Jacques-Henri Marie Sabin Laffite (* 21. November 1943 in Paris) ist ein ehemaliger französischer Automobilrennfahrer, der von 1974 bis 1986 in der Formel 1 fuhr. In 176 Grand-Prix-Rennen errang er sechs Siege, sieben Pole-Positions sowie 228 Weltmeisterschaftspunkte. Von 1979 bis 1981 wurde er jeweils Vierter der Fahrerweltmeisterschaft. Laffite war außerdem Sportwagenfahrer; 1975 gewann er zusammen mit Arturo Merzario in einem Alfa Romeo 33TT12 das 1000-km-Rennen auf dem Nürburgring. Ferner fuhr er in der DTM und der FIA GT3-Europameisterschaft Rennen.
Jacques Laffite ist verheiratet mit Bernadette und hat zwei Töchter mit Namen Camille und Marguerite; Letztere ist ebenfalls Rennfahrerin.
Laffite wuchs als Sohn eines Rechtsanwaltes in Paris auf. Seine Kindheit verbrachte er in der Welt der französischen Oberschicht und besuchte gute Schulen. Seine Interessen wurden vom Sport bestimmt. Schnell wurde er zu einem guten Tennisspieler, Skifahrer und Schlittschuhläufer. Im Winter des Jahres 1958 lernte er seinen späteren Schwager Jean-Pierre Jabouille kennen. Beide absolvierten wenig später gemeinsam das Militär. Schließlich war es Jabouille, der begann, sich für den Motorsport zu begeistern. Laffite zog anfänglich mehr aus Sympathie mit.
Nach misslungenem Abitur arbeitete er als Mechaniker seines Freundes Jabouille. Ohne große mechanische Kenntnisse schafften es Jabouille und Laffite immer wieder, ihr Auto zum Laufen zu bringen. All dies geschah auf eigene Kosten.
Jean-Pierre Jabouille verzeichnete bald erste Erfolge als Rennfahrer. So machte er 1968 auch den französischen Industriellen Hubert Giraud auf sich aufmerksam. Dieser erkundigte sich nach einem Besuch der Werkstatt, warum Laffite keine Rennen fahre. Als Giraud erfuhr, dass Laffite mittellos war, finanzierte er ihm einen Formel-Franc-Rennwagen. Die Bedingung war jedoch, dass Laffite den Wagen selbst aufbauen musste. So dauerte es einige Zeit, bis er erste Rennen fahren konnte. Die Zwischenzeit nutzte Laffite, indem er an der Rennfahrerschule École Winfield teilnahm. Bei einem Nachwuchswettbewerb war der zweite Platz sein erster Erfolg als Rennfahrer. Dieser zweite Platz bedeutete allerdings noch wesentlich mehr. Er sicherte Laffite eine bezahlte Saison in der Formel 3. Somit begann seine Karriere wesentlich professioneller als ursprünglich zu vermuten war.
Nach einem Jahr mit einem Martini-Chassis in der Formel 3 wechselte Laffite 1970 in die Formel Renault. Hier erlebte er jedoch ein Desaster: Die völlig unsicheren, überschnellen Formel-Renault-Wagen wurden von leichtsinnigen jungen Fahrern gesteuert. Laffite, immerhin schon 27 Jahre alt, war zunächst nicht bereit, das entsprechende Risiko mit einzugehen. 1971 verbesserte sich die Situation deutlich. Er teilte sich das Cockpit mit einem reichen Hobbyrennfahrer und kam nach der ersten Eingewöhnungssaison besser mit den Konkurrenten zurecht. Laffite erreichte in Albi und Paul Ricard erste Siege und schloss die Saison als Fünfter der Meisterschaft ab. 1972 wechselte Laffite zum BP Racing-Team, dominierte die Saison mit zwölf Siegen und gewann damit seinen ersten bedeutenden Titel.
Im folgenden Jahr brachte ihm der Meistertitel der internationalen Formel-3-Europameisterschaft Bekanntheit über Frankreich hinaus. 1974 sollte er ursprünglich in der Formel 2 für Ligier mit einem JS2 mit Maserati-Motor starten. Zu diesem Engagement kam es jedoch nicht mehr, da inzwischen der Formel-1-Teamchef Frank Williams auf den Franzosen aufmerksam geworden war und ihn in die Formel 1 holte.
Im Alter von 30 Jahren debütierte Jacques Laffite 1974 am Nürburgring in der Formel 1 mit dem Team Frank Williams Racing Cars. Frank Williams stellte ihm den zweiten Iso IR1 zur Verfügung. In den verbleibenden vier Saisonrennen hatte Laffite mit der Umstellung auf die Formel 1 zu kämpfen. Aufgrund des damals wenig konkurrenzfähigen Autos war sein einziger Erfolg ein zu Ende gefahrenes Rennen. Zur Saison 1975 blieb er im unterlegenen Williams-Team, das gegen die dominierenden Ferrari, Brabham und McLaren keine Chance hatte. Dennoch erreichte Laffite auf dem Nürburgring, genau ein Jahr nach seinem Debüt, den ersten Podestplatz seiner Karriere: Hinter Carlos Reutemann schloss er das Rennen auf Rang zwei ab. Dies blieb der einzige Lichtblick des Jahres.
