Ein Jagdflugzeug ist ein in erster Linie zur Bekämpfung anderer Luftfahrzeuge eingesetztes Kampfflugzeug. Jagdflugzeuge haben meist eine Besatzung von ein oder zwei Mann (Jagdflieger).
Moderne Typen von Jagdflugzeugen
Ein Abfangjäger ist ein sehr schnelles Jagdflugzeug mit hoher Steigleistung. Seine Aufgabe ist es, eindringende gegnerische Bomber und Aufklärer abzufangen. Wendigkeit spielt bei diesem Typus nicht die Hauptrolle.
Das Konzept des speziellen Abfangjägers gab es im Zweiten Weltkrieg noch nicht. Es wurde erst gegen dessen Ende „notgedrungen“ erdacht und konnte die Kampfhandlungen nicht mehr entscheidend prägen, wohl aber die Entwicklungen der folgenden Jahrzehnte. Bis dahin bewegten sich der die Bomber begleitende Jagdschutz und die angreifenden Abfangjäger auf technisch vergleichbarem Niveau, was regelmäßig zu „ausgeglichenen“ Luftkämpfen unter den Jägern führte und kaum Verzicht auf Wendigkeit zugunsten der Abfangwirkung gegenüber den Bombern erlaubte. Ein extremer Vertreter der ersten reinen Abfangjäger war die Messerschmitt Me 163, die durch ihr Raketentriebwerk eine außergewöhnliche Steigleistung hatte. Ihre Reichweite war allerdings relativ gering und ihre Bewaffnung nur für einen schnellen Abschuss ausgelegt, nicht jedoch für den Kampf Jäger gegen Jäger. Mit der Messerschmitt Me 262 kam ein weiteres neuartiges Flugzeug zum Einsatz, das dank Strahltriebwerken ebenfalls sehr schnell und hinsichtlich Reichweite und Bewaffnung besser geeignet war, in mehreren Anflügen mehrere Bomber zu bekämpfen. Für die damals meist unvermeidlichen Auseinandersetzungen mit dem feindlichen Jagdschutz war die Me 262 nicht wendig genug. Dies (und einige andere technische Eigenheiten) machte die Entwicklung einer neuen Einsatztaktik notwendig. Ähnliche Vor- und Nachteile wegen seiner eng auf den Abfangzweck ausgelegten Spezialisierung hatte später der Starfighter (Lockheed F-104).
In der späteren Phase des Kalten Krieges wurden in Mitteleuropa eher Kurzstreckenabfangjäger mit extremer Steigleistung, Beschleunigung und den zusätzlichen Fähigkeiten eines Luftüberlegenheitsjägers gefordert, um im Konfliktfall gegnerische Kampfflugzeuge nach dem Überfliegen der Landesgrenze nach Möglichkeit noch vor dem Erreichen von strategisch wichtigen Gebieten abfangen zu können. Auf dieses Anforderungsprofil hin wurde ab 1986 der EADS Eurofighter Typhoon entwickelt.
Als Luftüberlegenheitsjäger werden Jäger bezeichnet, deren Einsatz sich im Wesentlichen gegen andere Jagdflugzeuge richtet. Für diesen Jägertyp spielen hohe Geschwindigkeit und eine gewisse Wendigkeit eine große Rolle. Sie sollen in der Lage sein, die Luftüberlegenheit zu erkämpfen, wenn erforderlich tief in feindlichem Territorium. Die dafür nötige Reichweite wird heute oft durch Luftbetankung oder durch abwerfbare Zusatztanks erreicht. Einige Luftüberlegenheitsjäger sind gleichzeitig Abfangjäger.
Beispiele: North American P-51 Mustang, McDonnell Douglas F-15, Grumman F-14, Lockheed Martin F-22, Suchoi Su-35, Suchoi Su-57, Eurofighter Typhoon.
Fast alle modernen Jagdflugzeuge lassen sich durch Anbringung von Bombenschlössern als Jagdbomber einsetzen. Häufig wurden Flugzeuge, die als Jagdflugzeug nicht mehr die geforderte Leistung brachten, als Jagdbomber eingesetzt, so Hawker Typhoon, Bell P-39 und Messerschmitt Bf 110. Auch wurden viele auf Flugzeugträgern stationierte Jagdflugzeuge von vornherein als Jagdbomber ausgelegt. Das ermöglichte es, viele Aufgaben abzudecken, ohne dabei zu viele verschiedene Flugzeuge auf dem begrenzten Raum eines Flugzeugträgers unterbringen zu müssen.
Auf deutscher Seite wurde im Zweiten Weltkrieg zwischen Jagdbombern (Jabos) und Schlachtflugzeugen unterschieden. Während die Jabos zur Zerstörung einzelner (auch unbewaffneter) Ziele mittels Bomben eingesetzt wurden, griffen Schlachtflugzeuge auch mit MGs/Kanonen zur Unterstützung der eigenen Bodentruppen in Gefechte ein. Auch in der Sowjetunion wurden Flugzeuge speziell zu diesem Zweck konstruiert (Iljuschin Il-2).
