Isaac Watts (* 17. Juli 1674 in Southampton, England; † 25. November 1748 in London, England) war ein britischer kongregationalistischer Pastor und Liederdichter. Watts hat den kirchlichen Psalmengesang erneuert und über 1000 Hymnen verfasst, wobei Joy to the World von 1719 der bekannteste ist.
Watts wuchs als ältester Sohn von acht oder neun Kindern des Puritaners Isaac Watts (1650–1736) und seiner Frau Sarah Taunton (* 1652) auf. Von den Geschwistern ist nur Enoch Watts (1677–1755) namentlich bekannt. Sein Großvater Thomas Watts war Kommandant in einem Krieg 1656 und starb durch eine Explosion an Bord seines Schiffes. Sein Vater war zur Zeit seiner Geburt im Gefängnis, weil er Dissenter war und sich nicht den Regeln der staatlichen anglikanischen Kirche unterwarf. Als der junge Isaac vier Jahre alt war, begann der Vater ihm die lateinische Sprache beizubringen. Erste Verse schrieb er im Alter von sechs Jahren, ab der gleichen Zeit wurde er von Pfarrer John Pinhorne unterrichtet. Die Griechische Sprache lernte er ab neun, Französisch ab zehn und die Hebräische Sprache ab 13 Jahren.
Watts genoss also eine hervorragende Ausbildung am Gymnasium durch John Pinhorne. Wegen seiner nonkonformen Gesinnung konnte er nicht in Oxford oder Cambridge studieren. Dank Unterstützung durch den Arzt John Speed kam er mit 16 Jahren an die Akademie der Dissenter von Newington Green nördlich von London, wo er durch den nonkonformistischen theologischen Lehrer Thomas Rowe geprägt wurde. Seit seinem 20. Lebensjahr verfasste er Kirchenlieder für eine Gemeinde in Southampton, wohin er nach seinen Studien zurückgekehrt war. Im Jahr 1696 wurde er Hauslehrer und Prediger der Familie von John Hartopp im Fleetwood Haus in der Church Street in Stoke Newington und in Freeby, die als Zentren der Dissenter galten. 1699 wurde er Hilfspastor der unabhängigen, kongregationalistischen Kirche an der Mark Lane in London, im März 1702 wurde er als Hauptpastor eingesetzt. Aus gesundheitlichen Gründen war er gezwungen, die Stelle im Jahr 1712 aufzugeben. Zur Erholung ging er zu Thomas Abney in Hertfordshire, wo er dann jedoch bis zu seinem Lebensende blieb. Im Jahr 1728 wurde er an der Universität Edinburgh promoviert.
Nach seinem Tod wurde er in Bunhill Fields Burial Ground beigesetzt, ein neuer Gedenkstein wurde dort 1808 errichtet.
Watts entwarf ein dispensationalistisches Schema der Heilsgeschichte. Die Epochen hießen Unschuld, adamitisch (nach dem Sündenfall), noahisch, abrahamisch, mosaisch und christlich.
Er schrieb Lehrbücher zu Geografie, Astronomie, Grammatik, Logik und Philosophie, die im 18. Jahrhundert weit verbreitet waren und rege genutzt wurden.
Sein Werk A guide called Logic: or the Right Use of Reason von 1724 erlebte insgesamt 20 Ausgaben. Die genaue deutsche Übersetzung des Titels lautet: Logik oder der richtige Gebrauch der Vernunft bei der Untersuchung der Wahrheit mit einer Vielzahl von Regeln zum Schutz vor Fehlern in den Angelegenheiten der Religion und des menschlichen Lebens sowie in den Wissenschaften. Er teilte den Inhalt in vier Hauptthemen auf: Wahrnehmung, Beurteilung, Argumentation und Methode, wobei er sorgfältig zwischen Aussagen und Urteilen unterschieden hat. Es wurde zum Standardwerk im Fachbereich Logik an den Universitäten Oxford, Cambridge, Harvard und Yale bis ins 19. Jahrhundert.
Sein Buch The Improvement of the Mind von 1741 richtete sich an Leser, die ihr Wissen und ihre geistigen Fähigkeiten selbständig erweitern wollten. Der Autor legte in seinen Ausführungen Wert darauf, Wissen nicht nur passiv zu vermitteln, sondern sich aktiv damit auseinanderzusetzen. Watts empfahl u. a., sich Notizen zu Artikeln zu machen, bei Vorträgen Mitschriften anzufertigen und den Gedankenaustausch mit Gleichgesinnten zu suchen. Dieses Buch war von entscheidender Bedeutung für die persönliche Entwicklung des englischen Experimentalphysikers Michael Faraday.
Watts hat Texte von über 1000 Hymnen verfasst, etliche davon in seiner Zeit als Pastor in London. Er hat den bisherigen reformierten Psalmengesang erweitert, indem er die Texte der Psalmen in einer Sprache des Neuen Testaments nachgeahmt hatte. Er hat eine persönliche Spiritualität und emotionale Subjektivität mit einer doktrinärer Objektivität auf eine neue Art und Weise kombiniert. Erste Sammlungen kamen 1706 als Horae Lyricae und 1707 als Hymns and Spiritual Songs heraus. Später folgten 1715 Divine Songs for the Use of Children und 1719 The Psalms of David Imitated in the Language of the New Testament. Hymns and Spiritual Songs wurden letztmals 2019 aufgelegt. Hier eine kleine Auswahl seiner Hymnen:
Alas! and Did My Saviour Bleed, 1707.
Come Holy Spirit, Heavenly Dove.
Jesus Shall Reign Where’er the Sun, 1719; Melodie John Hatton 1793.
Jesus hat seine Herrschaft bestellt, bis an das Ende dieser Welt, 1950 von Johann Christoph Hampe.
Joy to the World, 1719 (Text nach Psalm 98, Melodien 1742 von Georg Friedrich Händel (1742) und 1836 von Lowell Mason).
My God, My Portion and my Love.
Our God, Our Help in Ages Past (Text nach Psalm 90).
There Is a Land of Pure Delight.
This is the day the lord has made.