James Butler, 1. Duke of Ormonde KG (* 19. Oktober 1610 in London; † 21. Juli 1688 in Kingston Lacy, Dorset) war ein anglo-irischer Staatsmann und Soldat. Er wurde bekannt durch seine Verwicklung in die Irischen Konföderationskriege der 1640er Jahre, in denen er die englischen königlichen Truppen in Irland kommandierte.
James Butler war der älteste Sohn von Thomas Butler, Viscount Thurles, und Elisabeth, der Tochter von Sir John Poyntz und der Enkel von Walter Butler, 11. Earl of Ormonde. Die Butlers von Ormonde waren eine alte englische Dynastie, die den Südosten Irlands seit dem Mittelalter beherrschten. Als James’ Vater im Jahre 1619 ertrank, wurde der Junge zur Erziehung von König Jakob I. in den Haushalt von George Abbot, dem Erzbischof von Canterbury gegeben. Dies war ein entscheidender Einschnitt in das Leben des Jungen, da er zuvor von einem katholischen Hauslehrer erzogen wurde. Während alle seine Verwandten in Irland katholisch waren, wurde James nun protestantisch erzogen. Beim Erzbischof blieb er bis 1625. Danach zog er wieder nach Irland zu seinem Großvater. Das Verhältnis zu seiner Familie und seinen anderen Verwandten war allerdings angespannt, da sie seit einiger Zeit unter religiösen Diskriminierungen und Konfiszierungen von Ländereien durch die englische Regierung zu leiden hatten, während er durch seine Religion unbehelligt blieb. Im Dezember 1629 heiratete er seine Cousine Elisabeth Preston, 2. Lady Dingwall, die Tochter und Erbin von Richard Preston, 1. Earl of Desmond. Dies beendete gleichzeitig einen lange währenden Streit zwischen beiden Familien und führte zu einer Zusammenlegung der Besitztümer. Als James’ Großvater im Jahre 1634 starb, erbte er von ihm die Adelstitel 12. Earl of Ormonde, 5. Earl of Ossory und 4. Viscount Thurles, sowie das erbliche Hofamt des Chief Butler of Ireland.
Ormonde hatte bereits einen guten Ruf in Irland. Seine aktive Militärkarriere begann 1633, als Thomas Wentworth den Posten des Lord Lieutenant of Ireland übernahm, der ihn sehr förderte. Wentworth beschrieb ihn dem König, als „jungen, aber glauben Sie mir, klugen Kopf.“ Ormonde wurde im Laufe der Zeit Wentworth’ engster Freund und Unterstützer. Wentworth plante großflächige Konfiszierungen von Ländereien, die katholischen Besitzern gehörten, was Ormonde unterstützte. Dies führte allerdings zu heftigem Streit mit seinen Verwandten. Viele von ihnen gingen in Opposition zu Wentworth, was schließlich zur Rebellion führte. Im Jahre 1640 wurde er während Wentworth’ Abwesenheit vertretungsweise Oberkommandierender der Truppen. Als die Irische Rebellion im Jahre 1641 ausbrach, wurde Ormonde Befehlshaber der Regierungstruppen in Dublin. Der Rest des Landes wurde schon nach kurzer Zeit von den Rebellen in Besitz genommen, zu denen auch Ormondes Verwandte gehörten. Trotzdem kam es zwischen Ormonde und seinen Verwandten nicht zum völligen Abbruch der Beziehungen. Beispielsweise wurde Ormondes Frau und Kinder von seinem Cousin Richard Butler, 3. Viscount Mountgarret, aus der rebellierenden Stadt Kilkenny nach Dublin eskortiert. Ormonde führte in der Folgezeit mehrere Expeditionen ins Umland von Dublin an, um dort Rebellen aufzuspüren. Zunächst konnte er im Jahre 1642 Naas und später dann große Teile von Pale zurückerobern. Trotz dieser Erfolge entstand auch unter den Lordrichtern Irlands Misstrauen ihm gegenüber, aufgrund der Vielzahl von Verwandten, die auf der irischen Seite kämpften. Dieses Misstrauen verschwand allerdings, als Ormonde die Stadt Drogheda befreien konnte. Das englische Parlament dankte ihm und schenkte ihm einen Edelstein im Wert von 620 englischen Pfund. Am 15. April 1642 siegte er in der Schlacht von Kilrush gegen seinen Cousin Lord Mountgarret. Am 30. August 1642 wurde er zum Marquess of Ormonde erhoben und bekam am 16. September direkt vom König eine Ernennung zum Generalleutnant.
