Innozenz III. (geboren als Lothar von Segni; *1160 oder 1161 auf Kastell Gavignano; † 16. Juli 1216 in Perugia) war von 1198 bis 1216 Papst der römisch-katholischen Kirche. Er gilt als einer der bedeutendsten Päpste des Mittelalters.
Lothar wurde 1160 oder Anfang 1161 auf dem Kastell Gavignano bei Segni (etwa 60 Kilometer südöstlich von Rom) als Sohn des Trasmundo „de comitibus Signie“ und der Clarissa, die aus der römischen Familie Scotti stammte, geboren. Sein Vater hatte keine „Grafschaft von Segni“ inne, sondern gehört einer führenden Familie von Segni an, die comites oder Conti genannt wurde.
Nach erster Ausbildung in Rom studierte Lothar an der Pariser Universität die Artes und später Theologie, unter anderem beim berühmten Theologen Pierre von Corbeil. Ab Sommer 1187 studierte er in Bologna; einer spätmittelalterlichen Tradition zufolge hat er dort den Kanonisten Huguccio gehört. Auf die Weihe zum Subdiakon durch Papst Gregor VIII. persönlich im Herbst 1187 (vielleicht in Bologna) folgte 1190 der Aufstieg zum Kardinaldiakon von Santi Sergio e Bacco.
Während seiner Zeit als Kardinaldiakon entstanden die Schriften De quadripartita specie nuptiarum („Über die viergeteilte Gestalt der Ehen“), De missarum mysteriis („Über die Geheimnisse der Messfeiern“) und De miseria conditionis humanae („Über das Elend des menschlichen Daseins“), verfasst 1194 bis 1195. Sie enthalten bereits einige theologische Grundlagen seiner späteren Ausführungen zum Pontifikat.
In De miseria conditionis humanae, seinem bekanntesten Werk, behandelte Lotario die Unvollkommenheit des menschlichen Daseins: „Aus Erde geformt ist der Mensch, empfangen in Schuld und geboren zur Pein. Er handelt schlecht, gleichwohl es ihm verboten ist, er verübt Schändliches, das sich nicht geziemt, und setzt seine Hoffnung auf eitle Dinge […]. Er endet als Raub der Flammen, als Speise der Würmer, oder er vermodert.“ Ausgehend von einer scharfen Ablehnung alles Körperlichen – „aus dir aber kommt nur Schleim, Urin und Kot […], du hinterläßt abscheulichen Gestank“ – und einer Verdammung der menschlichen Seele als sündig und verdorben gelangte Lotario zu einem pessimistischen Menschenbild. Das Werk folgt der überlieferten Lehre von der Hölle als Ort der ewigen Strafe für Sünder: „Die Strafen ändern sich, hören aber nie auf“. Er betont zugleich den Vorrang des Klerus vor den Laien. Den Papst sah er „in die Mitte gestellt zwischen Gott und Mensch, diesseits Gottes, aber jenseits des Menschen, weniger als Gott, aber mehr als der Mensch“. Demgemäß sei der Papst vicarius Christi, Statthalter Christi auf Erden, nicht nur Amtsnachfolger Petri.
Am 8. Januar 1198 wurde Lotario im zweiten Wahlgang zum Papst gewählt; er nahm den Namen Innozenz III. Am 21. Februar wurde er zum Priester geweiht, am nächsten Tag erfolgten die Bischofsweihe, Krönung und Inthronisierung. Als Einwand gegen seine Wahl scheint sein (innerhalb des Kardinalskollegiums) relativ junges Alter gegolten zu haben; auch Walther von der Vogelweide griff dies in seiner Polemik gegen Innozenz auf.
Nach seinem Amtsantritt widmete Innozenz III. seine Zeit vor allen Dingen der juristischen Fixierung des Papsttums und seiner endgültigen Etablierung auch als weltlicher Macht. Dieses Ziel versuchte Innozenz vor allem durch die Ausweitung des territorialen Besitzes des Kirchenstaates zu erreichen. Unter seiner Regie weitete sich der kirchliche Besitz durch Rekuperationen (Wiedergewinnung) in Mittelitalien auf die doppelte Größe aus. Zu den wichtigsten Gebieten, die er für das Patrimonium Petri beanspruchte, zählten die Toskana, die Mark Ancona und das Herzogtum Spoleto. Im Inneren sicherte er die Herrschaft durch geschickte Familienpolitik bzw. Nepotismus ab. Der spätere Papst Gregor IX. (1227–1241) war sein Neffe und wurde während der Amtszeit von Innozenz 1198 Kaplan der Kurie, 1206 Kardinalbischof von Ostia und damit Dekan des Kardinalskollegiums.
