Ingrid Noll (* 29. September 1935 in Shanghai; verheiratete Ingrid Gullatz) ist eine deutsche Schriftstellerin. Sie gilt als eine der erfolgreichsten deutschen Krimi-Autoren der Gegenwart. Ihre Bücher wurden in 27 Sprachen übersetzt.
Ingrid Noll wuchs zusammen mit drei Geschwistern (zwei Schwestern und einem Bruder) als Tochter des wohlhabenden deutschen Arztes Kurt Noll (1900–1955) und seiner Ehefrau Gertrud Noll, geb. Schaub (1901–2007) in Nanjing auf. Dort wurden sie und ihre Geschwister von den Eltern unterrichtet. 1949 kehrte die Familie mit dem letzten Schiff aus Nanjing nach Deutschland zurück. In Bad Godesberg besuchte Noll bis 1954 ein katholisches Mädchengymnasium (damals Studienanstalt St. Antonius, heute Clara-Fey-Gymnasium). Ihr Berufswunsch, Journalistin zu werden, endete mit einem Vorstellungsgespräch bei Time Life abrupt. Darauf begann sie ein Lehramtsstudium an der Universität Bonn in Germanistik und Kunstgeschichte ohne Studienabschluss.
1959 heirateten Ingrid Noll und der Arzt Peter Gullatz. Der Ehe entstammen drei Kinder – ein Sohn ist der Film- und Theaterkomponist Biber Gullatz. Der Schauspieler Kai Noll ist ein Neffe, die Filmwissenschaftlerin Christine Noll Brinckmann eine jüngere Schwester. Der Diplomat Werner Noll (1929–2012) war ihr Bruder. Ihr Ehemann starb im Jahr 2021.
Vor ihrer Schriftstellerkarriere versorgte Ingrid Noll ihre Kinder und den Haushalt, arbeitete in der Praxis ihres Ehemannes mit, betreute ihre Mutter, die 106 Jahre alt wurde, und begann in der wenigen verbliebenen Zeit das Schreiben. Nachdem die Kinder das Haus verlassen hatten, erschien 1991 ihr Debütroman Der Hahn ist tot. Der Roman wurde auf Anhieb ein großer Erfolg. Im Mittelpunkt ihrer Werke stehen Frauen verschiedenen Alters, die sich auf unkonventionelle Weise ihrer Ehemänner oder Liebhaber entledigen.
Ingrid Noll lebt in Weinheim an der Badischen Bergstraße. Viele ihrer Kriminalromane spielen im Rhein-Neckar-Raum, z. B. in den Städten Mannheim und Heidelberg.
Am 20. Februar 2025 bekam Ingrid Noll im Rathaus ihrer Heimatstadt Weinheim das Bundesverdienstkreuz mit Urkunde, datiert auf den 24. Juni 2024, von Kunst- und Wissenschaftsministerin Petra Olschowski verliehen.
1994: Friedrich-Glauser-Preis der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur – Das Syndikat für Die Häupter meiner Lieben
2002: Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg
2005: Glauser-Ehrenpreis der Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur – Das Syndikat „für besondere Verdienste einer Person um die deutschsprachige Kriminalliteratur“
2016: „Ehrenkommissarin“ der Bonner Polizei
2019: „Ehrenkriminalhauptkommisarin“ der Mannheimer Polizei
2023: Ehrenbürgerin von Weinheim
2024: Bundesverdienstkreuz am Bande
Der Hahn ist tot. Roman. Diogenes, Zürich 1991, ISBN 3-257-22575-X.
Die Häupter meiner Lieben. Roman. Diogenes, Zürich 1993, ISBN 3-257-22726-4.
Die Apothekerin. Roman. Diogenes, Zürich 1994, ISBN 978-3-257-23896-9.
Der Schweinepascha. In 15 Bildern. Kinderbuch. Diogenes, Zürich 1996, ISBN 3-257-23298-5.
Kalt ist der Abendhauch. Roman. Diogenes, Zürich 1996, ISBN 3-257-23023-0.