Izmir, früher Smyrna (türkisch İzmir, neugriechisch und im ionischen Dialekt des Altgriechischen Σμύρνη Smýrnē, neugriechisch gesprochen Smírni, im attischen Dialekt des Altgriechischen Σμύρνα Smýrna; beide Formen (f. sg.)), ist mit rund 4,5 Millionen Einwohnern die drittgrößte Stadt der Türkei und Hauptstadt der Provinz gleichen Namens. 2023 hatte die Kernstadt eine Bevölkerung von 2 948 609 (in elf Stadtbezirken), während die Provinz Izmir 2019 eine Gesamtbevölkerung von 4 493 242 aufwies. An der Ägäisküste am Golf von Izmir gelegen, beherbergt sie den nach Istanbul zweitgrößten Hafen des Landes. Nach einer Gebietsreform ist Izmir eine Großstadtkommune (Büyükşehir belediyesi) und damit flächen- und einwohnermäßig identisch mit der Provinz.
Erste Siedlungen auf dem Gebiet des heutigen Izmir datieren ca. 6500–4000 v. Chr. Das Gebiet wurde von Luwiern, Hethitern, Phrygern und Griechen erobert bzw. besiedelt.
Die Herkunft des Namens Smyrna ist umstritten:
Traditionell wurde er auf die griechische Bezeichnung für Myrrhe zurückgeführt.
Einigen antiken Autoren gemäß wurde die Stadt nach einer Amazone gleichen Namens benannt.
Laut aktuellen Ausgrabungen hieß die Stadt ursprünglich Tismurna, wobei das Ti-Präfix vermutlich eine Person bezeichnet. Die Stadt wurde in assyrischen Schriften mit diesem Namen erwähnt.
Der heutige türkische Name İzmir leitet sich wohl aus dem griechischen griechisch εἰς Σμύρναν is Smyrnan, deutsch ‚in Smyrna‘ ab, analog zum Namen İstanbul, der auf griechisch εἰς τῆν (Κωνσταντινου)πόλιν is tin pólin [istimˈbɔlin], deutsch ‚in der Stadt (Konstantins)‘ zurückgeht. Es ist auch möglich, dass der türkische Name auf eine westromanische Form, wie katalanisch, spanisch und portugiesisch Esmirna, zurückzuführen ist, da diese Sprachen, wie das Türkische, Konsonantencluster im Anlaut vermeiden.
Die Stadt ist eine der ältesten Siedlungen des Mittelmeerraums. Die Entdeckung von Yeşilova Höyük und dem benachbarten Yassıtepe in der heutigen Bornova-Ebene hat das Anfangsdatum der Vergangenheit der Stadt weiter zurückversetzt als bisher angenommen. Funde aus zwei Ausgrabungssaisons, die im Yeşilova Höyük von einem Team von Archäologen der Ege Üniversitesi von Izmir durchgeführt wurden, zeigen drei Kulturebenen, von denen zwei prähistorisch sind. Ebene 2 trägt Spuren der frühen bis mittleren Kupfersteinzeit und Ebene 3 neolithischer Siedlungen. Diese beiden Ebenen waren zwischen dem 7. und 4. Jahrtausend v. Chr. bewohnt. Später ab der Kupfersteinzeit wurde Yeşilova als Friedhof genutzt. Mehrere Gräber mit Artefakten, die ungefähr aus dem Jahr 3000 v. Chr. stammen, zeitgleich zur ersten Stadt in Troja, wurden gefunden.
Eine vorgriechische Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Stadtteils und des Landkreises Bayraklı lässt sich bereits für das 3. Jahrtausend v. Chr. nachweisen. Ende des 9. Jahrhunderts v. Chr. legten hier aiolische Griechen an einem Ort, der heute als Alt-Smyrna bezeichnet wird, eine befestigte Niederlassung an. Im 8. Jahrhundert v. Chr. wurde diese von ionischen Griechen aus Kolophon übernommen und zur Polis ausgebaut. Zu einer ersten Blüte gelangte (Alt-)Smyrna, das als eine der Wirkungsstätten des Dichters Homer gilt, im 8.–7. Jahrhundert v. Chr.
Der lydische König Alyattes zerstörte (Alt-)Smyrna um 600 v. Chr. In den folgenden drei Jahrhunderten befand sich hier nur eine unbedeutende Ansiedlung. Erst Ende des 4. Jahrhunderts v. Chr. kam es zu einer Neugründung Smyrnas, als Antigonos I. Monophthalmos 20 Stadien (3,5 km) südwestlich der alten Stadt um den Akropolisberg Pagos (dem heutigen Kadifekale) eine neue Siedlung (auf dem Gebiet des heutigen Stadtkerns von Izmir) anlegte, die bald darauf erneut den Status einer Polis erlangte. Der von Antigonos angelegte Hafen legte den Grundstein für Smyrnas Entwicklung zu einer der reichsten Handelsstädte Asiens. Smyrna wurde als 13. Mitglied in den Ionischen Bund aufgenommen und erhielt bald den Beinamen „Zierde von Ionien“. Im Krieg gegen Antiochos III. stand Smyrna auf Seiten des Siegers, Rom, das der Stadt 189 v. Chr. Land zuteilte. Während des italischen Bundesgenossenkrieges stellte die Stadt ein Flottenkontingent zur Unterstützung der Römer; auch in den mithridatischen Kriegen verhielt sie sich römertreu.