Noch 1198 rief Innozenz den Vierten Kreuzzug aus, der allerdings das Heilige Land nie erreichte. Durch die Plünderung von Zadar 1202 und von Konstantinopel 1204 erhielt der Kreuzzug zudem eine große politische Brisanz und innerchristliches Konfliktpotenzial und trug beträchtlich zu dem endgültigen Schisma zwischen katholischer und orthodoxer Kirche bei.
Innozenz betrieb die Politik seines Vorgängers weiter, eine Vereinigung der sizilischen Königskrone mit der des Heiligen Römischen Reiches zu verhindern. Eine solche Vereinigung hätte eine Umklammerung des Kirchenstaats bedeutet. Nach dem Tod des römischen Kaisers und sizilischen Königs Heinrich VI. verhandelte er mit dessen Witwe Konstanze von Sizilien – der eigentlichen Erbin des Königreichs – über die Anerkennung ihres dreijährigen Sohnes Friedrich als Mitregent und Thronerbe; sein Vorgänger Coelestin III. hatte die Herrschaft Konstanzes mit Heinrich nie anerkannt. Als eine Bedingung für die Anerkennung Friedrichs setzte Innozenz durch, dass Konstanze für Friedrich auf die römische Königskrone verzichtete; Friedrich war 1196 vivente imperatore gewählt, aber nicht gekrönt worden. Daneben musste Konstanze auch die Lehenshoheit des Papstes über Sizilien akzeptieren, nach ihrem Tod im November 1198 übernahm Innozenz als Regent für Friedrich die Herrschaft über das Königreich.
Im Reich kam es, nachdem Friedrich seine Ansprüche aus der Königswahl 1196 nicht durchsetzen konnte, zu einer Doppelwahl des Staufers Philipp von Schwaben und des Welfen Otto IV., was den Deutschen Thronstreit auslöste. Innozenz schlug aus den römisch-deutschen Streitigkeiten zwischen Welfen und Staufern Kapital, er sicherte sich Ländereien für den Kirchenstaat und bestand darauf, dass der Papst darüber entscheide, wer zum Kaiser gekrönt werde, und ihm daher auch ein Mitwirkungs- und im Falle des Thronstreits ein Entscheidungsrecht bei der Königswahl zukäme (Dekretale Venerabilem 1202). Innozenz’ Auffassung war, dass der Papst nur jemanden zum Kaiser krönen könne, den er als würdig befinde. Entsprechend könne auch nur derjenige König werden, den er für das Amt des Kaisers als würdig empfindet (Päpstliche Approbation). Bereits 1199 ergriff Innozenz zugunsten Ottos Partei, der ihm im Gegenzug Schutz versprach. Ab etwa 1203 konnte sich jedoch Philipp im Reich zunehmend militärisch durchsetzen, weshalb Innozenz mit Philipp über einen Ausgleich verhandelte. Mit dessen Ermordung wurde dieser Ausgleich allerdings hinfällig und Otto war alleiniger römischer König. Am 4. Oktober 1209 krönte Papst Innozenz Otto in Rom zum Kaiser.
Als Otto im Jahr 1210 jedoch sein Schutzversprechen brach und Teile des Kirchenstaates eroberte, sprach Innozenz den Kirchenbann über ihn aus und unterstützte die staufische Partei im Reich. Auf seine Anregung trafen sich die deutschen Fürsten der staufischen Partei im September 1211 in Nürnberg, wo sie Friedrich II. erneut zum König wählten. Friedrich konnte sich in der Folgezeit im Reich durchsetzen und dankte dem Papst seine Initiative mit der Goldenen Bulle von Eger, die den Kirchenstaat in seiner bestehenden Form rechtlich anerkannte. Um die Vereinigung der sizilischen mit der römischen Königskrone weiterhin zu verhindern, war Bedingung Innozenz für die Unterstützung Friedrichs, dass dieser die Herrschaft über Sizilien an seinen Sohn Heinrich abgab und den Minderjährigen unter die Regentschaft von dessen Mutter Konstanze von Aragón stellte. Friedrich brach allerdings dieses Versprechen nach seiner Bestätigung durch das Vierte Laterankonzil und dem Tod Innozenz’, als er selbst die Herrschaft über Sizilien wieder übernahm und Heinrich zum römischen König wählen ließ.
Durch sein europaweites Engagement für die Stärkung der Kirche hatte es Innozenz bis 1212 zum Oberlehnsherrn von Aragon, Portugal, Sizilien, Bulgarien und sogar England gebracht. Die Magna Charta erklärte er am 24. August 1215 für nichtig und stellte jedem, der sie befolgte, die Exkommunikation in Aussicht. Innozenz befürwortete die Kreuzzüge und verfolgte eine Politik der Förderung und Integration neu gegründeter und zeitweise häresieverdächtiger Orden, etwa der Humiliaten, Dominikaner und Franziskaner; die Brüder vom Orden des Heiligen Geistes erfreuten sich seiner besonderen Gunst.