Für Saison 1976 nahm er das Angebot von Guy Ligier an, den neuen französischen Gitanes-Ligier-Matra-Rennwagen zu pilotieren. Das Premierenjahr endete erfolgreich, mit 20 Weltmeisterschaftspunkten und der ersten Poleposition in Monza.
Die folgende Saison lief unglücklich für Laffite an. Bis zum achten Weltmeisterschaftslauf 1977, im schwedischen Anderstorp, hatte er noch keinen einzigen WM-Punkt eingefahren. In Anderstorp jedoch gewann er überraschend seinen ersten Formel-1-Grand-Prix, was ihm und dem Team Ligier in Frankreich zu enormer Popularität verhalf. Die Saison verlief aber wenig erfreulich weiter. Nur im niederländischen Zandvoort konnte Laffite als Zweiter noch von sich Reden machen.
Die Saison 1978 brachte keine Verbesserung, mit 19 WM-Punkten schloss er die Meisterschaft als Achter ab. Zwei dritte Plätze in Jarama und Hockenheim blieben die besten Ergebnisse der durchschnittlichen Saison. Der Matra-V12-Motor hatte ausgedient und die neuen Wingcar-Lotus-Rennwagen fuhren der Konkurrenz davon.
Ab 1979 setzte Ligier zwei Autos ein und Patrick Depailler kam als zweiter Pilot ins Team. Auch am Auto wurden zahlreiche Veränderungen durchgeführt, die hauptsächlich von Konstrukteur Gérard Ducarouge initiiert waren. So baute Ligier ebenfalls ein Wing-Car und stieg auf V8-Cosworth-Motoren um. Wie sich herausstellte, war das Fahrzeug eine gelungene Entwicklung. Zum Saisonauftakt in Buenos Aires stellte Laffite seinen Rennwagen mit über einer Sekunde Vorsprung auf die Pole-Position. Im Rennen fuhr er die schnellste Rennrunde und gewann ungefährdet mit einem Start-Ziel-Sieg. Auch das zweite Rennen der Saison in Interlagos gewann Laffite, nachdem er erneut im Training die Pole-Position und im Rennen die schnellste Rennrunde erfahren hatte. Durch den zweiten Platz von Patrick Depailler gelang Ligier der erste Doppelsieg in seiner Formel-1-Geschichte. Laffite fand sich plötzlich in der Rolle des Weltmeisterschaftsfavoriten wieder, innerhalb des Teams gab es jedoch große interne Probleme; Laffite und Depailler stritten beständig um die Führungsrolle im Team, Konstrukteur Ducarouge baute mehrfach das Chassis um und hatte interne Auseinandersetzungen mit Guy Ligier die schließlich in seiner Entlassung Mitte der Saison gipfelten. In Spanien fuhr Laffite auf die Pole-Position und Depailler gelang der dritte Ligier-Sieg; Laffite eroberte im Folgerennen in Zolder erneut die Pole-Position, im Rennen selbst errang er den zweiten Platz. In der zweiten Hälfte des Jahres stellte sich zunehmend heraus, dass Ligier mit dem Rennwagen eher ein Zufallstreffer gelungen war. Die Überlegenheit des Ligier war zwischenzeitlich verblasst, die Ursachen waren unklar. Die Techniker waren nicht in der Lage, den Rennwagen zu verstehen und Laffite und Ligier waren nur noch Mittelmaß. Zwar gelangen Laffite noch drei dritte Plätze, doch war die Chance auf den Weltmeistertitel verloren gegangen. Weltmeister wurde Jody Scheckter auf Ferrari. Zu allem Überfluss verletzte sich auch noch Teamkollege Depailler beim Drachenfliegen schwer. Am Ende der Saison blieb für Laffite nur der vierte Rang in der Fahrerwertung. Dies war zwar das beste Ergebnis seiner bisherigen Karriere, dennoch war das Ligier-Team über den Leistungsabfall sehr enttäuscht.
Im folgenden Jahr erhielt Laffite mit Didier Pironi einen neuen, wesentlich jüngeren Teamkollegen. Der mittlerweile 37 Jahre alte Laffite hatte große Mühe mit dem Neuling. In Hockenheim holte Laffite den einzigen Saisonsieg. Mit 34 WM-Punkten schloss er die Meisterschaft jedoch wieder als Vierter und vor seinem Teamkollegen ab. So sollte Laffite auch für die Saison 1981 die Nummer eins im französischen Rennstall bleiben, diesmal zusammen mit seinem Freund Jean-Pierre Jabouille in einem Team. Zwölf Jahre nachdem Laffite als Mechaniker für seinen Schwager gearbeitet hatte, waren beide im Ligier-Team wieder vereint. Es kam allerdings nur ein Rennen, nachdem Jabouille bei Ligier unterschrieben hatte, zu einem schweren Rückschlag. Beim Großen Preis von Kanada 1980 verunglückte Jabouille schwer und erlitt komplizierte Beinbrüche. Dies bedeutete letztlich das Ende seiner Karriere. Zwar wurde ihm das Cockpit neben Laffite freigehalten, doch nach einigen missglückten Comeback-Versuchen wurde Jabouille Rennleiter des Ligier-Teams, das von dem Konzern Talbot teilweise übernommen und in Talbot-Ligier umbenannt wurde.