Iwan Bally (* 13. Dezember 1876 in Schönenwerd; † 2. August 1965 ebenda) war ein Schweizer Unternehmer und Politiker (Freisinnig-Demokratische Partei).
Iwan Bally entstammte der Unternehmerfamilie Bally und war der älteste Sohn des Schuhfabrikanten und Politikers Eduard Bally (* 11. August 1847 in Schönenwerd; † 24. Juli 1926 ebenda) und dessen Ehefrau Marie († 19. Mai 1923), die Tochter des Pastors Johann Friedrich Karl Prior aus Meppen in Deutschland; seine Mutter war bis 1921 im Leitungsgremium des Schweizerischen Gemeinnützigen Frauenvereins. Er hatte noch eine Schwester und zwei Brüder.
Sein Grossvater war der Industriepionier Carl Franz Bally und sein Onkel der Unternehmer Arthur Bally.
Er heiratete 1901 Clara († 27. September 1928), die Tochter des Molkereibesitzers Ludwig Wissmann aus Frankfurt am Main; gemeinsam hatten sie vier Töchter. Zu seinen Schwiegersöhnen gehörte unter anderem Witto Wittstock-Bally (1895–1983). Seine Abdankung fand am 5. August 1965 in der Stiftskirche Schönenwerd statt.
Die Erben von Iwan Bally schenkten der Gemeinde Schönenwerd den Familiensitz Villa Clarahaus mit einem Teil des Grundstücks von ungefähr 30 Aren. Der Rest der Liegenschaft, 84 Aren, konnte von der Gemeinde zu einem Vorzugspreis erworben werden; damit wurde der Bau einer Alterssiedlung ermöglicht.
Nachdem Iwan Bally die Gemeinde- und Bezirksschule in Schönenwerd besucht und an der Kantonsschule Aarau die Maturität bestanden hatte, kam er zum Studium an das Polytechnikum Zürich (heute ETH Zürich) und darauf zur Universität Zürich.
Er absolvierte eine Banklehre in Paris und trat 1897 in das Geschäft seines Vaters sein; 1907 wurde er Direktor der C. F. Bally AG. Von 1921 bis 1954 war er Verwaltungsratspräsident der Bally-Schuhfabriken und der Wiener Schuhfabrik.
1908 wurde er Mitglied des Verwaltungsrats der Baugesellschaft Schönenwerd AG. 1912 erfolgte seine Wahl in den Verwaltungsrat der Stuttgarter Lebensversicherungsbank AG. 1911 wurde er in den Verwaltungsrat der «Schweiz» Allgemeinen Versicherungs AG in Zürich gewählt, und ab 1915 war er Mitglied des Verwaltungsrats der Eidgenössischen Bank. 1927 wurde er Mitglied des Verwaltungsrats der neugegründeten Arola-Schuh AG, und im selben Jahr erfolgte, als Nachfolger des verstorbenen Paul Usteri-Escher, seine Wahl zum Mitglied des Verwaltungsrats der Schweizerischen Lebensversicherungs- und Rentenanstalt (heute Swiss Life) in Zürich.
Iwan Bally hielt sich einige Zeit in England auf und unternahm mehrere Reisen in die USA.
Er war Hauptmann der Kavallerie und 1. Adjutant der Kavalleriebrigade 2.
Unternehmerisches, gesellschaftliches und politisches Wirken
Als Mitglied des Direktoriums der C. F. Bally AG leitete Iwan Bally die Rationalisierungsbestrebungen nach amerikanischem Vorbild und war, nach der Einführung der Holdingstruktur, von 1921 bis 1954 Verwaltungsratspräsident der Bally-Schuhfabriken und lange Zeit auch der Wiener Schuhfabrik.
Während des Zweiten Weltkriegs forderten die Arbeiter der Schuhkonzerns Bally den Abschluss eines Gesamtarbeitsvertrags, den Iwan Bally jedoch strikt ablehnte. Daraufhin baten die Gewerkschaften den Leiter des Volkswirtschaftsdepartements, Walther Stampfli, um Unterstützung. Dieser zwang Bally zum Vertragsabschluss, indem er drohte, dass die Armee sonst keine Militärschuhe mehr von seiner Firma beziehen würde.
Iwan Bally war Präsident der Schulkommission und der Bezirksschulpflege Schönenwerd. 1919 wurde er als Kandidat der Freisinnigen in Solothurn für die Wahl des Nationalrats aufgestellt und amtete im gleichen Jahr als Mitglied des Vollziehungsausschusses (kantonale Parteileitung), deren Präsident der Ständerat Robert Schöpfer war.
Iwan Bally betraute 1921 Christian Clavadetscher mit der Leitung des Gutsbetriebs Niederhommel im luzernischen Neuenkirch.
Von 1921 bis 1933 war er freisinniger Solothurner Kantonsrat und wurde 1925 zum zweiten und 1926 zum ersten Vizepräsidenten gewählt; 1928 wurde er Kantonsratspräsident.
Als Nachfolger für den zurückgetretenen Hugo Dietschi wirkte er von 1937 bis 1943 als Ständerat.
Während seines USA-Aufenthaltes wurde er mit dem Arbeitswissenschaftler Frederick Winslow Taylor und dem Psychologen Hugo Münsterberg bekannt und begann sich für angewandte Psychologie zu interessieren. Bereits 1913 liess er durch Jules Suter (1882–1959) psychologisch konzipierte Auslese- und Anlernmethoden in der Schuhfabrik Bally entwickeln und durchführen. Weil er sich für die von Hugo Münsterberg 1914 veröffentlichten Grundzüge der Psychotechnik interessierte, initiierte er 1923 die Gründung des Psychotechnischen Instituts Zürich durch Jules Suter. Ziel war die praktische Anwendung der Psychologie im Dienste von Gesundheit, Wirtschaft, Erziehung, Kunst und Wissenschaft. Jules Suter führte erfolgreich arbeitspsychologische Versuche in Bally-Betrieben durch.