgedruckte Artikel mit der Überschrift Überflieger im Abwind von Fleischhauer, was dieser Schirrmacher erst im Nachhinein erzählte. Der Artikel basierte auf einem Dossier, das der Medienwissenschaftler Rembert Hüser an den Spiegel geschickt hatte. Während sich Chefredakteur Stefan Aust, der mit Schirrmacher befreundet war, gegen den Artikel einsetzte, sorgte Herausgeber Rudolf Augstein für seine Veröffentlichung. Er erklärte Fleischhauer auf dessen Frage, ob der Artikel auch ungekürzt erscheine: „Herr Fleischhauer, das Schwert der Guillotine darf nicht zu kurz sein!“ Fleischhauer zitiert den Satz in der Einleitung seines Buchs How dare you!