James Simon Wallis Hunt (* 29. August 1947 in Epsom; † 15. Juni 1993 in Wimbledon) war ein britischer Automobilrennfahrer und TV-Kommentator. Hunt nahm zwischen 1973 und 1979 an der Formel 1 teil. Er war wiederholt in Unfälle verwickelt, was ihm die Bezeichnung „Hunt the Shunt“ (etwa „Hunt der Verschrotter“) einbrachte. Hunt gewann zehn Grands Prix und wurde 1976 Formel-1-Weltmeister. Die Medien machten den Titelkampf zwischen ihm und Niki Lauda zu einem „dramatischen Duell“.
Unterstützt durch seinen Lebensstil und sein Erscheinungsbild hatte er in den 1970er Jahren die Aura einer „Pop-Ikone“ oder des „Rockstars der Formel 1“.
Nach seinem Rücktritt als Fahrer wechselte er zum Fernsehen und kommentierte jahrelang gemeinsam mit Murray Walker für die BBC die TV-Übertragungen der Formel 1.
Hunt wurde als Sohn des Londoner Börsenmaklers Wallis Hunt geboren. Seine Mutter war Sue Hunt. James Hunt hatte fünf Geschwister: drei jüngere Brüder sowie eine jüngere und eine ältere Schwester. Die Familie lebte anfänglich im Londoner Vorort Cheam, später zogen sie nach Sutton und daraufhin nach Belmont. Hunt erhielt eine privilegierte Ausbildung; zunächst besuchte er die Westerleigh Preparatory School, danach besuchte er die renommierte Wellington College.
Hunt war bekannt für seine exzessive Lebensweise und Exzentrizität: Mit seiner markanten blonden Haarmähne war der großgewachsene (1,85 m) Hunt Kettenraucher und bekennender exzessiver Trinker. Laut Hans-Joachim Stuck trank er sogar vor den Rennen. Neben Alkohol und Zigaretten konsumierte Hunt jede Menge an Joints und Kokain. Er besaß die Marotte, seine Schuhe an den Spitzen stets aufzuschneiden, und im Fahrerlager war er, dank der ihn umlagernden Groupies, nie zu übersehen. Seine hedonistische Lebensweise trug er offen auf seinem Rennanzug zur Schau. Auf diesem stand: „Sex – Breakfast of Champions“. Er galt als „letzter bunter Hund“ (Zitat des befreundeten Niki Lauda) der Formel 1. Neben dem Rennsport pflegte er eine ausgesprochene Leidenschaft für Squash.
Hunt war zweimal verheiratet. Seine erste Frau, Susan „Suzy“ Miller, trennte sich wegen seiner Lebensweise von ihm und heiratete 1976 den Schauspieler Richard Burton. Mit seiner zweiten Frau, Sarah Lomax, von der er später ebenfalls geschieden wurde, hatte er zwei Söhne, Tom und Freddie. Sein Bruder David war 1988 Testfahrer für das Formel-1-Team Benetton und arbeitete, nachdem er seine aktive Fahrerkarriere aufgegeben hatte, Anfang der 1990er Jahre für das Team Lotus. Hunts jüngerer Sohn Freddie kam mehr durch Zufall mit dem Motorsport in Berührung. Beim Goodwood Festival of Speed durfte er einen Maserati fahren. Dies begeisterte ihn für den Rennsport. In der Saison 2009 fuhr sein Sohn für ein deutsches Team in der Serie ADAC-Formel-Masters.
Kurz vor seinem Tod hörte Hunt auf zu trinken und nahm keine Drogen mehr. Er tat dies auf Veranlassung von Helen Dyson, der er am 14. Juni 1993 einen Heiratsantrag machte. James Hunt starb am Morgen des 15. Juni 1993 im Alter von nur 45 Jahren an einem Herzinfarkt.
James Hunt begann seine Motorsportkarriere mit Clubrennen, bei denen er einen Mini einsetzte. 1968 fuhr er in der britischen Formel Ford, und 1969 wechselte er in die Formel 3.
Hunts erstes Formel-3-Rennen war der 13. Lauf der MCD Lombard Championship, der am 17. August 1969 auf dem Brands Hatch Circuit ausgetragen wurde. Hunt fuhr einen älteren Brabham BT21 für Motor Racing Enterprises und beendete das Rennen auf Platz drei. Es gab im weiteren Verlauf der Saison einige weitere Zielankünfte in den Punkterängen, an das Ergebnis seiner Formel-3-Premiere kam Hunt 1969 allerdings nicht heran. Er beendete die Meisterschaft auf Platz 15.
1970 wurden drei eigenständige Meisterschaften in der britischen Formel 3 ausgetragen. Hunt nahm mit einem privaten Lotus 59 an allen Serien teil. Die Shell Super Oil British F3 Championship beendete er auf Rang sechs der Abschlusswertung, die Lombank British F3 Championship auf Rang 10 und die Forward Trust British F3 Championship auf Position 15.
Für die britischen Formel-3-Rennen der Jahre 1971 und 1972 wurde Hunt vom March-Werksteam verpflichtet. 1971 wurde er Dritter der Forward Trust British F3 Championship; die beiden anderen Formel-3-Meisterschaften beendete Hunt auf den Plätzen acht bzw. zehn.