Im Jahr 43 v. Chr. beherbergte die Stadt Gaius Trebonius, einen der Mörder von Julius Caesar. Der römische Konsul Publius Cornelius Dolabella eroberte Smyrna, ließ Trebonius töten und einige Stadtviertel zerstören. Als Erdbeben in den Jahren 178 und 180 n. Chr. die Stadt stark beschädigt hatten, erwirkte der griechische Redner Aelius Aristides bei Kaiser Marcus Aurelius deren Wiederaufbau und erhielt dafür zahlreiche Ehrungen.
Cassius Dio war zeitweilig römischer Curator (Aufseher über die Stadtverwaltung) von Smyrna.
Smyrna war ein wichtiges Zentrum der christlichen Welt. Schon früh etablierte sich eine christliche Gemeinde. Diese Gemeinde ist eine der sieben Gemeinden der Offenbarung des Johannes. Der biblische Verfasser der Offenbarung des Johannes schreibt dazu:
Der Kirchenvater Polykarp von Smyrna, Verfasser eines Briefes an die Philipper, war im 2. Jahrhundert Bischof von Smyrna. Auch Ignatius von Antiochien hielt sich in Smyrna auf und soll dort vier der Ignatiusbriefe verfasst haben. Nachdem der Hafen von Ephesos versandete, wuchs die Bedeutung Smyrnas als Hafenstadt.
Smyrna gehörte ab 395 zum Byzantinischen Reich und war als Handelsplatz und Flottenstützpunkt wichtig. 654 n. Chr. wurde die Stadt von den Arabern angegriffen, 672/673 zeitweilig von ihnen besetzt. 1076 eroberten die Seldschuken unter Sultan Suleiman ibn Kutalmiş die Stadt. Der Pirat und Untergebene der Seldschuken Çaka Bey herrschte dann ab 1081 über Smyrna und eroberte von hier aus weitere Gebiete und Inseln. Als er 1092 von seinem Schwiegersohn und Nachfolger Suleimans, Sultan Kılıç Arslan I., getötet wurde, holten sich die Byzantiner unter Kaiser Alexios I. Smyrna zurück. Mit dem Abkommen von Nymphaion erhielt die Republik Genua unter anderem Handelsprivilegien in der Stadt, weil sie Byzanz bei der Rückeroberung Konstantinopels geholfen hatte. So kam Smyrna unter die Kontrolle der genuesischen Handelsfamilie Zaccaria. Die italienischen Händler aus Genua und Venedig siedelten sich vorzugsweise im Fränkischen Viertel Smyrnas an. 1317 griff Mehmed, der Bey der Aydınoğulları, Smyrna an und konnte den landeinwärts gelegenen Burghügel (Pagos, die hellenistische Akropolis, heute Kadifekale genannt) einnehmen. Die untere Stadt mit dem Hafen und der dortigen neuen Festung blieb aber zunächst in genuesischer Hand. Seit dieser Zeit prägte sich bei den Türken für den Hafen und Umgebung der Begriff Gâvur İzmir (Ungläubiges Izmir).
Mehmeds Sohn Umur eroberte schließlich 1329 auch den Hafen. Unter Umurs Herrschaft stieg das Beylik Aydın schnell zur Seemacht auf; Smyrna wurde neben Ephesos-Panormos zum Hauptstützpunkt der türkischen Flotte. Schiffe unter der Flagge Aydıns betrieben Piraterie im gesamten östlichen Mittelmeer und führten Plünderungszüge auf der Morea und Negroponte durch. Die Türken griffen lediglich lateinische (d. h. katholische) Besitzungen an, da Umur 1335 mit dem byzantinischen Regenten Johannes Kantakuzenos ein Bündnis geschlossen hatte.
Die Herrschaft Aydıns war aber nicht von Dauer, denn – ausgelöst durch die Piraterie – griff Ende 1344 eine Kreuzzugsliga unter Führung des Papsttums die Stadt an und eroberte den Hafen. Die Kämpfe zogen sich bis 1348 hin, als Umur getötet wurde. Die obere Burg hingegen blieb in der Hand der Türken. Die Aydınoğulları mussten sich 1390 den Osmanen unterwerfen; während der Hafen weiterhin von den Rittern des Johanniterordens zu Rhodos kontrolliert wurde.
Im Jahr 1402 wurden die Osmanen unter Sultan Bayezid I. in der Schlacht bei Ankara vernichtend von den mongolisch-türkischen Truppen Timurs besiegt. Die Timuriden standen Ende des Jahres vor Smyrna. Die christliche Garnison, etwa zweihundert Ritter unter dem Kommando des aragonesischen Johanniters Íñigo de Alfaro, lehnte eine Kapitulation ab. Die Timuriden griffen daraufhin mit Belagerungsmaschinen an, untertunnelten die Mauern, blockierten die Hafeneinfahrt und stürmten nach immerhin fünfzehn Tagen Widerstand die Stadt. Die Einwohner wurden massakriert und die Stadt zerstört. Laut dem Historiker Dukas soll Timur die Schädel der Getöteten mit Mörtel in die Mauern einfügen haben lassen. Die unruhigen Zeiten gingen erst 1422 mit dem osmanischen Sultan Murad II. zu Ende. Smyrna wurde wiederaufgebaut, allerdings 1472 von den Venezianern besetzt und erneut niedergebrannt. Von diesem Zeitpunkt an blieb die Stadt bis ins 20. Jahrhundert osmanischer Besitz.