An diesem Tag

Jakob Böhme

Schuhmacher, Mystiker, Naturphilosoph

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Jakob Böhme, zeitgenössisch Jacob Böhme (* 1575 in Alt Seidenberg bei Görlitz; † 17. November 1624 in Görlitz), war ein deutscher Mystiker, Philosoph und christlicher Theosoph. Georg Wilhelm Friedrich Hegel nannte ihn den „ersten deutschen Philosophen“, weil er als erster philosophische Werke in deutscher Sprache verfasste.

Jakob Böhme (zeitgenössisch auch Beme, Byme, Bohem und ähnlich) wurde als viertes Kind einer besitzenden Bauernfamilie in Alt Seidenberg bei Görlitz geboren. Der Vater Jakobs war außerdem Kirchdiener und Gerichtsschöffe. Auf Grund seiner schwächlichen Konstitution wurde der Knabe zu einem Schuhmacher in die Lehre gegeben. Nach seinen Wanderjahren ließ sich Jakob Böhme 1594 in Görlitz nieder. Jakob Böhme war Meister und ließ sich am 24. April 1599 als Bürger von Görlitz eintragen. Das Bürgerrecht eines Ledigen setzte voraus, sich binnen eines Halbjahres zu verehelichen und Hausbesitz zu erlangen. Am selben Tag erwarb er eine der 44 Schuhbänke auf dem Untermarkt für 240 Görlitzer Mark vom Schwager seiner künftigen Schwiegermutter. Noch im selben Jahr heiratete er Catharina Kuntzschmann und kaufte ein Wohnhaus auf dem Töpferberg. Seine Frau gebar zwischen 1600 und 1611 vier Söhne. In dieser Zeit hatte er mindestens drei mystische Erfahrungen, die er aber zunächst nicht öffentlich machte.

1612 hielt er seine Überlegungen handschriftlich in einem später Aurora oder Morgenröte im Aufgang genannten Werk fest – eine erstaunliche Arbeit für einen einfachen Schuhmacher, der nie studiert hatte. Man findet alle Keime seines späteren Denkens bereits in diesem Werk. Böhme selbst gab ihm den Namen Morgenrot (der Titel Aurora, unter dem es später bekannt wurde, ist die lateinische Übersetzung dieses Namens).

Böhme hatte nicht die Absicht, diese Arbeit zu veröffentlichen. Doch als sein adeliger Freund Karl Ender von Sercha das Aurora-Manuskript bei Böhme liegen sah, als er zu Besuch war, nötigte er Jakob, ihm das Manuskript zu überlassen. Von Sercha kopierte dann, gegen Böhmes Willen, das Manuskript, sodass es in Görlitz in Umlauf kam. Der damalige Hauptpastor der Görlitzer Peter- und Paulskirche, Gregor Richter, dessen Gemeinde Böhme damals angehörte, bekam eine Kopie zu Gesicht. Richter hielt das Werk für häretisch und ging gegen Böhme beim Stadtrat vor. Daraufhin wurde Böhme kurzzeitig arrestiert und im Jahr 1612 mit einem Schreibverbot belegt, welchem er sich sieben Jahre lang fügte. Böhme quittierte sein Schusterdasein 1613 und verkaufte seine Schuhbank, um seiner Frau Katharina beim Garnhandel zu helfen, da dies wohl lukrativer war.

Nach einigen Jahren des Schweigens ließ er sich 1618 durch Freunde überreden, erneut und jetzt mit der Selbstsicherheit eines Berufenen zu schreiben. Inzwischen hatte er sich vermutlich mit dem Werk des Paracelsus, Valentin Weigels und mit der Philosophie des Neuplatonismus vertraut gemacht, und sein schriftstellerisches Talent hatte sich fruchtbar entwickelt. Sein zweites Werk Die Beschreibung der drei Prinzipien göttlichen Wesens (De tribus principiis) erschien 1619.

Nach der Publikation von Weg zu Christo (1624) und einiger anderer Schriften wurde Richter erneut aktiv und bereitete eine neuerliche Anklage vor. Trotz Richters Tod am 24. August sah sich Böhme zusehends Anfeindungen der Gemeinde ausgesetzt. Er setzte sich mit seinen Kritikern in den Theosophischen Sendbriefen auseinander, die in seiner wachsenden Anhängerschaft auf großes Interesse stießen. Noch auf seinem Sterbebett musste sich Böhme einem Glaubensverhör stellen. Richters Nachfolger verweigerte ihm als Häretiker zunächst ein christliches Begräbnis, das schließlich doch vollzogen wurde. Die verhetzte Einwohnerschaft besudelte seine Grabstätte auf dem Görlitzer Nikolaikirchhof.

Die Philosophie von Böhme wird vereinfachend oft als Pantheismus betitelt, obwohl er diese Anschuldigung vehement zurückwies und sich selbst nicht als Pantheisten begriff. Seine Weltanschauung entspricht den frühbürgerlichen Auffassungen. Böhme wurde von den Wirren der Zeit geprägt, so von den Nachwirkungen der Reformation und des Bauernkriegs, der Erstarrung des Protestantismus und der Gegenreformation, die seit den 60er Jahren des 16. Jahrhunderts an Boden gewann, und dem Ausbruch des Dreißigjährigen Krieges. Im engeren Sinn war es der in Riten und Dogmen verharrende Protestantismus, der weite Bereiche des geistigen und praktischen Lebens in Deutschland bestimmte, gegen den sich Böhme richtete.

