Jan Fethke, Pseudonym Jean Forge, (* 26. Februar 1903 in Oppeln; † 16. Dezember 1980 in Berlin) war ein deutsch-polnischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Esperanto-Schriftsteller.
Fethke arbeitete an über 50 Drehbüchern für die deutsche, polnische und französische Filmindustrie und führte Regie bei 12 Filmen. Die Drehbücher der bekannten Stummfilme „Mutter Krausens Fahrt ins Glück“ und „Jenseits der Straße“ schrieb er gemeinsam mit Willi Döll.
Fethke war Sohn des deutschen Arztes Josef Fethke (1866–1919) und der polnischen Adligen Zofia Dorota Stumberg-Sychowska (1871–?). Er wuchs zweisprachig auf mit Polnisch und Deutsch. Fethke hatte zwei Brüder – Stefan und Edmund – und eine Schwester Hedwig.
Fethke war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, die Französin Clotilde de Petry (geb. 1918) kam in Warschau während des Krieges ums Leben. 1951 heiratete er die Juristin Wanda Jurkiewicz (1924–2018).
Jan Fethke besuchte zunächst das altsprachliche Gymnasium in Oppeln. Nach dem Tod des Vaters zog die Familie nach Bromberg. 1923 und 1924 studierte er an der Technischen Hochschule Danzig und arbeitete für die örtliche Tageszeitung Danziger Presse, um seinen Lebensunterhalt zu finanzieren.
Das „ungeliebte Ingenieurstudium“ trat mehr und mehr in den Hintergrund. Fethke las den Filmkurier und war mit Drehbuchschreiben beschäftigt. Auch schrieb er nach Veröffentlichung seines ersten Romans in Esperanto Abismoj einen zweiten Saltego trans jarmiloj. Er besuchte eine „Filmschule“ in Danzig, deren Unseriösität er aber durchschaute. Schließlich brach er das Ingenieurstudium ab, um sich seiner Filmkarriere zu widmen.
1924 ging Fethke nach Berlin. Rückblickend schrieb er:
Dem UFA-Regisseur Karl Grune (1885–1962) zeigte er sein Drehbuch. Der verfilmte es zwar nicht, erkannte aber Fethkes Talent und stellte ihn ein.
In Berlin wurde Jan Fethke Regieassistent und Drehbuchautor bei der UFA, unter anderem unter Fritz Lang.
Großen Erfolg hatten die Stummfilme Mutter Krausens Fahrt ins Glück und Jenseits der Straße, produziert von der Prometheus-AG. Die Drehbücher schrieb Fethke gemeinsam mit Willi Döll.
Otto Nagel, Käthe Kollwitz und Hans Baluschek begleiteten die Entstehung der Mutter Krause nach Motiven von Heinrich Zille und mit der Musik von Pau Dessau.
Fethke war gefragt, vielbeschäftigt und oft auf Reisen. Er schrieb Drehbücher, war journalistisch für Filmzeitschriften tätig und gab Esperanto-Kurse nach der Cseh-Methode.
Fethke wollte auch Filme in Esperanto machen. Er synchronisierte den Film Morgen beginnt das Leben von Werner Hochbaum auf Esperanto und zeigte ihn unter dem Titel Morgaŭ ni komencos la vivon auf dem 26. Welt-Esperanto-Kongress 1934 in Stockholm.
Zum Esperanto-Weltkongress 1959 in Warschau drehte er dann den Film Verda stelo super Varsovio (Der grüne Stern über Warschau) original in Esperanto.
Drehbuchautor und Regisseur in Polen
Nach 1933 erbrachte er zwar den Ariernachweis und wurde in die Reichsschrifttumskammer aufgenommen, fühlte sich aber nicht sicher und ging 1935 nach Polen. Er beantragte die polnische Staatsbürgerschaft und lebte jetzt in Warschau, wo er als Skriptbearbeiter und Buchautor für polnische Produktionsfirmen tätig war.
Er arbeitete für bekannte polnische Regisseure, z. B. Mieczysław Krawicz und Michał Waszyński. Es entstanden Filme verschiedener Genres. Regie führte er erstmals gemeinsam mit Konrad Tom 1938 bei der Komödie Zapomniana melodia (Die vergessene Melodie) mit dem damaligen Idol des polnischen Films, dem Schauspieler Aleksander Żabczyński.
Mit Kriegsbeginn wurde er als Deutscher in Polen im Lager Beresa Kartuska interniert. Die fünfjährige Prozedur zur Erlangung der polnischen Staatsbürgerschaft war durch den Beginn des Krieges unterbrochen worden. Nach 20 Tagen durch die sowjetische Armee befreit, musste er sich um seine von den Deutschen verhafteten Brüder kümmern. Dann konnte er in Prag für die Bavaria den Kinderfilm Bravo kleiner Thomas (1944) drehen, wurde 1944 nach einer Denunziation wegen Abhörens feindlicher Sender von der Gestapo verhaftet und zu 4 Jahren Schwerarbeit verurteilt. Er kam nach Waldheim. Nach der Befreiung wieder in Prag, wurde er von den Tschechen verhaftet, kam aber auf Initiative der Polnischen Botschaft frei. In Polen wurde er denunziert und erneut verhaftet. Es meldeten sich aber 30 Zeugen – Polen und Juden, die beim Prozess aussagen, er habe ihnen geholfen, so dass er freigelassen wurde und im Nachkriegspolen wieder Filme machen konnte.