An diesem Tag

Islamistischer Terrorismus

Gewalttaten im Namen des Islam

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Mit dem Begriff islamistischer Terrorismus (seltener auch islamischer Terrorismus) wird Terrorismus bezeichnet, der durch Islamismus motiviert ist. Islamistische Terroristen bezeichnen ihre Aktivitäten selbst als Dschihad und berufen sich zur Rechtfertigung ihrer Aktionen auf die Grundlagen des Islam, auf den Koran und die Sunna. Islamistische Terroristen verübten die Terroranschläge am 11. September 2001 – die verheerendsten Anschläge in der Geschichte der Vereinigten Staaten – sowie weitere schwere Anschläge in den USA und anderen Staaten.

In den letzten Jahren übertraf der islamistische Terrorismus bei weitem jede andere terroristische Ideologie an Todesopfern.

Auch nach der Tötung Osama bin Ladens während der Operation Neptune Spear ist die dschihadistische Bewegung deutlich gewachsen und stellt eine ständige Bedrohung dar. Das Internet spielt für den islamistischen Terrorismus eine wichtige Rolle. Vor allem der Islamische Staat nutzt es, um Anhänger zu gewinnen und zu mobilisieren.

Das Spektrum der terroristischen Aktivitäten reicht von sehr komplexen und verheerenden Anschlägen bis zu Taten durch sogenannte einsame Wölfe.

Nach Ansicht zahlreicher Historiker entwickelte sich der Islamismus aus der Begegnung des Islams mit der Moderne vor allem westlicher Prägung. Die Erfahrungen mit dem Kolonialismus führten zu unterschiedlichen, stellenweise widersprüchlichen Phänomenen, die vom Widerstand bis zur Anpassung reichten. Vor allem in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bildeten sich in Teilen der muslimischen Welt fundamentalistische Bewegungen, die einen angeblich reinen, an den religiösen Texten orientierten Islam predigen wollten. So formierte sich an der al-Azhar-Universität in Kairo eine Gruppe junger Akademiker, die einen Islam propagierten, der zur Zeit Mohammeds und seiner direkten Nachfolger existiert hätte.

Zunächst waren diese Bewegungen noch nicht explizit politisch oder revolutionär. Dies änderte sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts vor allem mit der Gründung der islamistischen Muslimbruderschaft durch Hasan al-Bannā.

Al-Bannā, der aus einer frommen Familie kam, empfand den Einfluss westlicher Ideen bereits in jungen Jahren als schädlich. So schrieb er in seiner Autobiographie, Ägypten sei nach dem Ersten Weltkrieg und „während seiner Studienzeit in Kairo […] von einer Welle des Atheismus und der Wollust“ überflutet worden. „Im Namen der individuellen und intellektuellen Freiheit“ habe man die „Moralität und Religion“ zerstört.

Er gründete zahlreiche Vereine, islamische Schulen und Verbände, in denen alle Facetten des gesellschaftlichen Lebens vom Islam bestimmt sein sollten. Bald hatte die Organisation über eine halbe Million Mitglieder in Ägypten und Ableger in weiteren Ländern der arabischen Welt. Sie wollte nicht nur den Kolonialismus überwinden, sondern sämtliche säkulare Rechtssysteme abschaffen und die Scharia einführen. In den 1950er Jahren kam es zu einer Konfrontation mit Gamal Abdel Nasser, dessen Antikolonialismus den Muslimbrüdern zunächst sympathisch war.

Al-Bannā war mit Mohammed Amin al-Husseini befreundet, dem Mufti von Jerusalem, der das NS-Regime unterstützte. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs bezeichnete al-Bannā ihn als einen Helden, der mit Hitlers und Deutschlands Hilfe ein Empire herausgefordert und den Zionismus bekämpft habe.

Ein Grund für das rasche Anwachsen der Mitgliederzahlen war die Mobilisierung für den Arabischen Aufstand in Palästina, bei der judenfeindliche Passagen des Korans mit antisemitischen Parolen des Nationalsozialismus verbunden wurden. Es kam zu Boykott-Kampagnen und gewalttätigen Demonstrationen mit Aufrufen wie „Juden raus aus Ägypten und Palästina!“ Auf der „Parlamentarierkonferenz zur Verteidigung Palästinas“, die 1938 in Kairo stattfand, wurden antisemitische Schriften und Pamphlete wie die Protokolle der Weisen von Zion sowie Adolf Hitlers Programmschrift Mein Kampf verteilt.

Ein großer Einfluss auf die Muslimbrüder ging von Abū l-Aʿlā Maudūdī aus, einem indischen Geistlichen, der den Dschihad gegen die moderne Form des Dschāhilīya propagierte, um den Islam vor säkularen, nationalistischen und liberalen Einflüssen zu bewahren. Im Jahre 1941 gründete er die islamistische Bewegung Jamaat-e-Islami.