Böhmes Lehre war Ausdruck der kleinbürgerlichen Opposition, der sich auch Teile des niederlausitz-schlesischen Adels anschlossen. Die wesentlichen geistigen Quellen, auf die sich diese Richtung stützte, waren Nikolaus von Kues, der seinerseits von Meister Eckhart beeinflusst war, welchen er in seiner Apologia gegen den Pantheismus-Vorwurf verteidigte, die von Nikolaus von Kues beeinflusste naturphilosophische Lehre des Paracelsus und die am Neuplatonismus und der Kabbala orientierte Mystik des Agrippa von Nettesheim. Als Hauptvertreter dieser Strömung gelten Sebastian Franck, Valentin Weigel und Böhme, dessen Lehre ihren Höhe- und Schlusspunkt darstellt.

Böhme und seine Anhänger waren mit dem offiziellen Luthertum unzufrieden und stark an der Lehre Kaspar Schwenckfelds (1489–1561) orientiert. Schwenckfeld wollte – ein Ansinnen, das in der oppositionellen Mystik häufig anzutreffen war und dem urchristliche Ideale zugrunde lagen – ein Christentum ohne Kirche als besondere hierarchisch aufgebaute Organisationsform, weil dadurch die Nähe des Menschen zur göttlichen Vorstellung von seiner Stellung innerhalb der Hierarchie abhängig sei. Vielmehr trat er für eine unmittelbare Beziehung jedes Menschen zur göttlichen Botschaft ein.

Sind auch die äußeren Faktoren von Böhmes Leben bekannt, so kann dies nicht von seinem geistigen Entwicklungsgang und seinen Beziehungen zu den zeitgenössischen theoretischen Hauptströmungen behauptet werden, da hierüber jegliche Angaben fehlen. Er zitierte außer der Bibel weder fremde Werke, noch gibt er Autoren an. Jedoch kann indirekt aus seinen Schriften auf seine unmittelbaren Quellen geschlossen werden. Demzufolge kannte er die naturphilosophische, astrologische, alchemistische und religiös-mystische Literatur seiner Zeit. Er selbst gab an, „vieler hoher Meister Schriften gelesen“ zu haben, ohne dabei die geistige Befriedung gefunden zu haben, nach der er strebte.

Böhme erwägt in seinem Denken nicht nur die Heilige Schrift, sondern auch die Natur. Die Natur ist für Böhme zwar die niederste Art der Gotteserkenntnis, doch auch ein unverzichtbarer Bestandteil derselben. Die höchste Art der Gottesschau ist für ihn jedoch „nur durch den Geist“ möglich.

Böhme behauptet, er habe von der ganzen Natur und ihrer instehenden Geburt seine ganze Philosophie, Astrologie und Theologie studiert und nicht von Menschen und durch Menschen; so behauptet er: „(...) so kann mich auch kein Mensch darin unterrichten.“ Trotzdem ist der Einfluss „vieler hoher Meister“ unverkennbar, insbesondere der von Paracelsus, Valentin Weigel und Kaspar von Schwenckfeld. Vor allem die von der göttlichen Vorstellung zum Menschen hinführende Erkenntnislehre Weigels – Lernen sei, sich selbst erkennen; der Mensch lerne die Welt, welche ist geworden aus der inneren Welt im Menschen; obwohl alle übernatürliche Erkenntnis aus der göttlichen Vorstellung komme, so komme sie doch nicht ohne den Menschen, sondern in, mit, aus und durch den Menschen – bildet den theoretischen Hintergrund des Böhmeschen Schaffens.

Die Gedanken Böhmes liegen in seinen Schriften nicht immer auf den ersten Blick offen, sondern sind mit seinen mystischen, phantastischen, zum Teil mit alchemistischen Spekulationen durchsetzten Auffassungen verflochten. Böhme, der niemals eine Universität besuchte und sich sein gesamtes Wissen selbst erarbeiten musste, verfügte nicht über eine exakte, mit abstrakten Begriffen operierende Wissenschaftssprache; stattdessen besteht sein Vokabular aus einer Liaison lutherisch-biblischer und mittelalterlich-alchemistischer Begriffe, welche Böhme oft genug selbst nicht ganz recht versteht (bspw. benutzt Böhme den Begriff „Qual“ synonym zu „Qualität“ und „Quall“/ „Quell“). Bei allen Nachteilen, die hieraus erwachsen, traten in seiner ausdrucksstarken und lebensnahen Bildersprache die volkstümlichen Züge hervor, die ihn in ungewöhnlich scharfen, von ihm selbst ausgesprochenen Gegensatz zur geltenden Schul- und Büchergelehrsamkeit brachten. Dies hing auch damit zusammen, dass sein persönliches Ziel nicht nur philosophisch-theoretisch, sondern ebenso prophetisch-praktisch war.

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Jakob Böhme | World in Stories