An diesem Tag

Jürgen Spanuth

Deutscher Altphilologe, Pastor und Atlantisforscher

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Jürgen (Georg) Ferdinand Spanuth (* 5. September 1907 in Leoben, Österreich; † 17. Oktober 1998) war ein deutscher evangelischer Pfarrer und Amateurarchäologe. Er erlangte Bekanntheit durch seine kontroversen Thesen zur Atlantis-Legende, die in der Fachwelt jedoch als wissenschaftlich nicht haltbar eingestuft wurden.

Jürgen Spanuth stammte aus einer Pastorenfamilie und wuchs in Leoben auf. Sein Vater Paul Spanuth war Senior-Landessuperintendent der Steiermark. Nach der Matura auf dem Gymnasium Leoben studierte er von 1926 bis 1931 evangelische Theologie, Geschichte und Archäologie an den Universitäten Berlin, Tübingen, Kiel und Wien. Als Student war Spanuth politisch aktiv. Er trat im Wintersemester 1927/28 dem VDSt Berlin bei. Von 1927 bis 1931 war Spanuth Mitglied im Steirischen Heimatschutz. Zum 23. Oktober 1931 trat Spanuth der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 613.126) und setzte sich aktiv für den Anschluss der „Ostmark“ an das Deutsche Reich ein, wofür er später, im Juli 1938 die von Adolf Hitler gestiftete Medaille zur Erinnerung an den 13. März 1938 erhielt. So berichtete die Reichspost am 28. Juli 1934 im Rahmen des Juliputschs über „Die blutigen Ereignisse im Leobener Gebiet“, dass die „Exekutive [...] vom Turm der evangelischen Kirche herab heftig beschossen wurde“. Laut einer Meldung des Telegraf am Mittag vom 1. August 1934 wurden die Schüsse vom Sohn des dortigen Pfarrers Paul Spanuth abgefeuert.

Nach Abschluss seines Studiums 1931 absolvierte Spanuth sein Vikariat bis März 1933 in der Wiener Neustadt und wurde am 12. März 1933 als Pfarrer ordiniert. Ab dem 15. April 1933 nahm Spanuth, zunächst als Kommissarischer Pastor, und ab 30. Juli 1933 regulär die Stelle als Pastor der Gemeinde Bordelum an der nordfriesischen Westküste Schleswig-Holsteins an. Dort wurde er Mitglied der nationalsozialistischen Deutschen Christen. Von 1933 bis 1938 war er in Bredstedt zusätzlich Mitglied der SA-Sturmabteilung und war zunächst als Fürsorgereferent, ab 1936 auch als SA Truppenführer tätig.

1938 publizierte Spanuth seine Studie Stollberg - ein altes friesisches Zentralheiligtum. 1939 folgte die Publikation Nordfrieslands Bekehrung zum Christentum.

Nach eigenen Angaben war Spanuth 1941/1942 als Feldkurat an der Ost- und Westfront im Einsatz. Er soll vor Leningrad schwer verwundet worden sein. Sein Verleger Wolfram Zeller bestätigte Spanuths Einsatz als Pfarrer der 1. SS-Panzer-Division Leibstandarte-SS Adolf Hitler. unter Sepp Dietrich. Nach seiner Genesung wurde er an der Westfront in den Ardennen eingesetzt. Dort geriet er in Kriegsgefangenschaft.

Nach Kriegsende und Entnazifizierung durch die britischen Besatzungsbehörden nahm Spanuth sein Pastorenamt in Bordelum wieder auf, das er bis zum 1. Oktober 1977 ausübte.

Ab 1953 veröffentlichte Spanuth, zunächst bei der Union Deutsche Verlagsgesellschaft sowie im Otto Zeller Verlag, später vor allem im Grabert-Verlag, mehrere Bücher und Broschüren über Atlantis – zum Beispiel mit dem Untertitel „Heimat, Reich und Schicksal der Germanen“ –, die Philister und die Phönizier. Zudem verfasste er zahlreiche Aufsätze für die Zeitschrift Deutschland in Geschichte und Gegenwart des letztgenannten Verlages.

Spanuth war Mitglied in der 1968 von Bolko Freiherr von Richthofen wiedergegründeten Gesellschaft für Vor- und Frühgeschichte.

Seit Ende der 1970er Jahre hielt Spanuth Vorträge auf Veranstaltungen verschiedener Gruppierungen. Dazu gehörten Lions-Clubs und die rechtsextreme Vereinigung Deutsches Kulturwerk Europäischen Geistes (DKEG), die ihm 1990 den jährlich von ihnen gestifteten Schillerpreis verlieh.