1972 fuhren Hunt und Bernard McInerney für das March-Werksteam in der Formel 3, das zu dieser Zeit organisatorisch überfordert war. Vor dem Formel-3-Rennen von Monte Carlo 1972 gelang es den Mechanikern nicht, Hunts und McInerneys Wagen rennbereit zu machen. Beide Fahrer verließen vor dem Rennen in Monaco das Werksteam, das schließlich Jochen Mass und Russell Wood verpflichtete. Hunt wechselte für diese Veranstaltung zur französischen Équipe La Vie Claire, deren Fahrer kurzfristig ausgefallen war. La Vie Claire setzte einen March 731 ein. Hunt konnte sich mit ihm nicht qualifizieren. Im Juni 1972 wechselte Hunt zu Hesketh Racing, das einen technisch unterlegenen Rennwagen von Dastle in der Formel 3 an den Start brachte. Er ersetzte Steve Thompson. Das Formel-3-Engagement des Hesketh-Teams endete im Juli 1972. Beim John Player British Grand Prix 1972 in Brands Hatch zerstörte James Hunt im Training eines der beiden Fahrzeuge des Teams, sodass er am Rennen nicht teilnehmen konnte. Das zweite Chassis fuhr Anthony „Bubbles“ Horsley, ein Freund des Teamgründers. Er beschädigte sein Auto in der Aufwärmrunde irreparabel, sodass kein Hesketh-Auto ins Rennen ging. Danach wandte sich das Team der Formel 2 zu.
Nachdem Hunt einige der Frühjahrsrennen der Formel 3 bestritten hatte, meldete Hesketh ihn ab Juli 1972 regelmäßig zu den Rennen der Formel-2-Europameisterschaft. Tatsächlich trat das Team allerdings erst im September 1972 erstmals an. Hunts erstes Formel-2-Rennen war der Festspielpreis der Stadt Salzburg, bei dem Hunt nach 25 Runden vorzeitig ausschied. Auf dem Hockenheimring wurde er Zehnter, das Rennen in Albi schloss er auf Rang acht ab. 1973 ging Hunt noch mit einem Surtees T15 zu einzelnen Formel-2-Rennen für Hesketh an den Start. Nachdem Hunt den Surtees im Training zum Grand Prix de Pau 1973 durch einen Unfall zerstört hatte, beendete Hesketh das Formel-2-Engagement in der Erwartung, dass ein Einstieg in die Formel 1 „nicht wesentlich teurer“ sei als der Formel-2-Betrieb.
Hesketh Racing debütierte mit James Hunt im Frühjahr 1973 in der Formel 1. Der Rennstall war ein Jahr zuvor von dem wohlhabenden britischen Adligen Alexander Hesketh gegründet worden. Das Team hatte bereits in der Formel 3 den Ruf einer Partytruppe erworben; Hunt komplettierte das Image des Teams. Während des dreijährigen Formel-1-Engagements war Hesketh ein Hunt-Team; er war der einzige kontinuierlich für das Team antretende Fahrer. Zwar brachte Hesketh 1975 einige weitere Piloten wie Torsten Palm, Harald Ertl und Brett Lunger an den Start; hierbei handelte es sich aber jeweils nur um einzelne Einsätze, die in erster Linie der Finanzierung des Rennstalls dienten.
1973: Erfolgreich mit Kundenautos
James Hunts erstes Formel-1-Rennen war das Race of Champions 1973, das keinen Weltmeisterschaftsstatus hatte. Hesketh begann als Kundenteam. Der Rennstall setzte einen Surtees TS9 (Chassis 9/006) ein, der 1971 aufgebaut worden war. Hunt war nach Tim Schenken, Sam Posey und Carlos Pace der vierte Rennfahrer, der dieses Chassis fuhr. Er ging von Startplatz 13 aus ins Rennen. Während der Veranstaltung fielen zahlreiche Spitzenfahrer aus, sodass er das Rennen letztlich als Dritter hinter Peter Gethin und Denis Hulme beendete.
Hunts erstes Weltmeisterschaftsrennen war der Große Preis von Monaco, der im Mai 1973 stattfand. Hesketh hatte zu dieser Zeit den Surtees gegen einen March 731 (Chassis 721/5) eingetauscht. Es handelte sich um das dritte von fünf 1972 gebauten March 721G-Fahrzeugen, das in der Formel-1-Saison 1972 von Ronnie Peterson gefahren worden war und das in der Winterpause 1972/73 ein technisches Update erhalten hatte. Der Wagen wurde technisch von Harvey Postlethwaite betreut und erreichte ein besseres technisches Niveau als die Werkswagen. Hunt fuhr mit ihm besser als die Werkspiloten Jean-Pierre Jarier, Henri Pescarolo und Roger Williamson: Während die Werksfahrer 1973 keine Weltmeisterschaftspunkte einfahren konnten, wurde Hunt bereits in seinem dritten Formel-1-Rennen, dem Großen Preis von Großbritannien, Vierter. Beim folgenden Rennen in den Niederlanden wurde er Dritter und stand damit erstmals in seiner Formel-1-Karriere auf dem Podium. Das beste Ergebnis des Jahres erreichte Hunt beim Saisonabschluss in Watkins Glen: Den Großen Preis der USA beendete Hunt auf Platz zwei. Hunt, der in diesem Jahr nur sieben von 15 Formel-1-Rennen bestritten hatte, wurde in der Endwertung mit 14 Punkten Achter der Fahrerwertung.