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Jacques Derrida

Französischer Philosoph (1930 - 2004), Begründer der Dekonstruktion

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Jacques Derrida [ʒak dɛʁiˈda] (* 15. Juli 1930 als Jackie Derrida in El Biar bei Algier; † 8. Oktober 2004 in Paris) war ein französischer Philosoph, der als Begründer und Hauptvertreter der Dekonstruktion gilt. Sein Werk beeinflusste maßgeblich die Philosophie und Literaturwissenschaft in Europa und den USA in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Zu seinen Hauptwerken zählen Die Stimme und das Phänomen 1967, Grammatologie 1967, Die Schrift und die Differenz 1967 und Randgänge der Philosophie 1972.

Er wirkte während seiner akademischen Laufbahn vornehmlich an der Elite-Hochschule École des hautes études en sciences sociales in Paris.

Derrida wurde in Französisch-Algerien geboren und lebte dort bis zu seinem 19. Lebensjahr. Als Sohn einer sephardisch-jüdischen Familie wurde ihm 1942 entsprechend einer Verordnung des Vichy-Regimes der Schulbesuch untersagt (die Quote für jüdische Schüler wurde von 14 auf 7 Prozent gesenkt). Die antisemitischen Diskriminierungen haben insofern Spuren in vielen seiner Schriften hinterlassen, als er sich in ihnen mit dem Anderen und Fremden befasst. Auch die Figur des Ankommenden ist ein zentrales Element seines Denkens. Schließlich fühlte er angesichts seiner virtuosen Beherrschung der französischen Sprache doch seine „Sprachlosigkeit“ in den anderen für ihn wichtigen Sprachen, dem Hebräischen und dem Arabischen.

Seit 1949 in Frankreich lebend, besuchte er das Lycée Louis-le-Grand in Paris und studierte nach dem dritten Versuch der Eintrittsprüfung schließlich von 1952 bis 1954 an der École Normale Supérieure, wo er Vorlesungen bei Louis Althusser besuchte und sich mit Pierre Bourdieu anfreundete. Mit einer Arbeit zur Philosophie Edmund Husserls schloss er das diplôme d’études supérieures ab, 1956 bestand er die Agrégation (Staatsprüfung für das höhere Lehramt) im Fach Philosophie. Im selben Jahr gewann Derrida ein Stipendium für einen Studienaufenthalt an der Harvard University. Während seines Militärdienstes (von 1957 bis 1959, zur Zeit des Algerienkrieges) unterrichtete er Soldatenkinder in Algerien, das damals noch eine Kolonie Frankreichs war, in englischer und französischer Sprache. Nach einem Jahr als Lehrer am Lycée in Le Mans war er von 1960 bis 1964 wissenschaftlicher Assistent an der Sorbonne.

Ab 1965 (bis 1983) bekleidete er eine Dozentur („Maître-Assistant“) für Geschichte der Philosophie an der École Normale Supérieure. Den Durchbruch erlangte Derrida im Jahr 1967, als er nahezu zeitgleich in drei bekannten Verlagen drei wichtige Schriften veröffentlichte: De la grammatologie (Les Éditions de Minuit, dt. Grammatologie 1974), La Voix et le phénomène (Presses Universitaires de France, dt. Die Stimme und das Phänomen 1979) sowie L’écriture et la différence (Éditions du Seuil, dt. Die Schrift und die Differenz 1972). Auf Vortragsreisen in den USA lernte er Paul de Man und Jacques Lacan kennen. 1977 unterschrieb er wie etwa sechzig andere Intellektuelle auch einen Appell zur Entkriminalisierung der Pädophilie, der in den Zeitungen Libération und Le Monde erschien. Initiator des Appells war der pädophile Schriftsteller Gabriel Matzneff. Im Juni 1980 legte er an der Sorbonne kumulativ seine Thèse d’État ab (entspricht etwa einer Habilitation).

