Jakob Lorber (* 22. Juli 1800 in Kanischa, Herzogtum Steiermark; † 23. August 1864 in Graz) war ein österreichischer Schriftsteller, Musiker und christlicher Mystiker. Sein Werk wird in der konfessionskundlichen Fachliteratur den Neu- bzw. Privatoffenbarungen zugeordnet. Er selbst bezeichnete sich als „Schreibknecht Gottes“.
Lorber wurde als erster Sohn von Michael Lorber und dessen Ehefrau Maria geb. Tautscher, einer alteingesessenen katholischen Bauernfamilie, in dem zur Untersteiermark gehörenden Dorf Kanischa, Pfarre Jahring – heute zur Gemeinde Šentilj (St. Egidi) in Slowenien gehörig – geboren. Mit 17 Jahren zog er nach Marburg an der Drau und wurde dort Lehrergehilfe und Organist. Bald darauf begab er sich nach Sankt Johann im Saggautal, wo er von einem Kaplan Lateinunterricht erhielt. Der Kaplan riet Lorber, sich auf den Priesterberuf vorzubereiten, woraufhin dieser nach Marburg zurückkehrte, um das Gymnasium zu besuchen. Nachdem er fünf Klassen absolviert hatte, setzte er seine Gymnasialstudien in Graz fort. Seinen Lebensunterhalt bestritt er dort als Hauslehrer für Gesang, Musik (Klavier und Violine) und Zeichnen. 1829 besuchte er den „höheren pädagogischen Kurs für Lehrer an Hauptschulen“ und erwarb ein sehr gutes Zeugnis.
Nach der ersten erfolglosen Bewerbung als Lehrer gab Lorber diesen Plan auf und verlegte sich ganz auf die Musik. Er komponierte Lieder und Konzertstücke und kam dadurch mit dem bekannten Tondichter Anselm Hüttenbrenner in Kontakt. In dieser Zeit lernte Lorber den berühmten Geigenkünstler Niccolò Paganini kennen, der ihm einige Unterrichtsstunden erteilte und zum Vorbild wurde. Auch konzertierte er mit Franz Schubert.
Jakob Lorber las laut den Angaben seines Biographen Leitner neben der Bibel Bücher von Jakob Böhme, Johann Tennhardt, Emanuel Swedenborg, Johann Heinrich Jung-Stilling und Justinus Kerner.
Am 15. März 1840 um 6 Uhr morgens vernahm Jakob Lorber, laut eigenen Angaben, eine „innere Stimme“ in der Nähe seines Herzens, die ihn zu schreiben aufforderte. Dieser von ihm als „Gnadenstimme des Herrn Jesus Christus“ verstandenen Stimme widmete er fortan sein Leben und schrieb, ihrem „Diktat“ folgend, rund 20.000 Manuskriptseiten nieder. Seine noch nicht angetretene, gerade erst erhaltene Stelle als zweiter Kapellmeister am Triester Hof kündigte er sofort, weil ihm das Hören der Gnadenstimme unendlich wichtiger war und sie mit dem luxuriösen Wohlleben am Hof unvereinbar gewesen wäre.
Lorber schrieb nicht nur selbst, sondern diktierte einzelne Aufsätze und sogar ganze Bücher seinen Freunden, das meiste davon Anselm Hüttenbrenner. Zudem arbeitete er zuweilen gleichzeitig an mehreren Werken, was in den großen, tagebuchartig geführten Folianten von Hüttenbrenner dokumentiert wurde. Die Manuskripte sind durchwegs in einem Zug geschrieben und beinhalten nur sehr wenige Änderungen und Verbesserungen.
Mit der Aufnahme seiner Schreibtätigkeit war Lorber auf die Unterstützung durch seine Freunde angewiesen; darunter waren Grazer Honoratioren wie der Bürgermeister Andreas Hüttenbrenner – ein Bruder Anselms –, der Apotheker Leopold Cantily sowie der Dichter und steirische Ständesekretär Karl Gottfried von Leitner. Dieser verfasste etwa 1884 Lorbers Biographie.
Nach Lorbers 60. Lebensjahr begannen seine körperlichen Kräfte nachzulassen, wobei laut seinem Biographen Leitner die geistigen ungeschwächt fortwirkten. 1864 erkrankte er und musste drei Monate lang das Bett hüten. Auch während dieser Zeit diktierte er seinen Freunden. Zu Beginn des Frühlings erholte er sich kurzfristig wieder, verstarb jedoch schließlich am 23. August 1864 an einer Lungenerkrankung. Die amtliche Bekanntmachung seines Todes nannte seine Adresse, seinen Beruf sowie die Todesursache: „Herr Jakob Lorber, Tonkünstler, alt 64 J., Laimburggasse Nr. 1391; Bluterbrechen“. Lorber wurde auf dem St.-Leonhard-Friedhof in Graz beerdigt, er war bis zuletzt Mitglied der römisch-katholischen Kirche. Seine Gedenktafel befindet sich in der Neue-Welt-Gasse 4.
