Jérôme Agyenim Boateng (* 3. September 1988 in West-Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Fußballspieler. Der Innenverteidiger stand zuletzt beim LASK unter Vertrag. Zuvor hatte er zehn Jahre bei Bayern München und zwei Jahre bei Olympique Lyon gespielt. Er war neben seinem Jugendverein Hertha BSC auch für den Hamburger SV und kurzzeitig in England für Manchester City aktiv.
In den Jahren 2013 und 2020 gewann er mit den Münchnern das Triple aus deutscher Meisterschaft, DFB-Pokal und UEFA Champions League. Mit der deutschen Nationalmannschaft wurde er 2014 in Brasilien Weltmeister. Er gehörte dabei zu den sechs Spielern der deutschen WM-Auswahl, die zuvor 2009 mit der U21 Europameister geworden waren.
Boateng wuchs in Berlin-Wilmersdorf bei seiner deutschen Mutter auf, die als Flugbegleiterin bei British Airways und später beim Bodenpersonal der Lufthansa angestellt war. Sein ghanaischer Vater aus der Familie der Aduana der Akan-Ethnie, Prince Boateng, trennte sich von der Mutter, als sein Sohn fünf Jahre alt war. Boateng hat eine jüngere Schwester Avelina und (über den gemeinsamen Vater) zwei ältere Halbbrüder: Kevin-Prince und George Boateng, die ebenfalls Fußball spielen. Kevin-Prince spielte als Profi unter anderem in der Bundesliga bei Hertha BSC, George als Amateur bei CFC Hertha 06 in der Landesliga Berlin.
Boateng besuchte die Poelchau-Oberschule im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf, eine sportbetonte Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe. Er beendete die Schule nach der zehnten Klasse mit dem Hauptschulabschluss, um sich ganz seiner Karriere als Profifußballspieler widmen zu können.
Boateng spielte mit ungefähr sechs Jahren im Hof mit seinem Vater das erste Mal Fußball und trat mit zehn Jahren bei Tennis Borussia Berlin ein.
2002 wechselte er im Alter von 13 Jahren in die Nachwuchsabteilung des Bundesligisten Hertha BSC. Bei der Hertha durchlief er alle weiteren Altersklassen und gewann 2005 mit der U17 die deutsche B-Jugend-Meisterschaft. Er nahm mit der Mannschaft der U19 des Vereins zweimal an der Endrunde der deutschen A-Jugend-Meisterschaft teil, die Mannschaft scheiterte aber beide Male im Halbfinale.
In seinem zweiten U19-Jahr gehörte er bereits dem Kader der U23 an und spielte in der Saison 2005/06 neunmal in der Regionalliga Nord. Im Jahr darauf stand er fest im U23-Aufgebot, wurde aber zur Winterpause auch in den Kader der ersten Mannschaft geholt.
Am 31. Januar 2007 bestritt Boateng sein erstes Bundesligaspiel für die Profimannschaft von Hertha BSC, als er bei der 0:5-Auswärtsniederlage gegen Hannover 96 in der Startformation stand und die komplette Partie durchspielte. In seiner Premierensaison wurde er insgesamt in zehn Ligaspielen eingesetzt, darunter zweimal an der Seite seines Halbbruders Kevin-Prince.
Zur Saison 2007/08 verpflichtete ihn der Ligakonkurrent Hamburger SV. Seinen ersten Einsatz hatte er am vierten Spieltag gleich in der Startaufstellung und danach war er Stammspieler. Die Hanseaten schafften Platz 4 und damit die Qualifikation für den UEFA-Pokal. In der darauffolgenden Spielzeit brauchte er nach einem Muskelfaserriss zu Saisonbeginn einige Zeit, bis er wieder Anschluss an die Stammmannschaft fand. In 21 Spielen half er dann mit, die UEFA-Pokal-Teilnahme zu verteidigen. Dazu kam das Team jeweils ins Halbfinale des DFB-Pokals und des UEFA-Pokals, wo es in beiden Wettbewerben an Werder Bremen scheiterte.
In seinem dritten Jahr erreichte er erneut das UEFA-Pokal-Halbfinale, seit jener Saison unter dem Namen UEFA Europa League, diesmal scheiterte der HSV am FC Fulham aus London. In diesem Wettbewerb schoss Boateng in der Qualifikationsrunde und im Achtelfinale die ersten beiden Pflichtspieltore seiner Profikarriere. In der Bundesliga gelang ihm kein Treffer, stattdessen bekam er im Nordderby gegen Werder Bremen nach einer Notbremse eine Rote Karte. Außerdem verpassten die Hamburger die Qualifikation für einen internationalen Wettbewerb.
