Jacopo Robusti, gen. Jacopo Tintoretto (* wahrscheinlich 1518 oder 1519 in Venedig; † 31. Mai 1594 ebenda), war ein italienischer Maler des Manierismus, den er auch selbst wesentlich mit beeinflusst hat.
Sein Name Il Tintoretto oder Tintorello („das Färberlein“) ist vom Handwerk seines Vaters abgeleitet, der Seiden-Färber war. Wie 2004 entdeckt wurde, lautete der Nachname seines Vaters Comin. Wegen der heldenhaften Verteidigung eines Stadttors von Padua erhielten er und dessen Bruder 1509 den Ehrennamen Robusti.
Tintorettos Geburtsdatum ist nicht genau bekannt, ein Taufeintrag nicht erhalten. Es gibt jedoch verschiedene Vermutungen: Im Sterberegister vom 31. Mai 1594 heißt es, er sei „im Alter von 75 Jahren und 8 Monaten“ verstorben (…morto messer Jacopo Robusti detto Tintoretto de età de anni 75 e mesi 8), woraus sich ein Geburtstag im September oder Anfang Oktober 1518 ergäbe. Im Gegensatz dazu meint Krischel aufgrund diverser Dokumente, dass Tintoretto erst 1519, möglicherweise im April oder Mai, geboren sei.
Jacopo war der älteste Sohn der Familie. Sein Vater stammte aus Brescia, über die Mutter ist nichts bekannt. Jacopo blieb sein Leben lang in Kontakt mit seinem Bruder Domenico, der laut Anton Francesco Doni ab 1552 in Mantua wahrscheinlich als Musiker am Hof der Gonzaga lebte. Laut zeitgenössischen Aussagen konnte Jacopo selber auch mehrere Instrumente spielen.
Jacopo war ein kleiner Mensch, der wegen seines vermutlich feurigen, spöttischen oder etwas bissigen Charakters von seinen Freunden auch „Pfefferkörnchen“ (granelo de pevere) genannt wurde. Über seine Ausbildung ist nichts genaues bekannt, Carlo Ridolfi behauptete 1642, Jacopo sei in die Werkstatt von Tizian eingetreten, der ihn jedoch aus Eifersucht bereits nach 10 Tagen wieder hinausgeworfen habe. Später soll Tizian sein Leben lang versucht haben, Tintoretto in seiner Entwicklung zu behindern. Als weitere mögliche Lehrer Tintorettos werden in der Literatur auch Bonifazio Veronese, Paris Bordone und Andrea Meldola, genannt Schiavone, genannt. Den letzteren soll Tintoretto für seine „schöne Art und Weise des Kolorierens“ bewundert haben. Einen wichtigen Einfluss übte vermutlich auch der Manierist Pordenone auf den jungen Maler aus.
Ein frühes Dokument seines Lebens stammt aus dem Jahre 1537, als Tintoretto für 20 Dukaten eine „Wohnung und Werkstatt“ in Venedig im Kirchensprengel San Cassiano angemietet hatte. Ab dieser Zeit arbeitete er als selbstständiger Meister und eröffnete am 22. Mai 1539 eine eigene Werkstatt in Venedig am Campo San Cassiano.
In seiner Jugend malte er verschiedene, nur fragmentarisch erhaltene Freskendekorationen, unter anderem in der Ca’ Soranzo und vermutlich auch in der Villa des Juristen Marco Mantova Benavides in Padua (nach einem Brief vom April 1541).
Ende 1544 bestellte der Dichter Pietro Aretino (1492–1556) bei ihm zwei mythologische Deckengemälde, darunter eine Darstellung von Apollo und Marsyas (Wadsworth Atheneum, Hartford). Als Tintoretto bereits im Januar 1545 fertig war, bedankte sich der Dichter für die „schönen und lebendigen“ Bilder, äußerte sich aber auch erstaunt und etwas irritiert über die außergewöhnliche Schnelligkeit Jacopos, die ihm sein Leben lang immer wieder vorgeworfen wurde.
Als frühes Meisterwerk gilt Tintorettos Abendmahl von 1547 für die venezianische Kirche San Marcuola, das formal mit der vertikal gestellten Tafel noch der Tradition entspricht, das Bild ist jedoch auch von einer dramatischen Aufregung der Jünger geprägt, nachdem Jesus ihnen eröffnet hat, dass einer von ihnen ihn verraten werde. Tintoretto malte später noch mehrere andere Abendmahlsbilder, davon allein drei für die venezianischen Kirchen San Trovaso, San Polo und San Giorgio Maggiore. Seine große Erfindungsgabe zeigt sich darin, dass jedes dieser Abendmahle ganz eigen und individuell ist, aber in allen späteren Versionen stellte er den Tisch quer in den Raum und nutzte damit die Dynamik einer schrägen Perspektive.
