An diesem Tag

Islamfeindlichkeit

Angst, Hass oder Vorurteile gegen die Religion des Islam oder der Muslime im Allgemeinen

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Als Islamfeindlichkeit wird eine grundsätzliche und pauschalisierende Feindseligkeit gegenüber dem Islam bzw. Muslimen bezeichnet. Daneben existieren die Bezeichnungen und Konzepte Muslimfeindlichkeit, Islamophobie und antimuslimischer Rassismus, die unterschiedliche Schwerpunkte und Wertungen bei der Betrachtung des Phänomens setzen. Umstritten ist, ob Islamfeindlichkeit als Form des Rassismus oder als eine ähnliche Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit zu betrachten sei, da der Islam nicht auf bestimmte Ethnien beschränkt ist. Vertretern und Organisationen des politischen Islam wird zuweilen allerdings vorgeworfen, Islamfeindlichkeit, Islamophobie oder antimuslimischer Rassismus als Kampfbegriffe zu verwenden, um sich generell gegen jede Form der Kritik zu immunisieren.

Laut dem britischen Soziologen Chris Allen schaffe Islamfeindlichkeit eine Wirklichkeit, in der es als normal gelte, Muslime als grundsätzlich verschieden von Nichtmuslimen anzusehen und sie folglich auch ungleich zu behandeln. Islamfeindlichkeit hat erst in den letzten Jahren mediale Aufmerksamkeit erfahren. Die Anfänge der modernen Islamfeindlichkeit reichen jedoch weit ins 20. Jahrhundert zurück und haben mehrere historische Vorläufer, etwa im mittelalterlich-christlichen Bild des Islams, aber auch im westlichen Orientalismus der Neuzeit. Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit der Islamfeindlichkeit setzte vergleichsweise spät ein. Die erste umfassende Studie des Phänomens sowie der Versuch einer Definition stammen aus dem Jahr 1997. Benennung, Einordnung und Reichweite des Begriffs sind seitdem umstritten.

Chris Allen definiert Islamfeindlichkeit als eine Ideologie, die Muslime und den Islam als das negativ konnotierte „Andere“ konstruiert und damit von der Gruppe ausschließt, mit der man sich selbst identifiziert. Islamfeindlichkeit verbreite einseitig negative Sichtweisen über Islam und Muslime und diskriminiere Letztere gegenüber anderen Menschen. Muslime identifiziere sie anhand vermeintlicher oder tatsächlicher Merkmale und Eigenheiten des Islams, also nicht anhand des Selbstbildes der betroffenen Personen. Allen betont, dass Islamfeindlichkeit nicht immer explizit zum Ausdruck gebracht werde. Vielmehr sei sie auch in alltäglichen Praktiken und Diskursen vorhanden, ohne dass sich die darin Involvierten notwendigerweise als islamfeindlich verstehen müssen. Die Diskriminierung von Muslimen äußere sich folglich auch in Handlungen und Äußerungen, die von allen Beteiligten als selbstverständlich wahrgenommen werden. Islamfeindlichkeit ziele darauf ab, negative Wahrnehmungen von Muslimen und Islam als „Wissen“ zu etablieren, also als für objektiv wahr gehaltene Aussagen. Gleichzeitig strebe sie auch eine politische und soziale Benachteiligung von Muslimen in der Gesellschaft an. Laut Allen seien konkrete Inhalte deshalb auch von geringerer Bedeutung, da sie über die Zeit durch andere ersetzt werden könnten und Islamfeindlichkeit wandelbar sei – abgesehen von der negativen Bewertung des Islams und der Muslime an sich. Dennoch seien historische Kontinuitäten empirisch beobachtbar.

Allen bezeichnet Islamfeindlichkeit als eine dem Rassismus verwandte, aber nicht identische Ideologie; zu ihrer Rechtfertigung würden schließlich vor allem kulturelle Argumentationsmuster verwendet. Ein solcher kultureller Rassismus sei nicht nur problematisch, weil er innerhalb der Rassismusforschung umstritten sei. Die „Kulturalisierung“ von Islam und Muslimen trage überdies dazu bei, dass beide als homogen und monolithisch gesehen würden. Da man bei der Definition einer islamischen Kultur von einer bestimmten Ausprägung des Islam beziehungsweise Verfassung der Muslime ausgehen müsse, nehme man in Kauf, sowohl die Religion als auch die Menschen über deren Kopf hinweg zu kategorisieren.

In dieser Haltung findet Allen bei Robert Miles und Malcolm D. Brown Zustimmung, die in ihren Publikationen ebenfalls die Unterschiede zwischen Rassismus und Islamfeindlichkeit betonen: Zwar gebe es inhaltliche und funktionelle Überschneidung zwischen beiden Phänomenen, beide seien jedoch genauso voneinander zu trennen wie von Sexismus oder Homophobie, wenn man eine Inflation des Rassismuskonzepts vermeiden und die historischen Eigenheiten der Islamfeindlichkeit berücksichtigen wolle. Im Gegensatz dazu haben vor allem Rassismustheoretiker wie Étienne Balibar und David Theo Goldberg die Ansicht vertreten, dass Islamfeindlichkeit ebenso wie moderner Antisemitismus lediglich eine von vielen Formen des Rassismus sei. Sie sehen sowohl Kultur als auch Rasse als sozial konstruierte Kategorien, denen keine reale Essenz zugrunde liege. Gleichzeitig betonen sie die Verschmelzung religiöser Aspekte mit klassischen biologisch-rassistischen Diskursen.

