Johann Christoph „Jan“ Assmann (* 7. Juli 1938 in Langelsheim; † 19. Februar 2024 in Konstanz) war ein deutscher Ägyptologe, Religions- und Kulturwissenschaftler.
Von 1976 bis 2003 lehrte er als Professor für Ägyptologie an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. Assmann beschäftigte sich schwerpunktmäßig mit der Religionsgeschichte und den Jenseitsvorstellungen im Alten Ägypten, aber vor allem auch mit allgemeinen mentalitäts- und kulturgeschichtlichen Grundfragen menschlicher Gesellschaften. Diese Forschungen, in deren Mittelpunkt unter anderem das Phänomen menschlicher Erinnerungskulturen stand, gingen von seiner Perspektive als Ägyptologe aus, erstreckten sich aber auch auf andere Kulturen der Weltgeschichte und werden auch außerhalb der Ägyptologie stark rezipiert.
Viele seiner Schriften zu diesen Themen entstanden in Zusammenarbeit oder Koautorschaft mit seiner Ehefrau, der Anglistin und Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann. Jan Assmann hat dabei den Begriff des kulturellen Gedächtnisses und die damit verbundenen wissenschaftlichen Konzepte mitgeprägt. Neben diesen Themenkomplexen arbeitete er auch zur Nachwirkung und Rezeption des Alten Ägypten, etwa zum Bild der ägyptischen Religion als eines Mysterienkultes und ihrer Darstellung in Musik (Oper) und Literatur (Thomas Mann).
Privatleben und beruflicher Werdegang
Jan Assmann, Sohn eines Architekten, wuchs in Lübeck und Heidelberg auf. Er war mit der Literaturwissenschaftlerin Aleida Assmann verheiratet. Der Ehe entstammen fünf Kinder. Jan Assmann lebte zuletzt in Konstanz.
Assmann studierte als Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes Ägyptologie, Klassische Archäologie und Gräzistik in München, Heidelberg, Paris und Göttingen. Er wurde 1965 zum Dr. phil. promoviert. 1966/1967 erhielt er ein Reisestipendium des Deutschen Archäologischen Instituts. Von 1967 bis 1971 arbeitete er als freier Mitarbeiter der Abteilung Kairo des Deutschen Archäologischen Instituts und Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).
Jan Assmann habilitierte sich im Jahre 1971 und folgte 1976 einem Ruf an die Universität Heidelberg auf den Lehrstuhl für Ägyptologie, wo er bis zu seiner Emeritierung im Jahre 2003 lehrte. Es folgte eine Honorarprofessur für allgemeine Kulturwissenschaft an der Universität Konstanz, wo seine Frau Aleida Anglistik lehrte. Seine bedeutendsten akademischen Schüler waren Rainer Hannig, Dietrich Raue, Stephan Seidlmayer und Friederike Seyfried.
Jan Assmann starb am 19. Februar 2024 in Konstanz nach langer Krankheit im Alter von 85 Jahren. Die Trauerfeier fand am 8. März 2024 in der Friedenskirche in Heidelberg statt.
Forschungsaufenthalte im Inland und Ausland
Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin (1984/1985)
Scholar am Getty Center in Brentwood, West Los Angeles (1994/1995)
Fellow der C. F. v. Siemens-Stiftung München (1998/1999)
Fellow am Internationalen Forschungszentrum Kulturwissenschaften (IFK) in Wien 2004
Fellow am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medientechnologie (mit Aleida Assmann) in Weimar 2013/14
Gadamer-Stiftungsprofessur (2004)
Gastprofessuren in Paris am Collège de France und an der École Pratique des Hautes Études (EPHE)
Gastprofessur in Jerusalem an der Hebräischen Universität Jerusalem, Dormitio-Abtei
Gastprofessur in Oxford an der University of Oxford, Lady Margaret Hall