Jacopo verfolgte seine künstlerischen Ziele mit großer Inbrunst, und 1548, noch ziemlich am Anfang seiner Karriere, löste er mit dem Werk Der heilige Markus rettet einen Sklaven vor dem Märtyrertod einen Skandal aus. Das Bild erzählt eine alte Legende: Ein zum Christentum bekehrter germanischer Sklave schafft es mit Hilfe des heiligen Markus der Folter zu widerstehen. Ungewöhnlicherweise malte Jacopo den Heiligen Markus, den großen Stadtpatron von Venedig, auf dem Kopf „stehend“ (eigentlich fliegend). Dies wurde von einigen Zeitgenossen wie ein Frevel empfunden. Auch andere Details, wie Verkürzungen von Armen und Körpern, gewagte perspektivische Ansichten, die dramatische Aufregung der Figuren, die in ihrer Plastizität das Studium Michelangelos verraten, schienen alle bewusst darauf ausgerichtet, Aufsehen zu erregen. Und tatsächlich begann das Interesse am Werk des begabten jungen Malers mit den ungewöhnlichen Ideen nun zu wachsen. In einem Brief vom April 1548 lobte Pietro Aretino dieses Werk ausdrücklich. Selbst Giorgio Vasari, kein besonderer Freund von Tintorettos Malerei, lobte später den „ausnehmenden Reiz“ des Markuswunders, und die „schönen Verkürzungen“.
Tintoretto war ein gesuchter Porträtist und zu den ersten Werken, die er öffentlich ausstellte, gehörten laut Ridolfi auch ein Selbstbildnis und ein nächtliches Porträt seines auf einer Leier musizierenden Bruders, die beide große Bewunderung ausgelöst haben sollen. Etwa um die Zeit seines Markuswunders, Ende der 1540er Jahre, durfte er den Dogen Francesco Donà porträtieren. Wenig später erhielt er erste große, offizielle Aufträge vom venezianischen Staat, um 1551 für die Prokuratien und 1553 für das Bild Exkommunikation Friedrich Barbarossas durch Papst Alexander III. im Dogenpalast, das beim großen Brand von 1577 zerstört wurde, ebenso wie seine 1572 bis 1574 geschaffene Schlacht von Lepanto und ein Jüngstes Gericht. Mit der Wahl des Girolamo Priuli zum Dogen im Jahr 1559 wurde Tintoretto offizieller Porträtist der „Serenissima“, als Nachfolger von Tizian.
1547 wechselte er seine Wohnung und zog in das Viertel Cannaregio von Venedig. In diesem Stadtteil befand sich seine Pfarrkirche Madonna dell’Orto, mit der er eine intensive Kooperation pflegte. So erhielt er von dort im Jahre 1548 den Auftrag für die Ausmalung der Orgelflügel mit dem Tempelgang Mariä und malte später (um 1560) für die Apsis der Kirche die über 14 Meter hohen Leinwände der Anbetung des Goldenen Kalbes und des Jüngsten Gerichts – alle drei zählen zu seinen Meisterwerken. Auf dem Jüngsten Gericht malte er die Schalen der vom Erzengel Michael gehaltenen Seelenwaage, in der sonst die Seelen der Verstorbenen gewogen werden, leer. Eine mögliche Interpretation lautet, dass nicht das Gewicht des menschlichen Handelns, sondern allein die göttliche Gnade den Menschen erlöst: Sola gratia, sola fide, sola scriptura (= „Allein die Gnade, allein der Glaube, allein die Schrift“).
In den späten 1540er und in den -50er Jahren arbeitete er auch für die venezianischen Kirchen San Marcuola, San Rocco, Santa Maria del Giglio, San Marziale, San Michele und für die Scuola della Trinità. Einige der dabei entstandenen Gemälde und Altarbilder sind heute in verschiedenen Museen (u. a. in der Accademia, Venedig).
1554 löste Tintoretto eine über viele Jahre bewährte Ateliergemeinschaft mit Giovanni Galizzi auf. Von nun an suchte er sich seine Assistenten selbst, darunter Antonio Aliense, Andrea Vicentino, sowie die Niederländer Paolo Fiammingo, Marten de Vos und Lodovico Pozzoserrato (eigentlich: Lodewijk Toeput).
Im gleichen Jahr wurde Tintorettos Tochter Maria oder Marietta als uneheliches Kind aus einer Beziehung mit einer deutschen Frau geboren. Marietta trat in die Fußstapfen ihres Vaters und wurde ebenfalls eine bekannte Malerin, genannt „La Tintoretta“. Jacopo heiratete vermutlich Ende der 1550er Jahre Faustina Episcopi, deren Vater eine Art Sekretär des Prokurators Giulio Contarini war. Gemeinsam mit seiner Frau hatte er acht weitere Kinder: den im November 1560 geborenen Domenico, Marco, Gierolima, Zuan Battista, Ottavio, Lucrezia Sara Monica, Ottavia und Laura (* nach 1584). Auch seine Söhne Domenico und Marco Tintoretto wurden Maler und halfen wie Marietta ihrem Vater in der Werkstatt, besonders bei Werken seiner Spätphase.