Andere Beispiele für Jagdbomber sind F-4 Phantom, Panavia Tornado, Suchoi Su-24 oder SEPECAT Jaguar.
Diese Jagdflugzeuge sind speziell für den Einsatz auf Flugzeugträgern ausgelegt. Besondere Konstruktionsmerkmale umfassen: verstärktes Fahrwerk, um die harten Landestöße abzufangen; einen Fanghaken, um sich in das quer über die verkürzte Landebahn gespannte Landeseil einzuhaken; (oft) Klappflügel, da der Raum in einem Flugzeugträgerhangar beschränkt ist. Große Reichweite ist für ein Flugzeug mit beschränkter Landeplatzauswahl ebenfalls von Vorteil. Die Briten waren in den 1930ern und Anfang der 1940er der Ansicht, dass ein zweites Besatzungsmitglied als Navigator für den Einsatz auf See unabdingbar ist (Fairey Fulmar, Fairey Firefly). Mit der Weiterentwicklung der Funk- und Peilgeräte konnte der Pilot allein nach Hause finden. Seit der Entwicklung von Senkrechtstartern gibt es bei den Briten spezielle, kleinere Träger für Jagdflugzeuge wie die Hawker Siddeley Harrier.
Typische moderne Jagdflugzeuge der USN (United States Navy) sind die Grumman F-14 Tomcat, die seit Herbst 2006 ausgemustert ist, sowie die F/A-18 Hornet, respektive Su-27K (Su-33) und Jak-38 für die russische Marine.
Ein Mehrzweckkampfflugzeug kann aufgrund seiner Bewaffnung, Ausrüstung und Ausstattung mehrere Aufgaben erfüllen.
Im Zweiten Weltkrieg wurden konventionelle Jagdeinsitzer durch eine verbesserte Avionik-Ausrüstung (Fluginstrumente, Funknavigation, Autopilot) zu Allwetterjägern. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Allwetterjäger mit Radar ausgerüstet, so dass diese Flugzeugklasse mit der der ebenfalls radarbestückten Nachtjäger verschmolz. Solange es noch reine Tagjäger gab, bezeichnete der Begriff mit verbesserter Avionik und Bewaffnung für den Schlechtwettereinsatz nachgerüstete Tagjäger. Da heute jedes Jagdflugzeug über die für Schlechtwetter- und Nachtjagd erforderliche Avionik verfügt, ist die Bezeichnung Allwetterjäger veraltet.
Die Deutschen versuchten im Zweiten Weltkrieg zunächst mithilfe ihrer Bodenradarstationen, konventionelle Jäger wie die Messerschmitt Bf 109 an die nächtlichen britischen Bomberströme heranzuführen und diese dann auf Sicht zu bekämpfen. Dies war nur mäßig erfolgreich – es gab mehr Flugunfälle als Kampfverluste. Die ersten Bordradargeräte (zum Beispiel das Lichtenstein B/C) und die benötigten Antennen waren groß und benötigten ein eigenes Besatzungsmitglied für die Bedienung. Deshalb waren die ersten mit Radar ausgestatteten Nachtjäger meistens zweimotorige Maschinen mit mindestens zwei Mann Besatzung. Diese Maschinen verfügten normalerweise über die nötige größere Reichweite. Zuerst wurden Modifikationen an vorhandenen Baumustern vorgenommen (Bristol Beaufighter, De Havilland D.H.98 Mosquito, Messerschmitt Bf 110, Junkers Ju 88, Kawasaki Ki-45); die Änderungen umfassten normalerweise den Einbau eines Bordradargerätes, Flammendämpfer (als Blendschutz für die Besatzung und als Sichtschutz gegenüber feindlichen Flugzeugen) für die Triebwerke, und meistens eine modifizierte Bewaffnung. Gegen Ende des Krieges wurden speziell konstruierte Flugzeuge eingesetzt (Heinkel He 219, Northrop P-61).
Mit der Weiterentwicklung des Radars verschwamm die Grenze zwischen „normalen“ und Nachtjägern, da fast jedes Kampfflugzeug inzwischen in der Lage war, nachts oder bei schlechtem Wetter zu fliegen und zu kämpfen.
Begleitjäger wurden vor allem im Zweiten Weltkrieg eingesetzt. Die Bomber benötigten auf ihren Einsätzen Begleitmaschinen, die in der Lage waren, sie auf der gesamten Strecke vor gegnerischen Jägern zu schützen. Die damaligen Standardmodelle (Messerschmitt Bf 109, Focke-Wulf Fw 190, Supermarine Spitfire, Republic P-47) hatten eine normale Reichweite von weniger als 1.000 km. Die Einführung von Abwurftanks brachte schon eine beträchtliche Verbesserung. Aber erst Typen wie Lockheed P-38 und P-51 Mustang waren in der Lage, effektiven Jagdschutz zu bieten.
In den 1930er Jahren wurden in der Sowjetunion (Projekt Sweno) und in den 1950ern in den Vereinigten Staaten (Parasite Fighter) Versuche unternommen, Begleitjäger „an Bord“ mitzuführen. Die Probleme beim Wiederandocken ließen sich jedoch kaum lösen.