Am 18. März 1643 siegte er gegen Thomas Preston, dem späteren Viscount Tara. Ormonde befand sich nun aber in einer schwierigen Situation, da im September der Englische Bürgerkrieg ausbrach und daher aus England kein Nachschub für seine Truppen zu erwarten war. Immer noch waren zwei Drittel des Landes in der Gewalt der Rebellen. Zusätzlich wechselten die Truppen der schottischen Covenanter, die eigentlich in Ulster gelandet waren, um die Irische Rebellion niederzuschlagen, die Seiten und unterstützten die englischen Parlamentstruppen gegen den König. Da Ormonde in Dublin nun völlig isoliert war, stimmte er schließlich einem Waffenstillstand zu. Bedingung war, das der Großteil Irlands der Irisch-Katholischen Konföderation übergeben werden musste. Nur einige kleine Distrikte an der Ostküste Irlands und in der Umgebung von Cork blieben zusammen mit einigen Festungen im Norden und Westen unter englischer Verwaltung. Diese Vereinbarung wurde von den Lordrichtern und der protestantischen Bevölkerung Irlands allerdings vehement verurteilt.
Ormonde setzte dann mit einem Teil seiner Truppen auf Anforderung des Königs nach England über und kämpfte auf der königstreuen Seite im Bürgerkrieg, wo sie allerdings in der Schlacht von Nantwich am 26. Januar 1644 vernichtend geschlagen wurden. Ormonde wurde daraufhin vom König zum Lord Lieutenant von Irland ernannt mit dem Auftrag, zu verhindern, dass das Parlament sich Verstärkungen aus Irland besorgt. Gleichzeitig sollte er in Irland Truppen für den König ausheben und dafür sorgen, dass die Truppen der schottischen Covenanter in Ulster nicht nach England übersetzen. Ihm wurde weiterhin erlaubt, den bisherigen Waffenstillstand mit den Irischen Konföderierten in einen Friedensvertrag umzuwandeln. Der König erhoffte sich dadurch, dass die Iren dann Truppen nach England schicken würden, die auf des Königs Seite im Bürgerkrieg kämpfen würden.
Verhandlungen mit den Irischen Konföderierten
Diese verschiedenen Aufgaben waren schwierig zu bewältigen.
Die „Alten Iren“ (geborene Iren) und die „Alten Engländer“ (katholische Iren englischer Herkunft) waren als Irische Konföderierte praktisch eine unabhängige katholische Regierung mit Sitz in Kilkenny, forderten Tolerierung ihrer Religion und politische Selbstbestimmung. Demgegenüber standen die englischen und schottischen protestantischen Einwohner Irlands. Sobald Ormonde den Konföderierten gegenüber Entgegenkommen zeigte, verlor er immer mehr Unterstützung bei den Protestanten. Daher gestalteten sich die Verhandlungen mit den Konföderierten schwierig, obwohl er fast nur mit Verwandten und Freunden verhandeln musste.
Er schaffte es jedenfalls, das katholische irische Truppen auf Seiten des englischen Königs einen Feldzug nach Schottland unternahmen. 1644 setzte Ormonde zusammen mit Randal MacDonnell, 1. Marquess of Antrim, und einer Truppe von Irischen Konföderierten unter dem Kommando von Alasdair MacColla nach Schottland über, um die königstreuen Schotten zu unterstützen. Dies entfachte den Schottischen Bürgerkrieg (1644–1645). Dies blieb allerdings die einzige Einmischung katholischer Truppen in Britannien während des Bürgerkriegs.
Am 28. März 1646 schloss Ormonde einen Vertrag mit den Irischen Konföderierten, der ihnen religiöse Zugeständnisse machte und einige Repressalien zurücknahm. Dieser Vertrag wurde allerdings von der konföderierten Generalversammlung nicht akzeptiert, nicht zuletzt dadurch, dass Papst Innozenz X. durch seinen Nuntius Giovanni Battista Rinuccini Einfluss nahm. Der Papst war mit einem Kompromiss nicht einverstanden. Daraufhin wurden diejenigen, die den Vertrag mit Ormonde ausgehandelt hatten festgenommen und die Konföderierten kündigten den Frieden mit Ormonde auf.
Es wurde schnell deutlich, dass Ormonde Dublin gegen die Rebellen nicht würde halten können. Daraufhin nahm er Kontakt mit dem „Langen Parlament“ in England auf und schloss am 19. Juni 1647 einen Vertrag, der besagte, dass er Dublin an das Parlament übergeben würde. Der Vertrag beinhaltete Vereinbarungen, die sowohl die Interessen von Protestanten, als auch nicht rebellierende Katholiken berücksichtigten. Ormonde reiste Anfang August 1647 nach England, wo er offiziell Dublin und seine Truppen dem parlamentarischen Kommandanten Michael Jones übergab. In diesem Zusammenhang soll Ormonde geäußert haben, dass er „englische Rebellen den irischen vorziehen würde.“