Irma Trksak (geboren am 2. Oktober 1917 als Irma Trksáková in Wien; gestorben am 11. Juli 2017 ebenda) war eine österreichische Widerstandskämpferin, die sich am tschechischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Wien beteiligte. 1941 wurde sie verhaftet und 1942 erfolgte die Deportation in das Konzentrationslager Ravensbrück. In der Nachkriegszeit wirkte sie als Zeitzeugin und war Mitbegründerin der Österreichischen Lagergemeinschaft Ravensbrück. Im Internationalen Ravensbrück-Komitee setzte sie sich für eine antifaschistische Erinnerungspolitik ein.
Irma Trksak war die Tochter von Anna Miholková und Stephan Trksak, die vor dem Ersten Weltkrieg aus der Slowakei nach Wien gezogen waren. Ihre Mutter stammte aus einer kinderreichen slowakischen Familie aus Senica die bei ihrer Großmutter, die in Wien lebte, zur Köchin und Haushaltsgehilfin ausgebildet wurde. Ihr Vater war Mitglied der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (Tschechische Sektion) und später auch Mitglied und Funktionär in der Gewerkschaft der Metallarbeiter. Er war gelernter Schuster arbeitete jedoch aufgrund besserer Arbeitsbedingungen als Maschinist in der Brigittenauer Eisfabrik. Dorthin nahm er Irma als Mädchen oft mit. Kurz nach dem Krieg 1919, wurde Irmas Bruder Stefan geboren und 1922 ihr Bruder Jan.
In Irmas Familie wurde Slowakisch gesprochen, Slowakisch und Tschechisch sind selbständige Sprachen mit abweichender Grammatik, es ist jedoch möglich einander zu verstehen. Da es in Wien keine slowakischen Schulen gab, besuchte sie wie ihre drei Geschwister die tschechische Schule mit zusätzlichen Kursen in den slowakischen Sprachschulen und später das Komenský-Gymnasium. Nach der Matura studierte Trksak an der Pädagogischen Akademie in Prag und wurde 1937 mit Abschluss ihrer Ausbildung Lehrerin an der tschechischen Volksschule in Wien die von den Nazis 1940 geschlossen wurde. Daraufhin studierte sie Slawistik und unterrichtete in einer slowakischen Sprachschule. Bis zum Herbst 1939 behielt sie ihre Anstellung als Lehrerin, im Schuljahr 1939/1940 wurde ihre Stelle nicht verlängert, da die Situation der Schulen immer unsicherer wurde und weniger Eltern sich entschlossen, ihre Kinder in die tschechischen Schulen zu schicken. Verbunden mit dieser Entscheidung war die Angst vor einer Assimilierungsverweigerung, wenn die Kinder nicht deutsche Schulen besuchten. Ab Mai 1941 wurden sämtliche Subversitionen für Privatschulen gestrichen und geschlossen.
Trksaks Interesse an politischen Themen, wurden von ihrem Vater und auch durch die politische Bildung, die bereits früh auf dem Lehrplan der Schulen des Komenský-Schulverein stand geweckt. Vermutlich war dies auch ein Grund, weshalb es innerhalb der tschechischen Minderheit viele Widerstandsleistende gegen das Nazi-Regime gab.
Widerstand gegen den Nationalsozialismus
Irma Trksak war Mitglied im Turnverein DTJ, der 1934 unter Kanzler Dollfuß geschlossen wurde, jedoch nach der Umbenennung in ČTS (Tschechoslowakischer Turnverein) weiter bestand. Innerhalb dieses Turnvereins bildeten sich bereits 1938 verschiedene Widerstandsgruppen. Es versammelten sich aktivste Mitglieder des tschechoslowakischen Widerstandes, von der Gestapo als tschechische Sektion der KPÖ bezeichnet wurden. Alois Valach gründete Ende 1940 die Kommunistische Tschechen-Bewegung Wien. Die etwa 160 Mitglieder trafen sich regelmäßig in kleinen aus fünf Personen bestehenden Gruppen in Privatwohnungen. Trksaks Gruppe bestand aus Marianne Houdek, die Frau von Alois Houdek, Ludwig Štěpánik (Trksaks Verlobter) und Bohumil Nepoitek, dem Sohn des Schulwartes der Schule, wo Trksak unterrichtete. Alois Houdek fungierte als politischer Leiter der Gruppe und konnte andere Mitglieder überzeugen: „Wir waren schon sehr früh darüber informiert, was die Politik Hitlers für alle Minderheiten bedeutete. Wir lasen Mein Kampf gemeinsam und hörten Houdeks Aufklärungen fasziniert zu. Schon bald nach dem Einmarsch der Nazis hatten wir die Idee, die Bevölkerung über die Ziele von Hitlers Politik zu informieren, da wir überzeugt waren, dass der Ausbau von Straßen, die Verstärkung der Rüstungsindustrie, die Erweiterung des Eisenbahnnetzes, die Errichtung der Munitionsfabriken doch nichts anderes bedeuteten als die Vorbereitung für einen Krieg. Allerdings hatten wir alle nicht viel Ahnung von Konspiration und illegaler Tätigkeit. Aber wir waren besessen von der Idee, dass die Bevölkerung wissen sollte, was Hitler wirklich vorhatte. Noch dazu war uns bald klar, dass Hitler auch vor der Abschiebung und Vernichtung der tschechischen und slowakischen Minderheit zurückschrecken würde.“
Die Gruppe beteiligte sich an Sabotage-Aktionen die meist die Vernichtung von Militärgut zum Ziel hatten. Ihre Empörung darüber, als Angehörige einer slawischen Minderheit (und ohne „deutsches Blut“ in den Adern) plötzlich zu einem Menschen zweiter Klasse degradiert zu werden, bestärkte sie stets in ihrem Tun. Getarnt durch sportliche Aktivitäten schrieben sie Flugblätter, verschickten Kettenbriefe an Soldaten an der Front mit Aufrufen zur Desertation und legten Brände an Depots, in denen Kriegsmaterial gelagert war.
