James Last (* 17. April 1929 in Bremen als Hans Last; † 9. Juni 2015 in West Palm Beach, Florida, Vereinigte Staaten) war ein deutscher Bandleader, Komponist, Arrangeur und Musikproduzent. Er prägte mit seinem 40-köpfigen Orchester den zum Easy Listening gehörenden „Happy Sound“, mit dem er ab 1965 rund zwei Jahrzehnte lang einen so großen Erfolg hatte, dass er zeitweise für fast 30 % der Schallplattenverkäufe von Polydor Deutschland sorgte.
Hans Last wurde in der Trinidadstraße 9 in Bremen-Sebaldsbrück geboren. Am 30. September 1931 zog die Familie zur Helmholtzstraße 33 in Bremen-Sebaldsbrück, wo gerade ihr eigenes Haus fertiggestellt wurde.
Der Vater Louis Last (1889–1971) war in jungen Jahren Seemann und wurde anschließend Beamter bei den Bremer Stadtwerken. Er hatte mit Bernhard, Fred und Minna drei Kinder von seiner in jungen Jahren verstorbenen ersten Frau mit in die zweite Ehe gebracht. Schon bei ihm war die Musik die größte Leidenschaft; so fuhr er mit einem Fahrradanhänger, in dem er Bandoneon und Schlagzeug transportierte, zu Veranstaltungen, um für 4 Reichsmark einen ganzen Abend lang zu spielen.
Die Mutter Martha Last (geb. Rex) (1896–1977) kam aus einer nicht sonderlich musikalischen Familie. Sie gebar mit Robert, Werner und Hans drei Kinder.
Im Gegensatz zu seinen Halbgeschwistern waren Hans’ Brüder Robert und Werner ebenfalls sehr musikalisch, Robert spielte Schlagzeug und Werner Posaune. Im Hause Last gab es außerdem ein altes mechanisches Piano mit herausgenommener Walze, auf dem Hans seine ersten musikalischen Versuche unternahm.
Da 1943 kriegsbedingt bereits alle zivilen Ausbildungsstätten geschlossen waren, bestand nur die Möglichkeit, bei der Wehrmacht Musiker zu werden. Last begann 1943 eine Ausbildung bei der Heeresmusikschule in Frankfurt am Main im Stadtteil Riederwald. Er wollte Klarinette erlernen, aber man hatte das Fagott für ihn ausgesucht, als zweites Instrument kam der Kontrabass hinzu. Das Fagott verband Last mit dem Barock, es war in seinen Augen nur für die Musik einer längst vergangenen Zeit geeignet. Bevor die Ausbildung begann, wurden die Schulgebäude durch einen Luftangriff zerstört. Last wurde daraufhin zur Heeresmusikschule Bückeburg versetzt.
In Bückeburg konnte Last als erstes Instrument den Kontrabass lernen. Die von ihm gewünschte Kombination mit der Klarinette gestattete man nicht, zum Bass gehörte die Tuba als zweites Instrument. Das Spielen der Tuba fiel Last leicht. Am Bass gefiel ihm, dass er sich in einem Tanzorchester prima mit Schlagzeug und Akkordeon zusammenspielen ließ, den Instrumenten seiner Brüder. Zum Unterricht gehörte auch das Klavierspiel. Das freie Spiel hatte ebenso wenig Bedeutung wie Unterhaltungsmusik, neben Klassik gab es nur Marschmusik.
Die Schule wurde im April 1945 geschlossen, woraufhin die Ausbildungszeit vorzeitig endete. Alle Schüler, die vor dem 1. April 1929 geboren waren, wurden für die letzten Wochen des Kriegs noch eingezogen. Hans Last konnte von Minden aus in einem Güterzug nach Bremen fahren, wo er das Haus seiner Eltern intakt vorfand.
Im Juni 1945 wurde Last Berufsmusiker, er spielte auf Bitten US-amerikanischer Besatzungssoldaten in deren Bremer Clubs zunächst Klavier, bis man einen Kontrabass für ihn beschlagnahmte. In dieser Zeit entstand auch Lasts erstes Arrangement, eine Begleitmusik für einen Film mit dem Titel The Hunters.
