An diesem Tag

Insel Verlag

Deutscher Literaturverlag

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Der Insel Verlag ist ein deutscher Literaturverlag, der 1901 aus der zwei Jahre zuvor gegründeten Literatur- und Kunstzeitschrift Die Insel hervorging und seinen ursprünglichen Verlagssitz in Leipzig hatte. Seit 2010 hat er seinen Sitz in Berlin, nachdem er bis dahin in Frankfurt am Main residiert und eine Niederlassung in Leipzig unterhalten hatte.

Seit 1963 gehört das Unternehmen zum Suhrkamp Verlag.

1899 riefen Otto Julius Bierbaum, Alfred Walter Heymel und Rudolf Alexander Schröder die Monatsschrift Die Insel ins Leben. Das Heft wurde von Georges Lemmen gestaltet und sollte einen Beitrag zur Literatur- und Kunstlandschaft Deutschlands leisten. Das noch heute verwendete Signet des Verlags, ein zweimastiges Segelschiff, wurde von Peter Behrens noch für die Zeitschrift entworfen. Bereits bei der Herausgabe des Heftes wurde auf die Ausstattung viel Wert gelegt und Illustratoren wie Heinrich Vogeler und Emil Rudolf Weiß konnten für die Zusammenarbeit gewonnen werden. Zu den ersten Büchern des neuen Verlages gehörten der Gedichtband Dir von Heinrich Vogeler und die Prosastücksammlung Fritz Kochers Aufsätze von Robert Walser. Vogeler illustrierte beispielsweise das Buch zu Der Kaiser und die Hexe von Hugo von Hofmannsthal.

Die Gründung des Insel Verlags

Am 1. Oktober 1901 wurde der Insel Verlag als GmbH mit Sitz in Leipzig unter der Leitung von Rudolf von Poellnitz gegründet. Nach dessen Tod am 14. Februar 1905 übernahm Carl Ernst Poeschel kommissarisch den Verlag, an dem sich ab 1. Juli 1905 Anton Kippenberg gemeinsam mit ihm unter einer gemeinsamen Verlagsleitung beteiligte. Nachdem Poeschel im September 1906 aus dem Insel Verlag ausgeschieden war, wobei Anton Kippenberg im Gegenzug auch den Poeschel-Verlag verließ, leitete Kippenberg das Haus allein weiter. Dabei erhielt er Unterstützung von seiner Frau Katharina, die Mitarbeiterin und 1918 Prokuristin des Verlages wurde. Auch sein Neffe Max Christian Wegner stieg in den 1920er Jahren zum Prokuristen des Insel Verlages auf, ehe er um 1930 zum Bernhard Tauchnitz Verlag wechselte.

Den Geschäftssitz hatte Kippenberg noch 1906 in die Kurze Straße 7 (seit dem 1. April 2001: Spohrstraße), das Geburtshaus Poeschels, verlegt.

Die literarischen Schwerpunkte des Verlags

Unter der Führung Kippenbergs avancierte der Verlag in den folgenden Jahren zu einem der führenden Literaturhäuser Deutschlands. Seinen Verlagsschwerpunkt bildeten die Werke von Goethe, die er in verschiedenen Ausgaben und Ausstattungen herausgab. Neben Faksimiles und aufwendig gestalteten Büchern veröffentlichte der Insel Verlag 1909 den sechsbändigen „Volksgoethe“, der auch für ein breiteres Publikum erschwinglich war. Herausgeber war der Literaturwissenschaftler Erich Schmidt. Zu weiteren Goethe-Publikationen zählten seine Gedichte sowie seine Briefwechsel mit Frau von Stein, Marianne von Willemer oder Friedrich Schiller und sein Werk West-östlicher Divan. 1915, im zweiten Kriegsjahr des Ersten Weltkriegs, legte der Verlag eine aus zehn Titeln bestehende Goethe-Kriegsausgabe auf, die mit Faust I begann und mit einem Auszug aus Dichtung und Wahrheit, Goethes Jugend, endete. Um den Versand an die an der Front kämpfenden Soldaten des Deutschen Reichs zu erleichtern, erschienen die Texte in grauen Broschuren, wodurch das Transportgewicht reduziert war. Ähnliche Kriegsausgaben liegen auch von vielen Titeln der Insel-Bücherei vor.

Neben Goethe wurde Rainer Maria Rilke zum wichtigsten Autor des Hauses. Kippenberg war bemüht, sämtliche Titel des Schriftstellers bei Insel herauszugeben. 1912/1913 hatte der Verleger die Rechte für alle bis dahin geschriebenen Werke Rilkes erworben. Außerdem erschien im Verlag das Gesamtwerk von Hans Carossa, der im Programm ebenfalls einen Schwerpunkt einnahm.

