Als Inka (Plural Inka oder Inkas) wird eine indigene urbane Kultur in Südamerika bezeichnet. Oft werden als Inka auch nur die jeweiligen herrschenden Personen dieser Kultur bezeichnet. Sie herrschten vom 13. bis zum 16. Jahrhundert über ein weit ausgedehntes Reich von über 200 ethnischen Gruppen, das einen hohen Organisationsgrad aufwies. Zur Zeit der größten Ausdehnung um 1530 umfasste es ein Gebiet von rund 950.000 Quadratkilometern, sein Einfluss erstreckte sich vom heutigen Ecuador bis nach Chile und Argentinien; ein Gebiet, dessen Nord-Süd-Ausdehnung größer war als die Strecke vom Nordkap bis nach Sizilien. Entwicklungsgeschichtlich sind die Inka mit den bronzezeitlichen Kulturen Eurasiens vergleichbar. Das rituelle, administrative und kulturelle Zentrum war die Hauptstadt Qusqu (Cusco) im Hochgebirge des heutigen Peru.
Ursprünglich war mit dem Begriff „Inka“ die Bezeichnung eines Stammes gemeint, der nach eigener Auffassung dem Sonnengott Inti entstammte und die Umgebung Cuscos besiedelte. Seine herrschende Sippe fungierte später als Adel des gleichnamigen theokratischen Reiches. Aus ihr rekrutierten sich der Klerus und die Offiziere der Inka-Armee. Sapa Inka („einziger Inka“) war der Titel des Inka-Herrschers des Tawantinsuyu („Land der vier Teile, Reich der vier Weltgegenden“ – so die Selbstbezeichnung des Reiches).
Trotz einer städtischen Kultur und der bekannten steinernen Monumente war die Inka-Kultur eine vorwiegend bäuerliche Zivilisation, die in einer jahrtausendealten Kulturlandschaft auf teilweise bereits seit Generationen entwickelten Agrar-, Kultur- und Herrschaftstechniken basierte, und die nur einer sehr kleinen, aristokratischen Herrschaftselite einen aufwändigen, städtischen Lebensstil ermöglichte.
Die Legitimität ihrer Macht beruhte nicht zuletzt darauf, Tribute und Arbeitsleistungen der ansonsten wirtschaftlich weitgehend autarken bäuerlichen Gemeinschaften zur Versorgung der von ihnen beherrschten Bevölkerung in den klimatisch, topographisch und vegetativ radikal unterschiedlichen Umweltzonen, zur Überbrückung bei den häufigen Überschwemmungen, Dürre- und anderen Katastrophen sowie für die Versorgung der Heere bei den häufigen Kriegszügen umzuverteilen. Zeichen von Mangel- oder gar Unterernährung während der Inka-Periode waren bei einer Studie an keinem untersuchten Leichnam festzustellen.
Die Inka sprachen Quechua (runa simi = „Sprache der Menschen“), verwendeten die Knotenschrift Quipu (Khipu) und die Tocapu-Muster, die in Textilien gewebt wurden. Nach neuen Erkenntnissen handelt es sich bei den Quipus um zwei verschiedene Schriftsysteme: eines zur zahlenmäßigen Erfassung von Mengen von Lagerbeständen, Menschen, Tieren, Pflanzen und Ländereien, und ein phonetisch orientiertes System für Nachrichtenverkehr, wie beispielsweise Briefwechsel.
Da die Inka kein Geld kannten, kannten sie auch keine Steuern im europäischen Sinn. Stattdessen entwickelten sie einen Beamtenstaat, der durch umfangreiche, exakte, statistische Aufzeichnungen alle Leistungen und Bedürfnisse, alle Ressourcen, Tributverpflichtungen und ihre Verteilung festsetzte und aufeinander abstimmte. Die für den Staat bestimmten Leistungen wurden deshalb durch streng im Kollektiv organisierte Arbeiten erbracht: Ein Drittel ihrer Arbeitszeit hatte die Bevölkerung für Inti, den Sonnenkult, ein weiteres Drittel für den Inka, also die herrschende Aristokratie und das Militär zu arbeiten. Das letzte Drittel ihrer Arbeitszeit ging zu Nutzen des Unterhalts ihrer Familie, der Alten, Kranken, Witwen, Waisen und Hilfsbedürftigen. Adel, Beamte und Priesterschaft verfügten über Privilegien, waren vom Feld- und Militärdienst und von jeglichen Staatsabgaben befreit. Der Adel durfte goldenen Schmuck tragen. Während Bauern etwa mit Erreichen des zwanzigsten Lebensjahrs zum Eingehen einer monogamen Ehe verpflichtet waren, durften männliche Adlige in Vielehe leben.
