James Maurice Gavin, „Jumpin’ Jim“, Geburtsname James Nally Ryan (* 22. März 1907 in Brooklyn, New York City; † 23. Februar 1990 in Baltimore, Maryland), auch „the jumping General“ genannt, war ein US-amerikanischer Lieutenant General (Generalleutnant) und amerikanischer Botschafter in Frankreich. Im Zweiten Weltkrieg führte er unter anderem das 505th Parachute Infantry Regiment und ab August 1944 die 82nd Airborne Division.
Seine Männer, die ihn sehr schätzten, nannten ihn wegen seiner athletischen Figur auch Slim Jim. Anerkennung erntete er auch mit seinem Kampf gegen die Rassentrennung in der US Army.
Die genaue Herkunft Gavins ist unbekannt. Seine Mutter war wahrscheinlich die aus Irland eingewanderte Katherine Ryan, sein Vater der ebenfalls aus Irland stammende James Nally, jedoch wird in der Geburtsurkunde ein Thomas Ryan als Vater angegeben – vielleicht um die Geburt zu legitimieren. In der Geburtsurkunde wird der Name des Kindes als James Nally Ryan angegeben, jedoch wurde Nally nachträglich gestrichen. Als er ungefähr zwei Jahre alt war, gaben ihn seine Eltern im Waisenhaus Convent of Mercy in Brooklyn ab. Von dort kam er in staatliche Fürsorge, bis er im Februar 1909 adoptiert wurde.
Seine Adoptiveltern, Martin Thomas Gavin, ein Bergarbeiter in einem Kohlebergwerk, und dessen Frau Mary (geb. Terrel), nahmen den Jungen mit in ihre Heimat Mount Carmel, Pennsylvania, wo er seine Kindheit und Jugend verbrachte. Hier erhielt er den Nachnamen Gavin. Er lebte mit seiner Familie in Mietshäusern und zog örtlichen Aufzeichnungen zufolge während seiner Jugend oft im selben Block um. Er beschrieb in seinem letzten Interview seinen Adoptivvater als „freundlichen und großzügigen, […] sanftmütigen Mann“, der „niemals seine Hand gegen mich erhob.“ Über seine Adoptivmutter hingegen sagte er: „Sie war eine starke Trinkerin […] mit einer Neigung zur Gewalt, die mein Leben gefährlich machte.“ Gavin berichtet außerdem, dass sie ihn manchmal mit einer neunschwänzigen Katze schlug, die sie extra zu diesem Zweck angeschafft habe. Er berichtet auch, dass sie ihn, während er nachts schlief, schlug. Erst als er älter wurde, ließen die Misshandlungen nach.
Grant Whary, ein Nachbar der Gavins, nahm ihn oft mit auf die Jagd und erfüllte eine Vorbildfunktion. Whary nahm Gavin außerdem ab und zu mit ins Kino, wo er 1915, als er acht Jahre alt war, einen Stummfilm, vermutlich einen Nachrichtenbeitrag, zum Krieg auf dem Balkan sah. Über seine Eindrücke schrieb er: “I was very impressed with the masses of men that were being moved about and with the fighting itself. It seemed to be more movement than actual combat.” (Deutsch: „Mich beeindruckten die Massen von Männern, die bewegt wurden, und das Kämpfen selbst. Es schien mehr eine Bewegung zu sein als wirklicher Kampf.“) Sobald er lesen konnte, begann er sich für Geschichte zu interessieren. Seine unabhängige, aktive und auch aggressive Art ließ ihn zum Anführer seiner Freunde werden.
Gavin arbeitete schon früh in diversen Jobs, beispielsweise als Barbiergehilfe oder Zeitungsausträger. Beim Konkurrenzkampf mit anderen Zeitungsausträgern lernte er die Vorteile von Überraschungen (bzw. Überraschungsangriffen) kennen, die er später, im Krieg, als Taktik anwandte. Obwohl er seinen Adoptivvater gerne mochte und nicht wusste, welchen Beruf er selbst einmal ausüben wollte, war er sich schon als Jugendlicher darüber im Klaren, dass er nicht – wie sein Vater – in den Kohlebergwerken Pennsylvanias arbeiten wollte.
In der achten Klasse, als er über den Amerikanischen Bürgerkrieg unterrichtet wurde, wurde sein Interesse an Kriegstechnologien geweckt. Er bastelte Kriegsspielzeug und spielte Schlachten nach und las Bücher über den Amerikanischen Bürgerkrieg. Mit 13 Jahren fing er an, wichtige Informationen und Erlebnisse auf kleine Zettel zu schreiben, was er sein Leben lang tat.