Nach drei Jahren in Hamburg wechselte Boateng zur Saison 2010/11 zum englischen Erstligisten Manchester City, bei dem er einen Fünfjahresvertrag unterzeichnete. Aufgrund einer Verletzung debütierte Boateng erst am 25. September 2010 (6. Spieltag) für die „Citizens“, als er beim 1:0-Heimsieg über den FC Chelsea in der 89. Spielminute für Dedryck Boyata eingewechselt wurde. Sein Startelfdebüt folgte fünf Tage darauf beim 1:1 im Heimspiel in der Europa League gegen Juventus Turin.
Er setzte sich nicht dauerhaft durch: ab dem Jahreswechsel wurde er nur noch sporadisch eingesetzt und nach einer Knieverletzung endete die Saison für ihn vorzeitig. So war er nicht in den entscheidenden Spielen vertreten, als Manchester City den FA Cup gewann.
Zur Saison 2011/12 wechselte Boateng zum FC Bayern München (FCB). Er unterschrieb beim deutschen Rekordmeister einen Vierjahresvertrag. Beim FCB war er sofort Stammspieler und absolvierte 27 Saisonpartien, wobei er zwei Spiele nach seiner zweiten Rotsperre aussetzen musste, als er im Auswärtsspiel bei Hannover 96 in der 28. Minute des Feldes verwiesen worden war. Am Ende wurde er mit dem FCB Vizemeister und stand im DFB-Pokalfinale, das mit einer 2:5-Niederlage gegen Borussia Dortmund endete. In der Champions League absolvierte er alle 15 Spiele des FCB von den beiden Qualifikationsspielen gegen den FC Zürich bis zum Finale gegen Chelsea über die volle Spielzeit. Das Finale, das in der Allianz Arena in München stattfand, wurde im Elfmeterschießen verloren.
In der Folgesaison kam Boateng auf 26 Einsätze. Am 9. März 2013 entschied er mit seinem ersten Bundesligator zum 3:2 in der 86. Minute die Begegnung gegen Fortuna Düsseldorf. Vier Spieltage später gelang ihm sein zweiter Bundesligatreffer. Am 28. Spieltag sicherte sich der FC Bayern so früh wie noch nie die deutsche Meisterschaft. In der Champions League sah Boateng am letzten Gruppenspieltag die rote Karte und wurde für das Achtelfinale gesperrt. Im Viertelfinale kam er wieder zum Einsatz und bestritt auch die siegreichen Halbfinalpartien gegen den FC Barcelona über die volle Spieldauer. Am 25. Mai 2013 spielte Boateng 90 Minuten im Finale der UEFA Champions League als Innenverteidiger gegen Borussia Dortmund und gewann mit dem FCB den Titel (2:1-Sieg). Am 1. Juni 2013 vervollständigte der FCB den Gewinn des Triple mit einem 3:2-Sieg gegen den VfB Stuttgart im Finale des DFB-Pokals. Auch hier kam Boateng über 90 Minuten zum Einsatz.
Auch in der Saison 2013/14 blieb Boateng Stammspieler bei Bayern München. Mit 25 Saisoneinsätzen und einem Tor trug er dazu bei, dass Bayern den Vorjahresrekord der frühesten deutschen Meisterschaft noch einmal verbesserte. Auch im DFB-Pokal verteidigte die Mannschaft den Titel; im Endspiel kam Boateng gegen Borussia Dortmund über 120 Minuten zum Einsatz. Einzig in der Champions League gelang dem FCB die Titelverteidigung nicht. Boateng kam hier zu neun Einsätzen; die Mannschaft schied im Halbfinale gegen Real Madrid aus.
Die Saison 2014/15 brachte dem FCB und Boateng die dritte Meisterschaft in Folge. Er kam in 27 Spielen zum Einsatz und stellte am 8. November 2014 beim 4:0-Auswärtssieg gegen Eintracht Frankfurt mit seinem 50. Bundesligaspiel in Folge ohne Niederlage einen neuen Bundesliga-Rekord auf. Boateng brach damit den Rekord seines Teamkollegen Franck Ribéry, der 49 Spiele bis zur Niederlage am 12. April 2014 gegen Borussia Dortmund ungeschlagen blieb. Boateng hatte weder dieses Spiel noch das Spiel zuvor gegen Augsburg bestritten, bei denen es einzigen beiden Liga-Niederlagen der Bayern seit Oktober 2012 gab, als seine Rekordserie begann. Diese Serie baute er bis zum 56. Spiel in Folge aus, bis erstmals wieder am 30. Januar 2015 auswärts gegen den VfL Wolfsburg ein Spiel verloren ging. Beim 1:1 gegen den FC Schalke 04 am 3. Februar 2015 erhielt er in der 17. Spielminute seine fünfte rote Karte und wurde für drei Bundesligaspiele, nach Einspruch des FCB verkürzt auf zwei Spiele, gesperrt. Am 4. April 2015 bestritt Boateng beim 1:0-Auswärtssieg bei Borussia Dortmund sein 100. Bundesligaspiel für den FCB. In der Champions-League-Saison gelangen Boateng im Saisonverlauf drei Tore. 2015 wurde die deutsche Meisterschaft verteidigt.