Die Manuskripte Lorbers wurden zuerst von Freunden handschriftlich verbreitet, denn eine Druckmöglichkeit ergab sich in Österreich nicht. Zur Veröffentlichung wurden sie nach Deutschland gebracht, aber auch dort gab es Hindernisse: Das 1852 in Stuttgart gedruckte Buch Die Jugend Jesu wurde von der behördlichen Zensur konfisziert. Den Druck der Bücher führte sein Freund Johannes Busch weiter, später Christoph Friedrich Landbeck (1840–1921). Mit der zunehmenden Verbreitung der Bücher von Jakob Lorber, was im größeren Umfang erst nach seinem Tod geschah, bildeten sich an verschiedenen Orten „Lorber-Freundeskreise“, die schließlich in eine Lorberbewegung mündeten. Für die noch in den Lebzeiten Lorbers erschienenen Bücher, deren erste Verleger Justinus Kerner und Carl-Friedrich Zimpel waren, gefolgt von Johannes Busch, bezog Jakob Lorber nie ein Honorar. Insgesamt wurden Lorbers Manuskripte – im Gesamtumfang von etwa 10.000 Druckseiten – in 25 Büchern sowie vielen kleineren Schriften gedruckt.
Im Verlassenschaftsakt, der sich im Steiermärkischen Landesarchiv befindet, ist vermerkt, dass der Musiker seine Violine, ein Klavier sowie mehrere Bilder und Kleidungsstücke seiner „natürlichen Tochter Maria Hochegger“ vermachte. Die Richtigkeit dieser Angabe wird jedoch von einigen Lorberfreunden aus verschiedenen Gründen in Zweifel gezogen. Der Biograph Leitner sowie andere Zeitzeugen und bisher öffentlich gemachte Dokumente berichten nichts über eine natürliche oder adoptierte Tochter. Auch noch heute lebende Nachkommen aus der Familie Lorbers wissen nichts von einer Tochter Jakob Lorbers, lediglich Landbeck erwähnt eine „sogenannte Tochter Lorbers“ in seiner Autobiographie, welche die Handschrift Lorbers vom Großen Evangelium Johannes für 2000 Gulden an einen Wiener Lorberfreund verkauft habe.
In Graz-Andritz ist die Jakob-Lorbeer-Quelle nach ihm benannt.
Lorber schrieb in 25 Bänden ein umfangreiches Werk, in dem er sich u. a. an Jakob Böhme und Emanuel Swedenborg orientiert. Es beschreibt ein kosmologisches System, das von Gott nicht aus dem Nichts erschaffen, sondern im Sinne einer Emanation aus der Fülle seiner Geisteskräfte hervorgegangen sei. Dessen Weltkörper (Planeten, Sonnen, Sterne, Monde usw.) entstanden durch Luzifers Fall, der sich frei gegen Gottes Ordnung entschieden habe und der Eigenliebe verfallen sei. Die Himmelskörper werden dabei als organische Lebewesen verstanden: So habe die Erde einen trichterförmigen Mund am Nordpol, der durch einen Magen-Darm-Trakt mit einem Ausscheidungsorgan am Südpol verbunden sei.
Wie die Gestirne seien auch die Menschen erlösungsbedürftig, sie könnten aber durch die Befolgung des Doppelgebots der Liebe sowie durch Taufe und Abendmahl, das Lorber als Gedächtnis- und Liebesmahl versteht, auf der Erde zur Vollkommenheit gelangen. Dies geschehe durch Vereinigung mit dem „Gottesgeistfunken“. Die Entwicklung des Menschen zur Vollkommenheit setze sich in einer Reihe von Reinkarnationen sowie schließlich im Jenseits fort. Somit würden schließlich alle Menschen im Sinne einer Allerlösung durch diese Vollkommenheit einer auserwählten Zahl gerettet. Gott wird als unendlicher Geist, Urkraft und Urgrund allen Seins verstanden, der in seinem Urmachtzentrum wesenhaft gestaltet ist, als vollkommenster Geistes-Urmensch. Jesus Christus wird als das ins Gewand der Materie gehüllte (inkarnierte) geistmenschliche Urmachtzentrum Gottes verstanden, um alle Geister der Unendlichkeit zu belehren und um die Gefallenen aus ihrem Gericht zu erlösen und sie wieder ins Vaterhaus zurückzuführen. Der Zeitpunkt der Wiederkunft Christi soll ungefähr 2000 Jahre nach seinem Wirken in Palästina (um 30 n. Chr.) sein; an einer Stelle nennt Lorber jedoch einen früheren Zeitpunkt, nämlich um 1920; demnach sollte Christus seinerzeit Folgendes gesagt haben:
„So man nach dieser Meiner Gegenwart 1000, 800 und nahezu 90 Jahre zählen wird, da wird es beinahe keinen Krieg mehr auf dieser Erde geben, und um diese Zeit wird auch Meine persönliche Ankunft auf dieser Erde stattfinden, ...“