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Ismail Kadare

Albanischer Schriftsteller

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Ismail Kadare [ismaˈil kadaˈɾɛ] (* 28. Januar 1936 in Gjirokastra; † 1. Juli 2024 in Tirana; selten auch Ismail Kadaré) war ein albanischer Schriftsteller. Häufiges Thema seiner Romane ist das Leben in totalitären Regimen, oft in einen historischen Kontext verwoben. Er gilt als der international erfolgreichste und meistübersetzte albanische Autor. Sein Werk zählt zum Kanon der albanischen Literatur mit vielfältigen, anhaltenden Wirkungen. Neben Romanen veröffentlichte er auch einige Novellen, Gedichte und Essays.

Ismail Kadare wurde im südalbanischen Gjirokastra als Sohn des in bescheidenen Verhältnissen lebenden Gerichtsboten Halit Kadare und der Hausfrau Hatixhe Dobi geboren. Sein Großvater mütterlicherseits war ein gebildeter und wohlhabender Mann. Zur Zeit des Zweiten Weltkriegs und der Besetzung Albaniens wechselten die Besatzer seiner Heimatstadt regelmäßig. Über diese Erfahrungen in seiner Kindheit erzählt er im Roman Chronik in Stein, der 1971 erschien. Obwohl Kadare es nicht erwähnt, wird dieses Werk als autobiographisch bewertet.

Im Alter von zwölf Jahren wurde er zusammen mit einem Freund wegen Geldfälschens mit geschmolzenem Blei von den kommunistischen Behörden verhaftet und verbrachte zwei Tage im Gefängnis. Kadare schloss die Sekundarschule in seiner Geburtsstadt ab. Anschließend studierte er an der Fakultät für Geschichte und Philologie der Universität Tirana Sprachen und Literatur.

1956 erhielt er das Lehrerdiplom und studierte danach während der Chruschtschow-Ära bis zum Abbruch der politischen Beziehungen Albaniens zur Sowjetunion im Jahr 1960 Literaturwissenschaft am Maxim-Gorki-Literaturinstitut in Moskau. Dort hatte er Gelegenheit, ins Russische übersetzte zeitgenössische westliche Literatur zu lesen. Kadare betrachtete Maxim Gorkis Lehren als „tödlich für die wahre Literatur“. Er lehnte den Kanon des Sozialistischen Realismus ab und verpflichtete sich innerlich, das Gegenteil von dem zu tun, was die Dogmatik im Bereich der „guten Literatur“ lehrte. Den Aufenthalt in der Sowjetunion verarbeitete er 1978 in seinem autobiographischen Roman Die Dämmerung der Steppengötter.

Schriftsteller im sozialistischen Albanien

In den frühen 1960er Jahren war Kadare vor allem als Lyriker populär. 1959 schrieb er seinen Roman Qyteti pa reklama (deutsch Die Stadt ohne Reklamen). Dieser kritisierte den Sozialistischen Realismus. Wegen seines heiklen Inhalts konnte er ihn nicht veröffentlichen. Einige Jahre später publizierte er einen Teil des Romans getarnt als Novelle unter dem Titel Kaffeehaustage im Magazin Zëri i Rinisë. Sie wurde sofort nach dem Erscheinen verboten. Der Roman selbst blieb bis zum Fall des Regimes unveröffentlicht.

1963 erschien sein bekanntester Roman, Der General der toten Armee. Von offiziellen Literaturkritikern wurde das Werk kritisiert und danach ignoriert. Anlass dafür war, dass Kadare darin unter anderem den realsozialistischen Stil gemieden hatte und die Partei der Arbeit Albaniens ignoriert wurde. Im Januar 1965 wurde sein Roman Das Ungeheuer in der Zeitschrift Nëntori veröffentlicht, aber gleich nach seinem Erscheinen als „dekadent“ etikettiert und verboten. In literaturkritischen Schriften der 1960er Jahre wurde Kadare manchmal geraten, wie er in Zukunft schreiben sollte, manchmal nur nebenbei erwähnt und meistens ignoriert.

Im Westen hatte Kadare mit Der General der Toten Armee seinen literarischen Durchbruch. 1970 wurde dieser Roman in Paris veröffentlicht und von der französischen Kritik gefeiert. Das Werk wurde auch verfilmt (unter anderem mit Michel Piccoli und Marcello Mastroianni). Die Veröffentlichung dieses Werkes im Westen markiert die radikale Veränderung des staatlichen Verhaltens gegenüber dem Schriftsteller. Da Kadares Literatur plötzlich ein Einflussfaktor wurde, wurde sie von nun an von der Geheimpolizei und dem Amt für Veröffentlichungen ständig unter die Lupe genommen. Kadares Feinde in der Geheimpolizei und die alte Garde des Politbüros der albanischen Arbeiterpartei beschuldigten ihn wiederholt, ein westlicher Agent zu sein; das war einer der gefährlichsten Vorwürfe, die zu dieser Zeit gemacht werden konnten. Die ältere Generation von Schriftstellern und Kritikern war extrem erbost: „Dieser Roman wurde von der Bourgeoisie veröffentlicht und dies kann nicht akzeptiert werden“, heißt es in einem Bericht der damaligen Geheimpolizei. Die Schriftsteller schlossen sich zusammen gegen den „Liebling des Westens“. Kurz nach seinem literarischen Durchbruch im Ausland im Jahr 1970 wurde Kadare vom albanischen Regime dazu bestimmt, Parlamentsabgeordneter zu werden.