Aufgrund der schlechten Verhältnisse in seinem Zuhause und weil seine Adoptiveltern wollten, dass er in den Kohleminen arbeitet, beschloss er 1924, an seinem 17. Geburtstag, um Mitternacht sein Zuhause für immer zu verlassen.
Gavin zog 1924 nach New York. Ende März, begegnete er einem rekrutierenden Sergeant der US Army, doch durfte er erst mit 18 Jahren und einer elterlichen Einwilligung in die Armee eintreten. Er sagte dem Sergeant, da er wisse, dass er nie die Einwilligung seiner Adoptiveltern bekommen werde, dass er ein Waisenjunge sei und über den Zeitpunkt seiner Geburt nichts wisse. Der Sergeant nahm ihn, zusammen mit einigen anderen Jungen in seiner Situation, mit zu einem Anwalt, der sich zu ihrem Vormund erklärte und die Einwilligungen unterzeichnete.
1924 wurde Gavin durch Captain (Hauptmann) Buckner im Whitehall Building vereidigt, und daraufhin nach Panama überstellt. Seine Ausbildung fand nicht in einem Trainingscamp statt, sondern in seiner Einheit, der US Coast Artillery in Fort Sherman. Er wurde der Besatzung eines 155-mm-Geschützes zugeteilt.
In Panama herrschten ungünstige Umstände, denn neben Moskitos, welche die Malaria übertrugen, herrschten hohe Temperaturen. Aus Sicht der Armee jedoch ging viel mehr Gefahr von einheimischen Prostituierten aus: Neun Prozent der Soldaten waren an Geschlechtskrankheiten erkrankt. Doch trotz dieser und noch anderer Gegebenheiten empfand Gavin seinen Aufenthalt als Freude.
Gavin vertrieb sich seine Freizeit mit dem Lesen von Büchern in der Bibliothek, so auch mit Great Captains, das Biographien berühmter Feldherren, so z. B. auch Hannibal, enthält.
Der First Sergeant Williams erkannte Gavins intellektuelle Fähigkeiten und machte ihn zu seinem Assistenten. Gavin bestand den Test zum Corporal innerhalb von sechs Monaten. Später notierte er zu seiner Beförderung: “rather young for a soldier in those days” (deutsch: „damals ziemlich jung für einen Soldaten“).
Auf den Rat seines First Sergeants bewarb er sich an einer Armeeschule, deren beste Absolventen die Chance hatten, für die United States Military Academy in West Point zugelassen zu werden. Gavins erster Tag an der Schule war der 1. September 1924, ihm blieben nur zwei Wochen, um sich vorzubereiten. Er erfüllte die körperlichen Voraussetzungen und durfte mit einem Dutzend anderen Männern eine Schule in Corozal, Belize, besuchen. Nach einem Monat Unterricht wurde ein Examen geschrieben, das darüber entschied, wer am anschließenden viermonatigen Hauptkurs teilnehmen durfte.
Das Examen war für Gavin nach eigenen Angaben ein Desaster, denn in Mathematik bekam er eine sehr schlechte Note, was daran lag, dass er in Algebra nicht das gelernt hatte, was für die Prüfung vorausgesetzt wurde. Dennoch durfte er am Hauptkurs teilnehmen. Wie oft in seinem Leben fand er einen Mentor, der ihn unterstützte: Lieutenant Percy Black.
Der Unterricht bei Black begann um 8 Uhr morgens und dauerte vier Stunden. Es wurden jeweils einstündig Algebra, Geometrie, Englisch und Geschichte gelehrt. Zu jedem Fach gab es bis zum Folgetag ca. 40 Seiten als Hausaufgabe zu lesen, was für Gavin zunächst eine Schwierigkeit darstellte. Während der letzten zwei Monate wurden alte Aufnahmeprüfungen von West Point behandelt.
Bei der Abschlussprüfung am 1. März 1925 hatte Gavin mehr Glück. Er hatte zwar Schwierigkeiten, dieses Mal mit dem Zusammenfassen eines Werkes von William Shakespeare, bestand jedoch mit Hilfe Blacks die Prüfung und wurde für West Point zugelassen.
Gavin kam im Sommer 1925 an der United States Military Academy in West Point, New York, an. Nach der Vereidigung musste Gavin Formulare über sein Alter und seine Militärlaufbahn ausfüllen, bei denen er für sein Alter 21 (statt 18) angab, um zu verheimlichen, dass er zum Zeitpunkt seines Eintritts in die Armee nicht alt genug war.