Die Inka-Herrscher und insbesondere ihre Ahnen wurden neben dem Sonnengott Inti, dem Schöpfergott Viracocha und der Erdgöttin Pachamama als göttlich verehrt. Während allen übrigen Männern ausdrücklich verboten war, ihre Schwester, Mutter, Cousine, Tante oder Nichte zu heiraten, heiratete der Inka-König bei seinem Amtsantritt in Anspielung auf seine mythische Herkunft seine Schwester, die damit zur Quya (Coya), zur Königin wurde. Der Sapa Inka heiratete in der Regel neben seiner Schwester auch die Töchter wichtiger Fürsten der unterworfenen Gebiete. Sein zukünftiger Nachfolger wurde vom Inka nur unter den Söhnen der Coya ausgewählt, wobei er von zwanzig als Räte bezeichneten Verwandten beraten wurde und der Erstgeborene keinen höheren Anspruch auf die Nachfolge hatte.
Der Sapa Inka reiste in einer Sänfte durch sein Reich. Vor ihm durfte man nur barfuß erscheinen. Selbst höchste Würdenträger hatten sich dem Monarchen zum Zeichen ihrer Demut mindestens mit einer symbolischen Last zu nähern. Der Sapa Inka nahm bei Audienzen eine demonstrative Teilnahmslosigkeit ein, indem er seine Gesprächspartner nicht direkt ansprach. Er verbarg seine Person hinter einer Wand oder sein Gesicht hinter einem kostbaren Stoff. Auf dem Kopf trug er als Zeichen seiner königlichen Würde die Maskaypacha oder Maskapaycha, ein Band, das mit dem purpurroten Llawt’u (Llautu), einer langen Stirnquaste, versehen war. Seine kunstvoll gefertigten Gewänder trug er jeweils nur einmal. Die getragene Kleidung wurde ebenso wie seine Speisereste sorgfältig gesammelt und jährlich anlässlich einer großen Feier verbrannt.
Die frühesten schriftlichen Quellen für die Geschichte der Inka sind die spanischen Konquistadoren, die von ihren Beobachtungen bei der Ankunft in Peru berichten. Missionare und Chronisten zeichneten die mündlichen Überlieferungen der Inka auf. Besonders wichtig sind die umfangreichen Werke zweier peruanischer Chronisten, die wenige Jahrzehnte später schrieben: Inca Garcilaso de la Vega (1539–1616) und Waman Puma de Ayala (geboren um 1540, verstorben um 1615). Diese Aufzeichnungen geben das Selbstbild der Inka wieder, nachdem sie durch Taktik und Eroberungen zum dominanten Stamm in den Anden aufgestiegen waren. Auch die bereits im Inkareich praktizierte Unterdrückung der Erinnerung an die andinen Vorgängerkulturen wird in diesen Chroniken nachvollzogen. Über die ersten acht Inka-Herrscher bis Huiracocha Inca gibt es nur ungenaue Angaben, wobei sich zudem Geschichtliches mit Mythologischem vermischt. Erst zu Beginn des 15. Jahrhunderts mit der Regierungszeit des Inka Pachacútec Yupanqui, der als eigentlicher Architekt des Großreichs gilt, setzt eine verlässlichere Geschichtsschreibung ein. Das daraus gewonnene Bild muss mit den Erkenntnissen der Archäologie ergänzt und verglichen werden, wobei es zu Spannungen kommt. Während die ältere Geschichtsschreibung den Angaben der Chronisten relativ eng folgte, besteht heute eher die Tendenz, die Erzählungen der Chronisten kritischer zu hinterfragen und ihre subjektiv gefärbten Narrative stärker zu gewichten. Unter Heranziehung archäologischer Befunde kommt etwa der finnische Forscher Martti Pärssinen zu der Ansicht, die bisher angenommene Chronologie des Inkareiches müsse hinterfragt und wahrscheinlich zum Teil revidiert werden. Stets ist zu berücksichtigen, dass sämtliches überliefertes Wissen von den Inka aus dem Kontext der bereits von der spanischen Eroberung geprägten Welt stammt und keine schriftlichen Quellen existieren, die eine authentische Stimme aus der Inkakultur vor der Conquista repräsentieren.
In der Mythologie der Inka gibt es mehrere Legenden über ihre Entstehung. Die bekannteste wurde von Inca Garcilaso de la Vega überliefert, einem nach Spanien übergesiedelten Mestizen, dessen Mutter aus dem Inka-Herrscherhaus stammte und der Zugang zu vorhispanischen Überlieferungen besaß. Ihm zufolge sollen der erste Inka Manco Cápac, der Sohn der Sonne, und seine Schwester Mama Ocllo vom Sonnengott Inti gesandt worden sein, um die Welt zu verbessern. Auf der Sonneninsel im Titicacasee, nach anderen Mythen in der Höhle Paritambo, kamen sie auf die Welt. Der Sonnengott gab ihnen einen goldenen Stab mit. Sie sollten ihren Wohnsitz dort gründen, wo es ihnen gelang, ihn mit einem Schlag in die Erde zu treiben. Nach langer Wanderung fanden sie eine Stelle und gründeten dort die Stadt Qusqu (Cusco), die nach dem Verständnis der Inka der „Nabel der Welt“ war.