An diesem Tag

Jürgen Möllemann

Deutscher Politiker (FDP), MdL, MdB, Bundesminister (1945 - 2003)

Anúncio

Jürgen Wilhelm Möllemann (* 15. Juli 1945 in Augsburg; † 5. Juni 2003 in Marl-Loemühle) war ein deutscher Politiker (FDP).

Der vormalige Lehrer war ab 1972 Mitglied des Bundestages, unter Bundeskanzler Helmut Kohl von 1987 bis 1991 Bundesminister für Bildung, von Januar 1991 bis Januar 1993 Bundesminister für Wirtschaft und ab Mai 1992 zudem Vizekanzler. Im Januar 1993 trat er wegen der Briefbogenaffäre von diesen beiden Ämtern zurück.

Im Jahr 2000 war er Spitzenkandidat der nordrhein-westfälischen FDP bei der Landtagswahl. Die FDP erhielt 9,8 Prozent der Stimmen; Möllemann wurde Landtagsabgeordneter. 2002/2003 geriet er durch einige Interview-Aussagen, ein nicht von der FDP autorisiertes Wahlkampf-Flugblatt und irreguläre Finanzpraktiken erneut in die Kritik, verlor seine Parteiämter und sah einem Strafverfahren entgegen. Er starb 2003 bei einem Fallschirmsprung. Es wurde Suizidabsicht vermutet, jedoch nicht nachgewiesen.

Kindheit, Ausbildung und Beruf

Jürgen W. Möllemann, Sohn von Franziska Möllemann, geborene Reisner, und des Polstermeisters Wilhelm Möllemann († vor 1986), wuchs am unteren Niederrhein in Appeldorn, heute ein Ortsteil von Kalkar, auf. Er war katholisch, Schüler am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Kleve und wechselte zum Amplonius-Gymnasium in Rheinberg. Nach dem Abitur dort 1965 leistete er Wehrdienst als Reserveoffizieranwärter im Fallschirmjägerbataillon 262 in Bad Bergzabern; nach mehreren Wehrübungen wurde er zum Oberleutnant der Reserve befördert. Ab 1966 studierte er an der Pädagogischen Hochschule in Münster in Westfalen Deutsch, Geschichte und Sport und schloss das Studium 1969 mit dem ersten und 1971 mit dem zweiten Staatsexamen für das Lehramt an Grund- und Hauptschulen ab. Ab 1969 war er als Lehrer in Beckum tätig. 1978 war er für den Flick-Konzern tätig. Ab 1993 war Möllemann Inhaber der Firma WEB/TEC – Wirtschafts- und Exportberatung.

Möllemann war in zweiter Ehe ab 1975 verheiratet mit der Studienrätin Carola Möllemann-Appelhoff (* 1949). Sie war von 1979 bis 1994 sowie seit 1999 FDP-Ratsmitglied in Münster und führte von 1999 bis 2019 die Münsteraner FDP-Ratsfraktion. Aus dieser Ehe gingen zwei Töchter hervor; aus erster Ehe hatte Möllemann eine weitere Tochter.

Ende der 1970er Jahre bewarb sich Möllemann erfolglos gegen Reinhold Schmelter um das Präsidentenamt beim seinerzeitigen Zweitligisten Preußen Münster, wo der bisherige Amtsinhaber Günter Wellerdieck aufgrund von Steuerhinterziehung vom DFB für drei Jahre für Vorstandstätigkeiten gesperrt worden war. Ab 1989 war er Mitglied des Aufsichtsrats (bis 1994 Verwaltungsrat) des Fußballklubs FC Schalke 04 in Gelsenkirchen, von 1993 bis 1995 und 1998 bis 2001 als Vorsitzender.

Von 1962 bis 1969 war Möllemann Mitglied der CDU. Von 1970 bis zu seinem Austritt am 17. März 2003 gehörte er der FDP an, war Vorsitzender des Bezirksverbands Westfalen-Nord und ab 1975 Mitglied im Landesvorstand der FDP Nordrhein-Westfalen – von 1982 bis 1983 als stellvertretender und seit 1983 als Landesvorsitzender. 1994 trat er von diesem Amt wegen Differenzen mit dem damaligen FDP-Bundesvorsitzenden und Außenminister Klaus Kinkel zurück; von April 1996 bis Oktober 2002 hatte er dieses Amt erneut inne. Bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen 2000 gelang der FDP unter seiner Führung nach fünf Jahren Abwesenheit aus dem Landtag mit einem Ergebnis von 9,8 Prozent der Stimmen der Wiedereinzug in den Landtag von NRW. Im März 2003 schied er aus der FDP-Landtagsfraktion aus.