Von Kadares weiteren Romanen fanden viele auch im Ausland Beachtung. Wenn er auch systembedingt in seinem Schaffen zahlreichen Einschränkungen und Zensurmaßnahmen unterworfen war, machte sein Ruhm im Ausland ihn für das Regime bis zu einem bestimmten Grad unantastbar.

Nachdem er 1975 die Behörden mit einem politischen Gedicht beleidigt hatte, wurde er zur Strafe für einige Zeit zur Zwangsarbeit aufs Land geschickt. Außerdem wurde ihm das Veröffentlichen von Romanen verboten, sodass er diese nach seiner Rückkehr nach Tirana als Novellen getarnt herausgeben ließ. So erschienen 1978, 1980 und 1986 drei Sammelbände mit jeweils vier oder mehr Novellen.

1981 veröffentlichte er den Roman Der Palast der Träume, eine Parabel über einen diktatorischen Staat, der die Träume seiner Untertanen überwacht und interpretiert, um so potenzielle Verschwörungen gegen sich aufzudecken. Er wurde nach Erscheinen verurteilt und schließlich verboten. Kadare wurden versteckte Angriffe auf das Regime und Anspielungen auf die gegenwärtige Situation in Albanien vorgeworfen, jedoch bewahrte ihn sein internationales Renommee vor potenziellen Konsequenzen. Im selben Jahr hatte er auch den Roman Konzert am Ende des Winters an den Staatsverlag geschickt. Der Roman wurde von Partei- und Staatsämtern als antikommunistisches Werk, als Verspottung des politischen Systems und als offener Widerstand gegen die kommunistische Ideologie angesehen und blieb daher bis mehrere Jahre nach Enver Hoxhas Tod unveröffentlicht. Zu dieser Zeit wies Hoxha den Geheimdienst Sigurimi an, Dokumente vorzubereiten, um Kadare zu verhaften und als Verschwörer und Staatsfeind zu verurteilen.

Nach dem Selbstmord des Premierministers Mehmet Shehu wurden zahlreiche Partei- und Staatsfunktionäre verhaftet. Aufgrund weiterer beunruhigender Umstände schloss Kadare, dass er sich in Gefahr befand. Die Zeit schien reif, ihn als Feind der Partei und der Diktatur des Proletariats zu verurteilen. Es wurden zehn erzwungene Aussagen über seine feindlichen Aktivitäten vorbereitet, die wichtigsten von Fiqirete Shehu, der Ehefrau des verstorbenen Premierministers Mehmet Shehu, und von Gesundheitsminister Llambi Ziçishti. Kadare sollte vorgeworfen werden, die Parteilinie in Kunst und Kultur sabotiert zu haben. Bashkim Shehu bezeugte, er sei eine Woche lang über Kadare verhört worden. Die westliche Presse verteidigte ihn. In einem Artikel in der französischen Zeitschrift Lire schrieb Bernard Pivot, Frankreich sei besorgt, dass Kadare nicht auf die Einladung nach Paris reagiere. Laut Spartak Ngjela waren einige französische Schriftsteller und Intellektuelle, unter anderem Alain Bosquet, bereit, Kadare sofort zum Dissidenten zu erklären, sollte er verhaftet werden, und Hoxha wurde darüber vom Geheimdienst informiert. Er soll danach in einer Sitzung des Politbüros gerufen haben: „Ich gebe dem Westen keinen Dissidenten!“

In den 1980er Jahren schmuggelte Kadare mit Hilfe seines französischen Herausgebers Claude Durand einige seiner regimekritischen Manuskripte aus Albanien und deponierte sie in Frankreich; unter anderem Agamemnons Tochter und Die Flucht des Storchs.

Robert Elsie, ein Albanologe und Experte für albanische Literatur, betonte, dass die Bedingungen, unter denen Kadare in Albanien lebte und seine Werke veröffentlichte, nicht mit denen in anderen kommunistischen Ländern Europas vergleichbar gewesen seien, in denen zumindest ein gewisses Maß an öffentlichem Widerspruch toleriert wurde. Vielmehr sei die Situation damals in Albanien vergleichbar mit Nordkorea oder der Sowjetunion in den 1930er Jahren unter Stalin. Trotzdem nutzte Kadare jede Gelegenheit, um das Regime in seinen Werken mit politischen Allegorien anzugreifen, die von gebildeten albanischen Lesern verstanden wurden.

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