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Ingmar Bergman

Schwedischer Drehbuchautor und Regisseur (1918–2007)

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[ˌiŋːmaɾ ˈbæɾːʝman] (* 14. Juli 1918 in Uppsala; † 30. Juli 2007 auf Fårö) war ein schwedischer Drehbuchautor und Film- und Theaterregisseur. Da er oft in seiner Entwicklung Theater und Film fast parallel bearbeitete, waren sowohl die Bühne als auch der Film wechselseitig Impulsgeber für das jeweils andere Medium. Im Jahr 1997 wurde Bergman bei den Filmfestspielen in Cannes als „Bester Filmregisseur aller Zeiten“ geehrt.

In seinen Arbeiten, vor allem den Filmen, ist ein deutlicher autobiografischer Einfluss zu erkennen. Die Mehrzahl seiner Filme sind der Gattung des Filmdramas zuzurechnen, er drehte aber auch Komödien und Dokumentationen. In seinen Filmdramen thematisierte er häufig existenzielle Themen wie den Tod, die Suche nach Gott, die Einsamkeit des Menschen und zwischenmenschliche Beziehungen. Seine Filmsprache zeichnete sich unter anderem durch lange Naheinstellungen und eine spezielle Lichtsetzung aus, die er zusammen mit seinem langjährigen Kameramann Sven Nykvist entwickelte. In dramaturgischer Hinsicht sind oft Rückblenden enthalten. Die mitunter direkte Darstellung von Sexualität führte in den 1950er- und 1960er-Jahren wiederholt zu Problemen mit der Zensur und verhalf unter anderem dem Film Das Schweigen zu einem Skandalerfolg. Weitere namhafte Werke sind Das siebente Siegel, Wilde Erdbeeren, Persona, Szenen einer Ehe sowie die drei Oscar-prämierten Filme Die Jungfrauenquelle, Wie in einem Spiegel und Fanny und Alexander.

Ingmar Bergman wuchs in einem evangelischen Pfarrhaus auf. Er wurde als mittleres von drei Kindern des lutherischen Pastors Erik Bergman (1886–1970) und dessen Frau Karin, geb. Åkerblom (1889–1966), in Uppsala geboren und streng religiös erzogen. Der ältere Bruder Dag wurde später Diplomat, die jüngere Schwester Margareta Schriftstellerin. Seine Beziehung zu den Eltern war sehr konfliktgeladen. Bei Ungehorsam wurde er mit dem Rohrstock gezüchtigt oder mit Einsperren in der Garderobe bestraft. Diese Erlebnisse verarbeitete Bergman Jahre später in Filmen wie Die Hörige (1944), Die Stunde des Wolfs (1968) oder Von Angesicht zu Angesicht (1976).

Schon in jungen Jahren kam Bergman mit dem Medium Film in Berührung: Sein Vater nutzte während des Religionsunterrichts zur Veranschaulichung eine Laterna magica. Als er zehn Jahre alt war, bekam sein Bruder einen Kinematographen geschenkt. Bergman erwarb den Apparat im Tausch gegen einhundert Zinnsoldaten und kaufte von seinem Taschengeld Filme für das Gerät. Auch nahm ihn seine Großmutter regelmäßig ins Kino mit. Später entwickelte Bergman eine Begeisterung für die Stummfilmregisseure seiner Heimat, vor allem für Victor Sjöström.

Mit etwa 16 Jahren begann Bergman sich intensiv mit dramatischer Literatur zu beschäftigen; besonders die Werke von August Strindberg hatten einen starken Einfluss auf ihn. Im Keller des Stockholmer Wohnhauses Storgatan Nr. 7 studierte Bergman seine ersten Stücke ein. 1938 begann Bergman ein Studium der Literaturgeschichte an der Stockholmer Universität, das er aber nicht beendete. Im selben Jahr wurde er Mitglied im Ensemble des Amateurtheaters im Mäster Olofsgården,

1999 berichtete Bergman, dass er in seiner Jugend, nicht zuletzt beeinflusst durch sein rechtes, antikommunistisches Elternhaus, ein Bewunderer Adolf Hitlers und des Nationalsozialismus gewesen sei: „Unser Geschichtslehrer verehrte ‚das alte Deutschland‘, unser Gymnastiklehrer besuchte jeden Sommer Offizierstreffen, einige der Pastoren in der Gemeinde waren heimliche Nazis und die engsten Freunde der Familie drückten starke Sympathien für das ‚neue Deutschland‘ aus […] Als die Tore der Konzentrationslager geöffnet wurden, habe ich zuerst meinen Augen nicht getraut … Als die Wahrheit ans Tageslicht kam, war das ein furchtbarer Schock für mich. Auf brutale und gewalttätige Weise wurde ich plötzlich meiner Unschuld beraubt.“ In seiner Autobiografie schreibt er dazu: „Der Glanz an der Oberfläche hat mich geblendet und ich habe das Dunkle nicht gesehen.“ Seine Schlussfolgerung: „Nie mehr Politik!“ Ein Versuch der Bewältigung findet mit Das Schlangenei von 1977 statt.