Möllemann war von 1972 bis 2000 und von 2002 bis 2003 Mitglied des Deutschen Bundestages. Im Februar 2003 wurde er als Mitglied des Bundesvorstands aus der FDP-Bundestagsfraktion ausgeschlossen. Von 1981 bis 1997 sowie von Mai 1999 bis März 2002 war er Mitglied im FDP-Bundespräsidium. Von Mai 2001 bis September 2002 war er stellvertretender Bundesvorsitzender.

Unterlagen über Möllemanns Tätigkeit für die FDP befinden sich im Archiv des Liberalismus der Friedrich-Naumann-Stiftung in Gummersbach-Niederseßmar.

Bis 1982 gehörte Möllemann dem Auswärtigen und Verteidigungs-Ausschuss des Deutschen Bundestages an. Nach dem Regierungswechsel im Oktober 1982 wurde er zum Staatsminister im von Hans-Dietrich Genscher geleiteten Auswärtigen Amt (damals in Bonn) ernannt. Nach der Bundestagswahl 1987 wurde er am 12. März 1987 als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung (Kabinett Kohl III) berufen.

Nach der Bundestagswahl 1990 übernahm er das Amt des Wirtschaftsministers im Kabinett Kohl IV. Durch die deutsche Wiedervereinigung war das Haushaltsdefizit auf den höchsten Stand seit 1975 gestiegen. Zur Konsolidierung forderte Möllemann den Abbau von staatlichen Subventionen in Höhe von 10 Milliarden DM jährlich im Haushalt und drohte, bei Nichterreichen dieses Ziels als Minister zurückzutreten. Die CDU/CSU/FDP-Koalition entschieden sich für den Abbau, wobei jedoch schon früher beschlossene Subventionskürzungen eingerechnet wurden.

Nach Genschers Rücktritt wurde er am 18. Mai 1992 zum Stellvertreter des Bundeskanzlers ernannt. Nach der sogenannten Briefbogenaffäre schied er am 21. Januar 1993 aus dem Kabinett aus.

Vom 2. Juni 2000 bis zu seinem Tod war er Abgeordneter im Landtag Nordrhein-Westfalen (13. Wahlperiode).

Neben zahlreichen Erfolgen und Anerkennungen, beispielsweise als Bundesminister für Bildung und Wissenschaft, gab es einige politische Skandale. Vom Amt des Bundesministers für Wirtschaft musste er im Januar 1993 zurücktreten, da er dessen offizielles Briefpapier verwendet hatte, um in einem Brief für eine Geschäftsidee eines Vetters seiner Ehefrau zu werben. Dies wurde als Briefbogenaffäre bekannt.

Erzwungener Rücktritt und Comeback

1994 sprach Möllemann von einem Comeback als Minister, worauf Kinkel öffentlich nicht reagierte. Jedoch trat im Oktober des Jahres der komplette NRW-Landesvorstand der FDP zurück, um auch den Vorsitzenden Möllemann zum Rücktritt zu zwingen.

Bereits zwei Jahre später war er wieder im Amt des NRW-Landesvorsitzenden und führte die Landespartei im Wahlkampf 2000 zu einem ungewöhnlichen Erfolg. Die FDP, die fünf Jahre nicht im Landtag NRW vertreten war, erhielt bei der Landtagswahl am 14. Mai 2000 dank seiner Wahlkampfstrategie 9,8 Prozent der Stimmen. Möllemann und der frühere FDP-Bundesgeschäftsführer Fritz Goergen waren Initiatoren der Strategie 18, die von der Bundes-FDP im Mai 2001 für den Bundestagswahlkampf 2002 angenommen wurde.

Anúncio

Bald in der World in Stories App

Audio, Offline-Download, keine Werbung und mehr.

Premium entdecken
Jürgen Möllemann | World in Stories