Die Atlantis-Theorie von Jürgen Spanuth

Spanuth entwickelte die Idee, das in den platonischen Dialogen Timaios und Kritias erwähnte Inselreich Atlantis habe in der Nordsee in der Gegend der heutigen Insel Helgoland gelegen und sei als politisches wie religiöses Zentrum der Nordischen Bronzezeit anzusehen. Diese Insel sei zudem identisch mit der Königsinsel (Basileia) der Phaiaken aus den Erzählungen Homers, und die Atlanter bzw. Phaiaken seien auch die Hyperboreer der griechischen Mythologie. Spanuth betrachtete den gesamten Raum der Nordischen Bronzezeit als äquivalent mit dem Reich Atlantis, von dem die untergegangene Insel zwischen Helgoland und der Eidermündung lediglich das Zentrum gewesen sei.

Der Untergang des Zentrums dieser atlantischen Hochkultur kam nach Spanuth durch den Einschlag eines Kometen sowie den damit angeblich zusammenhängenden Ausbruch des Santorin-Vulkans zustande. Verschiedene Figuren oder Ereignisse in den Mythologien des Nahen Ostens und Europas spiegeln seiner Meinung nach ein solches Ereignis wider, so bei den Griechen der Phaeton-Mythos, bei den Ägyptern Sekhmet, in Syrien als Anat, in der Awesta als Tistrya, bei den Germanen als Ragnarök. Der Einschlagsort des Kometen sei die „Tiefe Senke“ (auch „Helgoländer Loch“ genannt) vor der Mündung der Eider, die Spanuth als den Bernsteinstrom „Eridanos“ der griechischen Mythologie identifiziert. Letztere These findet ihre Unterstützung auch in der Karte des Hekataios von Milet (um 500 v. Chr.) und wurde in jüngerer Zeit auch von Kai Helge Wirth in seinem umstrittenen Buch Der Ursprung der Sternzeichen (2000) mit neuen Argumenten vertreten.

Diese Katastrophe (ca. 1250 vor unserer Zeitrechnung) und deren unmittelbare Folgeerscheinungen (Überflutungen, Dürren und Brände) zwangen die überlebenden Atlanter (= Germanen), nach Süden zu ziehen und ihrerseits einen Streifen der Verwüstung bis Athen zu hinterlassen. Auch seien Germanen die sogenannten Seevölker gewesen, die um 1200 v. Chr. Ägypten angriffen. Die These, dass die Seevölker die Atlanter gewesen seien, wurde bereits 1886 von Wilhelm Christ aufgestellt. Innerhalb der Vielvölkerallianz der Seevölker identifizierten einige Anhänger von Spanuths Thesen in linguistisch zweifelhafter Weise die „Phrst“ mit den Friesen, die „Sakar“ mit den Sachsen und die „Denen“ mit den Dänen.

Spanuth bringt mit den Naturkatastrophen um 1250 v. Chr. und dem vermeintlichen Untergang von Atlantis folglich die Urnenfelder-Wanderung und dorische Wanderung genauso in Zusammenhang wie die „dunklen Jahrhunderte“ und die deukalionische Flut in Griechenland, die biblischen Plagen in Ägypten und den Exodus der Israeliten, den Seevölkersturm sowie die Ansiedlung der Philister und Entstehung der Phönizier in Palästina. Die nach Süden wandernden atlantischen Nordvölker sollen als Dorer den Griechen erst die Kultur und den fremden Hyperboreer-Gott Apollon gebracht haben. Später sollen sie als Seevölkerstamm der „Sakar“ zu den phönizischen Seefahrern geworden sein, die sich in Palästina niederließen und den dort ansässigen semitischen Völkern die Alphabetschrift mitbrachten und für sie den Salomonischen Tempel erbauten.

Spanuth geht bei seiner Datierung des Atlantisberichtes zunächst von der These aus, dass die Datierung Platons der Vorgänge auf 9000 v. Chr. falsch sei, da die Menschheit zu dieser Zeit sich noch in der Altsteinzeit im Jäger-/Sammlerstadium befand und es somit keine der im Atlantisbericht beschriebenen Kulturen auch nur in den frühesten Anfängen gegeben habe. Aufgrund einer eingehenden Untersuchung der beschriebenen Realien (zum Beispiel Bronze-, aber noch keine Eisenschwerter) identifiziert er das Szenario als ein bronzezeitliches.

Die offensichtliche Fehldatierung des Atlantisberichtes erklärt Spanuth mit einer Fehlinterpretation Solons. Die Priester erzählten Solon, die Ereignisse ihres Berichts hätten vor 9000 Jahren stattgefunden. Anders als die Griechen orientierten ägyptische Priester sich jedoch an einem Mondkalender. 9000 Mondumläufe entsprechen etwa 673 Sonnenjahren. Hochgerechnet auf Solons Aufenthalt in Ägypten (etwa 560 v. Chr.) ergibt das die Zeit um 1230 v. Chr. Zu dieser Zeit wurde Ägypten von den Seevölkern heimgesucht.

Eine gleichartige Begründung für einen möglichen zeitlichen Zusammenhang des Atlantisberichtes mit dem „Kollaps“ am Ende der Bronzezeit wurde 1992 von Eberhard Zangger vertreten, der Atlantis mit dem antiken Troja gleichsetzte und die Seevölker als Trojaner (Atlanter) identifizierte.

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