1940 schloss er sich dem Stockholmer Studententheater („Studentteatern“) an, in dem auch seine zukünftigen Hauptdarsteller Birger Malmsten und Erland Josephson mitwirkten. Er verfasste eigene Theaterstücke, von denen das erste 1942 öffentlich aufgeführt wurde, und begann eine unbezahlte Tätigkeit als Regieassistent an der Königlichen Oper. 1941 leitete er im Stockholmer Bürgerhaus neben einem Kindertheater das Medborgarhuset (Bürgerhaus), wo er August Strindbergs Gespenstersonate inszenierte. Einer der Darsteller war Gunnar Björnstrand, der bis in die 1970er Jahre hinein zu seinen Stammschauspielern gehören sollte. 1943 inszenierte er mehrere Stücke am Stockholmer Dramatikerstudion, wo er erstmals mit Anders Ek arbeitete.

Frühwerke und erste Erfolge: 1944–1955

Anfang der 1940er Jahre erhielt Bergman eine Anstellung als Drehbuchautor für die Produktionsgesellschaft Svensk Filmindustri, die durch seine Theaterstücke auf ihn aufmerksam geworden war. Das erste Drehbuch Bergmans, das verfilmt wurde, war Die Hörige (1944), inszeniert von Alf Sjöberg. Im selben Jahr nahm er die Stelle des Theaterchefs im Stadttheater in Helsingborg an und war damit landesweit der jüngste seiner Zunft. Ein Jahr später erhielt Bergman die Gelegenheit, selbst Regie bei einem Film zu führen. Die Vorlage zu seinem Debütfilm Kris stammte jedoch nicht von ihm, sondern basierte auf einer populären Theatervorlage. Kris startete 1946, fand aber weder sein Publikum noch großen Zuspruch bei der Kritik.

In der Folgezeit pendelte Bergman zwischen Aufträgen für Svensk Filmindustri und dem unabhängigen Produzenten Lorens Marmstedt. So entstanden unter anderem Es regnet auf unsere Liebe (1946), Musik im Dunkeln (1948) und Gefängnis (1949). Die Filmhistoriker Ulrich Gregor und Enno Patalas sahen als gemeinsames Thema dieser frühen Arbeiten junge Paare, die sich gegen den „feindlichen Zugriff der Umwelt“ wehren und deren Liebe „zwischen äußeren Widerständen und dem Unvermögen der Liebenden selbst“ zerrieben wird. Bergman, der zu dieser Zeit noch zu keinem eigenen Stil gefunden hatte, lehnte sich, neben dem von ihm geschätzten schwedischen Stummfilm, formal an den Poetischen Realismus, den Neorealismus und sogar den Film noir an.

Während Musik im Dunkeln kommerziell erfolgreich war, fiel Gefängnis durch und beendete Bergmans Zusammenarbeit mit Marmstedt. Dennoch war Gefängnis insofern von Bedeutung, als Bergman hier erstmals eine eigene Vorlage verfilmte und Fragen „nach der Position des Menschen in der Welt, nach dem Sinn seiner Existenz, nach Gott stellte“ (Rune Waldecrantz). In dieser Zeit war Bergman auch als Regisseur am Stadttheater in Göteborg angestellt, wo er, neben eigenen Stücken, Klassiker wie Macbeth oder, mit großem Erfolg, Albert Camus’ Caligula auf die Bühne brachte. In dieser Zeit lernte er die Möglichkeiten eines Theaters richtig zu nutzen, mit voller Wucht, oder äußerster Sparsamkeit die Aufmerksamkeit des Publikums auf wesentliche Dinge zu lenken.

Beginnend mit dem Ehedrama Durst (1949), so Gregor/Patalas, stellte Bergman ältere Paare in den Mittelpunkt seiner Geschichten. In Durst, An die Freude (1950) und Einen Sommer lang (1951) verarbeitete er unter anderem seine gescheiterte zweite Ehe mit Ellen Lundström. Bergman zählte Einen Sommer lang zu seinen wichtigsten Filmen, weil er hier erstmals zu einem eigenen Stil fand: „Ich wusste plötzlich, dass ich die Kamera an die richtige Stelle stellte, dass ich die richtigen Ergebnisse bekam, dass die Dinge stimmten.“ Regelmäßiger Kameramann Bergmans von Ende der 1940er Jahre bis 1960 war Gunnar Fischer (1910–2011), der für seine Porträtfotografie und seine nuancen- und kontrastreichen Schwarzweißbilder gerühmt wurde.

Die von Produktionsstopps und Streiks begleitete Krise des schwedischen Films 1951–1952 unterbrach auch Bergmans Schaffen. Aus finanziellen Gründen nahm er das Angebot an, Reklamefilme für die Seife „Bris“ zu drehen. In einem von ihnen hatte seine spätere regelmäßige Hauptdarstellerin und zeitweilige Partnerin Bibi Andersson ihre erste Filmrolle. Ab 1952 arbeitete Bergman parallel zu seiner Filmarbeit am Stadttheater in Malmö, wo die Zusammenarbeit mit Max von Sydow und Gunnel Lindblom ihren Anfang nahm. Es erfolgte, durch ihn gelenkt, der Aufbau eines „Bergman-Ensembles“, was auch den späteren Filmen außerordentlich zugutekam. In Malmö inszenierte er unter anderem Stücke von Strindberg, Ibsen, Molière und Goethes Urfaust.

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