Der fundamentalistische Theoretiker Sayyid Qutb (1906–1966), der von Maudūdī inspiriert war, interpretierte den Islamismus der Muslimbrüder im Sinne einer gewaltsamen und revolutionären Ideologie. Für ihn waren die modernen islamischen Staaten mit heidnischen „Gesellschaften der vormuslimischen Zeit“ vergleichbar. Als wahrer Muslim könne sich nur derjenige bezeichnen, der die „Souveränität“ Gottes vorbehaltlos akzeptiere. Die Avantgarde dieser Muslime befinde sich im Konflikt mit der gesamten Gesellschaft, der mit allen Mitteln ausgetragen werden müsse. Der Dschihad sei vor allem ein bewaffneter Kampf und ein Instrument, um Gottes Herrschaft durchzusetzen. Am 29. August 1966 wurde er in Kairo hingerichtet. Viele seiner Anhänger flohen nach Saudi-Arabien, wo sich Qutbs Ideen und die Religionsdoktrin des Wahhabismus gegenseitig beeinflussten.

Eine deutlich zunehmende Radikalisierung junger Muslime setzte nach dem Irakkrieg 2003 ein.

Zentral in der Ideologie islamistisch-terroristischer Gruppierungen und Organisationen ist die kompromisslos kriegerische Interpretation des Begriffs Dschihad, der als islamisch legitimierter militärischer Kampf zur Ausweitung und Verteidigung des Islams verstanden wird. Ein wichtiges Denkmuster ist dabei die Einteilung der Welt in den Dār al-Islām (das „Gebiet des Islams“) und den Dār al-Harb (das „Gebiet des Krieges“). Diese zwei Begriffe finden sich zwar weder im Koran noch in den Hadithen, sie entstammen jedoch dem Gelehrtendiskurs über den Koran und die Hadithe und wurden zu einem Begriffspaar der islamischen Rechtslehre. Charakteristisch für die Ideologie des islamistischen Terrorismus ist es nun, diese in der traditionellen islamischen Rechtslehre durchaus verbreitete Unterscheidung im Sinne ihrer dschihadistischen Doktrin zu interpretieren. Hinzu kommt nach der Lehre Ibn Taimiyas der Kampf gegen Herrscher, die als vom Islam abgefallen gelten, weil sie die Scharia nicht anwenden. Ideelle Wegbereiter waren Muhammad ibn ʿAbd al-Wahhāb, Sayyid Qutb und Abdallah Azzam.

Der hanbalitische Gelehrte Ibn Taimiya hatte in einer Fatwa bestimmt, dass alle Muslime zum Dschihad verpflichtet seien, um ihre Religion aus den Fesseln der Dschāhilīya zu lösen. Nach Auffassung der 9/11-Kommission gehörte er zu den Religionsgelehrten, die den stärksten Einfluss auf Osama bin Ladens Überzeugungen hatten. Er lehnte jegliche Neuerung des Islam ab und beeinflusste mit dieser Haltung die Salafisten der Gegenwart, die eine Rückbesinnung auf den „wahren Islam“ fordern, der zur Zeit Mohammeds und der ersten Kalifen existiert habe.

Die deutschen Verfassungsschutzbehörden sehen im Islamismus einen religiös-politischen Extremismus, der vom Islam zu unterscheiden sei. Nach der Definition des Bundesamtes für Verfassungsschutz zielt die Ideologie darauf ab, die freiheitlich-demokratische Grundordnung der Bundesrepublik Deutschland abzuschaffen. Religion sei für die Islamisten nicht nur eine „private Angelegenheit“, sondern regele auch „das gesellschaftliche Leben und die politische Ordnung.“ Eine gottgewollte und daher „wahre“ und absolute Ordnung stehe über den von Menschen gemachten Institutionen. Die Staatsgewalt könne nur von Allah ausgehen.

Laut Stefan Goertz entspricht diese Definition den gängigen Auffassungen von Islamwissenschaftlern. So schrieb Tilman Seidensticker in seiner Abhandlung Islamismus: Geschichte, Vordenker, Organisationen von Bestrebungen, die Gesellschaft und Kultur, den Staat und die Politik „anhand von Werten und Normen“ umzugestalten, die als islamisch gelten. Nicht die Volkssouveränität, sondern die „Souveränität Gottes“ solle verwirklicht werden. Dies führe zur starken Ablehnung der im parlamentarischen Verfahren beschlossenen Gesetze.

Der Islamwissenschaftler Guido Steinberg untersucht in seinem Buch Der nahe und der ferne Feind – Das Netzwerk des islamistischen Terrorismus die Dynamik zwischen diesen beiden Formen des islamistischen Terrorismus, wobei der „nahe Feind“ aus der Sicht der Terroristen die Herrscher muslimischer Staaten sind, der „ferne Feind“ vor allem die Vereinigten Staaten und Israel, die manchmal als der „große“ und der „kleine Satan“ bezeichnet werden. Nach Steinberg ist der internationale islamistische Terrorismus ohne diese Dynamik kaum zu verstehen. Danach entstanden in einzelnen muslimischen Ländern Terrororganisationen, die zuerst die eigene Regierung stürzen wollten. Da dies nicht möglich war, fanden die religiösen „Freiheitskämpfer“ nach dem Einmarsch der Sowjetunion in Afghanistan ein neues Betätigungsfeld in Afghanistan, wo sie mit Unterstützung ihrer Heimatländer und auch der USA in den 1980er-Jahren die Sowjetunion bekämpften. Erst nach dem Rückzug der Sowjetunion aus Afghanistan, der als Sieg der Muslime verstanden wurde, begannen die einzelnen Gruppen den Kampf gegen den „fernen Feind“ zu organisieren. Eine zentrale Figur war dabei Osama bin Laden und sein Terrornetzwerk Al-Qaida.

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