1981 reiste er für die „Jan Hus Educational Foundation“, eine 1980 gegründete Hilfsorganisation für verfolgte tschechoslowakische Intellektuelle, nach Prag, um dort ein Seminar zu halten. Am 28. Dezember 1981 wurde er dort unter Vorwänden festgenommen, kam nach Intervention der französischen Regierung einige Tage später aber wieder frei und wurde des Landes verwiesen.

Im Jahr 1983 wurde er zum „directeur de recherche“ an der Elite-Hochschule École des Hautes Études en Sciences Sociales (EHESS) in Paris ernannt. Auf dieser Position wirkte er bis an sein Lebensende. Derridas Interesse an den institutionellen Aspekten der Philosophie, von Anfang an ein wesentliches Moment der Dekonstruktion, das ihn schon 1979 zu einem wichtigen Akteur der États généraux de la philosophie werden ließ, führte 1983 zu seiner maßgeblichen Beteiligung als Gründungsdirektor des Collège international de philosophie in Paris. Derrida bekleidete Gastprofessuren an der University of California, Irvine, an der Johns Hopkins University, der Yale University, der New York University, der Stony Brook University und der The New School for Social Research. 1985 wurde Derrida in die American Academy of Arts and Sciences aufgenommen.

Auf Einladung von Bernard Tschumi arbeitete Derrida von 1985 bis 1987 eng mit dem Architekten Peter Eisenman an Konzepten für ein Teilareal des Parc de la Villette in Paris.

1988 war er (zusammen mit Karl Popper und Carlo Sini) Preisträger des 10. Premio Internazionale Federico Nietzsche der italienischen Nietzsche-Gesellschaft. 2001 erhielt Derrida den Theodor-W.-Adorno-Preis.

1957 heiratete Derrida die Französin Marguerite Aucouturier (1932–2020). Das Paar bekam zwei Söhne, darunter den Schriftsteller Pierre Alféri (1963–2023). Mit der Philosophin Sylviane Agacinski hatte Derrida einen weiteren Sohn.

Zu Derridas Freunden zählten Paul de Man, Jean-Luc Nancy, Avital Ronell, Emmanuel Levinas, Sarah Kofman, Samuel Weber, Peter Engelmann, Hélène Cixous, Geoffrey Bennington, Rodolphe Gasché (* 1938), Pier Aldo Rovatti, Gianni Vattimo und Mario Kopić. Eine enge Freundschaft verband Derrida auch mit dem italienischen Maler Valerio Adami, der ihn porträtierte, und dessen Werk er zum Gegenstand seiner philosophischen Reflexion machte, so in La vérité en peinture.

Derrida starb im Oktober 2004 im Alter von 74 Jahren an Bauchspeicheldrüsenkrebs in einem Pariser Krankenhaus. Kurz vor seinem Tod hörte er von Gerüchten, er werde für den Literaturnobelpreis gehandelt. Er ist in Ris-Orangis beerdigt.

Derrida wird den poststrukturalistischen Denkern zugerechnet, er ist also von Strukturalisten wie Ferdinand de Saussure und der Prager Schule (Roman Jakobson u. a.) beeinflusst, mit deren Theorien über die Natur und den Gebrauch von Worten (oder Zeichen) er sich auseinandersetzte.

Besonders wichtig für Derridas Denken und ein Verständnis seiner Terminologie und Argumentation ist der Einfluss von Edmund Husserl und Martin Heidegger. Weitere Einflüsse stammen von französischen Denkern wie Maurice Blanchot, Emmanuel Levinas und Georges Bataille.

Derrida gilt als Begründer der Philosophie der Dekonstruktion.

Historisch knüpft der Begriff der Dekonstruktion an Martin Heidegger an. Dieser hatte von einer „Destruktion“ der abendländischen Tradition der Metaphysik gesprochen:

Auch hatte Heidegger von einer methodischen Verschränkung von Konstruktion und Destruktion gesprochen. Diese betraf drei Momente:

„Erfassung des Seienden auf das Verstehen von dessen Sein (phänomenologische Reduktion)“

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