Immer mehr Mitglieder der Gruppe wurden im Laufe der Zeit verhaftet und ohne Prozess in Konzentrationslager deportiert, 20 Mitglieder wurden hingerichtet.
Am 29. September 1941 wurde Irma Trksak von der Gestapo verhaftet und zwölf Monate, die meiste Zeit davon in Einzelhaft, im Gefängnis auf der Rossauer Lände festgehalten. Es gelang der Gestapo nicht, sie in zahllosen brutalen Verhören zum Verrat anderer Gruppenmitglieder zu zwingen.
Am 27. September 1942 wurde sie mit 12 weiteren Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe ohne Gerichtsverhandlung in das KZ Ravensbrück deportiert. Unter ihnen waren Antonia Bruha und Anne Vavak.
Irma Trksak wurde am 2. Oktober 1942, ihrem 25. Geburtstag, unter der Häftlingsnummer 14177 im Konzentrationslager registriert. Nach der Ankunft im sogenannten Zugangsblock, der 270 Betten für 1600–2000 Menschen bereithielt, gehörte sie zunächst zu den Verfügbaren. Eine Häftlingsgruppe, die jederzeit für jede Arbeit eingesetzt werden konnte. Trksak wurde in dieser Zeit beispielsweise zum Steineklopfen eingeteilt und musste mit anderen Häftlingen die Straße vom Lager bis nach Fürstenberg pflastern. Das Stehen im Appell hatte Irma Trksak schon im Gefängnis in Wien geübt. Jeden Morgen um halb vier Uhr früh musste sie stundenlang bei eisiger Kälte und bei jedem Wetter draußen stehen, auch Kranke, Kinder und alte Menschen waren dieser Tortur ausgesetzt.
Nach etwa einem Monat im Zugangsblock wurden die Häftlinge nach Nationalitäten aufgeteilt. Sie kam mit anderen Frauen aus der tschechischen Widerstandsgruppe in der Baracke unter, in der Rosa Jochmann Blockälteste war.
Trksak meldete sich für die Arbeit in der Rüstungsproduktion von Siemens, wo sie als Schreiberin die Arbeitsleistung der Häftlinge verzeichnen musste. Hier verfälschte sie absichtlich die Statistiken der Arbeitsleistungen der Zwangsarbeiterinnen und schützte so die Häftlinge, die nicht mehr genügend Arbeitsleistung erbrachten.
1944 wurde ein eigenes Siemenslager mit Häftlingsbaracken direkt neben den Betriebsstätten errichtet, dort wurde Trksak Stubenälteste in der Internationalen Stube. Sie musste das Essen holen, Essen austeilen, Brot aufteilen und für Sauberkeit und Ordnung sorgen. „In der Siemensbaracke konnten wir kulturelle Veranstaltungen organisieren. Wir wollten ja für das Herz und für den Intellekt auch etwas machen.“ Sie und die Stubenälteste der Tschechischen Stube, Marie Karbusová, wurden verraten, weil sie streng verbotene politische Aktivitäten und Diskussionen veranstalteten. Als Strafe wurden sie Ende Januar 1945 in das angrenzende KZ Uckermark versetzt. Dort wurden ab Januar 1945 alte und kranke Frauen unter noch schlechteren Bedingungen als im Stammlager Ravensbrück untergebracht. Irma Trksak bezeichnete die Haft im KZ Uckermark als die schwerste Zeit ihres Lebens.
Elisabeth Thury konnte ihre Position als Chefin der Häftlings-Lagerpolizei nutzen, um Irma Trksak wieder ins Hauptlager zu überstellen. Dort war sie dann Stubenälteste im Block 3. Mit der chaotischen Auflösung des Lagers gelang Trksak und ihren Freundinnen Im Chaos auf dem sogenannten Todesmarsch am 29. April 1945 die Flucht.