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Jaan Kaplinski

Estnischer Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Philosoph

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Jaan Kaplinski (* 22. Januar 1941 in Tartu; † 8. August 2021 ebenda) war ein estnischer Schriftsteller, Lyriker, Übersetzer und Philosoph.

Jaan Kaplinski wurde 1941 als Sohn einer estnischen Mutter und eines polnischen Vaters geboren. Beide Eltern waren Philologen. Der Vater starb in den Deportationslagern der Sowjetunion, in die er während der Besetzung Estlands deportiert worden war. Jaan Kaplinski studierte zunächst Linguistik an der Universität Tartu. 1966 schloss er sein Studium der Romanistik ab. Danach war er als Soziologe, Übersetzer und Schriftsteller tätig. Bereits früh erwarb sich Kaplinski einen Ruf als einer der wichtigsten Dichter der estnischen Moderne.

Von 1974 bis 1980 war er zuständig für Ökologie im Botanischen Garten von Tallinn.

1983 bis 1988 war er Dozent für internationale Literatur und -übersetzung an der Universität Tartu. Ab 1994 war er Mitglied der Académie Universelle des Cultures. 1996 bis 1997 führte ihn eine Gastprofessur an die Universität Tampere. 1997 war er Writer in Residence in Wales; im selben Jahr erhielt er den Preis der Baltischen Versammlung. Für seine Lyrik hatte er 1968 den Juhan-Liiv-Preis und 1985 den Juhan-Smuul-Preis erhalten.

Jaan Kaplinski war einer der einflussreichsten Lyriker der estnischen Literatur. Seine oft meditativen Gedichte schöpfen unter anderem aus der östlichen Philosophie und Geisteswelt (Daoismus und Buddhismus). Daneben war er als Essayist, Literaturkritiker und Philosoph publizistisch tätig. Wiederkehrende Themen des Linksintellektuellen waren der Mensch im Kapitalismus und die Verbrechen des kommunistischen Totalitarismus.

Ab 1965 hat er insgesamt 14 Gedichtsammlungen, fünf Essaysammlungen und einige Prosawerke veröffentlicht. Er schrieb ebenfalls Gedichte in Englisch, Französisch und Võro.

Daneben war Jaan Kaplinski als Übersetzer aus dem Englischen, Französischen, Spanischen, Schwedischen und Chinesischen aktiv.

Als Autor von internationaler Bedeutung wurde er 2016, im selben Jahr, als er den Europäischen Literaturpreis gewann, auch für den Literatur-Nobelpreis nominiert.

Mit der Wiedererlangung der estnischen Unabhängigkeit engagierte sich Jaan Kaplinski auch politisch. Von 1992 bis 1995 war er Mitglied des estnischen Parlaments (Riigikogu). Obwohl er ursprünglich Abgeordneter der Zentrumspartei war, trat er aus Protest gegen autoritäre Führung aus der Partei aus und bildete mit anderen unabhängigen Abgeordneten die Liberalzentristische Fraktion (bis 1995). 2004 schloss er sich der Sozialdemokratischen Partei (Eesti Sotsiaaldemokraatlik Erakond) an, für die er Mitglied im Stadtrat von Tartu war.

Jaan Kaplinski war in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Tiia Toomet verheiratet und hatte eine Tochter sowie vier Söhne. Kaplinski starb im August 2021 nach langer Krankheit im Alter von 80 Jahren.

1985 Juhan-Smuul-Preis (Lyrik)

1990 Juhan Smuul-Preis (Publizistik)

1996 Literaturpreis des Estnischen Kulturkapitals (Lyrik)

1997 Preis der Baltischen Versammlung

2000 Literaturpreis des Estnischen Kulturkapitals (Prosa)

2000 Jahrespreis des Estnischen Kulturkapitals

2010 Literaturpreis des Estnischen Kulturkapitals (Essayistik)

2010 Lebenswerkpreis des Estnischen nationalen Kulturfonds

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