An diesem Tag

Jürgen Ponto

Deutscher Bankier; Vorstandssprecher der Dresdner Bank AG

Anúncio

Robert Hans Jürgen Ponto (* 17. Dezember 1923 in Bad Nauheim; † 30. Juli 1977 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Bankmanager. Der Jurist wirkte von 1969 bis zu seiner Ermordung als Vorstandssprecher der Dresdner Bank. Unter seiner Leitung modernisierte sie ihr Image und baute ihr internationales Geschäft aus. Der „Leitbankier“ Ponto galt als einer der wichtigsten Repräsentanten der deutschen Banken und der sogenannten Deutschland AG, also des Netzwerks großer Industrieunternehmen, Banken und Versicherungen in Deutschland. Kunst und Kultur waren ihm wichtige Anliegen. Er engagierte sich insbesondere in der Musikförderung. Mitglieder der terroristischen Vereinigung Rote Armee Fraktion (RAF) erschossen ihn beim Versuch einer Entführung.

Herkunft, Kindheit und Schulzeit

Die Herkunft der Familie Ponto lässt sich bis in die „Franzosenzeit“ der Hansestadt Lübeck zurückverfolgen. Ihr gelang Mitte des 19. Jahrhunderts der Aufstieg in die dortige Kaufmannschaft. Die Gründung des Deutschen Reiches veränderte das wirtschaftliche Umfeld sukzessiv, sodass die Großeltern von Jürgen Ponto 1889 ihr Kurzwarengeschäft am Markt der Stadt aufgaben und nach Hamburg zogen, wo der Großvater eine angestellte Buchhaltungstätigkeit im Versicherungsgewerbe aufnahm.

Jürgen Pontos Vater Robert Ponto (1878–1967) ging vor dem Ersten Weltkrieg nach Ecuador und arbeitete dort in Bahía de Caráquez als Kaufmann im Überseehandel. Er heiratete nach dem Tod seiner ersten Ehefrau deren Schwester Gabriele Schmidt (1880–1974), zu deren Vorfahren Hamburger Senatoren zählten. Jürgen Pontos Herkunftsfamilie verfügte nicht nur über eine Kaufmannstradition, einige Familienmitglieder standen zugleich für ausgeprägte musisch-künstlerische Interessen: Jürgen Pontos älterer Onkel Franz spielte in jungen Jahren Violine in einem Budapester Orchester. Der jüngere Onkel von Jürgen Ponto, Erich Ponto, machte als Schauspieler Karriere.

Wenngleich Jürgen Ponto im Dezember 1923 in Bad Nauheim zur Welt kam, verbrachte er die ersten Jahre seiner Kindheit in Ecuador, wo seine Schwester Hanna Elisabeth (1921–2017) geboren worden war. Zur Einschulung von Hanna kehrte die Familie im Sommer 1927 nach Deutschland zurück und lebte in Hamburg. Dort erwarb Robert Ponto 1929 ein Haus in Pöseldorf (Magdalenenstraße 14). Er ging aus wirtschaftlich-beruflichen Gründen zweimal für längere Zeit zurück nach Ecuador: ab 1931 für drei Jahre sowie von 1939 bis 1942. Jürgen Ponto wurde 1930 in die Bertram-Schule aufgenommen, eine Privatschule für Kinder des gehobenen Bürgertums. Sechs Jahre später wechselte er auf das Wilhelm-Gymnasium. Der als unauffällig geltende Schüler bestand dort im März 1942 die Abiturprüfungen.

Sofort nach dem Abitur wurde Ponto zur Wehrmacht beziehungsweise zum Kriegsdienst eingezogen. Er nahm in einer Kaserne Harburgs, in der eine Panzerabwehreinheit stationiert war, an einem Offizierslehrgang teil und wurde Anfang Oktober 1942 an die Ostfront versetzt. Er kam dort in Kesselschlachten bei Woronesch zum Einsatz. Am 5. Februar 1943 wurde er durch einen Kopfschuss schwer verwundet und wenig später aus dem Kessel ausgeflogen. Erst nach einigen Wochen erlangte er sein Gedächtnis wieder. Nach einem Lazarett-Aufenthalt in Dresden wurde er nach Niendorf an der Ostsee verlegt. Die Verwundung konnte auskuriert werden, dennoch blieb er zu 70 Prozent schwerbeschädigt. Im Frühjahr 1944 entließ ihn die Wehrmacht.

Im April 1944 nahm Ponto in Göttingen ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Im Januar 1945 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP. Unmittelbar nach Kriegsende kehrte er nach Hamburg zurück. Das Haus seiner Eltern war unzerstört geblieben, seine Familie hatte den Krieg unversehrt überlebt. Er setzte im November 1945 sein Studium an der Universität Hamburg fort. Auch in Kunstgeschichte und Philosophie besuchte er Veranstaltungen. Als Mitglied der studentischen Auslandskommission nahm Jürgen Ponto in diesem Kontext an Begegnungen mit Studenten aus dem Ausland teil. Überdies arbeitete er an der Zeitschrift Hamburger Akademische Rundschau mit und trat in studentischen Theateraufführungen auf. Am 7. September 1948 bestand Ponto seine erste juristische Staatsprüfung und begann anschließend ein Referendariat am Hanseatischen Oberlandesgericht. Seinen Vater hielt es erneut nicht lange in der Stadt: im Juni 1948 ging Robert Ponto wieder nach Ecuador.