Insel gab neben Schriften zeitgenössischer Autoren (beispielsweise Stefan Zweig, Hugo von Hofmannsthal oder Albrecht Schaeffer) viele Werke der Weltliteratur heraus. Werke von Heinrich Heine, Friedrich Hölderlin, Heinrich von Kleist oder Charles Dickens erschienen sogar in mehrbändigen Ausgaben (Heine, zehn Bände: 1910–1920; Dickens, zwölf Bände: 1910–1913). Seinen ersten finanziellen Erfolg konnte der Verlag mit einem Band aus der Reihe Erzählungen aus Tausendundeiner Nacht in der Übersetzung aus dem Englischen von Greve erzielen, die 1907/1908 in zwölf Bänden herausgegeben wurde.

1912 wurde die Insel-Bücherei gegründet. Ihr auffällig gestalteter Einband, die thematische Vielfältigkeit der Reihentitel und ihre sorgfältig gewählte Ausstattung lassen sie bis heute zu den bekanntesten Produkten des Verlags gehören. Als erstes Buch in der Reihe erschien Rainer Maria Rilkes Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke.

1915 erschien aufgrund des Kriegsbündnisses zwischen Deutschland und Österreich im Ersten Weltkrieg die von Hugo von Hofmannsthal herausgegebene Österreichische Bibliothek in den Farben der Habsburgermonarchie Gold-Schwarz (hier: Gelb-Schwarz) als erstes Seitenstück zur Insel-Bücherei. Sie erreichte bis 1917 aufgrund mangelnden Absatzes allerdings nur 26 Bände.

Im Insel Verlag spielte die werkadäquate Gestaltung der Bücher eine herausgehobene Rolle, und so erschienen prachtvoll ausgestattete Schriften ebenso wie das preiswerte und doch individuell entworfene Buch. Kippenberg wollte auf unnötigen Schmuck verzichten und forderte von der eingesetzten Schrift eine gute Lesbarkeit und Inhaltsbezogenheit. Er verwendete benutzerfreundliches Papier und schuf für die Klassiker-Ausgaben die Dünndruckausgaben als neuen Buchstandard. An der Gesamtgestaltung der Insel-Veröffentlichungen war er zumeist selbst beteiligt. Auch die sorgfältige, für ein preiswertes Taschenbuch weit überdurchschnittliche Ausstattung der Insel-Bücherei zeigt die Bemühungen Kippenbergs für das schöne Buch bei breitesten Leserkreisen, die von den hohen Auflagen der Reihe erreicht wurden.

Die kongeniale Buchillustration wurde im Insel Verlag von Anbeginn an gepflegt, und so stand der Verleger zu vielen zeitgenössischen Illustratoren in persönlichem Kontakt. Für das Haus arbeiteten Künstler wie Eric Gill, Friedrich Wilhelm Kleukens, Rudolf Koch, Emil Preetorius, Max Slevogt, Henry van de Velde, Willi Harwerth und Marcus Behmer.

Dagegen lehnte Kippenberg lange Zeit die Verwendung von Schutzumschlägen ab, da sie dem Buch die künstlerische Wirkung des stets gediegen gestalteten Einbands nehmen würden, beugte sich nach dem Ersten Weltkrieg aber den Markterfordernissen, die einen Schutzumschlag als verkaufsförderndes Element bedingten.

Als typografische Meisterleistung edierte der Verlag unter der Herausgeberschaft von Paul Schwenke nach dem in der Königlichen Bibliothek Berlin befindlichen Pergament-Exemplar ein Faksimile der Gutenberg-Bibel in 300 Exemplaren. Es wurde im Lichtdruck von der Lichtdruckanstalt Albert Frisch in den Jahren 1913 und 1914 gedruckt, mit Handkolorierungen versehen und nach dem Fuldaer Exemplar gebunden.

1919 erschien zum ersten Mal die Verlagszeitschrift Das Inselschiff, deren Redaktion bei Katharina Kippenberg und Ausstattung, auch mit einem eigenen Signet, bei Walter Tiemann lag. Die gleichzeitig geplante Einstellung des Insel-Almanach beschränkte sich – nach Protesten der Freunde des Verlags – auf sein Nichterscheinen nur im Jahr 1920. Mit dem „Inselschiff“ informierte der Verlag die Käuferschaft über anstehende Verlagsprojekte, lieferte Auszüge – ggf. nebst Illustrationsbeispielen – aus Werken des laufenden und zukünftigen Verlagsprogramms und bot für die Verlagsautoren auch die Möglichkeit, kleinere abgeschlossene Werke vorzustellen, deren Druck nicht unmittelbar bevorstand. Die Erscheinungsweise war bei einem Preis von zunächst 1 Mark zunächst zweimonatlich. Ab Weihnachten 1922 gab es vier Quartalsausgaben pro Jahr, wobei das Ausgabejahr jeweils mit dem Weihnachtsheft als Nr. 1 begann. Ab 1938 erschienen nur noch 3 Hefte im Jahr; aufgrund der kriegsbedingten Papierkontingentierung endete die Zeitschriftenreihe mit dem Weihnachtsheft 1942 – ein Jahr nach Erscheinen des letzten Insel-Almanachs (erst 1952 sollte dann Wiesbaden wieder einen solchen ausliefern).

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