An diesem Tag

Jakob Augstein

Deutscher Journalist und Verleger (* 1967)

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Thomas Jakob Augstein (* 28. Juli 1967 in Hamburg) ist ein deutscher Journalist, Publizist, Kolumnist, Verleger und Schriftsteller. Er ist Miteigentümer der Spiegel-Verlag Rudolf Augstein GmbH & Co. KG und vertritt in der Gesellschafterversammlung den 24-prozentigen Anteil der Familie Augstein. Augstein ist Eigentümer, Geschäftsführer, Verleger und ehemaliger Chefredakteur der Wochenzeitung der Freitag.

Jakob Augstein ist der rechtliche Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein und der John-Updike-Übersetzerin Maria Carlsson. Sein leiblicher Vater war der Schriftsteller Martin Walser, wie Jakob Augstein nach dem Tod von Rudolf Augstein 2002 auf Nachfrage von seiner Mutter erfuhr und im November 2009 bekanntgab. Seine Halbgeschwister sind in der Augstein’schen Linie die Journalistin Franziska Augstein und der Maler Julian Augstein, in der Walser’schen Linie die Schauspielerin Franziska Walser, die Schriftstellerinnen Johanna Walser und Alissa Walser sowie die Dramatikerin Theresia Walser.

Jakob Augstein wuchs in dem Glauben auf, Sohn des Spiegel-Gründers Rudolf Augstein zu sein. Erst nach dessen Tod erfuhr er im Alter von 35 Jahren, dass er der Sohn von Martin Walser ist. Dadurch hatte er plötzlich zwei markante Vaterfiguren: einen der einflussreichsten Journalisten und einen der bedeutendsten Literaten Deutschlands. Augstein traf sich in der Folge oft mit Walser, um seinen leiblichen Vater kennenzulernen und Projekte zu besprechen, aus denen ein Gesprächsbuch hervorging. Über sein Motiv, dies 2009 öffentlich gemacht zu haben, sagte Augstein 2017: „Wahrheit befreit natürlich. Wahrheit tut gut.“ Über die spät gelebte Vaterschaft merkte Martin Walser 2017 an: „Ich hab’ nur gemerkt, dass diese Besuchsvaterschaft ein Immer-zu-wenig war.“ Seinen ersten Vornamen Thomas erhielt Augstein nach dem FDP-Politiker Thomas Dehler.

Nach dem Abitur 1986 am Hamburger Gymnasium Christianeum leistete Augstein seinen Wehrdienst bei der Bundeswehr ab. Er studierte von 1989 bis 1993 Politikwissenschaft am Otto-Suhr-Institut der Freien Universität Berlin und am Institut d’études politiques de Paris („Sciences Po“) sowie Germanistik und Theaterwissenschaft in Berlin. 1992 wurde er Mitglied der SPD. Während des Studiums arbeitete er von 1990 bis 1993 freiberuflich für die Berliner Zeitung.

Berufsweg als Journalist (ab 1993)

Nach dem Abschluss als Diplom-Politologe und sich anschließendem Volontariat ging er von 1993 bis 2003 zur Süddeutschen Zeitung nach München und Berlin. Von 1999 bis 2002 war er Chef der Berlin-Seite der SZ. 2004 übernahm er die Mehrheit am Verlag Rogner & Bernhard, dessen Geschäftsführerin seine damalige Frau Johanna von Rauch war, die Nichte des Anarchisten Georg von Rauch. Diese Verlagsanteile verkaufte Augstein 2011 an Haffmans & Tolkemitt. Nach 2005 arbeitete er auch als Autor im Parlamentsbüro der Wochenzeitung Die Zeit. Augstein vertritt als alleinvertretungsberechtigter Dauertestamentsvollstrecker in der Gesellschafterversammlung des Spiegel-Verlags den 24-Prozent-Anteil der Familie Augstein, dessen Wert im Jahr 2015 auf rund 160 Mio. Euro taxiert wurde. 2003 führte er vor dem Bundeskartellamt das erfolglose Kartellverfahren gegen die von Rudolf Augstein testamentarisch verfügte Übernahme eines Prozents der Anteile durch den Gruner + Jahr-Konzern und die Spiegel-Mitarbeiter KG und den damit einhergehenden Verlust der Sperrminorität.

Berufsweg als Verleger, Autor und Journalist (ab 2008)

Am 26. Mai 2008 erwarb Augstein die Wochenzeitung der Freitag, die er seither verlegt. In einem Interview sagte Jakob Augstein 2017, der Freitag habe zwar keine „Blattlinie“, aber „es gibt den Charakter und die Identität einer Zeitung. Wir sind eine linke Zeitung. (…) Es gibt ja zwei linke Denktraditionen, zwischen denen eine Sollbruchstelle existiert, auf die wir acht geben müssen. Die eine ist auf Gleichberechtigung aus, auf Internationalisierung, auf die liberale Gesellschaft. Die andere steht für Gerechtigkeit und Identität. Ich halte es für unsere Aufgabe, über Nähe und Distanz dieser beiden Stränge nachzudenken.“ Der Freitag stehe für kritischen Journalismus aus Politik, Kultur und Gesellschaft.

