Ischia [ˈiskja] () ist eine italienische Insel. Sie ist mit 46 km² die größte Insel im Golf von Neapel. Die Hauptinsel der Phlegräischen Inseln gehört zur Metropolitanstadt Neapel in Kampanien.
Die Insel trug zuerst den griechischen Namen Πιθηκούσσαι Pithekoussai, dessen Etymologie unsicher ist.
Zum einen wird er mit dem griechischen Wort πίθηκος pithekos, deutsch ‚Affe‘, in Verbindung gebracht und im Mythos, wie ihn z. B. Ovid in seinen Metamorphosen erzählt, auf die Verwandlung der Kerkopen in Affen zurückgeführt.
Zum anderen wird der Name von der Bezeichnung für ein Tongefäß, griechisch πίθος Pithos, hergeleitet, was auf eine dort ansässige Tonverarbeitung schließen lässt.
Die Römer nannten die Insel Aenaria oder dichterisch Inarime. Auch bei den lateinischen Namen besteht eine Unklarheit, da in manchen Quellen eine Insel Aenaria von der Insel Pithecusa bzw. Inarime von Pithecusae unterschieden wird. Dies ist womöglich darauf zurückzuführen, dass die Griechen Pithekoussai für die beiden größeren dort beieinander liegenden Inseln, Ischia und Procida, gleichermaßen verwendet haben könnten.
Der heutige Name Ischia taucht vermutlich zum ersten Mal 812 in einem Brief des Papstes Leo III an Karl den Großen auf, in dem davon die Rede ist, dass die Mauren eine Insel namens Iscla maior unweit von Neapel gestürmt hätten. Der Ursprung dieses Namens, sofern nicht eine Verkürzung des lateinischen insula, ist unklar.
Ischia ist vulkanischen Ursprungs. Die höchste Erhebung ist der Monte Epomeo mit 789 m s.l.m..
Vor rund 55.000 Jahren förderte eine große explosive Eruption rund 40 Kubikkilometer Bims und vulkanische Asche zu Tage. (Bei einem der stärksten Vulkanausbrüche in historischer Zeit, dem des Krakatau im Jahre 1883, waren es nur 20 Kubikkilometer.) Durch den Einbruch der nun geleerten Magmakammer sanken die Ablagerungen unter den Meeresspiegel. Erneutes Eindringen von Lava in den Untergrund hob die darüber liegenden Schichten – es entstand die heutige Insel – und zerlegte sie dabei in Staffelbrüche. Im Norden hob sich die Scholle stärker, so dass der Abfall vom Monte Epomeo dorthin steiler ist.
Entlang der Bruchlinien trat Lava aus (letzter Ausbruch im Jahr 1302), und noch heute dringt heißes Wasser (stellenweise fast 100 °C) als natürliche Fumarolen (Marontistrand) oder in Bohrungen zu Tage.
Die Insel hat etwas mehr als 67.500 Einwohner und ist in sechs Gemeinden aufgeteilt: Ischia (mit den Ortsteilen Porto und Ponte), Casamicciola Terme, Lacco Ameno, Forio (mit dem Ortsteil Panza), Serrara Fontana und Barano d’Ischia.
Ischia Porto ist der wirtschaftliche Mittelpunkt der Insel, da hier auch der wesentliche Fährverkehr zwischen der Insel und dem Festland abgewickelt wird, und Forio das kulturelle Zentrum.
Die Fläche Ischias beträgt ca. 46,3 km². Der Inselumfang liegt bei ca. 34 km.
Die Insel weist einen sehr hohen Artenreichtum auf. Fast überall sind Eidechsen und Geckos anzutreffen. Zahlreiche Schmetterlings- und andere Insektenarten lassen sich beobachten.
Der Norden der Insel ist dichter bewachsen, und durch das Klima bedingt wachsen viele Kulturpflanzen sehr gut (Wein, Tomaten, Zitronen, Feigen, Granatäpfel, Datteln). Die Insel wird intensiv bis in steile Regionen bewirtschaftet.
In der touristischen Saison (etwa Juni bis Anfang Oktober) liegen die Tages-Maximaltemperaturen zwischen 26 °C und 35 °C. Im Sommer gibt es pro Monat durchschnittlich vier Regentage, das Meer ist von Juni bis Oktober 21 °C warm oder wärmer.
Von der griechischen Besiedlung bis in das 9. Jahrhundert
Ischia wurde im zweiten Viertel des 8. Jahrhunderts v. Chr. von griechischen Kolonisten aus Chalkis und Eretria besiedelt, die die Insel Πιθηκούσσαι Pithekoussai nannten. Wenige Jahrzehnte später verließen die griechischen Siedler Ischia und gründeten auf dem gegenüber liegenden Festland die Stadt Kyme.
Von Ischia stammt der berühmte „Nestorbecher“, mit der ältesten bekannten Inschrift in griechischer Schrift. Dieses Fundstück befindet sich inzwischen im Museo Archeologico di Pithecusae.