Last schien das Spielen bei den US-Amerikanern kein zukunftssicherer Arbeitsplatz. So wurde er Bassist des Tanzorchesters von Radio Bremen und war dabei, als der Sendebetrieb am 23. Dezember 1945 startete. Im Mai 1947 fand der Name Hans Last erstmals in der Presse Erwähnung, in einer Kritik des Weser-Kuriers über das Orchester. Neben dem großen Tanzorchester existierte eine kleine Besetzung, das Last-Becker Ensemble, das bis auf 13 Mann anwuchs und auf zahlreichen „Bunten Abenden“ spielte.
Neben Tanzmusik spielte Hans Last Jazz. Sein großes Vorbild war der Bassist Chubby Jackson. Später kam noch der junge Däne Niels-Henning Ørsted Pedersen hinzu, zu dieser Zeit war Last aber schon hauptsächlich als Orchesterleiter tätig und spielte nur noch gelegentlich Bass. Um 1950 spielten Hans und Robert Last für einige Zeit im Andras-Hartmann-Trio, dessen Aufnahmen auch der Rundfunk ausstrahlte. Last gewann 1950 und in den beiden folgenden Jahren die Wahl des seinerzeit populären Herrenmagazins Die Gondel zum besten Jazzbassisten.
Auf dem ersten Deutschen Jazzfestival 1953 in Frankfurt am Main bildete man aus den besten Spielern die German All Stars mit Paul Kuhn am Piano, Max Greger am Tenorsaxophon, Günter Fuhlisch an der Posaune, Fred Bunge an der Trompete, Franz von Klenk am Altsaxophon, Gerhard Hühns an der Gitarre, Teddy Paris am Schlagzeug und Hans Last am Bass. Das Konzert erschien bei Telefunken als Langspielplatte und wurde von den Kritikern speziell wegen der exzellenten Rhythmusgruppe gelobt.
Auch im Bereich der Tanzmusik war Last erfolgreich. Er schrieb Arrangements sowohl für das Last Becker Ensemble als auch für das große Tanzorchester von Radio Bremen. Er wurde daraufhin gebeten, für Radio Bremen ein Streichorchester zu gründen. So kam es zum Hans Last-Orchester. Man spielte zwei Mal in der Woche gegen Honorar live oder für Aufnahmen im Rundfunk. Das Orchester arbeitete bereits mit einem Tonbandgerät, mit dem jede Stimme einzeln mit allen Violinen vier Mal aufgenommen wurde. Dann spielte das Orchester zu den Aufnahmen, sodass die wenigen Streicher, nämlich acht Violinen, zwei Bratschen und zwei Celli, um ein Vielfaches imposanter erklangen. Vorbild war der italienische Orchesterleiter Annunzio Mantovani. Last hatte einen freien Mitarbeitervertrag, Radio Bremen als kleine Sendestation mit wenigen Hörern konnte jedoch nicht viel zahlen. Deswegen gab er die leitende Stellung wieder auf und ging als Orchestermusiker nach Hamburg.
1955 heirateten Hans und Waltraud Last und zogen nach Hamburg-Langenhorn. Anlass war eine Anstellung als Bassist im NWDR-Tanzorchester, zunächst als freier, ab Januar 1956 als fester Mitarbeiter des NDR. Das Tanzorchester leitete bis 1980 der Saxophonist und Klarinettist Franz Thon. Es begleitete häufig die Gesangs-Stars jener Zeit, etwa Vico Torriani, Bibi Johns oder Peter Alexander. Die Erfahrungen mit den Sängern konnte Last später als Produzent nutzen. Last schuf auch Arrangements, etwa für Franz Thon und Alfred Hause. Während er bei Radio Bremen 75 DM für ein Arrangement erhalten hatte, waren es in Hamburg 150 DM, später für ein großes Arrangement manchmal auch schon 450 DM.
In dieser Zeit spielte Last zwar noch hauptsächlich einen akustischen Bass, hatte aber als einer der ersten
Musiker Deutschlands bereits einen E-Bass. Es war das Modell EB-1 der Gibson Guitar Corporation.
Helmut Zacharias, Harry Hermann und Michael Jary
Für Helmut Zacharias, der vom Jazz zur populären Unterhaltungsmusik gewechselt war, schuf Last ebenfalls Arrangements. Er war auch eine Zeit lang mit ihm in Europa unterwegs. Zacharias tourte zwar mit einem großen Orchester, verstärkte aber dennoch den Bass: Last nahm sämtliche Titel vorab nachts in der Hamburger Musikhalle auf. Im Konzert hatte er einen Kopfhörer auf und doppelte seine eigene Aufnahme, wobei das Tonbandgerät deutlich sichtbar auf der Bühne stand.