Nach dem Islamwissenschaftler und Verfassungsschutz-Mitarbeiter Olaf Farschid sind folgende Ideologien Merkmale von Islamfeindlichkeit: (1) Die Annahme einer „unüberbrückbaren kulturellen Verschiedenheit von Muslimen und Nichtmuslimen“; (2) Die Annahme, Islam und Demokratie seien „grundsätzlich unvereinbar und Muslime daher in westlichen Gesellschaften niemals integrierbar“; (3) Die Annahme „Gewalt gehört konstitutiv zum Islam“; (4) Die Annahme, „Muslime betreiben eine heimliche Islamisierungsstrategie“; (5) Die Sorge „vor der angeblich bevorstehenden Einführung islamischer Traditionen und Normen in europäische Gesellschaften“; (6) Die Annahme, „Muslime arbeiten mit bewusster Täuschung“ und (7) die „Gleichsetzung von Islam und Totalität, die aus dem Islam eine Ideologie macht und ihm den Status einer Religion abspricht.“

Benennungsfragen und Abgrenzungsproblematiken

Die englischen beziehungsweise französischen Ausdrücke „islamophobia“/„islamophobie“ lehnen sich an das dem Griechischen entlehnte Wort „Xenophobia“ (Fremdenfeindlichkeit) an. Diese Bezeichnung gilt als problematisch, weil der Wortbestandteil der Phobie auf eine krankhafte beziehungsweise psychische Ursache des Phänomens hindeutet und es damit pathologisiert.

Der Begriff wurde 1997 erstmals in einer wissenschaftlichen Studie des britischen „Runnymede Trust“ verwendet („Islamophobia – A Challenge for all of us“; „Islamophobie – eine Herausforderung für uns alle“).

Insbesondere wird auch der Fokus auf den Islam statt auf die betroffenen Individuen, die Muslime, als problematisch kritisiert. Yasemin Shooman befürwortet aus diesem Grund die Verwendung der Bezeichnung „antimuslimischer Rassismus“ beziehungsweise „anti-Muslim racism“. Damit sollen die Parallelen zu klassischen Rassismen unterstrichen und Muslime ausdrücklich als Opfer des Phänomens benannt werden. Allen weist ähnliche Vorschläge mit Verweis auf die Unterschiede zwischen Islamfeindlichkeit und Rassismus zurück und meint, dass keiner der Ausdrücke in der Lage sei, die komplexen Strategien zu erfassen, in denen Muslime indirekt über den Islam angegriffen würden oder der Islam als ganzes, nicht aber Muslime, im Fokus der Feindseligkeit stünden. Als Konsequenz argumentiert er dafür, vorerst bei den etablierten Ausdrücken zu bleiben.

Armin Pfahl-Traughber vertritt die Auffassung, dass es bei der Unterscheidung von Begriffen wie Islamophobie, Islamfeindschaft, Islamkritik, Muslimenfeindlichkeit und Muslimenkritik „keineswegs nur um einen Streit um Worte“ gehe. Hinter den Begriffen stünden vielmehr „unterschiedliche Inhalte, die sich zwischen den beiden Polen einer aufklärerisch-menschenrechtlichen Islamkritik einerseits und einer fremdenfeindlich-hetzerischen Muslimenfeindlichkeit andererseits bewegen“. Er plädiert für eine klare Trennung zwischen den Begriffen und eine Versachlichung einer Debatte, in der bei einer nicht zu vernachlässigenden Grauzone sowohl immer wieder Islamkritiker, die „einzelne Bestandteile oder Auslegungen der Religion und deren Wirken in der Gesellschaft hinterfrag[en]“, als „Islamfeinde“ diffamiert würden, als auch tatsächliche Muslimenfeinde ihre Ressentiments als „Islamkritik“ behaupteten.

Der Soziologe und Antisemitismus-Beauftragte Berlins Samuel Salzborn argumentiert dafür, den Begriff der Islamophobie gänzlich zu verwerfen. Nur Islamisten und Rechtsextremisten würden von der Unschärfe des Begriffs profitieren. Zudem werde seiner Ansicht nach der Begriff Islamophobie insbesondere von islamistischen Gruppierungen verwendet, die sich damit gegen Kritik an ihren eigenen demokratiefeindlichen Äußerungen und Taten zu immunisieren versuchen. Der französische Sozialwissenschaftler Gilles Kepel, der auch an der London School of Economics and Political Science lehrt, beklagte, dass zunehmend oft Lehrveranstaltungen und öffentliche Vorträge von Wissenschaftlern, die sich kritisch mit dem Islam auseinandersetzen, von pro-islamischen Gruppierungen mit dem Kampfbegriff der „Islamophobie“ gestört würden.

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