Seit 2009 moderiert er Gespräche mit wechselnden Gästen im Radioeins- und Freitag-Salon, der von Radio Eins ausgestrahlt und vom Freitag als Podcast zur Verfügung gestellt wird. Die Veranstaltungen finden im Grünen Salon der Volksbühne Berlin statt.

Im Dezember 2011 trennte sich Augstein von den bisherigen Zeitungsherausgebern Daniela Dahn, György Dalos, Frithjof Schmidt und Friedrich Schorlemmer.

Von Januar 2011 bis Oktober 2018 schrieb er für Spiegel Online die Kolumne S.P.O.N. – Im Zweifel links. Der Titel spielte auf ein Zitat von Rudolf Augstein aus dem Jahr 1971 an: „Wir bleiben ein liberales, ein im Zweifelsfall linkes Blatt“.

Bei Phoenix wurde seit 21. Januar 2011 das Format Augstein und Blome gesendet. Dort diskutierten Augstein und Nikolaus Blome, der bis 2013 als stellvertretender Chefredakteur bei Bild tätig war und anschließend bis Mai 2015 Chefredakteur des Hauptstadtbüros des Spiegels war, kontrovers über aktuelle Themen. Das Format wurde für den Grimme-Preis 2013 in der Kategorie „Information und Kultur“ nominiert. Mit Blomes Wechsel von Phoenix zu RTL wurde die Sendung im August 2020 eingestellt. Auf Grundlage der Gespräche erschienen mehrere Bücher, die laut Augstein „Gesprächssimulationen“ sind. Seit August 2021 werden im RTL Nachtjournal regelmäßig kurze Episoden der Kategorie Gegenverkehr ausgestrahlt, in der Augstein von Blome durch den Berliner Hauptstadtverkehr chauffiert wird, während beide über aktuelle politische Themen diskutieren.

Von Februar 2013 an war Augstein auch Chefredakteur des Freitag, gemeinsam mit Philip Grassman und Michael Angele, der zum 1. Januar 2015 die bisherige stellvertretende Chefredakteurin Jana Hensel ablöste.

2016 führte Augstein für die ZDF-Reihe Zeugen des Jahrhunderts ein über dreieinhalbstündiges Interview mit Egon Krenz, dem letzten Staatsratsvorsitzenden der DDR.

Anfang 2017 baute Augstein den Freitag um: Als Chefredakteur holte er Christian Füller und zum Herausgeber bestellte er den Publizisten Jürgen Todenhöfer. Gegenüber der Süddeutschen Zeitung bestritt Augstein, dass Redaktionsmitglieder deswegen gehen wollten, räumte aber ein, dass redaktionsintern über das Selbstverständnis des Blattes gestritten wurde. Bis Anfang Juli 2017 schieden beim Freitag jedoch die stellvertretende Chefredakteurin Katja Kullmann, der Sportjournalist Martin Krauß sowie sechs weitere Autoren aus. Kullmann begründete ihren Schritt damit, dass sie das „publizistische Umfeld“ Todenhöfers abschrecke. Seine Ernennung zum Herausgeber sei „politisch fahrlässig bis gefährlich“, „genau jetzt käme es darauf an, eine klare Grenze zum rot-braunen Lager zu ziehen.“ Krauß nannte als Grund für seinen Ausstieg, dass Todenhöfer antisemitische Stereotype bedient habe.

Füller schied im September 2017 wieder als Chefredakteur aus, woraufhin Augstein die Funktion erneut selbst übernahm und Michael Angele in die Chefredaktion berief. Zum Dezember 2017 holte er Simone Schmollack von der taz als nunmehr drittes Mitglied der Chefredaktion.

Als 2017 die investigative Journalistin und Mafia-Expertin Petra Reski wegen eines im Freitag veröffentlichten Artikels über organisierte Kriminalität eingeschüchtert und verklagt wurde, versagte ihr Verleger Augstein 2017 die Unterstützung und stellte ihre Arbeit in den Kontext „Lügenpresse“ und „Fake News“. Reski verklagte Augstein daraufhin. Dem Urteil zufolge darf Augstein ihre Arbeit nicht mehr als „Fake News“, ihre Recherche jedoch weiter als „mangelhaft“ bezeichnen.

Von April bis Juli 2020 war Augstein gemeinsam mit Jan Fleischhauer im Podcast The Curve – Leben in der Corona-Welt zu hören. Der Medienjournalist Stefan Niggemeier warf beiden vor, Sachkenntnis und Recherche zur Coronakrise bewusst zu vermeiden. Ab Oktober 2020 moderierte er den Podcast Augsteins Freitag. Darin gab er im Gespräch mit Moritz von Uslar an, sich aus dem Netzwerk Twitter zurückgezogen zu haben. Im Mai 2023 startete der RTL+-Podcast Augstein & Blome.

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