Der Eintritt des späteren Dresdner-Bank-Vorstandssprechers in die Bankenwelt erfolgte eher zufällig. Das Hanseatische Oberlandesgericht bestimmte, dass der mittlerweile verheiratete Ponto seinen Ausbildungsabschnitt „Verwaltung“ ab November 1950 in einer Bank zu absolvieren hatte: der Hamburger Kreditbank. Sie war eine der durch die alliierte Entflechtung entstandenen Nachfolgebanken der Dresdner Bank. Die Hamburger Kreditbank beschäftigte Ponto nach dieser Referendariatsphase als Volontär weiter, denn seine Präsenzpflicht am Oberlandesgericht belief sich nur auf einen Tag pro Woche. In der Bank am Jungfernstieg 22 förderte ihn insbesondere Joachim Entzian, langjähriger Syndikus der Dresdner Bank.

Im September 1951 ging Ponto für einige Monate für einen Studienaufenthalt, der durch ein Stipendium der amerikanischen Regierung finanziert wurde, nach Seattle. In dieser Zeit regelte Ponto – praktisch nebenher und ohne Anstellungsverhältnis mit der Hamburger Kreditbank – einen Restitutionsfall. Er betraf das Grundstück Jungfernstieg 24, das die Dresdner Bank 1939 von jüdischen Eigentümern erworben hatte. Ponto verhandelte mit dem Anspruchsberechtigten direkt, die Bank akzeptierte die dabei getroffene Vereinbarung: die Zahlung eines Geldbetrags, der um einiges höher lag als die Bank bis dahin zu zahlen bereit gewesen war.

Im Februar 1952 kehrte Ponto nach Hamburg zurück und wurde im Direktionssekretariat der Hamburger Kreditbank beschäftigt. Im August 1952 bestand er sein Assessorexamen und wurde anschließend von der Bank als „juristischer Mitarbeiter“ angestellt. Er befasste sich mit der Umsetzung des Betriebsverfassungsgesetzes und mit juristischen Auseinandersetzungen, die nach Kriegsende beschlagnahmte Tochtergesellschaften der Dresdner Bank in Belgien und in den Niederlanden betrafen. 1953 erhielt er Handlungsvollmacht. Zum 1. Juli 1959, Ponto war mittlerweile zweifacher Vater, folgte seine Bestellung zum Chefsyndikus der Dresdner Bank in Hamburg; diese Stelle hatte zuvor Entzian innegehabt, der in den Ruhestand getreten war. Im Sommer 1960 erkundigte sich sein Arbeitgeber Dresdner Bank – sie war seit 1957 refusioniert – nach Pontos Bereitschaft zu einer Verwendung höheren Orts; Voraussetzung sei eine Ausbildung nebenher und on the job im Kerngeschäft des Bankwesens. Der Chefsyndikus sagte zu und absolvierte unter anderem Stationen in Bremen, Hannover und Paris.

Vom Vorstandsmitglied zum Vorstandssprecher

Jürgen Ponto wurde im November 1964 zum stellvertretenden Mitglied des Vorstands ernannt. 1966 wechselte er seinen Dienstort und war nun in Frankfurt tätig. Im Jahr darauf wurde Ponto ordentliches Vorstandsmitglied. Zu seinen Aufgaben gehörten die Ressorts Geld und Kredit sowie Werbung und Öffentlichkeitsarbeit. Der Aufsichtsrat bestimmte Ponto 1967 zum kommenden Vorstandssprecher. Ihm wurde zugetraut, den Generationswechsel voranzutreiben, die Bank zu modernisieren und ihre Organisation zu straffen. Offiziell wurde Jürgen Ponto auf der Hauptversammlung der Dresdner Bank im Juni 1969 zum Vorstandssprecher bestellt. Er folgte damit auf Erich Vierhub, galt in der Öffentlichkeit allerdings noch als wenig bekannt.

Wirken als Vorstandssprecher der Dresdner Bank

Das Image der Dresdner Bank litt damals unter zwei Problemen: Zum einen hatte es in den 1960er Jahren Vorwürfe gegeben, das Geldinstitut habe seine „Bankenmacht“ missbräuchlich verwendet, als es um die Krisen und Zusammenbrüche der Unternehmen von Willy Schlieker, von Hermann Krages sowie der Brüder Otto und Hugo Stinnes jun. gegangen war. Zum anderen galt die Dresdner Bank aufgrund ihrer Stärke im Wertpapiergeschäft als traditionelle „Händlerbank“ mit Nähe zu negativ konnotierten Spekulationsgeschäften. Beides war vor dem Hintergrund des wachsenden Retail-Bankings, also des Massengeschäfts mit Privatkunden im Bankwesen, eine Belastung.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Jürgen Ponto | World in Stories